Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 31 (1.8.1866)
- Date
- 1866-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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566 566 besserung, und aufgeklärte Juden beeilen sich freudig, die ihnen dargebotene Bruderhand zu ergreifen. Die Juden haben sich auch in früheren Zeiten nicht freiwillig abgesondert; sie wurden ausgeschlossen! Ihre Nationalisirung wird noch rascher vor sich gehen, sobald die Schranken ihrer po- Mischen Ausschließung gefallen sink Alles dies liegt in der Natur und Beschaffenheit der vorhandenen Zustände. Neckereien und Sticheleien sind nichtsweniger als geeignet, die bereits in erfreulichem Gange begriffene Entwicklung zu fördern und derselben Vorschub zu leisten, oder der zeitschristlichen Literatur im Vaterlande zur Zierde zu gereichen. 3nlimat Des Königs. Mg. 8(attf)aflerctra(fjes au die Königs. 5chnl-Merdirektionen. ״Es ist unter den gegenwärtigen Umständen kaum zu hoffen, daß die studirende Jugend den Vorträgen mit wachsamer Aufmerksamkeit folgen und mit erwünschtem Erfolge beenden könne. Dieser königl. Regierungssitz hat somit die allsogleiche Beendigung des laufenden Schuljahres resp. bte. Suspendirung der Vorträge angeordnet und fordert Ew. Wohlgeb. auf, die Vorträge an den Mittelschulen, d. i. den Gymnasien und Realschulen, sowie den isr. Hauptschulen und Präparandien schließen zu lassen, und die Klaffenprüfungen, insofern sie noch nicht beendet wären, zu unterlassen. Nur die Maturitätsprüfungen werden überall vollstänbig zu beenden sein und in diesem Sinne müssen die betrefsenden Schuldirektoren hiervon ohne Verzug in Kenntniß gesetzt werden. Ofen, 11. Juli 1866. Von dem kön. ung. Statthaltereirathe. M Albert Kasics. Alerander Jagacsics." Nur infoferne dieses Jntimat die jüdischen Hauptschulen betrifft, kann es Gegenstand unserer näheren Betrachtung sein. In dieser Rücksicht ist es uns auffallend geung, daß das Jntimat von einer Voraussetzung ausgeht, die mit der Wirklichkeit nicht, übereinstimmt. Die tetrachotomische Eintheilung der Mittelschulen in Gymnasien/ Realschulen, israelitische Hauptschulen und Präparaudieen (Lehrerbildungsanstalten) setzt nämlich voraus, daß die israelitischen Hauptschulen zu den Mittelschulen und mit den Gymnasien und Realschulen in eine Kategorie gehören; dies ist aber bekanntermaßen nicht der Fall! Die jüdischen Schulen zu Arad und Groß-Kanizsa haben zwar einige Nealklaffen, und diese Klassen nennen sich auch Realschulen. Den israelitischen Hauptschulen als solchen wird aber nur der den Charakter von Mittelschulen beilegen können, der von der bestehenden Schnlversassung keinen klaren Begriff hat. In dem ungarischen Originale des Jntimates springt das Befremdliche der vorliegenden Ein» theilung noch mehr in die Augen. In der ungar. Amtssprache heißen nämlich die Hauptschulen: Fö e 1 e m i tanodak d. h. Häuptelementarschulen. Hier drückt eö also schon der Name aus, daß die vierklassigen Volksschulen nicht zu den Mittel-, sondern zu den Elementarschulen gehören. Manche Leser "werden vielleicht geneigt sein, diese Bemerkung für eine bloße Wortklauberei zu halten. Mit Unrecht. Die logische Analyse der' besprochenen Stelle führt zu der Einsicht, daß hier ein Mtßverständniß obwalten müsse. Wir wollen versuchen, über dasselbe einiges Licht zu verbreiten. Das Jntimat, das an die Distrikts-Schuloberdirektoren gerichtet ist, spricht von katholischen und jüdischen Schulen. Da nun die Katholiken Ungarns eine sehr "große Zahl von Hauptschulen (toölkrmitanoääk) besitzen, so kann man sich der Frage nicht entschlagen: Wie kommt es, daß nur die israelitischen, nicht aber die katholischen Hauplschulen nahmhaft gemacht werden? Warum will das Jntimat die israelitischen und nicht auch die katholischen Schulen gesperrt wissen? Weshalb wird diesen weniger Sorgfalt geschenkt, als jenen? Dieses Räthsel läßt nach unserm unmaßgeblichen Dafürhalten nur Eine Lösung zu. Das Jntimat nimmt — allerdings irrthümlich -- au, daß die israelitischen Hauptschulen nicht mit ihren katholischen Schwestern, sondern mit den Realschulen in eine Kategorie, und daher in die Reihe der Mittelschulen gesetzt werden müssen. Hieraus erklärt sich von selbst, weshalb'die katholischen Schulen mit Stillschweigen übergangen sind. Das Jntimat führt nämlich zu seiner Begründung nur Ein Motiv an. Es ist, sagt dasselbe, unter den gegenwärtigen Verhältnissen'kaum Hoffnung vorhanden, daß die Schuljugend den Vorträgen mit wachsamer Aufmerksamkeit folgen, und ihre Studien mit erwünschtem E - folge beenden werde. Nun liegt es auf der Hand, daß die hier ausgesprochene Besorgniß nur in Ansehung der reiferen Jugend, nicht aber in Ansehung der sechs- bis zehnjährigen Kinder gehegt werden könne, welche die Hauptschulen besuchen. Die jüdischen Hauptschulen wären daher ohne Zweifel ebenso unerwähnt geblieben, wie die katholischen, wenn nicht über Einrichtung und Umfang dersebe» ein Jrrthnm vorgewaltet hätte, der daS Bedenken anfkommen ließ, daß die Zeitereiguisse auch ans die Zöglinge dieser Schulen zerstreuend einwirken, und dieselben verhindern könuten, ihren Studien mit der erforderlichen Aufmerksamkeit obzuliegen. Wir machen uns sicherlich keiner Uebertreibung schuldig, indem, wir es ohne Rückhalt aussprechen, daß die angeordnete Schnlsperre in den jüdischen Gemeinden wahre Beftürzung hervorgerufen hat. In den jüdischen Schulen wird das Schuljahr unmittelbar vor oder nach dem jüdischen Ne!!- jahr geschlossen. An manchen Orten geschieht dies sogar:erst׳ nach dem Versöhnungstage*). Die Unterrichtszeit soll also in diesem Jahre ungefähr um zwei Monate vermindert werden! Man braucht die Fürsorge jüdischer Eltern für U)u׳ Kinder nur einigermaßen zu kennen , um den Eindruck zu beurtheilen, den eine solche Verminderung der Unterrichtszeit auf ihr elterliches Herz machen mnß. In dieser gesteigerten Fürsorge liegt durchaus nichts Separatistisches. Auch sind *) Zu gleicher Zeit mir den katholischen Volksschulen schließen daö Schuljahr die Musterhauplschnlni und die Normalhanplschule in Pest. 31 *