Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 30 (25.7.1866)
- Date
- 1866-07-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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555 556 Trtrcme zu bewirken. Endlich forderte er noch, daß ihm ein Kollege von gleicher Gesinnung beigegeben werde, mit dem er Hand in Hand die Vermittlung der Parteien bewerkstelligen könnte. Herr Dr. Aub hat ein angenehmes Organ, wenngleich der süddeutsche Dialekt, namentlich in der Aussprache des Hebräischen» dem Ohre des Norddeutschen fremd klingt. Herr Dr. Simon Nascher, de» der Verein ״Schochare-Hattob" zu seinem Prediger wählte, predigt in der Synagoge dieses Vereins im Sinne der Orihodorie. Wenn jedoch ein Korrespondent der ״A. Z. d. I." von der Konstitution der orthodoxen Partei zu einer besonder» Gemeinde spricht, so weiß man hier nichts davon, und der Berichterstatter lischt wieder einmal seine Vermuthungen als bare Wahrheiten auf. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir einen erfreulichen Fortschritt innerhalb der sogenannten Orthodoxie konstatire». Die Synagoge des genannten Vereins hat aiigefangen, sich einen ״HumanilätStewpel" zu nennen. Wenn drr Name freilich unglücklich genug gewählt ist, da er keinerwegS ein Tempel der Humanität ist und er wenigstens HumanitätSvereinstempel hätte heißen sollen, so ist die sonst perhorreszirte Bezeichnung Tempel charakteristisch genug für ein Bethaus, worin kein Tireichen der Piiiutim und ihrer Abarten ausgelassen werden darf, wo die Häufung von Mi-schebberach und El-male rachamim nach alter guter Sitte den Besuchern Zeit gibt, sich über die Tagesereignisse auszusprechen. Wie es aber mit der Orthodoxie aussieht, die in den Mitgliedern vertreten sein soll, ob mit den alten אהבה ,יוצרות und ולת) an den Sabbatheu und Festen auch die Sabbath- und Festweihe nach alter Weise gewahret wird, — das ist eine Frage, deren Lösung nicht eben vroblematisch ist. Lassen Sie mich darüber lieber den Deckmantel der Verschwiegenheit treiben! Gleichzeitig möchte ich mir noch erlauben, den Herrn Dr. Sonneschein darauf aufmerksvm zu machen, in seinen homiletischen Briefen doch vor Allem den Herren Predigern ans Herz zu legen, daß sie die hebräische Sprache studiren und nicht glauben möchten, sie hätten sich ihrer Pflicht erledigt, wenn sie den hebräischen Vers in der erbärmlichsten Weise, in unrichtiger Aussprache und mit verkehrter Betonung hersagen können. Die Herren gebrauchen den Kunstgriff, dem Publikum zu imponiren, indem sie die Bibelstelleu auSwendig sprechen, die dann in der Regel falsch rezitirt werven. Belieben die Herren, sich orthodox zu heißen, so müßten sie ja den Ausspruch nicht außer Acht lassen: דברים שבכתב אי אתה רשאי לאמרם בעל פה; wo nicht, so ist jedenfalls die Rücksichtslosigkeit gegen die Gemeinde UN« verzeihlich, wenn man in hohlem Dünkel voraussetzt, daß kein einziger der Hörer hebräisch versteht, und Niemandem die arge Verstümmelung ausfallen wird. Wahrhaftig, ein Sachs hat die biblischen Verse wol gut auswendig gekonnt, wie Einer, und dennoch hat er sie aus der Bibel abgelesen. Aber der Dünkel und die Selbstüberschätzung und die Unterschätzung Anderer wuchern eben in den hohlen Köpfen. Schließlich möchte ich noch den Herren Predigern rathen, die Konkordanz des Hrn.DrS Fürst mit größter Behutsamkeit zu gebrauchen, wenn sie in ihren Reden die Definition eines Wortes zit stützen vermeinen, indem sie Nachweisen, daß dieses an einer bestimmten Stelle zuerst erscheint. Eine hiesige 81ז<1»^שבועות brach unter der morschen Stütze zusammen. Wie flüchtig jene Fürst'sche Arbeit ist, zeigt nicht blos eine Anzahl von fehlenden Versen, sondern auf eine eklatante Weise die Erklärung von מתרפקת על דורה, wo דורה als Tante aufge, faßt wird! A. F. Szentes, 22. Juli. Am IS. Juli wurde in der hiesigkli Synagoge ein TrauergotteSbienst für den sei. R. Juda Aßod abgehalten. Unser ehrwürdiger Rabbiner, Herr Dr. Friedmann, der rin Schüler dieses eminenten Talmudisten war, widmete seinem Lehrer' einen meisterhaft auSgesührten Nachruf, der die zahlreich anwesenden Zuhörer zu Thränen rührte. Bei dieser Gelegenheit legte er allen Vätern ans Herz, daß fie ihre Söhne zum Studium der heiligen Schrift anhalren mögen. Seine Rede scheint guten Boden gefunden zu haben, denn es sollen, wie ich höre, ernste Maßregel» getroffen werden, um den hebräischen Unterricht zn heben. In Folge eines Erlasses der hohen Statthalterei mußte auch die hiesige Hauptschule gesperrt werden. H. 8. Erl an, 13. Juli. Unser Rabbiu-r richtete an den Vorstand eiu Schreiben, worin er das veraltete FleischauSschrottungSverbot während der ״neun Tage" aufrecht erhalten wissen wollte. Der Vorstand jedoch erachtete es für zweck- und zeitgemäß, daS Schreiben sammt dem Verbot mit aller Achtung ad acta zu legen. Schulwesen. Pest, 21. Juni. (Die Rcich'schcn Preisfragen. Fortsetzung*). 5) Entspricht die gegenwärtige Schulorganisation in der That nicht vollkommen den gerechten Ansprüchen einer jüdischen Gemeinde. Der bc« stehende Schulplan, ursprünglich für katholische Lehranstalten entworjen, wurde nachträglich zur Richtschnur auch für jüdische Schulen vorgeschrieben, ohne daß'durch entsprechende Modifikationen den speziellen Bedürfnissen derselben in genügender Weise Rechnung getragen worden wäre. ES stellt sich rer Schulplan in zweifacher Beziehung als für isr. Anstalten unbefriedigend heraus. a) In religiöser Beziehung entspricht derselbe nicht, da uns der Katechismus mit dem sonst interessanten Frage und Antwortspiele nicht genügt. Indem sohin die Bibel im Urtexte als Grundlage des ReligionSunterrichteS in der Volksschule schon gehandhabt werden muß, da ein entschieden größeres Zeitausmaß erheischt, als die übrigen Lehrobjekle in ver Elementarschule — so muß nothwendigerweise der ganze Schulplan einer gründlichen Revision unterzogen werden. Die Bibel nebst den hierzu nöthigen grammatikalischen Nebungen und exegetischen Beleuchtungen — diese bildet de» eigentlichen Schwerpunkt der jüdischen Schule **). Eine Vermehrung der täglichen Unterrichtsstunden wäre von pädagogischem Standpunkte aus kaum zu rechtfertigen, wol aber eine Vermehrung der — Schuljahre. b) In bürgerlicher Beziehung ,genügt der Schulplan ebenfalls nicht sonderlich. Die Juden, vorwiegend noch immer den Handel und die Industrie repräsentirend, erheischen natürlich für diese erweitertere Thätigkeitssphäre, die unsere Volksschulen bei ihrer derzeitigen Organisation unmöglich bieten können. Für die Bedürfnisse der christlichen Land-- bevölkerung. die zum großen Theile für den Ackerbau bestimmt ist, genügen ähnliche Leistungen vollkommen; minder befriedigend bleiben diele jedoch für den jüdischen Kaufmann und Industriellen. Die Lehrrr Wiens haben bekanntermaßen bereits vielfach die Motion gestellt, die dortigen Hauptschulen zu sechsklassigen Bürgerschulen zu erweitern. indem die beschränkten Leistungen der ersteren den Bedürfnissen drr Wiener Bürger unmöglich genügen können. Gestehen wirs nur offen, daß, wenn diese Behauptung hinsichtlich der Wiener Bürger eine vollkommen gegründete, selbe es nicht minder ist rücksichtlich unserer Glaubensgenosse» in Ungarn. 6) Das überaus furze Zeitausmaß, das für die Qualifikation zum Lehramte erforderlich, begünstigt gar zu sehr die Konkurrenz auf diesem Gebiete. Lehrerstellen mit 200 fl. jährlichen Geholtes zählen oü ebenso viele Bewerber, und oft kauft man so btllig als möglich, ohne auf die Qualität Rücksicht zu nehmen. In den bisher aufgezählten Momenten dürste meines Dafürhaltens die mißliche Stellung der jüdischen Lehrer vorzugsweise begründet sein. (Forts, folgt.) jj AbvUy, 20. Juli. WaS in der, in der vorigen Nummer des ״B. CH." erschienenen, Abonyer Korrespondenz gesagt wird, ist nicht der Wahrheit entsprechend. Die Gemeinde erhält ihre Schule nach wie vor mit anerkennenswerlher Opserwilligkeit und konnte letztere schon- *) S. die vorige Nummer. **) Es dürfte von mancher Seite die Einwendung erhoben werden, daß die gründliche Kenntniß des Hebräischen in vielen Gemeinde,» gar nicht mehr gefordert wird. Leider nur zu wahr. Allein in diese» Gemeinden ist auch der größte JndifferentiömuS gegen die jüdische Schule, indem deren spezielle Leistlinge» wenig Beachtung finden. Soll jedoch die Stellung des jüdischen Lehrers eine günstige werden, so muß das Interesse fürs Hebräische wieder wachgerufen werden, damit Wertst und Bedeutung der jüdischen Schule so recht in das Volksbewußisei״