Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 30 (25.7.1866)
- Date
- 1866-07-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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553 554 in unser Jahrhundert wurden jüdische Parteien in RechtSsachru an ihr jüdisches Oberhaupt als erste Instanz von der KomitatS-Justiz angewiesen. In der Institution des KomitatSrabbinatS liegt 60 ipso die Nothwendigkeit einer KomitatSvertreturig, in deren Wirkungskreis zunächst die Ausschlagung des Rabbinergehalts und später noch mehr die Repartirung und Eintreibung der in soüdum zu leistenden Toleranzsteuer sielen; überdies war dieselbe Repräsentanz die erweiterte Justizbehörde der gesammten KomitatS-Judenschaft und hatte sich selbe in dieser Eigenschaft viermal des Jahres bei einer jemaligen KomitatS-Kongregation an dem KongregationSoete zu versammeln, um die etwaigen Gravamina durch den Komitais-Judenkommiffär, der gewöhnlich einer der fünf Oberstuhlrichter war, vor das Forum des Komitates zu bringen, oder auch durch denselben Verordnungen zu empfangen. Der Sitz des KomitatSrabbiualS war Taponär, ein Marktflecken, eine halbe Meile von Kaposvär, dem Komitatsort der Somogy entfernt. Hier bildete sich die erste Gemeinde, die jedoch nie mehr als 70 — 80 Familien stark war. KapoSvär war an und für sich ein unbedeutender Flecken, und sein Grundbesitzer Fürst Eßterhäzy, war mit seinem Schutz nicht sehr splendid, und so gab es noch in den 30ger Jahren kaum 10 jüdische Familien in Kaposvär, während iu Taponär der edle Johann FesteticS v. Tolna den ansiedlungswilligen Juden seinen Grund zum Häuseranbau anbot. Hierdurch wurde Taponär, das 32 jüdische Häuser zählte, ein bedeutender Handelsort. Im Jahre 1790 erbaute FesteticS auf eigene Kosten eine anständige Synagoge von gu« tem Materiale, mit vier hoch hinaufragenden Säulen, in der Mitte die Bima einfassenb. Dies besagt eine diesbezügliche Deuktafel: ״Johann FesteticS v. Tolna, unser huldreicher Beschützer, der die vielen biedern. Männer des Landes übertrifft durch Erbauung eines Bethauses der öffentlichen Straße gegenüber, jedem Borübergehende» ins Auge fallend, unwidersprechlich beweisend, Friede sei iu seinen Mauern, Sicherheit in seinen Schlössern", verfaßt von H. Löw Kobn, 30. Mai 1808. Gegenüber dieser Denklafel fällt eine ähnliche Tcmpelreliquie ins Auge, der Name Franz I. glänzt in bescheidenem Rahmen, in welchem ein Gebet für den LandcSvater in, ungarischer Sprache angebracht ist. Es ist dasselbe eine wörtliche Uebersetzung des üblichen הנותן תשועה• Das war vor einem halben Jahrhundert; der heutige Bezirksrabbinec in Kaposvär, zu dem auch die jetzt 'auf 15 Mitglieder zusammengeschrnmpfte Gemeinde Taponär gehört, ist doch der Landessprache unkundig. Der feurige MessiaSeifer in jüngster Zeit hätte uns um das schöne Stück gebracht, weil der Translator Adolf NcuhauS das übliche Schulgebet ״Und nach Zion komme der Erlöser" übergangen hat. Zn derselben Synagoge wird auch ein werthvoller, in weißer Seide gestickter Thoravorhang ausbewahrt, den die hochherzige Gattin des obgenannten׳ Johann FesteticS mit eigener Hand für die Synagoge gearbeitet hat. Um den Bestand der Gemeindeinstitulionen zu sichern, erhielt die Gemeinde zugleich vom mehrmals genannten Grundherrn das Wein- und Branniweinschonk für ewige Zeilen, wofür die übliche Grundsteuer für Gemeindehäuser inbegriffen, jährlich zehn Dukaten, zu entrichten war.. (Fortsetzung folgt.) Ms dem Elaborate der 1mg. Negnikolar-Deputation im Jahre 1825. Von der Steuerpfllchtigkeit sind befreit nicht blos in denKomitalen und Distrikten, sondern selbst in den königlichen Freistädten: §. 9. Tempel, Seelsorgerwohnungen — w e ssen G la u b e n S immerMcu- )ugcunque Religionis) — sowie die hierzu erforderlichen Grundstücke, nicht minder Seminarien und Klöster ..... ." 6. Trivialschulen, d) Gebäude öffentlicher Anstalten. Hierbei ist zu bemerken: die ursprüngliche Fassung: ״quae unius aut alteriua religionis“ ■würbe (164. Sitzung, 3. Jäner 1835) auf Anregung eines Deputirten des Zempliner Komitatö: daß ״Seelsorger" (animarum Curatores) mehr die katholischen zu bezeichnen pflegt, während beispielsweise bitf evangelischen ״Ministri“ betitelt werden . . .״ in ״cuju3cunque Religionis" umgeändert. Ein Beweis, daß hier auch den Akatholischen gebührende Rechnung getragen wurde. Es sind somit nicht blos jüdische Schulen steuerfrei, sondern auch Rabbinerwohnungen von der sogenannten n^onsoriptio" nach ungarischem Rechte ausgenommen. Hinsichtlich der Go t t e sh äu s e r sah sich der ungarische Reichstag — da das »l'ewplaverschiedene Interpretationen zuläßt — zu einer nachträglichen ״Interpretation" an die Negnikolar-Deputatiou veranlaßt, wo es ausdrücklich helft: d) Synagogae Judaeorum, quum §. 9 Instructionis Puncto a) omnia Templa absque restrictione eximenda statuat —e Conscriptione exmittendae erunt“, d. h.: Die Synagogen dev Juden werden — da laut Instruktion des Punktes a) im §. 9. alle Gotteshäuser ohne Unterschied st euerfrei sind — bei Ausnahme der tribuipffichtigeu Gebäude nicht mitgezählt. Ignaz Reich. Korrespondenz. Emanzipation und bürgerliche Verhältnisse. N. Wie»», 17. Juli. Eine große Anzahl israelitischer Solbaren befindet sich in der kaiserlichen Armee. Und wenn auch die Gleich- Mäßigkeit in der Behandlung der wackeren Kämpfer für Kaiser und Vaterland nichts zu wünschen übrig läßt, geben sich doch für die jüdischen Soldaten Bedürfnisse knnd, die nur von Glaubensgenossen erkannr und befriedigt werden können. Zu diesem Behufs wurde hier — fein von jedem Anlaß zu einer Separation und mit ausdrücklicher Verwabrung gegen eine solche Unterstellung — die Errichtung emeS Hilftkomitä für Soldaten isr. Religion angeregt und mit anerkennender Genehmigung des StatS- und KriegSministeriumS auch wirklich ausgeführt. ״In diesem Komitä soll der Assentirle wie der Freiwillige, der Erkrankte, wie der Rekonvaleszent, der Invalide oder der Sterbende, und endlich die Angehörigen der Soldaten,israelitischer Religion einen Beirath und eine Stütze erhalten. Die Negierung hat dem Komitö ihre umfassendste Unterstützung zugesichert. Die Errichtung von Filialen hier und in den dem StatSministerium unterstehenden Ländern ist grstattet. Sammlungen sind bewilligt. Die Führung eines eigenen Siegels hat keinen Anstand." Das Komilä wendet sich nun in einem dieser Tage versendete» Aufrufe an die Israeliten Oesterreichs. ES hofft, dies nicht vergebens zu.thun. Mit Zuversicht erwartet es von Nah und Fern patriotische Gaben. S. Tarnow, 13. Juli. Hier hat sich behufs Sammlung von Geld- und anderweitigen Unterstützungen für Kriegszwecke ein Pa kr iotischeS Komitö gebildet. Dasselbe besteht aus 6 christlichen und l» jüdischen Mitgliedern. Die israelitische Bevölkerung kommt dem Komitä mit anerkennenöwerthem Eifer entgegen. W. G. Gyttla, im Juli. Auch die hiesige isr. Gemeinde hat ihr Opfer ans den Altar des Vaterlandes niedergelegt. Mil patriotisch r Bereitwilligkeit hat sie erklärt, fünf verwundete k. k. österr. Krieger in gänzliche Pflege zu nehmen. Kultus und Kultusgemeinde. R. Berlin, Mitte Juli. Die neuen Gemeindercpräsentauten wurden am 15. Mai in ihr Amt cingeführt, und schon am 34. desselben Monats traten d«e Gemeindebehörden zusammen, um die Wahl eines Rabbiners vorzunehmen, die auf den Herrn Dr. Äub in Main; fiel. Dieser hielt am הלןת 'D 33 ׳ שבת. v. M., seine Antrittsrede, die das Auditorium im Allgemeinen sehr befriedigte. Zum Tert nah»! er die Worte באר הפרוה שרים ff. Schüchtern betrat er die Stätte, von der herab Dr. Sachs eine Reihe.von Jahren das Wort Gottes v'erkündele, um zu einer Gemeinde zu reden, die die hervorragendste sei an Intelligenz auf der ganzen Erde und aus deren Schoß so viele Gelehrte hervorgegangen. Aber gerade dieser Umstand flöße ihm hinwiederum Mnth ein, da eben der Bildungsgrad geeignet fei, sein Ziel zu würdigen und zu unterstützen. Er schilderte dann die drei Glau- . bensschichten im heutigen Judenthume und legte freimüthig sein Be-, kenntniß ab, daß er die Mitte vertrete, so daß er sowol im alten als im neuen Tempel, der nun bald eröffnet werden soll, predigen werden und daß sein Bestreben stets dahin gehen würde, die Aussöhnung dir