Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 30 (25.7.1866)
- Date
- 1866-07-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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551 552 das Volk wird im Allgemeinen reich sein und soll dies eine Vertröstung der Gläubiger sein, die sich fürchten könnten, durch diese Institution zu viel Geld bei ihren Schuldnern zu verlieren. Von VerS 7 ab ist אביון aber konkret und heißt: ״Ein Armer." Einzelne Arme gibt es aber in dem reichsten Lande, darum heißt cs auch ־ ב^הדpnN TlN» pW שעריך um anzuzeigen, daß es dennoch nur wenige Arme geben werde, wenn es auch an denselben niemals ganz fehlen kann. כי לא יהרל אביון ובו׳. Auch bezüglich deS zu Zeiten Josiahs aufgefundenen Buches will ich den verehrten Lesern mein Votum soxuratum abgeben. Da ich beim Vortrage der biblischen Geschichte vor Gymnastalschülern diesen Punkt nicht mit Stillschweigen übergehen darf und kann; so gebe ich seit Jahren den Schülern folgende Erklärung: Der Hohepriester findet bei der Revision des Schatzes ein Buch, das er als das ספר התורה erkennt (2. Kön. 22, 8.) War dies die ganze Thora? Und haben die Andern, die das Buch nicht erkannten, und hat ganz Israel bis dahin von der Eristenz der Thora keine Ahnung gehabt? Ist es möglich, daß Jeremias, die Profetin Huldah und die sonst treu Gebliebenen in Israel die Thora nicht gekannt haben? Ja ist es gar möglich, daß selbst Josiah, der von seinem 8. Lebensjahre, von der Zeit seiner Thronbesteigung bis zum 18., bis zur Zeit der Auffindung dieses Buches, offenbar von Frommen und Gottgetreuen erzogen und geleitet wurde; ist es möglich, daß er von Mosts Lehre bis nun gar nichts gehört hatte? Unmöglich! Doch hier ist durchaus nicht die Rede von der ganzen Thora, sondern blos von einem Theile derselben, welcher, wenn auch weggelassen, dem gesetzlichen Theile der Thora keinen Abbruch thäte, dies ist: vom Kap. 27 des 5. Buches bis Ende. Beweis hiefür ist, daß der König sowol, als auch später die ganze Volks- Versammlung alsbald in Furcht und Schrecken versetzt werden; wie lange müßte man aber in der Thora vom Anfänge lesen, bis Liese Gefühle hervorgerufen werden? Die Annahme der Nabbinen, daß gerade die תוכרזה im Deuteron, aufgeschlagen war, ist nicht stichhältig , denn wer wird denn, um ein ganz unbekanntes Buch kennen zu lernen, bei der zufällig aufgeschlagenen Stelle anfangen? Und wenn dies auch vom ersten neugierigen Blicke anzunehmen; so muß doch berücksichtigt werden, daß die Vorlesung beim Könige nicht mehr der erste Einblick in das Buch war, da nach Kön. 22, 8. schon der Schreiber Safan daraus gelesen hat. Und was ließe sich auf die vor dem Volke gehaltene Vorlesung sagen, wo Kön. 23, 2 ausdrücklich steht, er las ihnen vor רברי ספר הברית? Alle diese Schwierigkeiten sind aber behoben, wenn man annimmt, daß blos dieser Theil gefunden wurde; denn so mußte der König und das Volk die ausgesprochenen Flüche sogleich zu hören bekommen. Auf diesen Theil passen auch die Namen, die dem aufgefundenen Buche beigelegt werden. Kön. 23, 2. heißt ספר הברית und 3 רברי הברית Ehr. 2. 34. 24 heißt es כל ר^לות על הספר und gerabe dieser Theil heißt in der Thora selbst Deuteron. 28. 69. רברי הברית. Wie gerieth aber gerade dieser Theil in Verlust? Hieraus läßt sich einfach antworten: Während der zum Unglücke Judas so lange währenden Regierung Menasses, unter welcher das freie Profetenwort verstummen mußte, von dem der Sage nach Jesaias getödtet wurde und von dem eö heißt Kön. 2t, 16 דם נקי שפך הרבה מאוד und unter seinem noch schändlicheren Sohne Amon konnte es gewiß kein Frommer wagen, die gegen die Abtrünnigen und selbst gegen den König so deutlich ausgesprochenen Flüche abznschreiben; die von den Frommen während eines halben SäkulnmS besorgten Thoraabschriften dürften diesen letzten Theil nicht enthalten und von den aus früherer Zeit vorhandenen mußte dieser Theil, um der so leicht verhängten Todesstrafe zu entgehen, abgetrennt werden; dasselbe geschah, wahrscheinlich von den Augendienern des Königs mit der im Tempel aufbewahrten, von Moses Hand geschriebenen Thorarolle; der anstößige Theil wurde abgerissen und in irgend einen Kasten gelegt, vielleicht in der Absicht, um denselben bei einem sich drehenden Winde wieder zu holen und blieb so vergessen bis unter Josia. Kehren wir wieder zum Thema zurück! Sehen wir einstweilen von den Parschiolh ab! Wie erklären wir uns die Stellen, die offenbar, wenn auch von demselben Verfasser, doch in späterer Zeit in einer und derselben Parschah zugefügt worden sind? Ich will einige Beispiele hier anführen. Lxock. 6a!). 12 von 15—20 ist offenbar erst später nach dem Auöznge hinzugefügt worden; denn von einem siebentägigen Mazzotfeste konnte ja erst nach dem, beim Anszuge vorgekommenen Ereignisse die Rede sein, wäre die Feier im Voraus schon in Egypten angeordnet worden, so wären die Israeliten ja ox officio gezwungen gewesen, Mazzoth zu backen und die Ausdrücke hätten keinen Sinn. Bis zum 15. Vers ist auch blos von der in Egypten zu feiernden letzten Nacht und von dem in der Zukunft zur Erinnerung daran zu begehenden Peßachfeste die Rede; darum heißt es auch blos 21T1 'ור,י הזח לכם לוכרון und nicht שבעת ימים. Eine Auseinander- Haltung der Peßachfeier, d. i. dem Eriunerungsfeste an die unter den Zeremonien פסח מצה ומרור in Egypten begangene ליל שמורים, von dem Mazzothfeste beabsichtigt die h. Schrift ja auch in 3 M. 23. 5 und 6 , wo der 1. Abend בין הערבים blos Peßach und vom Morgen des 15. Tages ab חג המצות genannt wird. So ist es nur zu klar, daß die begrifflich und nicht sächlich geschiedenen Feste in 2. B. nebeneinander gestellt, also das eine später hiuzugefügt wurde. (Siehe meine biblische Gesch. S. 108-110). (S ch l n ß f o l g t.) Sriefe aus der Somogy. K. Ich beabsichtige an diesem Orte den Lesern des ״Ben Chananja" eine kurz skizziere Geschichte der Juden ui Somogy vorzuführen und denke, denselben einen um so angenehmern Dienst zu erweisen als ich bestrebt sei» werde, ans möglichst lauteren Quellen zu schöpfen; und wie ich auf hier und dort ausgezeichnete Daten, dann aufGrabschriften das gebührende Gewicht legen werde, glaube ich auch mannigfachen, noch frischen Sagen die ihnen zukommende Aufmerksamkeit schenken zu müssen. Die Somogy, 200 Quadratmeilcn groß, ohne Städte, ohne KommunikalionSmittel, daher auch ohne Handel und Industrie, lockte die Juden lange Zeit hindurch entweder gar nicht oder nur sehr spärlich an. HieranS ist erklärlich, daß unsere Daten nicht weiter zurück. als auf 150 Jahre reichen und daß selbst die heutige jüdische Bevölkerung sich nicht über 7000 Seelen belaufen dürfte. 150 Familien zählt keine einzige Gemeinde. Die Eiutheilung in 9 Bezirfsgemeinden datirt erst seit 1851. Eine Zeit hindurch, wo weder Gemeinde noch Synagoge vorhanden war, wallfahrte die spärliche Judcnschaft alljährlich.zum Neujahrsfeste nach Rechnitz und nach LovaSberäny; doch das kann nicht lange gedauert haben, denn die Institution des KomitatSrabbinaiS, erloschen mit R. Tobias Kohn unno 1849, war über 100 Jahre alt. Auch scheint zu diesen Wallfahrten nicht nur religiöses, sondern auch profanes Jntcresie angeregt zu haben, denn es nahm zugleich Jedweder seinen Produktenkram mit und das Neujahrsfest gab gleichzeitig eine Messe. — Die Institution des KomitatSrabbinatS hat sich übrigens hier wahrscheinlich mehr aus der äußern Nvthwcndigkeit als ans dem innern NeligionSleben herausgebildet. Die sogenannten Schutzjndcn standen außerhalb der Schranken des Gesetzes, bis auf Kriminalsachen beließ man ihnen ihre Verfassnng, das Zivilrecht war das rabbinische und der Rabbiner natürlich das Organ des Gesetzes, der Richter, und noch weit hinein