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Ben Chananja · 1866-07-25 · 30 (25.7.1866) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
30 (25.7.1866)
Date
1866-07-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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547 548 einer Stadt, in welcher diese Stellung eben in Angriff genommen werden sollte, ließ der Obergespan die Vorsteher der jüdischen Gemeinde rufen, und stellte an dieselben die Forderung, sich in Betreff der Heeresergänznng von den übrigen Bewohnern der Stadt auöznschließen, und das der jüdischen Seelenzahl entsprechende Kontingent, drei Mann, abgesondert zu stellen. Die Vorsteher weigerten sich natürlich, dieser weder im Gesetze, noch in der Natur der Sache begründeten Forderung Genüge zu leisten. Einer der Vorsteher hielt, wie uns mitgctheilt wird, bei dieser Gelegenheit folgende kurze Ansprache an den Obergespan: ״Herr Obergespan! In unserer Stadt wohnen Katholiken, Evangelische, Reformirte, nichtunirte Serben und Juden. Warum wollen Sie also gerade letztere zu einer Sondermaßregel auserseyen? Als Sie, Herr' Obergespan, in Ihrer Jugend in Ihrem Komitäte Aemter bekleideten, wurden allerdings die jüdischen Rekruten abgesondert gestellt. Das geschah aber in dem f e ndaleu Ungarn, wo auf die jungfräulichen Schultern des Adels noch keine Steuerlast gelegt war. Seitdem der Adel diese Last freiwillig übernommen, und das feudale Ungarn sich in ein demokratisches Ungarn verwandelt hat, kann von einer jüdischen Rekrurenstellung nicht mehr die Rede sein, wie Sie nach reiflicher Ueberlegung wol selbst cinsehen werden. Der ungarische Reichstag hat in seiner ersten Adresse feierlichst erklärt, daß er die Juden cmanzipiren wird. ES wäre doch eine ungeheure Abnormität, am Vorabende der Emanzipation ein neues Rekrntirungs-Ghetto errichten zu wollen. Von Ihnen, verehrter Herr Obergespan, hätten wir einen solchen, einem überwuudeuem Standpunkte angehörcnden Versuch um so weniger erwartet, als in den Adern Ihrer braven und hoffnungsvollen Enkel nicht nur ^rp äd s, sondern auch Abrahams Blut fließt." Wie wir vernehmen, soll diese Ansprache keine ungünstige Wirkung hervorgebracht haben. Mische LrauuMgebräkche m Italien. Bon Prof. Lelio dclla Torre in Padua. Ich versuche die hochzeitlichen Gebräuche in Italien, ' eigentlich Norditalien, insvferne sie nach Zeit, Ort und Sitte von den in andern Ländern üblichen abweichen, kurz zu skizziren. Was zuvörderst die Zeit betrifft, findet bei den italienischen Juden, außer den Tagen, wo gesetzlich oder herkömmlich keine Trauung gestattet ist, auch bei abnehmendem Monde keine Vermählung statt; selbst Freidenker, die man bei uns spregiudicati nennt, vermeiden ängstlich diese ominöse Zeit. Meines Erachtens hat man dabei einen Gebrauch einfach symbolischen und daher ganz unschuldigen Charakters — deren bei uus gar viele Vorkommen — nämlich womög'ich bei zunehmendem Monde zu heiraten, um auf das steigende Glück der gefeierten Ehe anzuspielen, zu einer abergläubischen Prohibition umgewandelt, als wenn ein bei abnehmendem Monde getrautes Brautpaar unvermeidlich verunglücken müßte. Bezüglich deö Ortes haben die Gemeinden erst vor Kurzem den Traunngsakt in die Synagoge verlegt; es steht jedoch Jedermann frei, denselben in der eigenen Wohnung vollziehen zu lassen; in Triest allein ist, so viel ich weiß, die Vermählung in der Synagoge obligatorisch. In Mantua amtirt der Rabbiner nur in der Synagoge, in Privatwohnungen sendet er seinen Stellvertreter, weshalb auch die Trauung in der Synagoge verbreiteter ist, als in Padua oder in Venedig, wo er etwa wegen der großen Eutfernungen keinen Eingang gefunden. Die Trauung unter freiem Himmel aber ist in Italien völlig unbekannt. Mantua abgerechnet — wo noch vor einigen Jahren die ברכת אירוסין der Bräutigam selbst rezitirte — ist der Trauhimmel in ganz Italien im Gebrauche; in einigen Gemeinden breitet man überdies während der ר כרכות über das Brautpaar einen Talith aus: die Stangen des Baldachins, die Spitzen des Talith und die brennenden Kerz.-n werden hierbei von den Verwandten und Angehörigen des Paares gehalten.. An die Stelle des fast überall außer Gebrauch gekvmmenen Glaszerbrechens führte hier in Padua der jüngstverstorbene Rabbiner die נתינת אפר מוקלה עלראש החתן wieder ein, jedoch nicht etwa unmittelbar, sondern in ein Stück Papier gewickelt: ein sonderbares Kompromiß! Der Bräutigam mußte, indem er das Papier über seine Stirn hielt, Psalm 137, 5. 6. rezitireu. Nach seinem Tode ist blos das Mezitiren der Verse geblieben, der Mummenschanz geschwunden. In den lombardisch-venetianischen Gemeinden trägt der .Rabbiner sein Amtskleid und segnet das Brautpaar nach der תופת; Tranreden werden jedoch nicht gehalten. Eine seltsame Sitte, die noch vor dreißig Jahren in Piemont, meinem Gebnrtslande, allgemein geherrscht und von der ich selbst sehr oft Augenzeuge gewesen, darf ich nicht übergehen, da sie in den kleineren Gemeinden vielleicht noch jetzt üblich sein mag. Der Anzug der Braut bestand nämlich in einem Todtengewande, einem einfachen Oberkleide, ohne allen-Schmuck, ohne Bänderund ohne Kranz und Geschmeide. Die Hochzeit dauerte bei uns noch vor drei Dezennien volle sieben Tage; man beging sie mit allem Pomp und Aufwand. Früher fand die Trauung gewöhnlich am Freitag statt, später hat man drei Tage: Freitag, Samstag (nach dem Ausgang des Sabbathö) und Sonntag für sie bestimmt; heutzutage wählt mau meistens einen Sonntag oder Mittwoch. Das Brautpaar besucht am folgenden Morgen, wenn eö nicht gleich nach der Trauung abreist, die Synagoge und wohnt dem Gottesdienste des Montag oder Donnerstages bei. Uibcr/die Lesnng der כתובת habe ich schon B. CH. 4 Jhrg. S. 179 .ausführlich berichtet. LemetKmM ' bet ,fotmnfilät bcs.. tCljcfej. Von A. Stern, Bezirkörabbiner. In Nr. 16 und 17 d. Bl. wird in dem Auszuge aus der dänischen Schrift von Oberrabbiner Dr. A. Wolf die Formalität des Nekitath Chefez ausführlich behandelt. Ich erlaube mir hierauf bezüglich folgende Bemerkungen. 4496 1178

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