Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 30 (25.7.1866)
- Date
- 1866-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jleauter Jahrgang. Jfä 30. Erscheint jeden Mittwoch 1—2 Dogen stark. krLllmagrs.ti0Q8xrs18: Ganzjährig 8 fl.,—5 Thlr. 10 Sgr., balbj. 4 fl. —2 Thlr. 20 Sgr., viertel!. 2 fl. öst. W. Man abonnirt im Jnnland Oft allen Postämtern; im Anslande bei Herrn Frau; Wagner ,u Leipzig; in Wien bei Herrn Hcrzfelü & Lauer (Praterstr.) 8zege!>i», Leu 2,1. Juli 1866. >en Öltomaiijit. Mochenktatt für jüdische Theologie. Herausgeber und Redakteur: Inserate» welche in das Fach VeS Blat» teS einschlagen, werden angenommen. Die 4spaltige Petitzeile wird bei mehrmaliger Insertion mir 6 kr., bei einmaliger mit H kr. berechnet. Stempelgebühc besonders 30 kr. Oberrabbiner zu Szegedin. Mit besonderen homiletischen, didaktischen und wissenschaftlich talmudischen Geringen Inserate übernehmen im Ans« lanve Franz Wagner in Leivzig; in Wien Hcrjscld LSauers Buchhandlung. Inhalt. Die Juden in Bukarest. — Ein pseudolib. Obergespan. — Jüd. TrauungS« gebräuche in Italien Von Prf. Lelio bella Torre. —Bemerkungen bezüglich d.c Formalität des Nekitath Chefez. Bon A. Stern. — Auch ein Wort über tie Pesucholh und Selumoth sowol, als auch über die neuere Kapiteleintheiluug derb. Schrift. Bon Prof. M. Stöffel. — Briefe aus der Somogy. — Aus dem Elaborate der »ng. Regnikolar-Depntation im Jahre 1825. — Korrespondenz. Emanftpation und bürgerliche Verhältnisse. Wien. Tarnow. Gyula. Kultus uud Kultnsgemcinde. Berlin. Szentes. Erlau. Zchulwesen. Pest. Abony. Fünfkirchen. Wohlthnligkeit nud Wohlthatigr Irritsanstaltru. London. Lkteralur. Szegedin. Heidelberg. Pest. — Nekrologie. Zürich. Zomvor. — Eregetische Bemerkung. — Literärifche Anzeigen. ראשית הלמוד — •מנחת ר•פך־רן• Besprochen von I. Kahn, Oberrabbiner IN Trier. — Herrn Hf. Korrespondenten des ״Ben Chancilija." — Inserat. Die Julien in Murefl. Szeged in, 20. Juli. Aus Bukarest geht uns folgender Bericht zu: Bukarest, 17. Jnli. Der' hiesige französische Generalkvusul erhielt von seiner Regierung eine Depesche folgenden Inhaltes: ■'} ״Avertissez 168 Juifs que la France 168 prend‘ sous 8a protection, dites au Gouvernement que la France ne pourrait donnerson appui a un pays dont le fanatisme repond par de teile violances ä la demande la plus legitime.“ ״Benachrichtigen Sie die Inden, daß Frankreich sie unter seinen Schutz nimmt, und sagen Sie der Regierung, daß Frankreich einem Lande seine Unterstützung nicht gewähren könnte, dessen Fanatismus mit solchen Gewaltthätigkeilen auf das legitimste Verlangen antwortet." *) Das legitimste Verlangen, von welchem hier die Rede ist, bezeichnet das Verlangen der jüdischen Bevölke- -rung in den Donausürstenthümern, daß die Heimat, der/n Lasten sie in verhältnißmäßig gleichem Umfange mit Üt christlichen Bevölkerung trägt, ihr auch gleiches Recht gewähre und zu Theil werden lasse. Kann es wol ein legitimeres Verlangen geben? Die rumänischen Statsmänner, ilvelchK.d E vor Kurzem Cremieur gegenüber so freischnHL.W*irH?k,».werden wahrscheinlich sagen: ״Wir sind ja^g^.e--^ere^, die Juden zu emanzipiren; aber die Natiork>^dte Jfrrift ihrer Autonomie sich selbst Gesetze gibt, sträubt sich gegen diese Maßregel. Sie will die Inden ausgeschlossen und unterdrückt wissen. Sie gibt es zu, daß eine Synagoge, die ihrer Hauptstadt zur Zierde gereicht hatte, bis auf den Grund demolirt werde, um ihrem Widerwillen gegen das Polk der Juden *) Glaubwürdigen Nachrichten zu Folge hat auch die russische Regterung eine Depesche gleichen Inhalts an die Regierung in Bukarest gerichtet. einen energischen Ausdruck zu geben. Wie sollen wir cS wagen, uns den entschiedensten Kundgebungen der Nation zu widersetzen?" Man kennet diese heuchlerische Sprache eines falschen und feigen Liberalismus, der die eigene Unduldsamkeit unter die Aegide eines wilden Pöbels stellt. In Bukarest wird diesem Pseudoliberalismus allem Anscheine nach eine sehr lehrreiche und nützliche Lektion gegeben werden. Die rumänische Nation ist des französischen Schutzes bedürftig, ״Frankreich könnte aber seine Unterstützung nicht einem Lande gewähren, dessen Fanatismus mit solchen Gewaltthätigkeiten auf das legitimste Verlangen antwortet." . Die Negierung des Kaisers der Franzosen macht also das Land, das ganze Land für die traurigen Judenhetzen ^verantwortlich, deren Schauplatz die Moldau-Walachei in den letzten Wochen war. Die Geschichte wird die Verant- Wörtlichkeit ebenfalls auf das ganze Land wälzen. Juden- Hetzen werden nicht improvisirt. Gewitterschwangere Drohun-- gen pflegen denselben voranzugehen. Die Entladung kann nur dort eintreten, wo die Intelligenz,. wenn auch nicht eine ausmunternde Haltung, doch eine perfide Neutralität beobachtet, wodurch sie sich in den Augen eines jeden Gebikbeten im höchsten Grade verächtlich macht. Dies haben sich die gebildeteren Rumänen, mindestens ein Theil derselben, offenbar zu Schulden kommen lassen. Hoffentlich werden sw sich eines Bessern besinnen, und für die Lehre nicht unempfänglich sein, die ihnen von Paris aus ertheilt wird.''*) Ein jifeuöolletafer flOetgefpan. Es ist ein rein synchronistischer Zufall, der uns in die unangenehme Lage versetzt, unseren freundlichen Lesern neben den pseudoliberalen Ministern in Bukarest auch einen pseudoliberalen Obergespan in unserer Heimat vorzuführen, dessen Vorgehen Jedem, der die heimatlichen Verhältnisse kennt, als ein trauriger Anachronismus erscheinen muß. Die Veranlassung dazu war die bevorstehende HeereSergänznng in Ungarn. Bekanntlich hat Se. Majestät der Kaiser allergnädigst geruht, zu gestatten, daß die bereits angeordnete Rekrutiruug suSpendirt und das auf Ungarn entfallende Kontingent im Wege der Werbung von Freiwilligen gestellt werde. In *) Wie »ns von sonst gutunterrichteter Sette aus Kronstadt in Siebenbürgen gemeldet wird, hat der Fürst von Rumänien den.Inden versprochen, daß ihnen der Schoden, den sie durch den Krawall erlitten haben, von der Regierung ersetzt weroen wird.