Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 29 (18.7.1866)
- Date
- 1866-07-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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541 542 Dienste geleistet hat, ein dauerndes Denkmal für ihn ist. Aber seine Famiiio verliert an ihm den liebevollsten Gatten und zärt* liebsten Vater, und der weite Kreis seiner Freunde den heitersten, anregendsten, witzigsten Gesellschafter. Ein heller klarer Geist ist erloschen, ein energischer Wille gebrochen, ein mildes, manschenfreundliches Herz hat zu schlagen aufgehört. Trotz der ernsten und aufgeregten Zeit war die Theilnahme an diesem Todesfälle eine tiefe une allgemeine, wie das zahlreiche und doch gewählte Geleite bewies, das den Verblichenen zu seiner letzten Wohnung geleitete. Er wird nicht vergessen werden. In der Geschichte der Eisenbahnen, dieses mächtigen Zivilisationstaktors, hat er sich eine hervorragende Stelle gesichert, und in den Herzen Aller, die ihn kannten, wird er fortleben, so lange diese Herzen selbst schlagen.“ Literarische Anzeigen. Predigten von Dr. Adolf Jellinek, Prediger der israelitischen KnituSgemeinve in Wien. Dritter Theil. Wien, Herzscld und Bauer 1866. 8. 343 Seiten. Besprochen von Rabbiner Dr. S. H. S on nesch ein. Ich pflegte, wenn ich die Ferien im Eltrrnhause zubrachte, me!- nem theuern Vater, den Gott noch lange bei Gesundheit erhalle, in iraulichen Plauderstunden Predigten von verschiedenen Autoren vorzulesen. Mein Vater nämlich — das sei hier parenthetisch bemerkt — betrachtet seit jeher, obgleich er ein alter Rabbiner von altem Schrot und Korn ist, die neue Richtung, welche sich auf der Kanzel und im Gottesdienste überhaupt gellend macht, keineswegs mit aburtheilenren Blicken, sondern geht auf ihre Bestrebungen ein, laß« ihr volle Gerechtigkeit widerfahren. und schätzt ihre Erfolge so hoch, als sie es verdienen. So oft ich ihm nun eine Jellinck'sche Predigt vorlaö und damit zu Ende war, pflegte er zu sagen: ״Der weiß das Wasser dort ni schöpfen, wo es von selbst aus dem Boden quillt! DaS ist mein Mann!" — Und merkwürdig! Aehnliche beifällige Urtheile habe ich noch immer aus dem Munde der ältcrn Lamdanim, welche die Predigten Zetlineks kennen lernten, vernommen. Alle stimmten sie darin uberein, daß diese Predigten ihnen gefallen, währenddem sic für andere Kanzelredner kaum mehr als ein glcichgiltigeö Achselzucken hatten. Worin liegt wol der Grund dieser Thatsache? Offenbar darin, daß Jellinek im echten Geiste des JndenthnmS predigt und die echte Sprache des Midrasch dolmetscht. Ein Prediger, dem die Alten trotz ihrer gewaltig von der seinigen verschiedenen AnschauungS- und DentungSarl den Beifall nicht versagen, und welchem die Jungen mit stets erneuter Lust und Bewunderung lauschen, daS muß der rechte Prediger sein, der Man», ״der dort daS Wasser schöpft, wo eS von selbst aus dem Boden quillt!" Durch den jetzt veröffentlichten dritten Theil seiner Predigten bat der geehrte Verfasser aufs neue bewiesen, mit welch maßvoller Oelonomie er bei der Herausgabe seiner Kanzelreden zu Werke geht, wie erbemüht ist, seiner allgemein anerkannten Wissenschaft ungeachtet, trotzdem er über einen seltenen Reichthum oratorischer Schätze verfügt, vrm Lescpublikum nur das zu bieten, was er nach strenger Prüfung und sorgfältiger Außwahl der Veröffentlichung für würdig hält. Man steht jeder einzelnen Predigt so sehr die feilende, glättende Nacharbeit >ng an, man merkt überall so deutlich die streng angewandte Selbsttntik, daß wir jünger» Prediger uns staunend fragen: ״Wenn der Meister so unnachsichtig strenge gegen sich ist, wie müssen eö erst die Wertenden, die Strebenden sein?!" Wie in den vorhergehenden Bänden ist auch in diesem 3. Baude eu, großer Theil der in demselben aufgcnommenen Predigten bereits siüher im Einzelndrucke erschienen; ein Beweis mehr, wie der Verfasser nur das-i» sein Sammelwerk einreiht, was bedeutenden Inhaltes ist, und schon emmal aus der Feuerprobe der Kritik als gediegenes, lautereS Gold hervorging. So z. B. hat, wenn ich nicht irre, die Predigt Das Mutlerherz bereits drei Auflagen erlebt. Wodurch sich aber dieser Band von seinen Vorgängern besonders ortheilhaft unterscheidet, ist der Umstand, daß uns der geehrte Vers. | in demselben auch als Kasualrebner entgegentritt und uns damit Gelegenheit.bietet, diesen wichtigen Zweig seiner Homiletik mit der Wurzel derselben zu vergleichen, und zu sehen, wie sich das Eine zum Andern in harmonischer Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit verhält. Man braucht nur die dem Jubiläum des Wiener Frauenvereins gewidniete Predigt und die am Schluffe des Bandes angehängten zwei Trauerreden gelesen zu haben, um sich zu überzeugen,.wie Jellinek auch die ״Gelegenheit" für das Allgemeinintereffante, so zu sagen, für den histerischen Standpunkt zu verwerthen und glänzend zu verwerihen versteht. In den beiden Reden für den Versöhnungstag lernen wir den homiletischen Schriftsteller Jellinek von einer neuen Seite kennen und vermissen wir nur mit herzlichem Bedauern als Pendant zu diesen zwei Predigten voll markiger Frische und gesunder Gemüthlichkcit eine oder zwei paffende Neujahrsreden. Die Predigt: ״Rab- Han Jochanan den Saccai" gilt als ein nachahmenSwürdigeS Muster, wie man auch die nachbiblischcn Heroen des JudenlhumS und jüdische geschichtliche Charakterbilder überhaupt auf der Kanzel behandeln soll. Besonders sind die den eigentlichen Tert dieser Predigt supplirenden talmudischen Ehrennamen St. Jochanan b. SaccaiS meisterhaft benützt und ausgelegt. Die Perle aller in diesem 3. Theil enthaltenen Predigten ist aber unstreitig die Sabbat Para-Rede: ״Das Judenthum ernc Religion des Lebens." Da vereinigen sich die Kraft, die Originalität, die Gelehrsamkcit, der filosofische Freimuth deS Jellinek'schen Geistes zu einem herrlichen Werke, einem Werke, das nur die Wahrheit des Schiller'schen Ausspruches: ״Bilde Schönes, du streust Keime des Göttlichen aus" so recht exemplarisch vor Augen hält. Wir danken dem geehrten Autor für diese neue Gabe seines eminenten Genies und wünschen diesem 3. Theile seiner Predigten eine recht zahlreiche Nachfolgerschaft und Nachkommenschaft. 1) nrUD für das Gedächtniß) zum Gebrauche in jüdischen Religionsschulen, von Dr. L. Herzfeld, braunschwei» gischem Lendesrabbiner. Zweite vielfach abgeänderte und stark vermehrte Auflage. Leipzig. Verlag von Karl Wilfferoth. 1866. 2) *רולמור Hebräisches Lese- und Sprachbuch für die israelitische Jugend nach der Buchstabir- und Lautirmethode. Von Moriz Herzberg, Vorsteher einrr Privat-Anstalt in Breslau. Zweite Auflage. LadenvrciS: gebunden 5 Sgr. Breslau 1866. Verlag der Schletter'schen Buchhandlung (H. Skutsch). Besprochen von I. Kahn, Oberrabbiner in Trier. Nr. 1. Es ist sehr anznerkennen, daß der sehr gelehrte Verfasser sich mit der Abfassung eines Schulbuches abgibt, zumal derselbe, wie er mir brieflich miltheilt, sehr leidend ist. Dieses sein Schulbüchlein zeigt aber auch überall den selbstständigen und gründlichen Gelehrten, sowie den praktischen Schulmann. So viel mir bekannt, ist dasselbe sowol seinem Inhalte, als auch seiner Methode nach originell und sehr anregend, was folgende Inhaltsangabe schon beweist: 1) Vorwort (sehr in halt- und lehrreich); L) ein Vokabularium zu den hebräischen Gebeten und Gebettheilen eines ersten Kursus mit einzelnen Tertangaben; 3) ein zweiter hebräischer Kursus (Elemente der Grammatik, AüS- Wahl hebräischer Stücke für diesen Kursus und Vokabeln zu den wichtig---- sten -dieser Stücke); 4) eine Zeittafel der biblischen und der übrigen jüdischen Geschichte bis zur Gegenwart; 5) ein kurzer Abriß der Geografie von Palästina; 6) Einiges über die wichtigsten der übrigen in der Bibel erwähnten Länder und Völker; 7) Gedenkverse zum Religionsunterricht aus Bibel und Talmud und ein GlaubenSbekeiinlniß der Konfirmanden; 8) ein Abriß der Bibelknnde und 9) Einiges über den jüdischen Kalender. Die in den Rubriken von 4-0 enthaltenen Gegenstände sind, ungeachtet der gedrängten DarstellnngSweise, sehr inhaltreich und äusterst ansprechend und belehrend. Unter denselben zeichnen sich besonders die