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Ben Chananja · 1866-07-18 · 29 (18.7.1866) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
29 (18.7.1866)
Date
1866-07-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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543 544 Nummern 4, 6 und 8 aus und ist in letzteren auch auf bir neueste bibtische Krit.k Rücksicht genommen. Nurrwenige Ausstellungen habe ich an diesen zu machen. Man vermißt S. 60 die Namen der Abfasser der beiden Talmude. S.83 sollteRaschi auch als der berühmte Bibel- Erklärer angegeben sein. S. 85 sollten auch Geiger und Grätz (der Dertaffer selbst gehört auch zu den bedeutendsten jüdischen Geschichtschreibern) angeführt werden. Daß ״daS Jahr 1860 den preußischen Juden endliche völlige Gleichstellung gebracht hat", ist bekanntlich bis jetzt bei Weitem noch nicht in Ausführung gekommen. Nicht allein die Juden im Königreich Westphalen, sondern auch auf dem linken Rheinufer, der jetzigen preußischen Rheinprovinz, erhielten Konsistorien, nämlich zu Crefeld, Bonn und Trier und bestehen diese, wie besonders das letztere, zum Theile noch jetzt. Etwas näher will ich die Nummern 1 und 2 besprechen, da diese den schwierigsten Theil des Unterrichtes, nämlich den hebräischen und zwar auf eine ganz neue Weise enthält. Die beiden bekannten Schwierigkeiten, Mangel an Zeit, Mangel an Lust und Neigung für diesen Unterrichtszweig will der gelehrte Verfasser einigermaßen defettigen. Ob solches ihm gelungen ist, bezweifeln wir aber sehr. Jedoch hören wir dessen Aeußeruugen hierüber in der Vorrede. ״Den jüdischen Religionsunterrichte find fast überall so wenige wöchentliche Stunden zugemeffen, daß umsoweniger von diesem wieder ein wesentlicher Theil auf Dinge verwendet werden sollte, welchen in anderer Weise genügt werden kann. So mußte bisher in den Stunden fürs Hebräische jedes Stück viele Male von dem Lehrer vor- und von den Kindern nachübersetzt werden, während ein großer Theil der Zeit hierfür gespart werden kann, wenn die Vokabeln gedruckt zum Auswendiglernen dahier den Kindern gereicht werden, da alsdann die Pensa offenbar lange nicht so viele Male in der Schule wiederholt zu werden brauchen, zur Marter aller lebhafter« Kinder." Warum aber gerade die ״lebhaftern" Kinder mit dem ״dahier Auswendiglernen dieser hebräischen Vokablen sich selbst martern?" Der Verfasser hat ja, wie er sich selbst äußert, solche Verhältnisse berückfichtigt, nach welchen ״für das Hebräische nur wenige wöchentliche Stunden angesetzt werden können, und viele Kinder mit Zustimmung ihrer Eltern, bald selbst von diesen so wenigen Stunden nur zwei oder eine besuchen, bald nicht in ihrer letzten Schulzeit au dem hebrätschen theilnehmen. ״Ein Schulzwang' hierzu ist hiernach nicht vor- Händen und Neigung den Kindern von vorne sowie abgesprochen. Wer zwingt sie, und woher soll ihnen die Neigung zum Auswendiglernen der langweiligen hebräischen Vokablen kommen? Dazu kommt noch, daß diese Kinder andere Schulen besuchen und mit den Ausgaben, die ihnen tn denselben gegeben werden, daheim schon genug zu haben glauben׳ Nach meiner Ansicht muß gerade bei solchen, zwar ״beklagenSwenhen Sachlagen in der Religionsschnle selbst das״, was nur möglich ist, den Kindern beigebracht werden und darf man von dem Daheimlernen der Kinder nichts erwarten, und spreche ich hierin auch aus eigener laugjähriger Erfahrung. — Dagegen wöge dieses Verfahren für solche Schulen, die zugleich Elementar- und Religionsschulen find, wie die meisten in meinem Bezirke, zu empfehlen sein, da der Lehrer in diesen die Schüler besser anhalten kann , auch die hebräischen Ausgaben zu Hause zu lerneu. Der geehrte Verfasser setzt für den Schulunterricht im Hebräischen 3 Kursus an, die aber nicht nach pädagogischer Regel vom Leichlern zum Schwerer« aufzusteigen, angelegt werden dürfen, weil nach der Sachlage der mangelhaften Betheiligung die allermeisten Kinder die Schule verlassen würden, ehe fie zum ״Schwerern" kommen, d. h. ehe sie auch nur die nnerläsfigsten hebräischen Gebete verstehen lernen. Nach dieser Sachlage müssen wol die Kursus angelegt werden. Der erste muß blos die allerwichtig st en Gebote und Gebetstücke umfassen, und den jüngern Kindern gelehrt werden, sobald sie leidlich lesen können. Es würde gut sein, daß diese ihn zweimal absolviren müssen. Gin zweiter Kursus umfasse die schon etwas minder wichtigen Gebete und für Knaben noch die Festvorlesungen; zu ihm sollen nur diejenigen Kinder zugelassen werden, welche des ersten Kursus bereits ganz mächtig find. Und haben einzelne fähige Knaben auch den zweiten Kursus zeitig genug sich angeeignet, so werde ihnen in einem dritten das Gebetbuch und der Pentateuch ziemlich unverkürzt gegeben. Mit denjenigen Kindern jedoch, welche aus-Mangel an Fähigkeit oder an Fleiß oder Nichtbesuchens dieses Unterrichtes zu zwölf Jahren noch nicht den ersten KursuS inne haben, ist dieser aklein und wiederholentlich während ihrer letzten Schuljahre durchzunehmeu, jedoch besonders, nicht mit den Kleinen zusammen. Es leuchtet hieraus hervor, daß der Verfasser von vorne herern wenig Hcffnung hat, daß ein ziemlicher Theil der Kinder seiner Gemeinde über den ersten Kursus hinaus zu dem zweiten, geschweige denn zu einem dritten kommen werde, weshalb er sich denn auch in der Vorrede viel mit diesem ersten beschäftigt. Bei der Auswahl von Gebeten, die S. 11—12 inhaltlich angegeben find, hält er folgende Gcfichlöpunkte fest: 1) Versteht es sich von selbst, daß der eigenen Ueberz eugung Rechnung getragen werden mußte und hiernach manchem Stücke nicht die Wichtigkeit zuerkannt werden konnte, welche man früher ihm zugestanden, manchem dagegen eine viel größere einzuräumen war, so z. B, dem Kaddisch der Waisen, oder ״ist es nicht wahrhaft schimpfliche daß heutzutage selten ein Bräutigam, eine Braut die Trauformel versteht, weil fie diese nicht gelernt haben u.dgt. m." Die Vokablen deS Kadisch find daher S. 17 und dieses selbst S. 36, sowie die Vokabeln zu der Trauformel S. 34 und diese selbst S. 42 angegeben. — Wenn ich dem geehrten Verf. schon in Beziehung auf das Kadisch nicht ganz beistimmen kann, weil für diesen Kursus hierin eine zu große Abweichung von der pädagogischen Regel: vom Leichtern zum Schwerer« ist — wie sollen auch die Kinder dieses Kursus, die noch sehr wenig vom Hebräischen verstehen, diese schweren und überhäuften chaldäischen Bo. kabeln und das Kadisch selbst soweit erlernen können, daß fie, wenn fie in den traurigen Fall kommen, dieses sagen zu müssen, es mit einiger Andacht thun? — weil ferner es dem zarten Kinde widerstehen muß, wenn man cS auf eine solche traurige Nothwendigkeit so früh aufmerksammacht» und weil es beim Eintreten eines solchen dann sehr leicht ist^ den Betreffenden das Verständuiß des Kadisch beizubringen, zumal bei den vielen Gebetübersetzungen, die doch Jedem leicht zugänglich sind; so mußich mich in Beziehung auf die Trauformel entschieden gegen ihn aussprechen und finde ich die Erpektoration desselben hierüber fast lächer,!ich. Mit dem zarten Kinde schon von der Trauformel sprechen, oder gar es mit den Vokabeln derselben und mit ihr selbst in seinem frühesten Alter schon abquälen ist gewiß keine Nothwendigkeit, weil der Geistliche bei der Trauung diese Formel übersetzen kann, wie ich solches wirklich thue, was auch nach Schulchan Aruch Eben Haeser geschehensoll, wie ich dieses früher im ״B. Cb." mitgetheilt habe. (Fortsetzung folgt.) Abfertigung. Wir Gefertigten finden uns bemlissigt, den geehrten Leserndes ״B. Ch.“ gegenüber die Erklärung abzugeben, dass die in Nr. 27 dieses Blattes aus 8. A. Ujhely, 24. Juli datirte und von Invektiveu strotzende Korrespondenz des Herrn Direktors M. Stern in all den uns verletzenden*Angaben auf Un- Wahrheit beruhe. Ein Weiteres auf journalistischem Gebiete zu thun, findon wir mit der Würde unserer Stellung und der des Lehrer- Standes im Allgemeinen unverträglich. 8. A. Ujhely, am 8. Juli 1866. Der Lehrkörper der k. isr. Musterhauptschule. J. Singer, J.Schwarz, J. Rosenmeyer, N. Fischer, J. H. Löw. Szegedin, I Leipzig, Selbstverlag der kedalrtto«. Lommisfioas-drrlag von Franz Wagner. Druck von Gigmund Burger in Szegedin.

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