Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 29 (18.7.1866)
- Date
- 1866-07-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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537 538 3) Gin auf den Aufschwung der Schul- und Lehrrrverhältnisse entschieden einwirkendes Moment dürfte in dem Umstande liegen, daß die jüdischen Gemeinden durch verschiedene Steuergattungen und kultuelle Beiträge gar zu sehr überladen stnd. Zieht man in Erwägung, daß eiue jüdische Gemeinde, die schon vermöge ihres individueslen Charakters eine verhältnißmäßig große Anzahl von Kultusbeamten erheischt, nicht blos diese aus eigenen Mitteln! erhält, sondern mittelbar auch zur Erhaltung der christlichen Beamten und Institute eine bedeutende Quote beizutragen hat, so ist das oft kleinlich knickerische Wesen, das selbe ihren Lehrern gegenüber bekundet, einigermaßen erklärlich. Wie gering ist in Ungarn die Zahl jener Gemeinden, denen es für die Dauer ge.- lingt. Einnahmen und Ausgaben in erwünschtem Gleichgewichte zu er- Hallen. Am entschiedensten jedoch treten uns die Finanzkalamitäten der Gemeinden seit dem Beginne der Freizügigkeitsperiode entgegen. Die alten Gemeinden stnd bereits geschwächt, die neueren noch nicht genug stark. Zn dieser Beziehung befindet flch unser Gemeindewesen offenbar in einem UebergangSstadium. 4) Die Schule ist, namentlich in den israelitischen Gemeinden Ungarns, ein zu neues Institut, als daß selbe während der verhältnißmäßig kurzen Zeit ihres Bestehens allenthalben in erwünschtem Maße feste Wurzeln hätte fassen können. Zst gleich das Cheberwesen vom Schauplatze der praktischen Thätigkeit größtemheils geschwunden, mit den Anhängern und Verehrern desselben ist dies noch immer nicht der Fall. Die Nachtheile, die aus den ChederreminiSzenzen der modernen Schule nothwendig erwachsen, find zweifacher Art: a) Vermögen die zum großen Theile noch der Cheder-Aera angehörigen Gemeindemitglieder noch immer nicht das Lehrerthum als einen Stand zu betrachten, der dazu berechtiget wäre, eine achtbare Stellung in der Gesellschaft zu beanspruchen. Die Melamdim, die Trä« ger und Pfleger des ehemaligen Cheder, bildeten in der That keinen solchen, weshalb selbe auch nie irgend eine Stellung prätendirten. 8GS waren dies bekanntlich keine Lehrer vom Fache; sie befaßten flch mit dem Unterrichte blos in Ermanglung einer sonstigen Beschäftigung, in Ermanglung eines sonstigen Nahrungszweiges. Enschiedeu anders verhält es sich jedoch mit dem modernen Lehrer. Dieser widmet seine besten Jugendjahre dazu, um eine dem Lehrerberufe entsprechende Bildung fich anzueignen, und opfert auf diese Weise der Sache der Volksbildung alle seine Hoffnungen, seine ganze Zukunft ans. Und doch glaubt man in den Lehrern eine Art von Melamdim zu erblicken, die von ihren Vorläufern bloS durch eine zeitgemäße Bildung fich unterscheiden und aus vorgeblichen pädagogischen Gründen die Zahl der täglichen Unterrichtsstunden reduzirt haben. b) Hat die neuzeitliche Unterrichtsmethode in unseren Landge« meinden noch bei weitem nicht die allgemeine Anerkennung fich errungen. Die Methodenlofigfeit des ChederunterrichteS — so wird vielfach behauptet — war eS eben, die Verstand und Geist der Zöglinge wachgerufen und geschärft, während die didaktischen Kunstgriffe der neuern Schule in Folg? der Erleichterung, die sie der lernenden Jugend beim Unterrichte bieten, den Verstand derselben verflachen, den Geist einschläfern. Sie überheben den Schüler jeder ernsten Anstrengung, die geeignet wäre, dessen Geisteselastizität zu stärken, zu erhöhen. Daher kommt es, daß das Cheder mitunter vollkommen entwickelte Talente hervorgebracht, während die Zöglinge der modernen Schule bezüglich ihrer Bildung nur selten über das Niveau der Mittelmäßigkeit sich erheben. Leider wird hierbei der Umstand außer Acht gelassen, daß das Cheder nebst den geweckten Talenten auch eine beträchtliche Anzahl verschrobener Köpfe hervorgebracht. Das Cheder stellte gymnastische Nebungen mit den Kindern an, die noch nicht mit ersorderltcher Sicherheit gehen konnten. DaS Resultat war daher: ein entwickelter Geist und 99 GeisteSkrüppel. (Forts, folgt.) — Abony, 12 Juli. Die hiesige Gemeinde hat beschlossen, ihre Volksschule, welche früher aus 4, später aus 3, mit einer Kinderbewahraustalt verbundenen Klaffen bestand, in eine zweiklassige Schule zu verwandeln. Wenn wir in Zukunft in dieser Richtung fortschreiten, werden wir endlich die mit der Erhaltung einer Schule verbunden en Auslagen gänzlich ersparen! S. A. Ujhely, 10. Juli. In Nr. 27 dieser Blätter führt fich Herr M. Stern den Lesern des ״B. CH." zum ersten Male vor, er thut die» in einem gegen Ihre hiesigen W. und 82. - Korrespondenten mehr aber wider den Lehrkörper der hiesigen Musterhauptschule gerichteten Schmähartikel, welcher in einem solchen Tone der Gereiztheit und Denunciation gehalten ist, daß es uns der Mühe überhöbe, auf das Libell nur mit einer Sylbe erwidern zu müssen, wenn nicht darin Thatsachen entstellt und Aktenstücke korrumpirt angeführt worden wären. Da denkt fich der geehrte Leser, daß ein solches Machwerk, mit angeblichen Daten erhärtet, und von einem Direktor gezeichnet, nur in der Abfassung verfehlt sei, während es in seinen Motiven gerechtfertiget sein und auf Wahrheit beruhen könne. Deshalb wollen wir zur Ehre eines ganzen LehrerstandeS in Israel erklären, daß an der hierortigen Musterschule seit ihrem Bestände bis auf jetzt herab noch niemals ein Lehrer gewirkt hat, der wegen Widersetzlichkeit und Anstoß erregenden Privatlebens von einer hohen Behörde gemaßregelt worden wäre. Und wenn H. Stern dennoch von Anstoß crregendeem Privatleben spricht, ״das fich zuweilen bis zu Thätlichkeiten steigert", so ist diese in einem korrumpirten Deutsch gegebene Hyperbel eine meisterhaf t ausgeführte Attaque gegen die Trübsal, welche den reinen Himmel des ehelichen Lebens seines Kostegen (Herrn 8.z) für einen kurzen Augenblick zu umschatten drohte und in klares Licht fich auflöste. Also ist eS gar nicht wahr, daß ein von der hohen Behörde gemaßregelter Lehrer der hiesigen Musterhauptschule sich veranlaßt gefunden, eine Klage gegen den Direktor anzustreben, sondern wahr ist, daß Herr Stern gegen fich einen astgemeinen, offen und redlich geführten Kampf heraufbeschwor durch sein denunzirendeS Wesen, das keinen einzigen seiner Kostegen noch ungeschoren ließ und durch seine maßlose Selbstüberschätzung. die bereits gegen die früheren zwei Direktoren mit sauberer Feinheit so lange agitirte, bis sie dieselben einen nach dem andern aus dem Sattel hob und wonach es nicht die Lehrer find, von deren persönlichen Insulten fich der frühere würdige Direktor nicht zu schützen vermochte. Wie hätte Herr Weinberger auch je eine Insultation ander Schule zu erdulden gehabt, nachdem zu seiner Zeit ein wegen Widersetzlichkeit und anstößigen Privatlebens gemaßregelter Lehrer zu den Un- Möglichkeiten gehörte, weil ja der hiesige Lehrkörper in Wirklichkeit G. s. D. aus durchwegs sittlich ruhigen und religiös denkenden Mannern besteht, deren Privatleben hier als durchaus musterhaft gilt. Auders Herr Stern, der hat es nicht nur einmal gewagt, wegen einer Lappalie gegen seinen Kollegen Herrn R—r eine Inquisition einzuleiten und selbst seine früheren Vorgesetzten auf empörende Weise zu insultiren, und kann er nur Dank seinem geschmeidigen und kriecherischen Wesen wissen. womit er gewisse hochgestellte Persönlichkeiten täuschte und fich die provisorische Leitung der hiesigen Musterhauptschule — zu ihrem gewaltigen Nachtheile — erwarb. Aber noch lange nicht hat eine hohe und weise Regierung dem hiesigen tüchtigen Musterleyrkörper die Weisung ertheilt, die Vergewaltigungstheorie dieses provisorischen DirektorS flch gefallen zu lassen. Daher ist eS gekommen, daßHendlich bei einem h. k. ung. Statthaltercirathe gegen Herrn Stern eine Disziplinär- Untersuchung in Folge geübten AmtSmißbrancheS eingeleitet wurde, die freilich lange genug im Zuge ist, aber ohne ein bisher noch nicht ausgesprochenes Verdikt der h. Behörde im vorhinein antizipiren zu mosten dennoch bereits zufolge der dieser Tage wiederholt aufgenommenen Amts- Handlung ein sicheres Prognostikon stellen läßt. Was endlich die Dukatenvertheilung betrifft, so braucht es unser« seitS der langen AuSeinandersetzuug nicht, um nachzuweisen, daß^Herc Direktor St. sich nicht rein zu waschen vermag. Denn so vieler immerhin darüber salbadert, findet ja dennoch der aufmerksame Leser leicht heraus, daß es nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Ja als ob das Wort Direktion in Wirklichkeit nichts anderes, als l'ötat 6'6st woi! bedeutete und nicht vielmehr darunter der Direktor mitLden Lehrern, also der Gesammtlehrkörper verstanden wäre! Aber i» diesem!Faste mußte wol Herr Stern auch die Lehrer der Anstalt bei der Beriheilung mit zu Ralhe ziehen, und weil er das unterließ, so beweist das wieder seine diktatorische Willküclichkeit, die keines Andern Recht anerkennt und nur dem Reichen und Bornehmen schmeichelt, weil eS i,׳. ihren Kram