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Ben Chananja · 1866-07-18 · 29 (18.7.1866) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
29 (18.7.1866)
Date
1866-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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535 536 D. Wien, 11. Juli. Die sehr beliebte jüdische Hofopernsängerin, Fräulein Tellheim, veranstaltet zum Besten der verwundeten Krieger ein Konzert. Dasselbe wird Samstag, den 14. d. M. in Böslau abgehalten und die hervorragendsten Mitglieder der beiden Hofbühnen haben ihre Mitwirkung zugesagt. Wie mir gemeldet wird, ist auch der materielle Erfolg schon gesichert, indem bereits heute alle Cercle, und Sperrsitze vergriffen sind. Für die Leser des ״B. CH." wird eS noch von Interesse fein, zu erfahren, daß der geniale Dichter Ludwig August Frankel bei dieser Gelegenheit einen selbstgeschriebenen Prolog sprechen wird. Hf. Pest, 15. Juli. Das Zsraclitenspital hat bereits 20 Verwundete in Verpflegung übernommen. Auch sonst äußert sich der WohlthätigkeilSsinn unserer jüdischen Bevölkerung jetzt wieder in eminenter Weise. Geld und Naturalien fließen reichlich ein. Verbandstücke, Wäsche, Charpte ,e. werden wagenweise zu den Spitälern befördert. Unter solchen Umständen wird man es freilich schwer begreifen, wie es Sr. Hochwürden Herrn Oberrabbiner Meise! beifallen mochte, vorige Woche in so herausfordernder Weise gegen bie Apathie und Gefühllosigkeit seiner Glaubensgenossen zu eifern. Es ist eine traurige Sache, wenn es einem Einzelnen freistcht, ohne die Verhältnisse in Wirklichkeit zu kennen, derartige Verlcnmdungeu in so denunziatorischer Manier von der Kanzel herabzuschleudern. Es ist ein noch unverzeihlicheres Beginnen, wenn diese Schmähungen bloö Ergüsse beleidigter Eitelkeit sind. Hoffentlich wird der Vorstand bedacht sein, solch kompromittirenden Vorkommnissen tür die Folge vorzubeugen. 8-2. B- Csabtl, 10. Zuli. Auch die Schülerinnen der hiesigcn Mädchenschule zupfen seit 8 Tagen emsig Charpie; Frau M.Reichcubcrger, Jndustrielehrcrin derselben, ist bestrebt, Verbandstücke zu sammein, die den Verwundeten unserer Armee zu Gute kommen sollen. W. Stanislaus, 6. Juli. Am 21. v. M. wurde in unserer Synagoge ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, um für den erhabenen Landesvatcr und dessen heldenmüthigeS Kriegsherr den Segen des Herrn zu erflehen. Nach Absingung mehrerer paffender Gebete und Psalmen hielten Oberrabbiner HöroWitz und Dr. Bardasch patriotische Reden, in denen sie die Gemeindemitglieder in beredter Weise zur Bethättgung ihrer Vaterlandsliebe ausforderten. Der Aufruf traf fruchtbaren Boden. Mehrere angesehene Mitglieder unserer Gemeinde vereinigten sich zu einem israelitisch-patriotischen Hilfskomitö, das sich zur Aufgabe gestellt» unter der hiesigen israelitischen Bevölkernng Geld und andere Unterstützungen zu Kriegszwecken zu sammeln. Dem patriotischen Eifer dieses KomitöS begegnet der Patriotismus der Glaubensgenossen auf das bereitwlstigste und find bis zur Stunde btreitS 350 fl. als monatlicher freiwilliger Beitrag zu Kriegszwecken gezeichnet und Vorkehrungen getroffen, daß die Beträge auch pünktlich dem Orte ihrer Bestimmung zugänglich gemacht werden. Damit ist selbstverständlich die Aufgabe des Komitss noch nicht gelöst und ist dasselbe vielmehr mit unermüdlichem Eifer bestrebt, seine Thätigkeit in immer weitere Kreise auszudehnen und dem patriotischen Zwecke reichliche Quellen zu erschließen. R. TemesvLr, 15. Juli. Die hiesige israelitische KultuSg emeinde hat dem hochlöbl. k. k. Landesgeneralkommando ihr Spital für verwundete Krieger zur Verfügung gestellt und sich verpflichtet, zwölf derselben auf eigene Kosten in Behandlung und Verpflegung zu nehmen. Gin Aufruf des löbl. KultuSvorstandeS fordert die einzelne» Gemeinde- Mitglieder zu Beiträgen auf. Auch an den hiesigen isr. Schulen werden seit dem Erscheinen des ersten Allerhöchsten Manifestes zu dem oben dezeichneten Behufe durch den ehrsamen Lehrkörper Sammlungen veranstaltet und von den Schülern und Schülerinnen wird fleißig Charpie gezupft. Kultus und Kultusgemeinde. llk. Pest, 15. Juli. Bei Anlaß des Todes eines süd. Mediziners wurde vorige Woche hier die erste Lei ch enpredigt in ungarischer Sprache abgehalten. kr. Pest, 15. Zuli. Ihrem geehrten Korrespondenten an den Gestaden des Plattensees erlaube ich mir in Kürze folgendes zu bemerken: Es ist asterdings richtig, daß eS für unser» Vorstand keinerlei Spezial-Instruktion gibt» die ihn bei Anstellung von Beamten leitete. Es liegt aber in der Natur der Sache, daß bei Besetzung eines jeden Postens gewisse Bedingungen als conditio sine qua non gefordert werden müssen, und daß nufer Vorstand die Kenntniß beider Landessprachen im Prinzipe aunahm und als eine solche Grundbedingung betrachtete, das wird ihm gewiß Niemand verübeln. Zch bekenne demnach gerne, mich in dem Ausdrucke der ״vorschriftsmäßigen" geirrt zu haben, an dem Wesen der Sache selbst wurde aber hierdurch nichts geändert. Rio de Janeiro (Brasilien). im Juli. Hier wohnen ungefahr tausend Israeliten, zum größten Theile Deutsche und Franzosen, die aber zu keiner Gemeinde vereinigt sind, daher auch keinen Tempel und keine Funktionäre haben und während des ganzen Jahres keinen öffentlichen Gottesdienst verrichten; dies geschieht nur an den zwei Neujahrs, tagen und am VersöhnuugStag, für welche Gelegenheit alljährlich ein großer Saal gemicthet wird. (Weekblad voor Jsraclieten). L. New-Pork, Ende. Juni. Es sollen hierzulande mehrere Rabbinersewinarien errichtet werden und speziell bezüglich eines hier zu errichtenden großen Seminars hat die Schulsekiion der ״Board of Delegates“ einen ausführlichen Plan ausgcarbeitet. Der erekutirende Ausschuß des ״Board" betont in seinem Berichte die dringende Nothwendigkeit einer Rabbinerschule und verspricht, den von der Schulsektion vorgelegeten Plan einer meritorischen Prüfung zu unterziehen und dann das Nöthige zu veranlassen. — Die vom hiesigen Sulzer- Komitä für den Großmeister der synagogalen Musik bestimmte goldene JubiläumS-Medaille ist bereits fertig. Dieselbe ist wunderschön gearbeitet und macht dem Verfertiger alle Ehre. A. Prag. 9. Juli. Dr. Adolf Hübsch, der geniale Landsmann Ben Chananja'S, wird uns also zu Ende dieses MonatS verlassen, um dem Rufe der Ahawath — Cheßcd — Congregation in New-Uork zu folgen. Sein Abgang ist zunächst ein schwer zu ersetzender Verlust für die Neusynagoge, wo Herr Dr. Hübsch eine Reihe von Jahren als Rabbiner und Prediger mit edler Würde, frommem Eifer und richtigem Takte zum Heile seiner Gemeinde thätig war. Zugleich wird aber seine Entfernung von unserer ganzen Gemeinde sehr schmerzlich empfunden, da Dr. Hübsch wegen seiner bedeutenden theologischen und filologischen Gelehrsamkeit, seines eminenten homiletischen Talentes und seiner Pastoralen Tugenden allgemein geachtet war, und zu den populärsten Persönlichkeitcn unserer Gemeinde gehörte. Die wärmsten Segenswünsche seiner zahlreichen Verehrer und Freunde (und auch die des Red.'S) begleiten ihn über den Ozean. Schulwesen. London, 26. Juni. Zu Gunsten der hies. isr. Armenschule wurde heute ein großes Bankett abgehalten. Mehr denn 100 Personen waren anwesend, darunter Oberrabbiner Adler, Rothschild, SalomonS und mehrere Würdenträger. Den Vorsitz führte der Lordmayor. Die während des Banketts veranstaltete Sammlung warf für die genannte Anstalt, deren Präsident Rothschild ist, eine Summe von zweitausend Pfund ab. Pest, 21. Juni. (Die Reich'schen Preisfragen. Fortsetzung**)- 2. Nicht minder nachtheilig auf die jüdischen Schulen und Lehrerverhältniffe wirken die in neuerer Zeit im Schooße vieler Gemeinden mit mittelalterlichem Fanatismus geführten religiösen Kämpfe. Obgleich auf streng neutralem Boden sich bewegend, erweist sich dennoch die Schule eben als die geeigneteste Zielscheibe, ans die die verschiedenen Parteien ihre Geschosse mit Sicherheit richten können, ohne von irgend einer Seite deshalb einen Gegenangriff befürchten zu müssen. Bei ihrem redlichen Streben, ferne vom Schauplatz des Kampfes, auf dem Stand- Punkte dee Unparteilichkeit zu verharren, bleibt selbe in der Regel ganz — parteilos. Weder in der ins Unabsehbare ziellos hinauSgalloppirenden Reform. noch in der mumieuartig petrifizirten Hyperorthodorie, noch weniger aber in dem Wesen- und farblosen Jiidifferentismns vermag selbe eine nachhaltige Stütze zu finden. Der Reform ist die jüd. Schule zu alt, der Orthodoxie zu ueu, dem JndifferentismuS ist sie eine leere Null. Wie also inmitten dieser unseligen Wirrnisse der Schule dem Lehrer e'ne angemessene Stellung erringen? *) S. die vorige Nummer.

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