Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 28 (11.7.1866)
- Date
- 1866-07-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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525 526 Kosten zur Veröffentlichung des neuorthodorcn Werkes aufzubringen. Freunde des Fortschrittes sollten die romantische Literatur unterstützen, da es im Interesse ihrer Sache und Richtung liegt, daß der unheilbare Bruch zwischeu der alten und neuen Orthodorie nackt und unverhüllt vorliege, und von aslen gebildeten Juden klar anerkannt werde. X Krakau, 28. Juni. Das entschiedcne Auftreten des NabduicrS in Ujhcly gegen die Chaßidäcr hat hier wahre Bestürzung hervorgerusen. Bei uns in Galizien ist der ChaßidäismuS das herrschende Element; die Orthodorie wird nur noch geduldet, und die angesehensten orthodorcn Rabbinen kokettiren mit der chaßidäischen Partei. Dagegen bildet sich im Stillen eine karaitifche Kotterie, die in diesem Augenblicke zwar nur wenige, dafür aber sehr begabte und tüchtige Anhänger zählt. Die Stunde, öffentlich hervoczutreten, dürfte für dieselben noch lange nicht geschlagen haben; daß ste aber früher oder später schlagen wird, unterlieg, keinem Zweifel Ich hatte vor Kurzem Gelegenheit, mich mit Einem von kbnen längere Zeit zu unterhalten. Er findet cS unverzeihlich, daß die Pcster Neformgeuossen 1850 der Negierung gegenüber nicht erklärten: Wir sind Karäer! Damit hätten fie, wie er behauptet, ihre Gegner entwaffnet, indem sie darauf Hinweisen konnten, daß die Karäer in Galizien von jeher geduldet, und seit der RegierungSzeit Maria Theresias sogar begünstigt worden sind. Ich halte dlesc jetzt noch unsichtbare kara tische Regung für wichtig genug, um Ihnen Kunde davon zu geben. Ich vermuthe, daß der erste JmvulS dazu in Odessa gegeben wurde, und daß Stern und Pinsker nicht nur Wissenschaft- UcheS Interesse an dem KaraiSmuü nahmen. L. K. ilermettt), 5. Juli. Am 24. v. M. hat der hiesige Rabbiner, Herr Isaak WieSner, eine Traucrfeicrlichkeit für den sei. R. Juda Aßüd veranstaltet. Die Zuhörerschaft war so zahlreich, daß die Synagoge dieselbe kaum zu fassen vermochte. Der geistvolle, haggadisch gewandte Redner sprach so kräftig, innig und überwältigend, daß man sich versucht fühlte, die Worte CieeroS ans ihn anzüweuden: ״C6teros a Crasso semper omnea, illo autera dio etiam ipsurn a sese superatum..“ (Crassus hat immer alle Uebrigen, an jenem Tage aber sich selber überlroffen.) Schulwesen. Pest, 21. Juni. (Die Reich'schen Preisfragen. Fortsetzung**). Es liegt vollends abseiten dieser Zeilen, dte Zweckwidrigkeit und die Verkehrtheit eines ähnlichen BerfahrenS von pädagogischem GestchtSpunkie aus zu beleuchten. Es genügt hier die einfache Konstatirung der Tbatsachen, wie sehr das jüdische llnterrichtSwesen hierdurch nothwcndig leiden müsse, tlidem uns nur zu häufig bi'e Erscheinung entgegentrat, daß in Folge des vornehmen GcbahrenS unserer jüdischen distiuguirtcn Häuser die Gemeindeschulaustaltc» zu förmlichen Armenschulen herabstnken. Daß für die Entwicklung dieser Institute in jenen Kreisen eben, von denen der Impuls hierzu zunächst anSgeheu sollte, ein nur schwaches Interesse vorhanden sein könne, ist unter bewantten Umständen gewiß sehr natürlich. Welche Stellung sollte nun Angesichts dieser Verhältnisse der öffentliche» Lehrer, der eigentliche Jugendbildner der mittellosen Klaffe denn auch einnchmen? Tragen doch unsere wirklichen und vermeintlichen Krösusse theils spontan, theils mittelst behördlichen Zwanges zur Er- Haltung der Gemeindeschule ohnehin ihr Schärflein bei! Sollte dies wo! nicht genügen? Sollen diese etwa dem Armenlehrer, von dessen Leistungen sie doch nie Notiz nehmen, auch noch eine seinem hohen Berufe angemessene Stellung zugestehen? — Welche Zumuthung! d) Die üblen Folgen tausendjährige» Druckes manifestiren sich leider auch dort, wo sie durch die Macht der Intelligenz wirkungslos gemacht werden sollten, in den jüdischen Lehrerkreisen. Ohne gegenseitige Werthschätznng, ohne jegliches Gefühl innerer Zusammengehörigkeit, ohne einen wie immer gearteten kollegialen Verband, ja jelbst ohne jenen Grad erhebenden Selbstbewußtscins, der im heißen Kampfe ihres ״wechselvollen Lebens״ Stärke und Ausdauer zu verleihen geeignet wäre — gebricht es den Lehrern an all den Mitteln, die eine Besser gestaltnng ihrer materiellen und moralischen Verhältnisse herbeiführen- *) S. die vorige Nummer. könnten. Hie und da wird nach dem momentanen Dortheile bloS gehascht, ohne zu bedenken, daß der augenblickliche Gewinn gar häufig auf Kosten der eigenen Ehre nur, auf Kosten des heiligen Berufes erreicht werden kann. Daß hierdurch diesem oder jenem AmtSgeuoffen mitunter ein empfindlicher Nachtheil erwächst, darum kümmert man sich nicht. Es Wurde dies hier indeß nicht als Anklage gegen die Lehrer, sondern als thatsächliche Erscheinung hervorgehoben. Gehört doch ein ungewöhnlicher Grad männlicher GeistcSstärke dazu, um unter dieser wahrhaft erdrückenden Wucht noch ein gewisses Maß'innerer Selbstständigkeit und Selbst« achtung sich zu bewahre». (Forts, folgt.) 8k. Pest, 6. Juli. Vorige Woche vrranstallete Herr ReligionSlehrer Heinrich Deutsch seine zweite RcligionSprüfung. Diesmal waren eS die Gymnasial« und Realschüler, die die zufriedenstellendsten Beweise sowol von ihrer eigenen, als auch von der Tüchtigkeit ihres LehrerS boten. Der Prüfung wohnten bei: auch Oberrabbiner Meisel, Dr. Kühn, Dr. Hirschler, Dr. Rüzsay und Andere, Neu-Berbaß, 1. Juli. Den wackern ״Ben Chanattja", diesen ' erprobten Schul- und Lehrerfreund, wird es sicherlich freuen , beitrage» zu können zur Verbreitung nachstehender Zuschrift, welche vor einigen Tagen aus behördlichem Wege dem Vorstande der hiesigen, und unzweifelhaft sämmtlichcn Vorständen der vaterländisch-israelitischen Gemeinden zugestellt wurde. Dieselbe basirt auf einem hohen Erlasse neuern Datums, welcher dazu bestimmt ist, den etwaigen Willkürlichkeitcn israelit. Gemeindevorsteher gegen die Lehrer Einhalt zu thun. Der Wortlaut jener Zuschrift ist in getreuer Uebersctzung folgender: Kopie. Z. 5538. Von der BäcS - Bodroger Komitatsbehörde. In Rücksicht der Hintanhaltung der von Seite der isr. Kultusgemeinden hinsichtlich der Herabminderung des festgesetzten Gehaltes der Lehrer, ja selbst hinsichtlich der Entlassung der Lehrer und der Ausschreibung neuer Konkurse hie und da geschehenen Mißbräuche und Gewaltlhätigkeiten. findet es die Komitatsbehörde für nöihig, in Folge des JntimateS des h. k. StatlhaliereiratheS vom 5. Mai t I., Z. 36 711, ein löbliches Stuhtgerichl aufzufvrdcrn, einerseits mit voller Energie dahin zu wirken, daß die Fasfionen der in dem Bezirke bestehenden isr. Trivial- oder Hauptschulen je eher vorschriftsmäßig abgefaßt und zur Bestätigung hieher unterbreitet werden, andererseits aber diese ift. Gemeinden ernstlich anzuweisen, daß fie die etwa zu geschehende Entlassung ihrer Lehrer mit Bcischluß des Wortlautes des auSzuschrcibenden Konkurses stets der k. Schuldistrifis-Oberaufsicht anzeigen sollen. Zugleich werde den Gemeinden bekannt gegeben, daß solche Entlassnngen und KonkurS-AuSjchreibungen nur dann als gillig werden angesehen werben, wenn dieselben durch die Schulbtstrikis-Oberanfsicht, welcher die unmittelbare Leitung und Beaufsichtigung der isr. Schulen übertragen wurde, gutgeheiße» worden Es versteht sich jedoch von selbst, daß den isr. Gemeinden das Appellationsrecht in dieser Angelegenheit auch fernerhin ungeschmälert Vorbehalten wird. Zombor, 26. Mai 1866. Der erste Bizcgespan Moriz v. La ti novit S w. p. Z. 2211. Vom Oberstuhlrichteranne des TelecSkaec Bezirkes. Ein ehrsames Ortögericht wirb hiermit beauftragt, die Kopie dieser Verordnung dem Vorstande der dortigen isr. KultuSgemeinde bei einzusendendem Reverse deöjelben zur gehörigen Kenntnißnahme und genauen Darnachachtung auSzufolgcn, und darüber zu wachen, daß diese Berordnung durch den Vorstand der isr. KultuSgemeinde pünktlich befolgt werde. Zugleich wird angeordnct, daß die Fassion der dortigen israel. Schule vorschriftmäßig abgefaßl, bis 15. Juli l. I. hieher unterbreitet werde. Kula, 3. Juni 1866. Paul Henrik, Oberstuhlrichter. Zum Ruhme der hiesigen, gegenwärtig 80 Familien zählenden Gemeinde, die seit mehr als einem Vierteljahrhunderte eine geregelte Schule unterhält, sei es übrigens hervorgehoben, daß i» derselben schul- oder lehrerfeindliche Bestrebungen durchaus keinen Boden finden; über- Haupt im hiesigen Gemeindeleben, was leider in so viele« Gemeinden ja noch der Fall ist, weder Parteiungen noch Parteilichkeiten vorhanden