Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 28 (11.7.1866)
- Date
- 1866-07-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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523 524 durch diesen Schriet gewiß Eurem nicht mehr geheimen Wunsche ent« gegen zu kommen, indem wir an Euch, Mütter und Erzieherinnen, den Vlufruf und die dringende Bitte richte», jede nach Möglichkeit in Ihrem Familienzirkel für die verwundeten Landessöhne Charpie zupfen zu lassen, die von den Gefertigten mit herzlichem Dank entgegengenommen werden. Bandagen, Leinwand sind ebenfalls dringend nölhig. Die kleinste Gabe auf dem Altäre des Vaterlandes wird mit Dank entgegengenommen. Schwestern! U,,verweilt zur Thäligkeit, damit auch wir unserer Pflicht Nachkommen, wofür wir Euch im Namen der leidenden Landessöhne und der Humanität unseren Dank im Voraus auSdrücken." L. Groß-Karlizsa, 1 Juli. Unsere Schule ist unter den Lokalitäten koui'kribirt, die zu Militärspitälern eingerichtet werden sollen. Bis zur Stunde ist sie noch verschont, da noch freie Lokalitäten zur Unterbringung verwundeter und kranker Krieger offen riehen. Hf. Pest, 8. Juli. Das Kriegsministerium hat die Anstellung zweier jüdischer Feldgeistlichen angeordnet, welches Faktum wir mit Freuden begrüßen. Unseres Wissens bekleideten bisher nur Löw bei der ^Nationalgarde des Desprimer Komitatcg und unser gegenwärtig in Paris lebende Landsmann I. G. Horn bei der Komorner Besatzung, Beide im Jahre 1848 solche Posten. Hf. Pest, 8, Juli. In der heute stattgefundenen Ausschußsitzung unserer Gemeinde wurde beschlossen, die Hälfte der im Spitale für Kranke bestimmten Belten den verwundeten Kriegern einzuräumen. Kultus und Kultusgemeinde. X. Wien, im Juli. Eine Deputation der jüd. Kultusgemeinde zu Nima-Szombat halte vor Kurzem Audienz bei Sr. Maj. dem Kaiser, um die Bestätigung der von der k. Hofkanzlei kassirten Entscheidung des k. StatthaltereiratheS zu erwirken, nach welcher der Wochenmarkt daselbst von Samstag auf Freitag verlegt werden soll. Dem Vernehmen nach hat die Deputation mit guten Hoffnungen die Hofburg verlassen. H. Brüssel, im Juni. Zum hiesigen Rabbiner ist der geistvolle und beredete Pariser Rabbinats-Adjunkt, Herr Aristides Astruc, gewählt worden. ES ist dies vielleicht der erste Fall, wo eine Gemeinde deutschen Ritus einen sefardischen Rabbiner wählte. Gebildeten Juden kann es aber nicht in den Sinn kommen, daran onch nur den geringsten Anstoß zu nehmen. D. Eperies, im Juni. Die Folgen der Nagy-Mihülyer Synvdalbeschlüsse zeigen sich in wahrhaft erschreckender Weise, ein unheimliches Halbdunkel lastet über unsere Gemeinden. Bald werden wir sehen, daß überall eine Fraktion Dunkelmänner, von der Mnttergemeinde sich trennend, Zank und Hader in die Gemeinden, Entzweinug und Haß in die Familien bringt. Hierorts hat schon eine Clique erregter Fanatiker den Besuch des Chortcmpelö verpönt und sich geweigert, das vom Gemeindeschächter Geschlachtete zu genießen, falls derselbe im Chortempcl betet. Der arme Mann kann cS nicht übers Herz bringen, seinen bisher gewahrten Ruf als Chaßid zu verlieren und kömmt um sein Amt. Ein energisches Einschreiten gegen die Maßlosigkeit des Fanatismus ibäte wahrlich noih, denn man darf die Bornirtheit als Feind nicht gering schätze». Unser würdiger Rabbiner, Herr Dr. Mayer Austerlitz, ein Schüler Hildesheimers und Eidam des MiSkolczer Rabbiners, benützt bereits die Belehrung von der Kanzel als höchst geeignete Waffe gegen sie. Gäbe Gott seinen Bemühungen den erwünschte» Erfolg! T. Badeort Füred, 29. Juni. Indem ich die letzten Nummern Ihres Blattes in meinem hiesigen, dieses Jahr wenig auimirten TuSkulum mit Muße lese, dringen sich mir manche Bemerkungen aus: die mir nicht unwerth scheine», im ״B. CH." niedergelegt zu werden, 1. In Nr. 24 S. 456 deü ״B. CH." sagt Ihr Korrespondent kr. in Pest, daß ״vorschristömäßig kein Kultnöbeamter angestellt werden kann: der nicht beider Landessprachen kundig." Wo befindet sich diese Borschrist? von wem ist sie erfloffen? wann wurde sie publizirl? Da der Herr kr. sich als einen sehr besonnenen und gewiegte» Mann zu erkennen gibt; so läßt sich wol von ihm erwarten, daß er über diese ״Vorschrift" nähere Auskunft geben wird. 2. Der Vorschlag, jüdische Feldprediger anzustellen, wurde nicht, wie Ihr Wiener Korrrespondent Nr. 24 S. 456 berichtet, zuerst von der ,Neuzeit" gemacht. Die Priorität gehört dem ״Mainzer Israeliten", in welchem ich diesen Vorschlag schon vor mehreren Jahren gelesen habe. Der ״Mainzer" vergaff aber, wie sonst öfters, auch hier seine Rolle, nach welcher nicht vom Feldpredigern, sondern von Feldschochatim die Rede sein sollte. 3. Ihr- Korrespondent von Szerdahely 'Nr. 25 war schlecht unterrichtet. Die׳ dort genannten Korypbäen Pappenbeim, v. Fischer, AbeleS, haben zu׳ dem daselbst namhaft gemachten Zwecke gar nichts gespendet.- Der Sohn des Herrn v. Fischer fährt, wie ich höre, in Stuhlweißenbürg fort, die Orthodoren zu unterstützen, so weit nämlich keine Geldopfer damit verbunden sind. 3. Königsberg (in Preußen), 20. Juni. Die Antwort, welche dem Wiener Gemeindevorstande wegen der jüdischen Feldgeistlichen zu-׳ ging, stimmt genau mit dem Bescheide überein, welcher dem Rabbiner Dr. Jolovicz in derselbe» Angelegenheit am 22. und 29. v. M. vom Generalkommando des 1. Armeekorps und dem Kriegsministerium geworden. Das Schreiben des kommandirenden Generals von Bonin lautet 7 ״Euer Wohlgeborcn! In dem gefälligen Schreiben vom 2l. d. M. gemachten Vorschläge, Ihren tat Armeekorps vorhandenen GlaubenSge- Nossen die Segnungen einer Seelsorge zu Theil werden zu lassen, kaum ich nur beistimmend volle Anerkennung widerfahren lassen. Bei der jedochverhältnißmäßig nur geringen Zahl derselben bei den mobilen Truppen kann ich einen dahin gehenden, an das königliche Kriegsmiuisterium zn stellenden Antrag nicht für grrechlfertigt halten." Dem beipflichtcnd fügt der Minister von Roon hinzu: ״daß bei der verhältnißmäßig geringen- Zahl der jüdischen Glaubensgenossen in der Armee und in Berücksichtigung, daß dieselben in den verschiedensten Truppen vereinzelt und zer-- streut sich befinden, die Regelung der Seelsorge für dieselben nicht angängig ist." — Der Berichterstatter aus Unghvär wundert sich darüber,, baß die ungarischen Siebziger neuesten Datums die 613 Gesetze in den Alharot zu finden meinen. Mich befremdet dieses Kunststück nicht im geringsten, denn diese Hochwcisen schreiben אזהרת ohne ן und finden,, nach dem Vorgänge der alten Rabbiner, welche ähnliche Kunststücke produzirten, den Zahlenwerth dieses Wortes eulvrechend dem von )"יתרי — Doch. Scherz bei Sette! ich will den Herrn Siebzigern ein ernstes- Wort zur Bcherzignng und zum Nachdenken mitlheilen. Einer ihrer nunzn den Vätern versammelter Glanbcnskämpe, der, wenn ich nicht irre, von den jüdischen Armen in Jerusalem zum Pascha von Palästina׳ נשיא א"' ernannt war, ich meine den hiesigen verstorbenen Bizerabblner Jakob Hirsch Mecklenburg, nun, dieser hochwürdige Mann gehörte bekanntlich zu den 77 Rabbinern, welche ״!»! Jahre der Wett 5605" die Beschlüsse der Braunschweiger Rabbiueiversammlnng als ketzerisch verdammten, und elf Jahre nachher hat er selbsteigen einiget« hiesigen altgläubigen Gcmeindemitgliedern solgcnde» Dispens zum öfs e n t l i ch e 11 G e s ch ä s t S b e t r i e b an Sabbat und Festtage» ertheilt: ׳למען הסר תלונה ו-השדא הנני להודיע ברבים כי •ההתעסקות בהנות זו ע״י א״י בשבתות וימים טובים נעשה בהיתר ע״פ הרין: יעקב צבי מעקלענבורק קעניגסבערג כסלו התרט־׳ז: Diese» Erlaubnißschltti können die Herren Siebziger in Goldrahmcn gefaßt im Komptoir der Herren Goldammer und Daniel hier prangen scheu, und — doch hier lasse ich einen Gedankenstrich, den der Leser sich selbst ansfülleii wolle, denn es verlohnt sich wirklich nicht der Mühe, über das Thun und Treiben dieser Leute zu iprcchen. Bade» , 30. Juni. Da Sie sich in Ihrem Artikel über die Fusion so skrupulöser Getianigkeit befleißen, so dürste es Ihnen willkommen sei» , zu erfahren, daß die von Ihnen gebrachte Mittheilung׳ über daö Hamanklopfen in Eiscnstadt (Nr. 23. S. 425) ungenau ist. Dasselbe ist nicht ״untersagt", sondern zeitgemäß veredelt. Die Ge-- mcinde muß sich ruhig verhalten, aber der Rabbiner und die Gemeinde« Vorsteher geben je drei Schläge, damit andeutend, daß Haman als Mensch, Bürger und Statömann verabscheut zu werden verdient. Das entschiedene Auftreten der Orthodorie im nördlichen Ungarn macht der Romantik schlaflose Nächte. Die Wortführer derselben bereuen es tief, nicht gleich Anfangs entschieden gegen die äußerste Rechte Front gemachtzu haben. Der stets kampfrüstige Dr. Hildesheimer hat zwar seiner Zeit gegen das ״Leb Ha-Jbri" eine geharnischte Eiitgegnung geschrieben^ Dieselbe konnte aber nicht ans Tageslicht treten', weil Niemand die- Druckkoste» bestreite» woklrc: ״Beim Gelbe hört die Gemüthlichkeit auf!"' Wie ich höre, gibt sich ein hiesiger Badegast im Stillen Mühe, div