Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 28 (11.7.1866)
- Date
- 1866-07-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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521 522 zng lautet, wörtlich aus dem Ungarischen übersetzt, folgendermaßen: 37״. Es wird das Gesuch der Witwe deS Zgnaz Großmann ver, lesen, die mit vier unerzogenen Waisen ohne Vermögen zurückgeblieben, den Verein um Unterstützung angeht. Zgnaz Großmann war früher Direklor der ungarischen Mädchenschule der Pester isr. Gemeinde, später Professor der Pester Handelsakademie, seiner schwächlichen Gesundheit wegen war er gezwungen, das letztere Amt niederzulegen, worauf er bei der Losonczer Eisenbahn, unglückseligen Andenkens, angestellt wurde. Er war ein eifriger Pfleger der ungarischen Literatur. Nach dem Urthcile von Fachmännern ist sein unter dem Titel: ״Grundzüge der Glementar-Algebra" (in ung. Sprache) erschienenes Werk daS vorzüglichste unter allen auf diesem Gebiete erlchieuenen ungarischen Schul, büchern. Für die ״naturwissenschaftliche« Mittheilungen", wie auch für andere Zeitschriften schrieb er zahlreiche treffliche Artikel. Der Präsident (Baron Josef TötvöS) empfiehlt die Witwe des Ignaz Großmann umsomehr der Aufmerksamkeit des Ausschusses, als der Verblichene einer der vorzüglichsten ungarischen Israeliten war, sowol auf wiffenschaftlichem, als auf sozialem Gebiete." Auf diesen Vortrag wird folgender Beschluß gefaßt: ״Bis in dieser Angelegenheit am Schluß des Jahres bei Feststellung des künftigjährigen Budgets eine definitive Verfügung getroffen werden wird; sollen schon jetzt, für die zweite Hälfte des laufenden Jahres, der Witwe des Ignaz Großmann aus der Bereinskaffe fünfzig Gulden ö. W. angewiesen werden, welche Summe in zwei vierteljährigen Raten am Beginne jedes Quartals im Vorhinein auszuzahlen ist." Das Protokoll ist vom 6. d. M. ausgestellt und vom provisorischen Sekretär, dem berühmten Aesthetiker und Prosaisten, Paul Gyulai gefertigt. Szegedi», 8. Juli. Vor uns liegt ein Schreiben eines jüd. Feldwebels an seine Mutter, datirt vom Fort Malamocco, am 2. Juli. Wir entnehmen demselben folgende Zeilen: ״Heute Nacht gehen wir in eine Schlacht. Ich habe mit einer 85 Mann starken halben Kompagnie im Vordertreffcn einen Punkt bis auf den letzten Mann zu vertheidigen. Gott helfe mir und allen braven Soldaten, wie auch Jedem, der es redlich meint: לא אמות כי אהי׳ ואפס!־־ מעשי־יה Vielleicht gönnt mir der Allmächtige, noch einmal tut Kreise meiner guten und süßen Familie von den Wunderthaten Gottes zu erzählen" Bukarest, 1. Juli. Der amtl. Wiener ״Ge».-Kor." wird von hier geschrieben : ״In den Donaufürstenthümerii nimmt die Gesetzlosigkeit und. Anarchie täglich in riesigem Maßstabe zu. Der gestrige Tag lieferte den Beweis, daß in der Hauptstadt des Landes die Sicherheit des Lebens und d«S EigcnlhumeS vollkommen aufgehört hat und daß die Regierung des Prinzen Hohenzollern durchaus ohnmächtig ist, der Willkür des sanatisirten Pöbels irgend welche Schranken zu setzen. Schon seit mehreren Wochen werden eine Menge von Brandschrifteu gegen die Fremden n»d gegen die Juden vertheill, ja die ״Trompeta Carpatzilor" fordert offen in ihren Artikeln zur Judenhetze und zum Judenmorb auf, während die Regierung dieses wüste und kannibalische Treiben nicht hindert. Der Finanzmiuister Bratiano entblödete sich nicht, von der Tribüne in der Kammer die Israeliten mit dem Ausdrucke ״verfluchte Juden" und ״elende Parias״ zu bezeichnen und man kann sich daher auch nicht wundern, daß der Pöbel von Butarest, getrieben von Beutelust Md der Hoffnung, sich von dtn Schuldforderungen der Israeliten aus eine bcqueme Manier zu befreien, sich schon lange auf die intendirte Juden- Hetze vorbereitete und freute. Es war in der ganzen Stadt bekannt, daß der gestrige Tag, an welchem der Artikel über die Emanzipation in der Kammer berathen werden sollte, zum Ansbruch der Verfolgungen gegen die Israeliten bestimmt war; aber nichtsdestoweniger waren von Seiten der Negierung nicht die geringsten Maßregeln getroffen, um die jüdischen Einwohner vor Raub und Gewaltthat zu schützen. Gegen Mittag versammelte sich ein aus vielen hundert Menschen bestehender Volks- Hause auf der Metropolie, wo die Kammer ihre Sitzungen hält, und verlangte unter Schimpfen und wüthendem Geschrei, daß das Gmanzi« pationSgesetz znrückgezogen werde. Einen unglücklichen Juden, welchen man bei dieser Gelegenheit ergriff, schlug man so lange mit den Fäu« sten und Stöcken, bis er ohnmächtig zusammensauk und später den Geist ausgab. Die Deputirten verließen den Sitzungssaal, theilweise durch die Fenster, und eine Proklamation, unterzeichnet von Rosetti, Bratiano Cartagiu und Cantacuzen versprach dem Volke, daß die Fremden und die Juden in Rumänien keine Rechte erlangen sollten; aber der einmal aufgeregte Plebs war damit nicht zufrieden, sondern verlangte Opfer. Tr zog nach dem neuen Judentempel, einem Meisterwerke der Kunst von außen und innen, und zerstörte denselben mit einem Vandalismus, welcher in der neuern Geschichte beinahe ohne Beispiel ist. Der Altar wurde zertrümmert, alle Fensterscheiben zerschlagen, sämmtliche Zierrathen zerbrochen und selbst das Gewölbe, die Marmorplatten des Fußbodens und die eisernen Gitter demolirt. In einer Stunde war das prachtvolle Gebäude mit vielen, theilS unersetzlichen Kunstwerken verwüstet und dann, aber erst alsdann kamen einige Kompagnien der Nationalgarde und Aktheiluugen Dorobanzen auf dem Schauplatze der Zerstörung an und besetzten denselben. Die Angst der nnglücklichen jüdischen Familien hatte während dieser Zeit den höchsten Grad erreicht, aber auch sämmtliche christliche Kausieute in den Hauptstraßen hauen aus Furcht vor dem Pöbel sofort ihre Läden und Gewölbe geschlossen; Jedermann durfte nur noch auk sich selbst rechnen, um sein Leben und Eigenthum zu schützen. Eine großeMenge von Israeliten hatte auf dem * österreichischen und dem russischen Konsulate Schutz gesucht und gefnnden. Im Hofe des russischen Konsulats kampirten noch während der Nacht über hundert jüdische Familen. Der österreichische Konsul schickte sofort einen Dragoman an den Polizeipräfekten, mit dem ernstlichen Ersuchen, Maßregeln zur Sicherheit der bedrohten Bevölkerung zu treffen und derselbe versprach, daß die ganze Nationalgarde in der Nacht aufgeboten werden sollte, um die Ordnung aufrecht zu erhalte». Es ist dies geschehen; aber die Gefahr für die jüdische Bevölkerung ist nichtSdrstoweniger noch nicht beseitigt. Die reicheren Juden erhielten Droh- und Brandbriefe, welche ihnen ankündigen, daß ihre Wohnungen ebenso zerstört werden würden, wie die Synagoge, und, es finden Erpressungen der nichtswürdigsten Art statt. Während dessen kulschirt der sogenannte Regent des Landes in den Lagern herum und besichtigte gestern die Stau Tirgovescht, in welche er sich für den Fall, daß die Türken über die Donau gehen sollten, zurückzuziehen gedenkt, weil diese Stadt eine srhr feste unv gesicherte Lage im Gebirge hat."*) ß. Aus Siebenbürgen, 5. Juli. Den vielgeprüften Juden der Moldau-Walachei, denen die ״drei Wochen" dieses Jahres so tiefe Wunden geschlagen, steht es allerdings frei, sich an die europäischen Regierungen zu wenden; werden aber diese jetzt geneigt sein, sich mit jüdischen Angelegenheiten zu beschäftigen? Fast unglaublich, aber wahr ist es, daß dieselben Minister, die die Wuth des wilden Pöbels in Bukarest nicht zu zügeln vermochten, die Juden förmlich bestürmen, um bei ihnen Geldanlehen zu machen! Man glaubt allgemein, daß es in den Donaufürstenthümern noch schlimmer herginge, stände nicht eine türkische Armee an den Grenzen des Landes. L. Kronstadt (Siebenbürgen), 4. Juli. Die Tcauerpost von ' Bukarest ist sicherlich auch zu Ihnen gedrungen. Auch in Jassy sollen Gewaltthaten a» den Juden verübt worden sein, und spricht man von. einer bedeutenden Anzahl Getödteter und Verwundeter. Eine kleine Schaar jüdischer Familien hat bereits den Wanderstab ergriffen, auch hier sind mehrere Familien eingetroffen. Möge .der Allmächtige unsere Brüder vor weitern Gefahren behüten! Waitzen, 1. Juli. Der hiesige isr. wohlthätige FraukNverein hat heute folgenden, von den Frauen Johanna Reiser und Nina Hirsch seid Unterzeichneten Aufruf versendet: ״Schwestern! Während tiefe Trauer jedes Herz erfüllt, die tapferen Söhne unseres Vaterlandes kämpfen und ihr Blut vergießen, ist uns die traurige Aufgabe, jede nach Möglichkeit für die Pflege unserer Landessöhne zu sorgen und zur Linderung ihrer Leiden nach nnseren^Kräfien beizutragen. Wir glaube» *) Ein Schrei des Entsetzens wird sich in der europäischen Presse ob dieser Ausbrüche wilder Volkswuth vernehmen lassen; das Geschehene kann aber dadurch nicht ungeschehen gemacht werden! Die gebildeteren Juden in Bukarest unterließen es, ihre neuerbaute Synagoge unter den Schutz einer europäischen Großmacht zu stellen, was ihnen ein Leichtes gewesen wäre, weil sie der rumänischen Nation nicht nahe treten wollte«. Der raublustige Pöbel Bukarests und dte feige Regierung der Moldauwalachen, deren Mitglieder erst vor Kurzem Crämieur gegenüber, die Liberalen spielten, haben daS in sie gesetzte Vertrauen auf eine eklatante Weise gerechtfertigt!! Red-