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Ben Chananja · 1866-07-11 · 28 (11.7.1866) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
28 (11.7.1866)
Date
1866-07-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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510 520 wie dies die altarabische» Dichter in ihren Dichtungen zu thun pflegten. (Schluß sol,t.) Wiener Griefe. VII. Wien, (Silbe Juni 1866. (Schluß*) Nach dem bekannten Spnchworte: l’appetifc vient et! mangoant steigerten die Herren ihre Anforderungen, nachdem sie an der Negierung eine mächtige Stütze gefunden hatten. Zu sehr praktischer Weise sprachen sich die Herreu dahin ans, sich mcht von der Muttergemeinde trennen zu woklen, da sie wvl wissen, daß sie sich nicht in der Lage befinden, ans eigenen Mitteln Gemeinveinstiiulionen ins Leben zu ruf-N. Hingegen stellten sie Anforderungen anderer Art. Wir wollen hier einige derselben anführen und Bemerkniigen daran knüpfen. 1. Die Gemeinde soll für dieselben drei Belbäuser errichten, und zwar eines in der innern Stadl und zwei in den Vorstädten. Als .10» stenüberschlag präliminiren sie für das erste 60.000 fl. und für jedes von beiden letzteren 20.000 fl. 2. Wünschen sie, daß der Rabbiner Sitz und Stimme in den VorstaudSsitznngeu habe, in welchen über religiöse Fragen verhandelt wird. 3. Soll der Vorstand verpflichtet sein, bei der eventuellen Wahl eines Rabbiners ans der Milte der Vorstände der orlhodoren Bethäuser ebenso viele Personen in daS betreffende Wahlkomitö wäblen zu lassen, als er selbst dazu designirt. Untersuchen wir diese d6sid6ria etwas genauer: Der erste Wunsch erinnert uns an die Mittheilnng eines Freun« des. Dieser war vor einigen Jahren in Deutschland. In Berlin besuchte derselbe den damals noch lebenden Herrn Dr. Holdheim. Gesprächsweise bemerkte dieser, daß der Vorstand der Berliner Gemeinde keinen Bei, trag zur Erhaltung der Kultnsinstitntionkn der Reformgemeinde leisten wolle. Mein Freund fand diesen Vorgang in der Ordnung, da eine Gemeinde unmöglich sich herbeilassen kann, Zwecke von Fraktionen zu fördern, da sie dadurch gleichsam das Schwert schärst, welches ihr Leben bedroht, zudem aber konnte ein solcher Vorgang nur geeignet sein, das Fraktionswesen zu fördern und die Gemeinde respektive der Vorstand könnte bann der einen Fraktion nicht versagen, was der andern gewährt wird. — Mein Freund ging von Berlin nach Frankfurt am Main. Daselbst besuchte er Herrn Rabbiner Hirsch. Auch dieser beklagte sich darüber, daß die Frankfurter Gemeinde nichts für seine Synagoge thun wolle. Mein Freund erzählte hierauf, daß Herr Dr. Holdheini eine ähnliche Klage führe, welche Znsaminrnstellung jedoch Herr Rabbiner Hirsch sehr übel nahm, indem er meinte: ״Holdheim ist ein Goj." Mein Freund meinte, er halte sich nicht berufen zn entscheiden, wer im Rechte oder im Unrechte sei, er konnte nur eine subjektive Ansicht aus» sprechen. Er glaubte jedoch, daß Herr Dr. Holdheim Herrn Hirsch nicht für einen echten und rechten Juden halten werde. Wir halten diesen Standpunkt für vollkommen korrekt und wollen nur noch bemerken, falls es sich nicht um eine Fraktion handelt, sondern daß ein ansehnlicher Tbeil der Gemeinde so zn sagen eine respektable Minorität bildet, so wird es ihm einerseits nicht schwer fallen, zum Theil sich die Mittel selbst zu verschaffen, und zum Theil vom Gemeinde- Vorstände dieselben zn erhalten, da vorauszusetzen ist, daß Mitglieder dieser respektablen Minorität sich auch im Vorstände befinden, welche für eine Subvention stimmen werden. In der Thal finde» wir ein solches Verhältinß in Hamburg, wo die Tempelgemeinde euie Subvention aus der Gemeindekasse erhält. Indessen muß zu Gunsten der hiesigen orlhodoren Partei in dieser Beziehung folgendes angeführt werde),. Der Vorstand einer jüdischen Gemeinde hat allerdings die Verpflichtung, Bethäuser in genügender Anzahl zu errichten. Nun bestehen hier zwei Bethäuser, das in der innern Stadt faßt beiläufig 1500 und das in der Leopoldstadt 3500 Personen; — in Wien befinden sich jedoch circa 30.000 jüdische,. Seelen. *) S. die vorige Nummer. Es dürfte sich also viesteicht in dieser Richtung eine Vereinbarung erzielen lassen. ad 2. haben wir es selbst im ״B. CH." befürwortet, daß dem Fachmanne Sitz und Simme in den Vorstandssitzungen zukomme, wenn eben betreffende Fragen vorliegen. In der That ist dieser Vorgang auch statuarisch in verschiedenen Gemeinden festgesetzt. Hier liegt jedoch die Frage nicht so, wie anderswo. Die Gemeinde betrachtet hier nach wie vor den Prediger als die erste Perlon in ooolesiastiois. Wenn sie also dem Fachmanne in KultuSatigelegenheiten Sitz und Stimme bei den betreffenden Sitzungen einräumen würde, so wirb sie diese Stimme dem Prediger und nicht dem Rabbiner geben. Freilich könnte dann die Frage sein, welchem Prediger, oder ob sie beiden gegeben werden solle? Wir wollen indessen auch hier zugeben, daß eine Verständigung sich erzielen lassen kann, bei welcher alle Interessen gewahrt werden Worüber sich aber absolut nicht verhandeln läßt, ist der dritte Punkt. Den muß der Vorstand pur 6t siwpls zurückweisen. Da gibt es keine Transaktion, keinen Vergleich. — Wir wissen die bisher bestehende Einsicht der Gemeinde sehr zu würdigen. Obschon sie bei verschiedenen Gelegenheiten der guten Sache Abbruch gethan, ״der Starke weicht muthig zurück", — ist die Devise des Vorstandes, sobald er nur vermuthet, es könnten seine^Beschlüsse der Partei mißliebig sein;/r letzt selber seinen Stolz und Ruhm darein, sich orlhodor zu nennen. Würde jedoch der Vorstand seine Zustimmung zu einer Statutenänderung in diesem Sinne geben, so hätte er zugleich moralisch seine Demission gegeden. Wir würden es begreifen, wenn der Wunsch ausgesprochen wirb, daß bei der Anstellung eines Rabbiners oder Predigers der Vorstand durch einen ad 1106 aus den Gemeindemltgliedern gewählten Ausschuß sich verstärke, wie so aber die Herren Orthoboren die bevorzugte Skellung einnehmeu sollen, daß aus ihrer Mitte der Ausschuß gewählt werde, will uns nicht einleuchten und zeigt nur von einer grenzenlosen Verblendung. Wir haben es bereits ausgesprochen, daß wir die Vorstaudsmitglieder der orlhodoren Bethänser, in soweit wir sie kennen, als sehr achtungSwerthe Personen haben kennen gelernt; aber die Herren dürfen sich nicht aufs hohe Roß setzen, und rorgebeu. daß sie Kapazitäten seien. Auf theologischem Gebiete sind sie in diesem Falle Siddurlomdim und da ist noch die Frage, ob mancher derselben, wenn er אשם תלוי sagt, bei letzterem Worte an dessen wirkliche Bedeutung denkt und auf allgemeinem wissenschaftlichem Gebiete mögen sie vielleicht gehört haben, daß ein Humboldt eristirte und daß ein Zunz noch lebt. Doch genug über die Sache. So weit uns bekannt ist: לא תקוס ולא תטור• Korrespondenz. Emanzipation und bürgerliche Verhältnisse. X. Wien,. 2. Juli. Die Oinbbiimi zu Krakau und BoSkowitz, — letzterer als mährisch-schlesischer Oberlandesrabbiner, — haben Palriotische Briefe an ihre Gemeinden gerichtet, dieselben aufsordernd, ihre Treue gegen den Kaiser nnd ihre Liebe zum Vaterlande nach jeder Richtung hin. mit Gut und Blut zu bewähren. Viele sind diesen Er- Mahnungen durch ihre Opferwilligkeit zuvorgekommen. Das Haus Sam. F. Goldberger hat 1000 fl. zu den Kriegskosten gespendet. X. Wie», 8. Juli. Die hies. Blätter berlchten, daß Se.Maj. für die Kriegöbauer die Anstellung je eines isr. Felbpredigers bei der Süd- und Nordarmee genehmigt hat. Derselbe ist in der Charge und dem Gebührenbezug den Militärkaplänen 3. Klasse gleichgestellt und hat an gottesdienstlichen Requisiten die Thorarolle, drei Gebetmäntel und mehrere kleme Gebetbücher mitzuführen. Nach dem Feldzug erhält er eine dreimonatliche Gage und Ersatz der Reisekosten als Abfertigung. B. Pest, 8. Jul;. Ich bin in der angenehmen Lage. einen schönen Akt der Humanität nnd der Mildthätigkeit registriren zu können nnd brauche hierzu nichts, als einen Auszug aus dem Protokoll der am 5. Juli d. I. abgehaltenen Ausschußfitznng des ungarischen Schriftsteller -UnterstüjtzungsvereinS mitzutheilen. Der Aus-

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