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Ben Chananja · 1866-07-11 · 28 (11.7.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
28 (11.7.1866)
Date
1866-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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517 518 Dies sind die dreifachen Uebelstände, zu 'denen das Festhalten an der starren zeremonialen Ferm führt. Es fragt sich nun, welche Grenze hätte die Veränderung der zeremoniellen Form in der Gegenwart einzuhalten? Die Antwort ist nicht so schwierig, als viele Wortführer das Volk glauben machen wollen. Das Judenthum ist, wie ich oben angedentet und in einem früheren Vortrage näher dargethan, nach seinem wahren, spezifischen Charakter religiös und welthistorisch. Um diese beiden Angelpunkte dreht sich die ganze Entwicklung, richtiger: Fortbildung und immerwährende Umgestaltung seiner äußern Erscheinung in Gebräuchen und kultuelle» Jnstitukionen. Die Zeremonien als Wächter, das heißt Wecker des Religiösen und Welthistorischen müssen demnach in ihren Formen von der Art sein, daß diese beiden Momente durch sie zur Anschauung gebracht werden. Schon zur Zeit der Entstehung des Talmuds erkannte man die Doppelnaiur des Judenthums, als Religiöses und Welthistorisches, nur hielt man diese beiden Momente einseitig auseinander und meinte, in jedem einzelnen desselben liege allein die ganze Wahrheit des JndenthumS, was aber ebenso falsch war und ist, wie die Ansicht derer, welche meinen, die Wahrheit liege zwischen diesen beiden Momenten in der Mitte. Nein, nicht in der Mitte dieser Momente, sondern in beiden zusammen ist die Wahrheit enthalten, wie Jeder bald heranSfühlt, der die betreffende Talmudstelle in Betracht zieht, wo der eine Rabbi (Ben Asai) den Kern und die Aufgabe des. Judenthnms in seiner weltgeschichtlichen Stellung findet und darum die Worte 1 ״זה ספר תולדות אדם״ Mos. 5, 1. als den Hauptlehrsatz der Thora aufstellt und hervorhebt, während der andere Rabbi (Akiba) im Gegentheil das Neligiössiktliche als Kernpunkt deS Judenthnms festhält, und in Folge dessen den Vers 3 Mos. 19, 18. ״ואהבת לרעך כמוך״ als Haupllehre der Offenbarung hinstellt. Hat man aber die. gegenseitige Durchdringung des Religiösen und Welthistorischeu im Judenthume einmal richtig erkannt, und ist man mit der Fackel der Geschichte in der Hand ihrer Entwicklung bis auf die Gegenwart gefolgt; so wird es bei der Umbildnng und Neugestaltung der zeremoniellen Formen leicht, die Grenzlinie zu bestimmen, welche nicht ohne Nachtheil für die Gesummt heil zu überschreiten sei. Jede Form nämlich, welche geeignet ist, die Erkenntniß des religiösen und welthistorischen Wesens deS Judenthnms irgendwie zu trüben und irgend welche abergläubische Vorstellungen und Ansichten zu erzeugen, ist ebenso streng und nnnachsichtlich abzuweisen, wie die, welche einem ausländischen Boden entnommen, in fremden Kreisen erzeugt nnd gepflegt worden. .Sie sind nicht dazu geeignet, die Klangfiguren eines spezifisch-jüdischen Bewußtseins in uns wachzurufen und schaden nach Innen und Außen. Nach Innen erstickt die unverstandene, tobte Form die Empfindung des jüdischen BewußtseinS, und nach Außen hin lähmt sie die in den Gebildeten noch rege gehaltene Triebkraft des Judenthnms, einen Theil des großen Schatzes geistiger und sittlicher Kraft dem ge- «einsamen Werke der Zivilisation der Menschheit zu widmen. Eil» Wort iiöcr jüftifrije 3l'(Mjefe|;egefc. Von Rabbiner De. Simon Nascher. (Fortsetzung.*) Hiob Kap. 5 V. 7 כי אדם לעמל יולד ובני רשף יגביהו עוף die Etymologie des Wortes רשף mit der Vorsetzung ובני macht älteren wie neueren Kommentatoren viel Schwierigkeit, der Sinn ergibt sich aber sofort, lesen wir statt רשף methak. רפש (analog. (ויגרשו מי2י' רפש וסיס ״Nur der Mensch ist znm Elend geboren, während selbst die Insekten, die Ausgeburten des Sumpfes, sich fliegend erheden", es ist das ein Ausdruck der vollsten Verzweiflung, an dem der Ausspruch eines sehr fruchtbaren deutschen Poeten der neuern Zeit anklingt und der sich um so treffender an den vorhergehenden Vers כי לא יצא מעפר או( ומאדמה לא יצמח עמל au schließt, als wir dadurch einen Progreß int Ausdrucke von עפר zu ארמה und רשף Staub, Erde nnd Schlamm herausfühlen. Auch das nachfolgende אולם אני״" paßt ganz gut: ist der Mensch seiner Natur nach einmal so niedrig gestellt; nun denn, so muß wo anders seine Stärke zn suchen sein, nämlich im Geiste, ״mittelst dessen ich mich zu Gott wende und erhebe", eS ist dies die logische Brücke, die die beiden innerlich fast lose aneinanderhängenden und nur äußerlich mittelst der Partikel אולם zusammengestellten Verse auch innerlich enge verbindet. Jes. Kap. 33. V. I. הוי שודד ואתה לא שדור כהתימך שור תושר כנלותך לבגוריבגרו בך Das Wort כנלותך ist nach der gewöhnlichen Terteöleseart geradezu unverständlich, wird aber klar, lesen wir für כגלותך transp. בכלותך (analog. Numeri .... בבבלי הס אשר נכלו) in der Bedeutung von Hinterlist, Ränke. Der Profit Jesaia hält sonach in dichterischem Schwünge und begeistertem Be.׳ wußtsein dem chaldäischen Eroberer die Worte entgegen: ״O du Verwüster! du selbst unverwüstet, wie harmlos und zahm du dich auch stellen mögest (hiphil. infin mit II. 'Personsnff. von תם) du wirst schon zerstieben an deiner Kabale, man wird treulos gegen dich." b) Metathes. bei ganzen Sätzen: Psalm 49, 13 ואדם ביקר בלירין במשל כבהמות ברמו das Wort במשל ist in seiner gegenwärtigen Stellung zum mindesten überflüssig und fällt dadurch auf, daß es im Singular steht, während daS korrespondirende בדמו in Nuckbe- Ziehung auf אדם als coDstructio acl intellectum plaralisch ist. Diese Bedenken fallen aber gänzlich weg, fitzen wir במשל als Epitheton zu voraustehendem, in dem 49. seiner änigmatischen Fassung wegen (V. 2) משל genannten Kapitel zweimal vorkommenden, Verse, der gleichsam die Pointe bildet, in dem daS Ganze gipfelt, zu dem der Gesammtinhalt sich zuspitzt. Also in folgender Weise: [״:משל: ואדם ביקר [ולא יבין כבהמות ברמו" Auflösung: ״Der Mensch, der seiner Stzürde nicht bewußt ist, gleicht dem Thiere." ES würde dadurch auch eine Gleichheit der Wortzahl in jedem Vertstheile erzielt werden, was als Formschönheit in der althebräischen Dichtung gilt. Ich habe mich übrigens des Nähern in meiner demnächst zu veröffentlichenden Schrift über die Gnomik (maschal) bei Juden und Arabern auöeinandergesetzt. Hiob Kap. 12. Vers 5. לפיד בון לעשתות שאנן נכון למועדי רגל die Schwierigkeit dieses Verses hat schon viele Eregeten vollauf beschäftigt, diese hebt sich aber sofort betrachtet man diesen Vers im Anschluß an den vorhergehenden שתוק צדיק תמים als ein Epigramm, das mit derselben Berechtigung in den hebräischen Tert verflochten wird *) S. die vorige Nummer. 28

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