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Ben Chananja · 1866-07-03 · 27 (3.7.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
27 (3.7.1866)
Date
1866-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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507 508 gknhn't gegeben hat. Sollte dos verwegene Dzikßü in seiner' beispikllosen Anmaßung so weit gehen, daß eS seiner Gneyklika die ihm belie« bigen Namen beisetzt; oder sollte dieselbe wirtlich von Herrn Maier Perls unterschrieben worden sein? Ich bin in der Lage, hierüber genauen Aufschluß zu geben*). Zu Anfang des vorigen Winters ließ Szikßü dem hiesigen Rabbiner mit Zetergeschrei vorstellen, daß eS Nöthig sei, gegen den Fortschritt, im Judenthnme Maßregeln zu ergreifen. Zugleich wurde der Herr Rabbiner Perls zu der Nagy-Miballier Synode eingeladen. Letzterer erklärte, ebenfalls überzeugt zu sein, daß man die jüdischen Angelegenheiten in Ungarn ordnen müsse; er wünsche aber, daß zur dieSfälligen Besprechung die tüchtigsten Äabbinen Ungarns eingeladen werde,, sotten. Damit wollte Herr P., wie ich mit aller Bestimmtheit versichern kann, sagen, daß die Cbaßidäer auSgeschloffen werden müsse». Und Szikßü hatte die Berwegenheit, auf Grundlage dieser Erklärung den Namen des ehrw. Rabbiners Maier Perls zu mißbrauchen! Daß sich letzterer in keine Polemik einläßt, ist aus den Zuständen unserer Gegend leicht erklärlich. Szikßc) hat ein Heer bewaffneicr Zeloten hinter sich, und einem solchen Holzkoloß muß die Intelligenz wolweislich ans dem Wege gehen. JonaS Rooz. P. Szenteö, 29. Juni. Am 19. d. M. hat die feierliche Znstallaiion unseres Herrn Rabbiners, Dr. Friedmann, stattgefunden. Die ungarische», deutschen und hebräischen Ansprachen, die an denselben von Dr. Pvllaf und Lehrer Felsenburg gehalten wurden, hat er in denselben Sprachen treffend beantwortet. Die Antrittsrede begeisterte die ganze Gemeinde. Möge Herr Dr. Fr. als Mann des Friedens fegenreich in unserer Mitte wirken! Schulwesen. Pest, 21. Juni. (Die Reich'schen Preisfragen. Fortsetzung**). I. ' '■ Die Nebelstände, die auf die Stellung des jüdischen Lehrers in schmerzlich nachtheiliger Weise influiren, wären leichter zu bezeichnen, so eS deren minder viele gebe. Doch mögen hier die wesentlichsten derselben blos nebst ihren Konsequenzen in möglichster Kürze skizzirt werden. 1. Der bedauernSwerthe Umstand, daß die Juden in den meisten europäischen Statcn ״trotz des allgemeinen Fortschrittes" noch immer einen zu tiefen Standpunkt einnehmen, dürfte es vorzüglich sein, der auf die gedeihliche Entwicklung des gesammten GemeindelebenS einen höchst ungünstigen Einfluß übt, von dem selbstvecständlich auch das jüdische Schulwesen nicht gänzlich unberührt bleiben kann. Die unerquicklichen Folgen dieses Nebelstandes sind: a) Kann bei einem ähnlich trostlosen Zustande, in dem unsere GlaubtiiSgenvffen in sozialpolitischer Beziehung sich befinden, von denselben kaum erwartet werden, ihren Beamten gegenüber ein freieres Berhalten zu beobachten. Ein Körper, auf den ein ungeheurer Druck geübt wird, übt seinerseitS einen durch die eigene Schwere noch erhöhten Druck. Es ist dies ein Naturgesetz, das in moralischer Beziehung nicht minder volle Geltung hat, denn in physischer. Dieses Naturgesetz ist eS, vermöge dessen in der hart bedrückten jüdischen Gemeinde die Stellung nicht blos des Lehrers, sondern auch des Rabbiners, Kantors u. s. f. sehr erschwer! wird. Als fernere Folge dieser deplorablen Zustände muß bie' gänzlich mangelhafte Organisation namentlich der jüdischen Landgemeinden bezeichnet werden, weshalb sie außer Stande find, der: in ihrem Schoße bestehenden Gemeindeanstalten eine genügende Garantie ihres FortbestehenS zu bieten und ihren Beamten eine Stellung zu sichern, die selbe vermöge ihrer respektive״ BerufSthätigk.iten zu beanspruche» vollkommen berechtiget wären. In Ermauglung allgemein gütiger Normen und Sta, tuten innerhalb deren das Gemeindeleben mit Ruhe und Sicherheit sich entfalten und bewegen könnte, überschreiten die wikdbransenden Fluthen der entfesselten Anarchie nur zu häufig die Grenzen des Rechts, der Billigkeit. Traurige Belege hiefür liefert leider die Geschichte unserer *) Der Herr Einsender ist, wie uns gemeldet wird, der Schwager des Herrn Rabbiner Perls. Red. **) S. die vorige Nummer. Tage in Hütte und Fülle. Es ist dies um so entmutigender, als die׳ Zerfahrenheit, die Zerklüftung, die Regel- und OrdnungSlofigkeit im Schoße vieler Gemeinden einen permanenten Charakter anzunehmen drohen. Die Jgporanz spreizt sich allenthalben in empörender Weise, bie Bornirtheit macht sich breit, die Berdienstlosigkeit drängt sich in den Vordergrund, die Hohlheit bemächtigt sich mit Ostentation des GemeinderuderS die Intelligenz blickt wehmuthsvoll auf das tolle Treiben der blafirten Menge, wird tief verstimmt und — zieht sich zurück. Dies so ziemlich das unerquickliche Gesammtbild vieler unserer Landgemeinden, daS mit eine traurige Folge der tiefen bürgerlichen Stellung der Juden ist, vermöge der es denselben nicht leicht möglich war. zu einem höheren Gemeindeleben sich emporzuschwingen. Angesichts dieses grauenhaften Tohu-W.abohu noch irgend welche Stellung beanspruchen: es wäre keine kindische Naivetät mehr, es müßte mit einem ankern Namen belegt׳ werden*). In nicht minder engem Zusammenhänge mit den politischen Verhäliniffen der Juden steht der Umstand» daß vorzugsweise unter diesen eine sogenannte Geldaristokratie sich herauSgebildek. Der Stat ist urstreitig die Universalerziehunganstalt seiner sämmtlichen Angehörigen. Die Gesetze und gesellschaftlichen Cinrichtungen. die in demselben maß-׳ gebend, bilden die eigentlichen Charaktere, von denen Gesinnung, Anschauungsweise, Rechts-, Billigkeiis- und SitilichkettSgefühl aller seiner Unierthanen nothwendig bedingt sind. Bei der schroffe» Grklusivität, die den Juden gegenüber allenthalben und zu jeder Zeit mit fast beil'pielloser Aeugstlichkeit beobachtet wurde, vermochte natürlich das etwaige wahrhafte Gerdienst desselben, — dessen moralischer Gehalt — in den seltensten Fällen nur zur praktischen Geltung zu bringen. Der Jude mochte wol Filosof, Mathemathlker, Historiker, Naturforscher, Künstler, kurz er mochte waö immer sein — er war und blieb bei und trotz alledem stets nur der verachtete und verspottete Jude. Etn probates Mittel, chen bloß gab eS. wodurch er — der Jude — einige Geltung, ja selbst einen gewisse» Grad von Ansehen sich erringen konnte: das Geld!' Wie das Rennthier dem Lappländer, so war das Geld dem Inden- Alles. M war sein vollgiltiger Legitimationsschein, sein Adels-., brief, sei» Stammbaum, es eröffnete ihm die Thüren der Großen und׳. Mächtigen. So wurde der Jude gleichsam systematisch dazu angeleitet, ן dem Gelbe, diesem allmächtigen TaliSmanne, die höchste Belehrung zu zollen; alles Sonstige hingegen gründlich zu verachten. (?) Diese jüdischen Geldmeuschen nun mit der beträchtlichen Schaar derer, die um jeden׳- Preis als solche gelten möchten, finden es natürlicherweise mit ihrer, imaginären Würde und sozialen Stellung nicht recht vereinbar, ihre hoffnnngSvollen Sprossen einer Anstalk anzuvertrauen, an deren erziehlich unterrichtlichen Wohlthaten die Kinder auch minder bemittelter Eltern mit gleichem Rechte »nd im gleichen Maße partizipiren. Ihre Kinder sohin der jüdischen Gemeindeanstalt entziehend. überantworten sie selbe der wenig Garantie bietenden Leistung eines PrivatlehrerS^ eines Hofmeisters, häufig aber auch einem christlichen Institute.*) (Forts, folgt.) S. A. Ujhely/ 24. Juni. Die 28. Nummer des ״Ben Cha« nanja" bringt zwei S. A. Ujhely im Juni unter W. und Bz. bezeich, nete Korrespondenzen, welche die Ehre und AmtSthätigkeit der ergebenst *) Es wurde gegen die jüdischen Lehrer vielfach der Vorwurf erhoben, als wären diese-der Idee einer auch auf das Nnterrichtswesen ausgedehnte» Gemeindeautonomie nicht sonderlich hold, weshalb man denselben eine feindliche Gefinnung gegen die Geuieinbe, deren Beamte sie doch zunächst sind, imputlren zu dürfen glaubte. Dem ist indeß entschieden nicht so. Allein so lange die Gemeinde keine geregelte Gestal-- tung, keine fester- Konsolidtrung gewonnen, so lange das Lerhältni,! der Gemeinde zur Schule nicht genau normirt ist — sind es die Lehrer sich selbst, sind sie es unstreitig der ih'neu anvertraüten heilige» Sache׳ schuldig, der Schule miudcstens von außen einen haltbaren Stützpunkt zu sichern. Wäre das UnterrichtSwesen ausschließlich der Willkür jeder zerklüsieien, in und mit sich selbst zerfallenen Gemeinde anheimgestellt: an dle Wand so mancher Schule würde gar bald das verhäiignißvolle ״Mene Tekel" — geschrieben werbe». וכרי וקצף! *J Wie sollte denn auch diese goldene Jugend einen gemein--- schaftlichen Unterricht genießen mit gewöhtilichen jüdische» Kinder», die bekanntermaßen laut des Geständnisses der eigenen Eltern sammt und sonders nur — eilerne Köpfe haben? Mit Bauernburschen — nun das״ geht an.

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