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Ben Chananja · 1866-06-27 · 26 (27.6.1866) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
26 (27.6.1866)
Date
1866-06-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage z»»m ״Ben Chananja" Ne. SS. L8SS. iznzirs■ —■■־ ־ , ' LZ ■ TT^T' ■■ j . ן -■ ,_f " s E n t g e g n«»g. Eingesendet. In Nr. 18 des ״)üe,scheu Schulboten" sucht Lehrer Moriz Beer aus Rache für l ie ihm gewordene Kündigung durch schamlose von A. Z erlogene Jnvektiven unsere und die Ehre unseres nach wie vor hochgeachteten ehrwürdigen Herrn Rabbiners Straffer anzngreifen, und wie jener Bär in der Fabel, der, als er unter Menschen tanzen gelernt, seine ursprüngliche Läppischkeit zu vergessen und ein höheres Wesen sich zu dünken schien, so scheint Lehrer Beer seit den einigen Monaten, da er daö Hauptschullehrerdiplom erlangt, seine ursprüngliche Läppischkeit und Beschränktheit an Wissen .zu vergessen, daß er, dem so vst er ein Schriftstück in deutscher Sprache zu verfassen, irgend einen Aufsatz auszuarbeiten hatte, stets Herr Rabbiner Straffer anShelsen mußte, sich ein gar gelehr er Mann dünkt und er schlägt nach Art gewisser Menschen, zu denen er in erster Reihe gehört ״mit Hufen drein." Wir halten eS unter unserer und unseres Herrn Rabbiners Würde, auf die brutalen und verleumderischen Ausfälle in jenem Schulblatte auch nur ein Wort zu erwidern; auch steht Rabbiner Straffer nach innen wie nach außen hin, waö seinen Charakter, so wie seine allseitige Bildüng betrifft, in zn gutem Rufe und zu vortheilhaster Anerkennnng, als daß es der Bärentatze jenes Artikels gelingen könnte, dieser Anerkennung .auch eine noch so kleine Wunde oder nur einen haarkleinen Ritz beizubringen. Wenn wir aber dennoch jenen infamen Artikel einiger Federstriche werth halten, so geschieht es bloS, um die Ursache der Entlassung des Lehrers Beer, wie er es selbst durch seine famose ״Replik" zu wünschen scheint, hier sachgetreu anzugeben. Diese ist: Daß er, nicht wie er in unbestimmten beschönigenden Worten angibt ״Wie viel andere brave Lehrer sich zu einer etwas empfindlicheren (!) Züchtigung Hinreißen ließ", sonder» seine Schüler als Deliquenten betrachtete, sich aber als Folterknecht benahm. Von den unzähligen Fallen nur einige: Einen Knaben K. prügelte er, obwol die ganze Klasse händeringend ihn bat und weinte, er möge schon Nachlassen, so sehr, daß daS Kind zur Stelle fiel, und warum? weil es das hebräische Parah mit ״Stier" anstatt mit ״Kuh" übersetzte. Einen anderen Knaben W. riß er beinahe ein Ohr ans, einem dritten Sch. mußte man auf seinen blutig zerfetzten Unaussprechlichen durch 24 Stunden unausgesetzt kälte Umschläge auflegen; ein Mädchen R. ohrfeigte er derart mit seiner beinigten Hand, daß eö bald taub geworden wäre; die betreffenden Eltern insultirten ihn nicht, sondern klagten ihn theils bei der Kultusrepräfentanz, theilö bei der Schnlkommission an, welche wieder den Lehrer Beer die eindringlichsten Vorstellungen in der Güte machten, ja von Seite der KultuSrepräsentanz Wurde ihm eine protokol-!arische schriftliche׳ Rüge zu Theil. Herr' Rabbiner- Straffer benahm sich, trotzdem er schon seit drei Zähren keine Kruder in der Schule hat, immer als eifrigster Anwalt deö Lehrers Beer, dieser aber besitzt eben eine Eigenschaft im höchstem Grade, gegen welche die Götter, um wie viel mehr die Schulkomitsmitglreder vergeblich kämpfen. Ja, als er zu wiederholtenmalen wegen seiner Mißhandlung der Kinder zur Rede gestellt wurde, kündigte er sogar, waS wir gerne wieder auszugleichen suchten, waö uns aber die Ueberzeugung verschaffte, baß einem solchen Lehrer keine definitive Anstellung verliehen werde» könne. Als aber Lehrer Beer trotz der unzählige Mal erhaltenen Verwarnungen einen mit einem Leibesfehler behafteten, wie überhaupt von Mutter Natur stiefmütterlich ausgestatteten Knaben K. (der Zufall (?) wollte eS, daß die mißhandelten Kinder immer von armen Eltern waren) derart böswillig und leidenschaftlich ohrfeigte, daß das Blut aus dem Munde von Nachmittags bis andern Morgens strömte, (als Beer sah, daß der Knabe Blut auSspuckte, sprang er wie ein wahrer Bär auf den Schüler mit den Worten zu: ״WaS, Blut spuckst du aus? ohrfeigte ihn noch mehr, ja um dieser Roheit noch die Krone aufzusetzen, versetzte er ihm noch Nasenstüber!) Als ferner Beer durch Erbschaftsangelegenheiten seiner Frau den Schulunterricht derart vernachlässigte, daß er ganze Tage von der Schule wegblieb und überhaupt weder Kopf noch Lust zum Lehren hatte; als wir endlich die traurige Wahrnehmung machen mußten, daß er nicht nur in der Gemeinde eine allgemeine Antipathie gegen sich habe — ja eS nahmen mehrere Väter ihre Kinder aus seiner Schulklasse weg — sondern seine Schüler keinen Funken von Liebe und Zugethanheit für ihn empfanden: da sahen wir uns in die Nothwendigkeit versetzt, uns eines solchen ״braven" (?) Lehrers zu entäußern. Wegen Eines haben wir jedoch Lehrer Beer um Vergebung zu bitten, und zwar, daß wir in Rücksichtnahme auf seine kranke Frau und seine Kinder uns bestimmen ließen, ihm sehr gute Zeugnisse auszufolgen. Aber wie oft muß nicht die Wahrheit vor der Barmherzigkeit den Kürzer» ziehen! Uebrigenö brauchen wir den Lehrer Beer nickt näher zu kennzeichnen, da er nach dem französischen Sprichworte: le style c’est l’hömme durch seinen Artikel in Nr. 18 des jüdischen Schulboten ein typographisch-photographisches Bild von sich zur Genüge entworfen. Zum Schluffe wollen wir noch hier erwähnen, daß wir diese Abwehr gleich nachdem uns der oftberührte infame Aufsatz des Lehrers Beer zu Gesichte kam , an öie Redaktion des jüdischen Schulboten einsandten. . Hat aber Herr Fischer seine Taktlosigkeit durch die Aufnahme solcher persönlicher Jnvektiven gegen einen allgemein geachteten Rabbiner schon in Nr. 18 seines Blattes bewiesen', so lieferte er nun auch den Beweis seiner Partbeilichkeit, indem er dieser Abwehr, wie aus der Korrespondenz in Nr. 22 des jüdischen Schulboten, ersichtlich, die Aufnahme verweigerte. Ob solches Benehmen geeignet ist, dem Lehrer die Sympathie der Gemeinde'zu erringen? Küla, 20. Juni 1866: Die Kommission der isr. Volksschule: Karl W. KriS-haber, Vorstand-der'- KultüSgeuieinde und- Verwalter der Volksschule in Kula.! s Hermann KriShaber, Moriz Sekula, Tempelvorstand׳ und-Gchul - Kassier. SchulkommisfionS-Mitglied.

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