Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 26 (27.6.1866)
- Date
- 1866-06-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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495 496 Nnn-schreiberr -es 1mg. jiid. Lehrervereins an -ie Gemeinden. . . Löblicher KultuSvorstand! Trotz der vorhandenen Divergenz der Anschauungen und Richlangen in vielen israelitischen KultnSgemeinden, begegnen wir in den, selben der vollkommensten Einhelligkeit in der Ueberzeugung, daß bie Schule, die Bildungsanstalt der Jugend, auf religiös-wissenschaftlichem Gebiete unter allen Instituten den ersten Rang einzunehmen habe. Wenn anch gar manche- Prinzipien nuferer Weisen für eine höhere Gesittung des gelammten Israels in unseren Tagen unbeachtet bleiben, vem Einen geben wir volle Würdigung und praktische Nachachtung, vaß nämlich die sittliche Weltordnnng ihren Odem nur im Hause ״der Schüler in den Lehrhäusern habe," daß ״die Meffiaffe für uns aus den Schulen hervorgehen, und die Lehrer in ihnen unsere Profeten seien." — Es ist die Zahl der Gemeinden, die der Schule entbehren, eine äußerst geringe, die hingegen jener, wo die Unterrichtsanstalten für hie Jugend sich der wärmsten Theilnahme und der angelentlichsten Pflege erfreuen, Gott sei Lob, sehr groß. Wir könnten mit Zuversicht einer besseren Zukunft entgegenschen, wenn ein'Umstand nicht die Aussicht in dieselbe trübte, der Umstand nämlich, welcher in der Mangelhaftest Rücksichtnahme auf die moralische und materielle Stellung der Lehrer von Seite der israelitischen Kultusgemeinde zu suchen und zu finden ist. Wenn uns auch gar viele israelitische Kultusgemeinden in Ungarn die Lage der Lehrer in durchaus befriedigender Beschaffenheit zeigen, so ist die Zahl derer doch noch sehr groß, wo die Stellung unserer Jugendbildner mehr beklagenswert als bcneidungSwürdig erscheint. Die Gehalte der Lehrer find dnrchgehendS so eng und karg bemessen, daß sie zur Befriedigung nach der bescheidensten Bedürfnisse der Familie nicht ausreichen; sie ist zum Darben augewiesen, zur Versagung ,edes erheiternden Genusses, und — muß nicht der Vater derselben mit tiefem Kummer erfüllt werden, wenn er der Jahre gedenkt, wo er seines aufreibenden Berufes in Folge von Entkräftung oder Alterschwäche, nicht mehr wird Watten können? Und wenn seine Remunerazion zur Bestreitung der laufenden Lebensbedarfes nicht genügte, wie sollte er den Scinigen einen Sparpfennig für die Zeit der BerufSlosigkeit ermöglichen? Nimmt er vollends die Katastrofe des Todes in Anbetracht, und fragt er nach dem Lose seiner Hinterlaffenen, so muß eS ihm dunkel vor den Augen und der Seele werden. Und wenn er noch so fest im Glauben an Gott und seine Verheißungen wäre — die Freudigkeit im Berufe muß in ihm ersterben, und er kann mit gehobener Seele den geistigen Arbeiten seines Standes sich nicht hingeben. Ohne Begei, stcrnng aber und ohne Aufschwung des Herzens können die Saatkörner der Erkenntnis nicht gehörig ausgestreut werden. Daß im Obigen keine zu grelle Austragung tiesdunklcr Farben versuchtest, beweisen zur Genüge die vielen täglichen Erscheinungen von Lehrern, die alt und invalid geworden, nichts gerettet haben als den Wanderstab und das Recht des Eintrittes in den Orden der Unglückseligen, welche an die Gabe menschlicher Gnade gewiesen find. Die israelitischen öffentlichen Lehrer in Pest, Ofen und Alt- Ofen halten sich der Sympathie aller ungarisch-israelitischen Gemeinde- Vertretungen vergewissert, wenn sie sich der Beseitigung der oben erwähnten Uebelstände unterziehen. Die genannten Lehrer hoffen diese Beseitigung in der vereinten Kraft aller Freunde und Gönner des Schulwesens zu finden, und gehen daher mit der Absicht um, einen ״ungarisch - iSraelitischen LandeSlehrerverein" in'S Le« den zu rufen. Auf Grundlage eines vom 6. August 1865, Z. 49,353 datirten Erlasses seitens des hochlöblichen k. ungarischen Statthaltereirathes, behufs d?r Einberufung der Generalversammlung und der Gründung des oben genannte» Vereines, hat das gefertigte Komitä die Ehre, Ihnen, löblicher Gemeindevorstand, den Statutenentwurf des zu gründenden Vereines anbei mit der Bitte zu übermitteln, ihn einer geneigten Durchsicht und Prüfung zu würdigen.; Des Beitrittes der ungarisch-israelitischen Lehrer können wir wohl znversichtliich gewärtg sein, unsere, Bestrebungen aber können nur dann zu segensreichen Resultaten führen, wenn der Verein auch de« i Beitrittes der wohllöblichen israelitischen Gemeindevertretungen und wohlhabender GeMeindemifglieder theilhaft wird. Wir glauben, in unseren Voraussetzungen nicht zu weit gegangen zu sein, wenn wir in den israelitischen Gemeinden Ungarns und bei deren Vertretungen ans die wärmste Sympathie und thätigste Mit- Wirkung für eine Angelegenheit rechnen, welche berufen ist, den Znstitute» der Erziehung und Btldung unserer Jugend einen neuen Aufschwung, eine erweiterte Wirksamkeit und feste Konsolidierung, unseren Lehrern aber eine gesicherte Eristenz und Freudigkeit zu ihrem heilbringenden Berufe,zu verleihen. Somit ersuchen wir Sie, wohllöbliche Gemeindevertretung, die beifolgende ״Beitrittserklärung" unterzeichnenzu wollen, dieselbe denhochherzigen Mitgliedern Ihrer Gemeinde zu demselben Zwecke zu empsehleu und die Subskripzionen an den Präses des ergebenst gefertigten Komitäs abzusenden. Indem wir Ihnen, wohllöbliche Gemeindevertretung, im Namen der Schule und ihrer heiligen Aufgabe, der Lehrer und ihres hohen Berufes, der Jugend und ihrer Zukunft den ergebensten Dank im Voraus ausdrücken, bitten wir der alten Weisen bedeutungsvollen WorteS eingedenk sein zu wollen: ״Wenn alle deine Kinder belehrt' sein werden über Gott, dann erst wird groß sein der Friede deiner Kinder; Nicht Kinder nur sind sie dann, Bauer sind sie" an dem großen Werke der meffianischen Welterlösung, der wir entgegenharren! ״Möge denn die Huld des Herrn, unseres Gottes, über uns sein, das Werk unserer Hände bei uns gefördert werden!" (Ps. 90, 17.) Pest, im Juni 1866. Im Namen des provisorischen Komitös des ungarisch-israelitischen LandeslchrervercineS: L. M. Bauer, Dr. W. A. Meisei, Präses. Schriftführer. Abr. Lederer, Vizepräses. Replik. R. Chaninah ben vo8a. Ich kann Herrn Dr. Zipsers Beweis (in Nr. 4 der Forschlingen) nicht für genügend und die Acten zum Abschlüsse bringend betrachten. Dass E. Chaninah ben Dosa schon vor der Tempelzerstörung gelebt habe, daran habe auch ich nicht gezweifeit; aber dass er damahls schon so allgemein als Wunderthäter galt, das muss ich noch jetzt bezweifeln, das hat uns Hr. Dr. Zipser nicht bewiesen. Der Ausruf R. Josephs in Babylon um einige Hundert Jahre später (Ioma 53 etc.) worauf Hr. Dr. Zipser sich beruft, ist von ihm selbst gewiss nur als Anlehnung benützt worden. Selbst die Geschichte von der Tochter des Nechonjah חופר שיהין (B. Kama. 50 etc.) kann nichts beweisen. Vor Allem sind die Namen selbst noch in Frage zu stellen; denn in Sehekalim 5, 4. wird dieselbe Geschichte mit Veränderung der Namen Chanina in Pinchas ben Jair und Nechuujah in הסיר א׳ erzählt. Und wenn wir Chaninah auch beibehalten; so ist doch sehr leicht anzunehmen, dass das Factum nach der Zerstörung geschehen sei; Nechonjah war offenbar der letzte seines Amtes im Tempel und hat entweder die Tempelzerstörung überlebt, oder, was wahrscheinlicher ist, bei dem erwähnten Factum gar nicht mehr gelebt. Selbst wenn wir uns noch nachgiebiger zeigen wollen und das Factum zur Zeit des Tempelbestandes gelten Hessen; folgt schon hieraus, dass Chaninah schon zur Zeit Gamliels I. solche Berühmtheit erlangt hat? Im Gegentheil! Gamaliel I. war 30*) Jahre vor dem Exil schon im Alter vorgerückt und Patriarch, zu dieser Zeit aber dürfte erst E. Jochanan ben Saccai seine Schule eröffnet haben nach der bekannten Notiz, dass dieser erst in den letzten drittel seines Lebens die Lehrthätigkeit begann. Ist es also wahrscheinlich, dass ein Schüler R. Jochauans schon so früh berühmt geworden, dass der Patriarch ihn allein zum GeBethe für seinen kranken Sohn anging? Ich halte daher meine Meinung aufrecht, dass in der fraglichen Stelle uns- R. Gamliel II. gemeint sein könne. Bei Gelegenheit will ich ei- 7 nen Druckfehler in meiner Antwort [in Nr. 2 der Forschungen! , berichtigen, statt ״Gabnioni“ sollte es heissen: *Aetydvov Ueberreste.“ .. Professor M. Stössel, i *) Zur Zeit Agrippaa 1., 8. Pesachim 88. b, ‘ Druck von Sigmund Burger, in Szegedin 1866.