Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 26 (27.6.1866)
- Date
- 1866-06-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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485 486 heit gleichen Schriit hält. Seine dürftige» Notizen über R. Schalem aus Neustadt schließt er er mit folgendem, fernem Charakter entspre« chendendem Ausfälle auf Zunz: ״In den dürren Notizen deS Dr. Zunz die mehr verwirrend als belehrend sind, wird der Vater unseres R, Schalom, der laut Maharil R. Isaak hieß, bald Seckel, bald Tisak genannt." Herr C. gibt durch diesen Ausfall nur einen neuen Beleg für seine Unwissenheit, da jeder Anfänger weiß, daß Isaak, Eisak und Seckel derselbe Name ist, was zun, Ueberfluffe auch bei Zunz (Namen der Juden S. 91) zu lesen ist. Aber auch der Maharil selbst nennt den Vater des N Schalom nicht allein Isaak, sondern auch Seckel, wie im סדר האגדה wo es heiß,: כחבמה״רש שמצא כהובבגליון אלפסי שחניה לו אביו מה״ר זעקיל ךל• Nach dem Gesagten wird es nicht schwer sein, zu bcurtheilen, welchen Werth die Arbeit des Herrn Car« moly über die Juden in Mainz, welche derselbe seit einiger Zeit im ״Israelit" publizirt, beanspruchen darf. Literarische Griefe. Bon Ad. Neubauer. V. (S ch l u ß.*) Nun endlich gelangen wir zu den Landsleuten Raschi'S, Bechor Schor'S und anderer FranzöstschcrGelchrten aus aller Zeit. Wie sich die neuere Zeit zur alten verhält, werden wir aus der Folge ers heu. Derweilen wir vorerst einen Augenblick bei denjenigen Juden, die zwar nicht direkt über hebräische Literatur schreiben, aber in ihren Schriften jüdisches Leben behandeln. Einer der Ersten ist Herr Adolf Frank, Mitglied der Akademie für filosofische Wissenschaften. Derselbe ist längst durch sein Buch über die Kabbala, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Dr. Jellinek, bekannt. Etwas Näheres über dieses werthvolle Buch zu sägen, wäre jetzt wol zu spät, weU es 1842 erschien, doch auch zu früh, weil eine zweite Auflage unter der Presse ist. Seitdem hat dieser Gelehrte über manche jüdische Filosofen im vietionaire des Sciences philosophiques geschrieben, in letzter Zeit über Maimonides nach Munks Bearbeitung ausführlich im ״Journal des savants“ eine Besprechung geliefert, woselbst Nambam von origineller Seite aufgefaßt wird. In seinem Buche ״Etudes orientales“ findet man so manche schöne Kapitel über jüdische Geschichte und besonders eine beachtungSwerthe Rezension über RenanS Hohes Lied. Die ütudes sind übrigens in diesen Blättern bereits besprochen worden. Salvator, der daS Verdienst hatte, unter der ultramontanen Regie« rung Karl X. ein Buch über den Stifter des Christenthums und dessen Lehren (J. Ch. et sa doctrine) von jüdischem und rationellem Stand« punkte aufgefaßt, geschrieben zu haben, (das Buch ist nun neu aufge« legt), hat auch ein Werk über das mosaische Recht verfaßt und in jüngster Zeit ein phantasievolles Buch ״Paris, Korne et Jerusalem“ welches, wenn es im Soharstyle geschrieben wäre, als jüdische Mystik des 19. Jahrhunderts angesehen werden könnte. Diese Werke find, wenn auch ohne Kenntniß jüdischen Wissens (er zitirt Brbelstellen nach der Vulgata) nicht ohne Verdienst. Ein angenehmer leichter Styl macht fle dem großen Publikum zugänglich, und hat so mancher Franzose durch sie erst die jüdische Literatur schätzen gelernt. Joses Cohen, ein ehemaliger Advokat und tüchtiger Publizist, der sich die Berlheidigung der weltlichen Macht des PabsteS in ״la Franre" zur Aufgabe gemacht, veröffentlichte früher die ״Vöritä israe*. Ute“ und hat seine Leser über den Prozeß Jesu juristisch aufgeklärt. Diese Arbeit erschien auch separat unter dem Namen 168 deicides und hat schon eine zweite Auflage erlebt. Das Buch ist mit vieler Geschick« lichkeit abgefaßt, so daß von klerikaler Seite fast gar keine Erwiderung Möglich, da der Autor nur das Evangelium zu Hilfe rufend beweist, daß die Juden Jesum nie als Messias anerkannt, weswegen auch von GotteSmord keine Rede^ sein kann. Vergessen wir den neuen jüdischen Apostel' nicht — ich meine Herrn Alexander Weil, ein schriftstellerisches Talent en miniature, •) S. dir vorige Nummer. welcher unlängst Mofse et le Talmud geschrieben, woran Verfasser über 40 Jahre gearbeitet, trotzdem er nur 50 zählt (mehr Wunder als JsserleS, der zu 33 Jahre 33 Werke verfaßt haben soll). Don Wissen« schafiist darin keine Spur, Schwärmerei und faules Geschwätz. Nachdem alles von Alpha bis Omega getadelt, verspricht Derf. in einem zweiten Theilc einen neuen Koder, welcher die Thora des 19. Jahrhunderts sein soll. Hoffe» wir zur Ehre des JudenthumS, daß derselbe nicht das Weltlicht erblicken wird. In neuester Zeit schrieb ein ehemaliger Finanzier ein ähnliches Buch ״les trois filles de la Bible.“ Herr Ro driguet, dies der Name des Verfassers, hätte sein Geld besser anwenden können, als seine drei Mädchen in biblischer Uniform zu schreiben. Die Authenüe -es Guches Esther. Von N e h e m i a S B r ü l l. Durch die Entzifferung der egyptischen, phönizischen, assyrischen und persischen Inschriften hat man in neuerer Zeit eine Reihe von Quellen für die Erforschung des AlterihumS flüssig gemacht, durch welche es nicht nur ermöglicht wurde, mit Zuhilfenahme der in der griechischrömischen Literatur vorhandenen Daten die Geschichte und das Kulturleben jener Völker in einem durch kritische Kombination vervollständigten Zusammenhänge darzustellen, sondern auch das Verständniß der Bibel, der wichtigsten Urkunde der Menschheit, das man sich zum großen Theile nur aus Quellen sekundären Ranges vermitteln konnte, auf eine früher nie geahnte Weife zu sichern und zu bereichern. So konnten dis Fragen der historischen Kritik betreffs des Buches Esther bis jetzt nur besprochen, vermulhungSweise erledigt, aber nicht mit Entschiedenheit gelöst werden. Jüngsthin hat Oppert, zunächst selbst mit Studien über d Keilinschriften beschäftigt, theilweise durch Belegung des historischen InbalteS aus Herodot, worin ihm zwar schon frühere Eregeten zuvorgekommen sind, theilweise durch schlagende Nachweisung der darin vor kommenden Eigennamen aus dem Aitpersischen die Vermuthung, baß wir es hier mit einem echt historischen Dokumente zu thun haben, zur Wahrheit erhärtet, (s. den Auszug seines Commentaire historique et philologique du livre Esther ans Den Annales de la philosophie chretienne 1864 in Frankels Monatsschrift l. I. S. 263—269. Einige ergänzende und berichtigende Bemerkungen zn dem dort Gebotenen mögen hier Platz finden. 1) Einer der wichtigsten Punkte, gewissermaßen der Knoten, aus dem das Gewebe sich abspinnt, ist Achaschwerosch'S Befehl an die Kö« nigin Waschti, sich während der Tafel den versammelten Völkern und Fürsten vorzustellen (1, 11). Sie war bis jetzt eine crnx interpretnm und Oppert, der in dem משתה *) (ib. 3) die Versammlung der Vornehmen Persiens erkennt, welche Xerres im Jahre 483 (im dritten Jahre seiner Thronbesteigung) hielt, um deren Meinung überben beabsichtigten Feldzug nach Griechenland zn berathen, hat diesen Umstand nicht be rührt. Eine Stelle im JustinuS führte mich aber darauf, daß dies auf einer persischen Sitte bernht. Dieser Geschichtsschreiber erzählt nämlich rhist. VH, 3), daß Darius I. an den macedonischen König AmyntaS Gesandte schickte, um Geißeln zum Uuterpfande des Friedens abzuholen. Als aber die Gesandten gute Ausnahme fanden, verlangten sie während der Tafel bei zunehmendem Rausche von dem AmyntaS, daß er, um die Sitte der Gastfreundschaft zu üben, seine und seines Sohnes Gemalinnen zur Tafel zuziehe, denn das sei bei den Persern Garantie und Gesetz der Gastfreundschaft. (8ed legati bene excepti inter epulas ebrietate crescente rogant Arayntam, ut apparatui epularum adiiciat ius familiaritatis, adhibitis in couvivium suis ae filii uxoribus: id apud Persas haberi pignus ac foedus hospitii. Bar-Hebräns (ehren, syr. ed. Kirsch, p. 98) ״zählt, daß bei den Persern sowie bei den Syrern die Frauen besondere Gastmäler hielten, (vgl. Esth. 1, 9) und daß, wenn der König eine« *) Vgl. die Bemerkung Frankels a. a. O. S. 264. Nach KorueliuS MeyrS (MiltiadeS) erinnerten sich die Perser bei der Tafel gerne wichtiger Angelegenh.iten. So müßte dem DariuS da immer ein Herold zurüsen: Herr vergiß der Athener nicht!