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Ben Chananja · 1866-06-27 · 26 (27.6.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
26 (27.6.1866)
Date
1866-06-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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481 482 Sind die Schemoth, mit welchen ihr das Lager der Wöchnerinnen umgebet, zum Schutze gegen Dämonen, an die Ihr glaubt, ein gesundes Denken? ״Verständiges und anständiges Benehmen!" Ist Euer Benehmen, Euer Kaporoth Umschlägen, Euer geräuschvolles Hoschanaklopfen, Euer Schuhausziehen im Gotteshause, Euer Hamanklopfen am Purim beim Megillahlesen u. s. w. verständig und anständig? Und sind nach den uns gemeinsamen Prinzipien diese und ähnliche Gebräuche nicht heilig und von eben der verbindenden Kraft, welche jeder andere Gebrauch hat, dem ihr Gesetzeskraft beilegt, weil der Minhag unabänderlich bestehen muß? Ihr seid die Abtrünnigen, die Reformer; wir aber sind die Konservativen, die Orthodoren. Aber, könnte der ungarische Chaßidäer fortfahren, Ihr seid noch schlimmer, als die,Gesetzesuntreuen, Ihr seid Verleumder! Oder ist die Beschuldigung, ״daß wir unsere heilige Religion in den Schmutz der niedrigsten und empörendsten Denkungsart ziehen wollen", etwa keine boshafte Verleumdung? Seid ihr allwissend, unsere Gesinnung richten zn können? Ist nicht in den Augen der Reformer gar Vieles unverständig, unanständig, ja selbst unsittlich, was Ihr thut, und haben sie deshalb Euch noch beschuldigt, Ihr wollet die Religion in den Schmutz der niedrigsten Denkungsart hinabziehen? — Der ״Apostel" deS ungarischen Chaßidäismus stellt die Behauptung auf: Kan emeßiger (wahrhaftiger) Jude darf richtig Tatsch reden. Dazu bemerkt der deutsche Chaßidäer: ״dieses wahnsinnige Dogma wird seit einigen Jahren mit furchtbarem Geräusch proklamirt!" Hätte der ungarische Genosse nicht das Recht zu entgegnen: Wie? Ihr פושעים und אפיקורסים! seid Ihr nicht מבזי ת״ח? Wurde Mendelssohn nicht von euren und UNseren hochverehrten Lehrern gleichmäßig angefeindet, weil er die Thora in richtig Tatsch übersetzte? Wurde das Lesen eines deutschen BncheS nicht von euren und unseren גאונים für ein Vergehen erklärt? Haben die Frommen, in deren Fußtapfen zu treten ihr vorgebet, nicht seiner Zeit in Berlin das Predigen im richtigen ״Tatsch" als Abfall von der Religion denunzirt? Und alle diese Gelehrten, deren mancher euer Rebbe war, nennet ihr wahnsinnig? Ihr tadelt uns, daß wir vom Rabbiner Hildesheimer in Eiseustadt be- Haupten, er sei unrettbar der ewigen Verdammniß verfallen, und wollt noch ״gesetzestreue" Juden sein? Ist Hildesheimer ein קרוב למלכות, daß er seine Talmidim andere Sprachen darf lernen lassen? Nach den uns gemeinsamen Prinzipien ist ja der Fluch über den ausgesprochen, derחסמת יונית lernt und lehrt (S. Baba Kama S. 82, d; vrgl. Orient 1845. S. 755 Lit. Bl.)! Ihr spottet über unser Schütteln, über unser Augenverdrehen beim Gebete, über unfern Glauben an eine stattgehabte Todtenbeschwörung! Ihr Ungläubigen! ihr Abtrünnigen! ihr spottet über den Schulchan Aruch, in welchem jenes vorgeschrieben, über die Bibel, in welcher letztere Thatsache erzählt wird. Was der Here von Endor möglich war, soll in unserer Zeit nicht möglich sein? Doch genug davon. Ergötzlich ist der salbungsvolle Schluß: ״Und nun noch an Euch, Rabbi Hillel und Akiba Josef, ein ernstes Wort. 'Wo ist jemals noch in Israel ein solches Benehmen vorgekommen, wie das Euerige? wo findet Ihr eS verzeichnet in Israels Geschichte, daß man die edelsten Männer, die in heiligem Ernst und edlem Eifer für Gott und seine Lehrer wirken, geschmäht, beschimpft, verflucht hat?" So fragt ein deutscher Chassidäer, so fragt der ״Mainzer Israelit" risum teneatis amici? War Maimonides kein edler in heiligen Ernste und edlem Eifer für Gott und seine Lehre wirkender Mann? Ist Mendelssohn nicht angefeindet, Wessely nicht in den Bann gethau worden? Hat man in Mainz, in Frankfurt, in Eisenstadt u. s. w. nicht unsere würdigsten Gelehrten verdächtigt und verketzert? ״In welchem jüdischen Gesetzbuche, fragt der deutsche Chaßidäismus weiter, in welchem Traktate des Talmuds, in welchem Theile des Schulchan Aruch, ste- Heu Eure Dogmen, Euere verwerflichen Meinungen?" Und die Eueren? fragen wir! In welchem Theile deS Talmuds oder des Schulchan Aruch steht das Verbot, in deutscher Sprache zu beten? eine Orgel beim Gottesdienste zu gebrauchen und so manches Andere, das Ihr als etwas Gesetzwidriges bezeichnet? ״Seid Ihr unfehlbar, könnt Ihr nicht irren?" Und Ihr? Seid Ihr es? ״Wir wollen die Reinheit Eurer Absichten nicht bestreiten" nicht? und beschuldigt sie doch, sie ״wollen" die heilige Religion in chen Schmutz der niedrigsten und empörendsten Denkungsart hinabzuziehen! Ist das eine reine Gesinnung? Es gehört ein hoher Grad von Unverschämtheit dazu, in solcher Weise der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen, aber auch eine ganz un-, begreifliche Beschränktheit des Verstandes, nicht einzusehen, daß die Verlogenheit von jedem Rechtlichen durchschaut und verachtet werde! Mer Las Eeöcnsenöe der MrtiM il Simeon unb 31. 3smaef. Bon Dr. M. Zipser, Oberrabbiner in Rechnitz. Daß N. Simeon b. Gamaliel der Märtyrer zur Zeit des jüdisch-römischen Krieges und bei der Belagerung Jerusalems gelebt und sich dabei stark betheiligt hat, ist aus Josefus (äs vita 38. Kriege 1. III. o. 3. und d) zu ersehen. In letzterer Stelle wird besonders hervorgehoben, daß er im Vereine mit den Hohenpriestern Josua ben Gamla und, Ananus gegen die von Seite der Zeloten wider alles Recht vorgenommene Wahl deS letzten Hohenpriesters zn Jerusalem, Namens Phannins, protestirte und das Volk gegew diese kriegerisch gesinnte Tempelpartei aufzureizen sucht׳. Da er aber auch für die Zurückberufung deS als Römerfreund verdachtig gewordenen Josefus stimmte, (ibiä. äs vita) so geht hervor, daß er wol ein Parteimann für die Losreißung von Rom war, jedoch das sich so sehr überstürzende und jedes bessere Gefühl verletzende Treiben der mit den Sikariern in einen engeren Bund getretenen Zeloten aus ganzer Seele verdämmte. In welcher Achtung R. Simeon ben Gamaliel selbst bei seinen Gegnern gestanden, ist aus folgender Aeußerung des seines Amtes durch ihn entsetzten Josefus zu ersehen. Dieselbe lautet: ״Dieser Simeon stammte von einer sehr edlen Familie Jerusalems her und gehörte der pharisäischen Sekte an, die alle anderen an Gesetzeökenntniß übertraf; er war ein Mann von hoher Weisheit und Verstaudigkeit, fähig,' die öffentlichen Angelegenheiten, so sie in Ver- 26*

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