Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 25 (20.6.1866)
- Date
- 1866-06-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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467 468 Wenn eö auch hie und da von Israel heißt: Knecht Gottes, so ist darunter daS dem Dienste Gottes geweihte Volk verstanden, wie es ungefähr von Moses der Knecht Gottes heißt und wie es namentlich die Profeten allenthalden auffaffen: Jes. 41, 8. Faßt nicht vielmehr die h. Schrift das Verhältniß Israels zu seinem Gotte, wie daS eines Kindes zu seinem Vater auf? Heißt eö doch ausdrücklich von Israel: ״Mein erstgeborner ('Lieblingssohn) ist Israel" und ״Kinder seid ihr dem Ewigen euerm Gotte." ״Erkenne eS in deinem Herzen, daß wie ein Man» seinen Sohn straft, also dich der Ewige dein Gott" 5. M. 8, 5. ״Wen Gott liebt, den straft er, wie ein Vater, der seinem Sohne wohl will." Spr. 8, 12. Ist eS das Prinzip der Liebe, welches die Religion Israels durchdringt und welches daS Judenthum Gott als ein vorzügliches Attribut beilegt, und ist das Verhältniß des Menschen zu seinem Schöpfer nach dem Sinne der Schrift, nicht wie daS eines Knechtes zu seinem Herrn, sondern wie daS eines Kindes zu seinem liebenden Vater; so muß er trotz seiner Eigenschaft der höchsten Gerechtigkeit mit Freuden bereit sein, dem Sünder zu vergeben und in seiner unendlichen Huld Gnade walten zu lassen, wie dies ebenfalls an unzähligen Stetten der heil. Schrift ausgesprochen ist. Schon bei Kain heißt es: ״Fürwahr, wenn du dich besserst, kannst du dein Angesicht emporheben." 1. M. 4, 7. ״Mein Geist soll nicht streiten im Menschen auf ewig, weil er doch Fleisch ist." 1. M. 6, 8., und in der Bezeichnung der götlkichen Eigenschaften 2. M. 34, 6. wird doch vorzüglich her-- vorgehoben: ״Gott ist barmherzig, allgnädig, langmüthig, von unendlicher Huld und Treue, vergebend Sünde, Schuld, Missethat und. Abfall. Selbst des wegen seiner Sünden verstoßenen Volkes Israel nimmt sich Gott wieder an. 3. M. 26, 44 und 45. ״Im Zorne auch bleibt Gott der Liebe eingedenk." Habak. 3, 2. ״Ich, ich selbst tilge deine Misse-' thaten um meinetwillen und deiner Sünden gedenke ich nicht. Ich verwische, wie eine Wolke dein Vergehen und wie Nebel deine Süude, kehre um zu mir, ich erlöse dich." Jes. 44, 22. ״So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er zurückkehre von seinem bösen Wandel und sich bessere." Ez. 33, 21. Und dieser Go:t Israels, der von Liebe für die Menschheit erfüllt ist, der sich der Menschen annimmt, wie ein liebender Vater seiner Kinder, und in seiner unendlichen Huld und Gnade stets bereit ist, dem Sünder zu vergeben und seine Missethat auszulöschen, wenn er sich wahrhaft bessert, sollte nach der Meinung des Referenten in der deutschen ״Allgemeinen Lehrerzeitung" ״nur Furcht, nie Berkranen erwecken, nie Hoffnung, sondern bloö Verzweiflung einflößen können?" Wir glauben, nun dem Herr Dr. nach unfern schwachen Kräften das Unrichtige und Falsche seiner Behauptnngen und daS Unpädagogische seines Verfahrens beim Unterrichte in der Religion zur Genüge nachgewiesen zu haben, und wollen zur Ehre der Pädagogik der Neuzeit gerne annehmen, daß nur wenige Religionölehrer seinem Lehrgänge folgen, daß vielmehr der größere Theil jener Schulen, für welche der Herr Dr. seinen Aufsatz bestimmte, von einem viel bessern, toierantern Geiste beseelt ist, als ihn der besprocheue Artikel beurkundet, und die Lehrer gewiß im Stande sein werden, bei ihrem Unterrichte die Vorzüge ihres Bekenntnisses hervortubeben, ohne das Judemhum und seine Lehren zu verleumden und bei der uumündige» Jugend zu verdächtigen. Berichtigungen zu Carmoly's Gkiirkigen: ״Zur Geschichte -er Luden in Oesterreich." Von Dr. M. W i c u e r. (Forsetzung. •) Daß aber R. T. ein Jünger des 9t. Möschel war, ist richtig und nicht blos ans den eben genannten Minhagim, sondern auch an» Maharil zu ersehen. wo eS in Hilch. יום כפור heißt מי״יר״ט היה מקובל ממ״חרר מושיל• Wer aber war dieser R. T.. den Herr C. in Nr. 17 nicht kennt? Kein Anderer als מה״רר טפיל . welcher von R. Jäckel aus Gger, der später in Wien lebte und von dem Märtyrer R. Ahron in Neustadt die ממיכה erhalten hatte und unter dem Namen 9i. David Spinz als Rabbiner eine hervorragende Nolle spielte, über welchen ich mir ausführliche Mitthrilnngeu für einen andern Drt vorbehalte. AuS dem bisher Gesagten geht nun, wie ich glaube, für einen Unbefangenen deutlich genug hervor, daß fast Alles, was Herr C. seineu, Helden nachrühmt -י die Thalsache ausgenommen, daß er an seinem Rabbinatsfitze (nicht Vaterstadt, da eS uttcrwicscn ist, daß Zuaym 0L MöschelS Geburtsort war) eine Jeschiba hatte, was ja aber nichts be« sonders Bemerkenswerihes ist, da es zu den Obliegenheiten eines jeden Rabbiners gehörte — eine bloße Fiktion ist. Herr C. hätte dies auch leicht selbst finden können, wenn er die von ihm selbst zitirte Stelle aus dem Hilch. שמהוה des Maharil weniger obeiflächlich angesehen hätte, denn wenn es wahr wäre, daß R. Möschel die von C. ihm beigelegten Werke verfaßt hätte, der Lehrer aller der genannteu berühinteu Jünger gewesen wäre und zuerst die Gebiäuche der in Verfall gera- Ihciien Gemeinden ausgeschrieben hätte; so würde er gewiß als ein בוסלג וגדול הדור betrachtet worden sein lind dann hätte sich ja 9f Schalom nach der Angabe deS Maharil, auch wenn ihm keine Cbiddnschim jenes Rabbiners bekannt gewesen wären, noch dessen Tode קורע sein müssen. Wie aber dem R. Möschel drei verschiedene Werke, ,0• dichtet Herr C. in Nr. 16 auch dem N. Schalom aus Neustadt Chiddusche Drnim an, von denen in der angezogene» Belegstrkke im Ma« haril kein Wort sich findet. Daß N. Schalom die Türim des R. Jakob den Ascher wenig beachtet habe, geht a»S der Stelle in den -מגהגי מהר״ול, die bereits Grätz VII. 319 beibringt lind die der Heraus.- geber jener Minhagim den RGA. des R Joab Mölln rntnommen hat. in denen es Nr. 150 eckit. Hanau heißt כי (הר״ש) לא היה הוגה בטורים כולי האי, ebensowenig hervor, wie das. daß er sich mit demselben nicht allzusehr befaßt habe, wie Grätz übersetzt, da in dem Maharil Hilch. שמהוה etwas weiter ansdrückltch m.tgethcilt wird, daß N. Schalom am Sabbath Morgen. als er wegen seiner Frau in Trauer war ■היה נושא עמו ססר הים ר טורים לב״ה כאשר היה רגיל בכל שבחוה• Die in Rede stehende Stelle will vielmehr nur sagen, daß R. Schalom Selbstständigkeit genug besaß niiv. wenn er einen Bescheid mittheilte, nicht immer erst die Turim nachschlng. Jim sich daraus Rath zu erholen, sondern zuweilen auch abweichend von N. Jakob ben Ascher entschied, wie dies aus einer — von Güdemaiin in Frankels Monatsschrift 1864, 429 und daher auch, wie ich aus der mir soeben zugehender, Nr. 51 des ״Ben Chananja" ersehe, in dieser von Herrn C. beigebrachten — Stelle ans dem NGA. des R. Salomo Luria zu ersehen ist. bei welcher Gelegenheit Gübemaun nur darin fehl geht, daß er jenen R. Schalom für den aus Wie» hält. (Schluß folgt.) Literarische Griefe. Bon Ad. Neubauer. V."j TS bleibt mir. um eine logische Eiiitheilung der Heroen der jü. dischen Wissenschaft in Paris zu mache», nichts Anderes üvrlg. als zur Dreiheit meine Zuflucht zu nehmen, und zwar bleibe ich bei meinem *) S. Nr. 22. ")S. 6. Jhrg. Nr. SO. S.894. S.JHrg. Nr. V.S. 174. Nr. 20. S. 367.