Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 24 (13.6.1866)
- Date
- 1866-06-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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457 M. UnghvLv, 6. Juni. Das Protokoll der zu Nagy-Mihäly abgehalteneu Synode ,st endlich erschienen? dasselbe wird aber vorläufig nur einem engen, Kreise mitgetheilt. Es beklagt in der Einleitung den gänzlichen Verfall der Religion, welchen die Synode besonders in dem Streben findet, den jüdisch-deutschen Zargon aus dem Munde der jüdischeu Bevölkerung zu verdrängen und selbst d«e synagogale Belehrung nicht in diesem Zargon geschehen zu lassen. Ans die Einteilung folgen nachstehende Punkte, die ich in wörtlicher Uebersetznng wiedergebe: 1. Es ist verboten, in einer Sprache der Völker der Welt zu predigen. Nicht minder verboten «st es, eine Predigt anzuhören, welche in einer Sprache der Völker der Welt gehallen wird. Daher muß jeder Sohn Zsraels, sobald er hört, daß ein Rabbiner oder rin Anderer in einer fremden Sprache (בל, בכרי) Predigen wird, die Synagoge verlassen, und hinausgehen. Der Prediger muß in der Sprache predigen, welche die frommen jüdischen Bewohner dieses Landes sprechen. 2. Es ist verboten, zum Behufs des Gebetes eine Synagoge zu betreten, in welcher die Bima nicht in der Mitte steht. 3. Es ist verboten, eine Synagoge mit einem Thurm zu bauen. 4■ Es ist verboten, dem Vorbelcr und den Sängern eigene Kleidungsstücke anferligen zu lassen, welche den Gebrauchen anderer Religionen gleich sind (mm דומי□ לשאר נימוסי)• Es ist verboten, die Brustwehr zwischen der Männernnd Frauen- Abtheitung in der Synagoge so zu mache», daß Männer und Weiber ein« ander betrachten können; vielmehr muß dieselbe so, wie in früheren Zeiten gemacht worden. Wo dies nicht geschehen ist, darf man dir Synagoge nicht betreten. 6. Es ist verboten, dem Gebete deö Ehors zuzilhören, geschweige mit demselben zu beten oder das Amen nachznsagen. Wer genölhigt ist, dem Chorgebete beizuwohnen, ״muß einsam sitzen und schweigen, da es ihm auserlegt ist (Klaget. 3. 88)." 7. Die Synagogen, welche Ctiorschulen heißen und Häuser der Ketzerei sind, darf man nicht betreten, Weil im Talmud Sabv. 110, a. dem R. Tryphon nacherzählt wird, daß er eS für verboten hielt, sich selbst vor einem Verfolger oder einer Schlange ui die Synagoge der ״Zedukim" zu flüchten, 8. Es ist verboten, die Trauung in der Synagoge vorzunehmen; vielmehr muß dieselbe unter freiem Himmel statlfinden. 9. Es ist verboten, in irgend ׳ einem jüdischen Gebrauche oder einer Gepflogenheit in der Synagoge von dem, was unsere Väter und unsere Vorväter überliefert haben, abzuweichen. Die verbotenen Synagogen, von denen wir sprachen , dürfen weder an Wochentagen, noch an Sabbathen, noch ׳am Neujahrs- oder ’ Versöhnungstage betreten werden, selbst wenn man sonst sein Gebet einsanr verrichten müßte." Auf diese neun Punkte folgt ein Epilog, welcher zuvörderst unserer ״verwaisten^ Zeit das Recht abspricht, irgend einen Gebrauch zu ändern, rüdem er die Worte des Talmuds anführt: ״Wenn die. Allen Engel waren, sind wir Menschen; wenn die Alten Menschen waren, find wir Esel, die aber nicht so gescheidt sind, wie der Esel des R. PinhaS b. Zal'r und des R. Chanina b. Doßa, sondern so dumm, wie andere Esel (jer. Schckal. 3, 1; B. Sabb. 112, b)." Ferner schärft der Epilog den Frommen und Gläubigen ein, daß die llebertretung der neun Punkte qualitativ und quantitativ strafwürdiger ist. als selbst der Genuß von Schweinefleisch (המור מאכילת הדר ובאיכות ובמות; doch wagt die Synode nicht,zu entscheiden, ob der Fromme sogar den Märtyrertod der llebertretung der neun Punkte vorziehe» müsse. Andererseits findet sie ihr Interdikt wichtig genug, daß es angezeigt gewesen wäre , über die Uebertreter desselben furchtbare Bannflüche anSzusprechen. Dies unterließen jedoch die Herren, indem sie nur die vom Geiste der Zeit noch nicht angesteckte Herde vor dem Verderben bewahren wollen. Schließlich wird unter Anführung der be« fannlen Stellen hinzugefügt, die Einwohner des Landes zu ehren und für ihr Heil zu beten. Geg'en die Emanzipation spricht sich die Sy« node nicht aus. Zn dem feiner Zeit hierüber verbreiteten Gerüchte hat wol der Umstand Veranlassung gegeben, daß die 70 Rabbinen, die das Protokoll nnterzeichneten— die Unterschriften theile ich Ihnen später mit, — zum Schluffe desselben so sprechen, als wenn den Juden in Ungarn in Betreff ihrer bürgerlichen Stellung gar nichts zu wünschen übrig bliebe. Die neun Punkte werden wol nicht wenig Aufsehen erregen, nnd man wird deren Urheber als Fanatiker verschreien. Zn Wahrheit werden sie aber nicht von Fanatismus geleitet. Viele der Unterzeichneten sind so bornirt Und. einfältig, daß sie eines selbstständigen Urtheils über- Haupt nicht fähig sind. Der hiesige Rabbiner hat fie zur Unterschrift aufgefordert; das ist für,.fie genug. Die klügeren wissen schon besser,. was si^thun?׳-sie sind arme Familienväter, die für ihre von^den Predigern bedrohte Eristenz besorgt sind. Das ist der Schlüssel zu den Synodal-Beschlüffen. Die Herren Braun und Weiß, welche die Glorie ihrer weißbräunen Fahne nicht einbüßeu wollen",- Werden «»Uhren« Wiener Organe ohne Zweisel dagegen protestire«. Die Herren ve>stehen sich aber nicht aufdie Kritik! Wer sich auf diese versteht, der findet in dem vorliegenden Protokolle ziemlich klar das Bekenntniß ausgesprochen: ״Wir Unterzeichneten armen Leute wollen leben; die Prediger wolle»! uns aber nicht leben lassen, indem sie uuö zu verdrängen drohen. Darum, ihr lieben Leute, müsset ihr die Prediger scheuen, wie man die Pest scheu,." Aus diesem Grunde wird im ganze» Protokolle auf die Heilighaltung deS Jargons das größte Gewicht gelegt: darauf weist schon der Prolog hin; davon spricht schon der eiste Punkt; damit beschäftigt sich auch der Epilog, indem er au 45 s , R. MosrS Sofer erinnert, der das Predigen in korrekter Sprache fr. . sehr verpönt bat. Ich mache' Sie hierauf besonders aufmerksam, damit es Zhnen nicht in den Sinn komme, die Synodalbrschlüffe einer ernsten Beurtheilung zu unterziehen. Seien Sie versichert, daß manche der Unterzeichneten in der verpönten Pester Chorschule waren, als fie die Wohlihäligkeit der Pester Gemeinde in Anspruch nahmen, und daß fie schwerlich anstehen werden, in der Folge ein Gleiches zu thun. Damit Sie aber auch von der Gelehrsamkeit der Synode einen Begriff haben kosten, führe ich Ihnen folgende Worte an: mnmN שבכלל תורתנו הקרושה הוא חרי״ג מצוות מה שאוה״ע אינם' מצווים. Also die 613 Gesetze sind i» den אוהרות der Thora enthalten. Welche Ignoranz! Azaharolh sind!a bekanntlich nur die Verbote! Sagt ja die Gemara ganz ausdrücklich: אוהרח עשה לא שמה אוהרה (Sanh. 50, a.) Sie dürfen mir aber glauben, daß es nnler den Protokollhelden Viele gibt, die im Traktate Sanyedrin kein einziges Blatt studirt haben. Dann sprechen die Herren von 613 Gesetzen! Aber Mai- , monideS hat ja gezeigt, daß von den 248 Geboten i» der Zerstreuung nur sechzig Anwendung finden: Sechzig sind der Königinnen (Höhest. 6, 8).! Wie kommt nun die Summe 613 heraus? — Ach kann Ihnen aber die V-rsicherung geben, daß keiner der Koryphäen von Nagy- Mihäly das Buch kennt, in welchem sich diese Maimonidische» Worte finden. יש Nagy - Käroly, im Juni. Bei Gelegenheit der letzten ׳Vorstandswahl.würde d׳: Gemeindeverwaltung in drei Refforts fletheilt und wurde gewähU: He,r Zul. Berger, KullttSvorsteher; Herr Lazarus Kaufmann, Präses der Tempelban-Kowmisfivn; Ignaz Bärmann, Schul- Vorstand. Von Herrn Berger, der in unserer Gegend rühmlichst besann ist, lassen sich nur ersprießliche Leistungen erwarten. Herr Kaufmann wird, hoffentlich mit Erfolg dahin streben, daß der Grundstein zu unserer Synagoge recht bald g'elcgt werde. B. ileifa, 8. Juni. Die Hofkanzlei hat leider entschieden, daß. die Wochenmärkte in ,hiesiger.Stadt wieder am Sabbathe abgehalten werden sollen. Diese Entscheidung hat viele schöne Hoffnungen der hiefigcn Gemeinde vernichtet. Sümeg, im Juni. Die Frage des TempelbaueS ist nun auch in unserer Gemeinde in das Stadium der Entscheidung getreten. Am zweiten Tage des heil. GesetzgebungSfestes berief unser wackerer Kultus- :Vorstand eine Generalversammlung ein, in welcher nach langem Pro und Kontra-Debatliren der einhellige Beschluß gefaßt ward,, ein den mareriellen Verhältnissen und der Mitgliederzaht der Gemeinde angemessenes Gebäude zur Ehre Gottes aufführeu: zu lassen, und schon in der nachsten Woche nach Fassung dieser löblichen Resolution ging in erhebender , Weise die Feier des GrundsteinlegenS-^vo: sich und bald..wird unsere, Gemeinde Um ein Zeugniß mehr haben , das von ihrem lobenöwertheü Gemeinsinne sprechen wird. Nur dem rastlosen Bemühen unseres wackeren KultusvorstandeS Herrn Eduard Kaufmann im Vereine mit den Herren Adolf Steiner, . Adolf und Florian Scheider, I. Würzburger und Jakob Kohn ist eS zu verdanke», daß der Sinn für daS höchste Gut, die Religion, in unserer Gemeuide wieder geweckt ward und mit Hilfe Gottes auch weiter genährt und gepflegt werden wird.. R. L. Lemberg, 1. Juni. Gegen die hiesige Buchdruckerri, aus welcher das von den S. A. Ujhelyer Sefardim (vulgo Chaßidim) Minjan abgefaßte und seiner Zeit auch in diesem Blatte mit wenigen Federstrichen registrirle Kol AnoS hervorging, strebt die isr. Knltusgem.- Vörstehung zu Ujhely einen Preßprozeß an. Die mit diesem in Verbiu- . düng gesetzten Mysterien werden wir zur rechten Zeit den geehrten Lefern Ihres Blattes-mit Ihrer gütigen Erlaubniß vorführen. Wie uns ein glaubwürdiger Ehaßid von dorther, der in dieser Affaire hier weilt, umständlich erzählt, hat die obgenannte Kultusvorstehung vor Kurzem in Angelegenheit des K»l AnoS nnd des mit,diesem in engster Verbin- ■ düng stehenden Ganzer Oberrabbiners an 30—40 orthodoxe Rabbinen im Anschluß eines Kol AnoS rekommandirte Aufrufe gerichtet und durch dieses unpolitische Vorgehen der Cüaffidim« Sache großen Vorschub geleistet. ת- -O.-Lißka, im Juni. Die dieser Tage hier abgehaltene heilige Versammlung beschloß, dem Herrn Doktor Rabbiner zu Eisenstadt für seinen gegen.sie jüngst erlassenen Hirtenbrief eine Ovation, barzubringen. Hoffentlich'werden unsere Freunde hierüber Ausführlicheres zu melden haben. Wohlthätigkeit und Wohlthätigkertsanstalterr Bk.rPest, 9. Juni. In der für den 17. d. ausgeschriebenen Generalversammlung unserer Gemeinde wird söwol über Anstellung-eineS zweiten Predigers als -auch über Besetzung der in Erledigung geköm- - uunen PrimärarztvostenS am Jsraelitenspitale entschteden werden. Sowol die Spitalskommission als der Ausschuß haben zur Besetzung dieser jetzt auf drei Jahre erledigten Postens für Sr. Adolf Hermann gestimmt. In zweiter Linie war Dr. Bernhard Stiller, in dritter Dr. Samuel Hermann proponirt. Daß für Besetzung dieser Stelle nicht im Wege der Berufung, sondern durch Ausschreiben eines Konkurses gesorgt wurde, soll mancher OrtS Befremden erregt ^abeu während «S doch nur auf diesem Wege möglich war, jüngeren Talenten ebenfasis die Bahn zu öffuen und so das Spital auch ia wissenschaftlicher Beziehung der Höhe