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Ben Chananja · 1866-06-13 · 24 (13.6.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
24 (13.6.1866)
Date
1866-06-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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456 oder minder umfassendes Wissen, seine mehr oder Minder bedeutende Rednergabe in solcher Weise zu verwerthen. Zuweilen griff Einer ans Neigung, von einem genialen Drange getrieben, zu diesem Berufe der Unstätigkeit, durchzog von Jahr zu Jahr ganze Länder, besuchte die entlegensten Gemeinden, groß und klein, überall Beifall erntend, und nicht selten die auögebreitetste Berühmtheit erlangend. Die Derascha eines fahrenden Predigers war, wie er selbst, eine außergewöhnliche Erscheinung. Weil sie weder an eine bestimmte Zeit, noch an einen bestimmten Ort gebunden war, trug sie fast immer das Gepräge des Jmprovisirten, ohne jedoch dabei der Unfertigkeit anheimznfallen. Sie hatte mehr objektiven, als subjektiven Werth für die Zuhörer. Der ״fahrende Darschan" verhält sich zu seinem beamteten Berufsgenosseu wie der Fenilletonist znm Publizisten. Während sich dieser streng an den gegebenen Stoff hält, mit Ernst den von ihm eingenommenen Standpunkt vertritt und nur auf gründlich erforschte Gebiete sich wagt, greift Jener nach Allem, was er für seine Zwecke augenblicklich verwerthen kann, und zieht die heterogensten Dinge in daS Bereich seiner Besprechung: Kunst und Wissenschaft, Küche und Keller, Handel und Wandel, Dichtung und Wahrheit. Ich werde in der That der ambulante» Derascha nur gerecht, wenn ich sie ״daö gepredigte Feuilleton" nenne. Wie bei diesem, liegt in dem Effekt, im Witz, in der Mannigfaltigkeit, in der Anekdote, in dem Schwunghaften, Ueberraschenden ihre eigentliche Stärke und Anziehungskraft. Bei dem fahrenden Prediger war Ernst uud Gediegenheit, mit Ausnahme einzelner wahrhaft bewunderungSwürdiger Meister des Wortes, außerhalb seiner Sphäre, und die Belehrung wie die Erbauung spielten bei ihm eine ganz untergeordnete Nolle. Sehen wir nun von solchen Abnormitäten und andern Unzukömmlichkeiten der Derascha ab, so erhellt offenbar, daß die moderne Predigt von ihrer altern Schwester manches lernen kann. Eine solche Satisfaktion ist sie ihr auch, nach mancher Unbill, die. ihr widerfahren, schuldig. Sie lerne von ihr die Belehrung und Erbauung strenge von einander zu scheiden, und daS Aufgebot der Einen oder der Andern vom religiösen Kalender, von Zeit, Ort und Gelegenheit abhängig zu machen. Ich werde darauf noch später znrückkvmmen, nachdem die beiden andern Nebenfragen erledigt sein werden. , Wiener Briefe. VI. (Schluß.) Zn Verbindung mit dem Unterrichte der Bibel im Nrterte und' den Stellen aus dem Gebetbuch werden die grammatischen Regeln ge« lehrt. Ich weiß es wol, daß der Unterricht in der Grammatik eine wahrhafte GeisteStortur werten kan». Ebenso gewiß ist cs aber, daß ohne alle Grammatik dem Kinde die Grleriiiiiig der hebräischen Sprache nur noch mehr Schwierigkeiten bereiter. Es kömmt aber da . wie andrrSwo, ans eine verständige Behandlung des Gegenstandes an.; Außerdem bilden noch je nach Verschievenheit der Klaffen die biblische Geschichte und die Geschichte des Juden,!»!»,- Gegenstand, des de- Religionsunterrichtes. In den Märchcnllaffen w,rd qeleliri: drdlnche Geschichte, die Lektüre passender Kapuet der Bibel in-N.berlltzling. Re- UgiouS- und Smenlehre und die Uebeisetznng manchtr GeV,»stück,. Zm Laufe der Zeit, seitden, bas Programm zu Kraft besteht, kam Man aus manche Lücken und Mängel und man suchte diese aus;»- bessern. Vor etwa drei Zähren bereits soll. wie wir vernehmen, Herr Rrligivnslehrrr Dr. Wolf einige Rkso,mvar׳ch>äge gemach! haben. Zm vorigen hat Herr Prediger Dr. Jeltinck dem Beistände ein Pro memoria über die Religionsschuie eilige,eicht. ES wurde hierauf ein Komilö, beflehrnd a»S dem Lrhrperionale und mehrerer Erperie» unter dem Borfitze des Herrn Dr. Kemper» cing.s.tz,. Di Herien kamen mehrere Male zusammen und verleihe»; die Reinliate die,er Sitznii.en find jedoch unbekannt. So viel scheint g-wiß z»!ein. im SistirnnaSwouaie September des vorige» Jahres nuid.n auch tlese Sitzungen *) S. die vorige Nummer. 456 fistirt. Wie es heißt, wist der Vorstand nun mit der ferneren Beraihnng über dielen Gegenstand warten, bis der neue Prediger sein Amt angrtreten haben wird. Wie wir höre», soll derselbe als Lehrer in der Schule zN Breslau, welche unter der Leilling des Herrn Dr. Samuelsohn steh», fuiigirt haben. Ob er jedoch in der Lage sein wird, sofort die österrei« chilchkN Schulverhältiitsse, die so verschieden von de» preußischen find, und eine derartig« Anstalt, wie es die hiesige Neligioiisschiile ist, zu überschauen und richtig zu beurtheilen, ist euie andere Frage. Welche Bebeuiuiig nia» im Vorstand, der Neligivnsschule zuweist, mag daraus hervorgehrn, daß fast die Hüllte der Vorstands- Mitglieder (von 20 neun) in der Schulsektion sind, darunter Namen von großem Stuf. Sie besteht nämlich aus folg׳«den Herren: Zolls Werihetmer, Präsident des BorstandeS; Aiminio Eoh» , Kammerrath Dr. M. Engel; I. Ä. Gulman; Dr. Jacques; Dr. I. Kuranda, Reichsrathsabgeordiietcr; Dr. L. Komperl; Friedrich Schey, Rtller v. Koromla, Prästdeut der Handelsakademie uud S. Wrutersteni, Präsident der n. ö. Handels« und Geiverdekammcr. Ob die Herren öfters sich bei Sitzungen veriammein oder häufig die Schule besuchen, bin ich nicht in der Lage, zu berichten. Korrespondenz. Emanzipation und bürgerliche Verhältnisse. Wien, 29. Mai. In Folge eines Artikels der ״Neuzeit"' ließ der Vorslaud durch den Sekretär Herrn Dr. L. A. Frankel beim KriegSmintstcr anfragen, ob er geneigt wäre, jüdische Feldgeistliche beim Heere anzustelleu. Se. Erzelleiiz bemerkte hierauf, er werbe geneigt sein, einen derartige» besürwortendeu Vortrag bei Sr. Maj.stäl zu erstatten, wen» man ihm praitische Vorschläge bezüglich der Ausführbarkeit der« selben machen werde. Er meinte näuilich, die jüdischen Soldaten seien in den vcrjchiedensten Regimentern vcrlheilt, und wenn der Krieg aus« brechen sollte, so würden die jüdischen Soldaten in den verschiedensten Spitälern uutergebrachl werden. Bei sämmtlichen Regimentern und in allen Militärlazareiheu jüdische Feldgeistliche a uz tt stelle», wäre jedoch auch des Kostenpunktes wegen kaum möglich. Wien, 10. Juni. Der Kaiser von Mexiko .hat dem Dichter S. Moseulhal daS Osfijierkreuz des Guadeloupe-OrdcnS übersendet. DaS OldeliSzeichen war von einem anerkenne,,de» Handschreiben de- Kaisers begleitet. . X. Wien, 6. Juni. Die hiesigen jüdischen BanquierS habenzu Gunsten der KeiegSkvsteu eine eigen« Subskription eiöffnet, welche bereits 250 000 beträgt. Für Herrn Popper habe» sich neuerdingszwei geistliche Würdenträger verwendet. Kultus und Kultusgemeinde. X. Wien, 6. Juni. Die Orihodorie macht sich hier wirklichsehr, breit. Die Zahl der orthodoren Synagogen soll venu,Hit werden; und zu den bisherigen Dajjanim sollen »och zwei neue kommen. Die Vorsteher der orthodoren Synagogen solleu einen erweiterten Wirkung-- kreis erhalten. Dies und noch Anderes wurde bei der Staithalterei zur Sprache gebracht, wo die Vorsteher der erwähnten Synagogen eine׳ Konferenz hielten. DaS Endresultat werke ich Ihnen seiner Zeit mittheilen. Herr Dr. Jelltnek hat wegu seiner patriotischenPredigten vom׳ SlalSminlsterium eine Belobung erhalten. kr. Pest, 10 Juni. Die jüngste Nummer de- ״Ben Cba, nanja" brachte außer ni.serer Korreipoubenz über die Gastprevigt Dr^ Kohns auch die eines zweiten Korrejponbenten, der unsere diesbezügliche Ansicht ebenfalls!heilt, dem wir aber bezüglich der Aufsaffung dieses Ereignisse» eine beicheidene Bemerkung gegenüber stellen. Es istunserer Ansicht nach näuilich ganz ungrrechtsertigt.die ungarische Predigt als einen Triumph des Magyari MUS, als Beweis unserer patrtvlische» Gefühle hinzustelten. DaS siebt beinahe wie eine eüptatiod6u6voI6ntiss nach außen hin aus, während der Sachverhalt doch gang einfach der ist, daß, nachdem bei einer Gemeinde von circa 50000׳ Seelen die Anstellnug eines zweiten Predigers dringend geboten, vorschrtftSmäßig jedoch kein Kultnsbeamier angestellt werdrn kann» der nichtbeider Laudeösprochen kundig; man bri der Wahl des Predigerdestomehr aus Kenntniß der ungarischen Sprache Rücksicht nehmen mußte, als die zahlreichen vom Lande zugrzogene» Familien, sowie die Herbeiziehung der Sturireuden zum Gottesdienst die ungarische Predigt zn e,nem unleugbaren Bedürfnisse machen. Bezüglich Dr. Kohns srtbst können wir berichten, daß ihn die große Kommission einstimmig in Vorschlag brachte und daß diese in der am 7. d. stattgefundenen Sitzung besonders in Folge eifrigem B'fürwoituiig des Herrn Obrrrabdiuers drn Vorschlag einstimmig annahm. Dre definitive Austragung diejer Angrlegenheit bleibt stanikengemäß der Generalversammlung anheimgestellt und wird diese am 17. d. stanhab.n. 3" Folge zahlreich eingegangener Wünsche hat der Vorstand- Herrn Dr. Kol,» a.sg,fordert. a״ch eine deut'che Predigt zu batten und wird diese (aber nicht als Probcpredigi)׳ wahrscheinlich am 16. d. gehalten

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