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Ben Chananja · 1866-06-13 · 24 (13.6.1866) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
24 (13.6.1866)
Date
1866-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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453 454 nisch-kabbalistische Betweise annehmen 2°). Dies that, wie R. MoseS selbst berichtet, sein Lehrer R. Nathan, der in Frankfurt am Main von Jugend auf an den deutschen Ritus gewöhnt war, denselben aber gegen den sefardischen vertauschte. Vor dem Richterstuhle des Herrn DrS.. HilveSheimer erscheinen also Adler und Sofer als Reformer! Was wir nicht Alles erleben!! Trotz aller Huldigungen, mit welchen Herr Dr. H. die Preßburg r Schule überhäuft, kann er es dennoch nicht über sich gewinnen, ihrem Urheber den gebührenden Respekt zu zollen und zu bekennen: Ejus igilur mihi vivit auctoritas (Oie. Att. X. 1)! Man wende dagegen nicht ein, daß die von R. Moses jedem Kabbalisten empfohlene Reform R. Nathans durch ihre Motive gerechtfertigt wird; denn die nichtkabbalistischen Freunde gottesdienstlicher Reformen sind von der Trefflichkeit und Reinheit ihrer Motive ebenso sehr durchdrungen, wie eS die Kabbalisten von den ihrigen sind, und die Motive der Ersteren sind ja ohne Vergleich einleuchtender, als die magischen Theorieen der Kabbalisten! Ob jemals in einer Gemeinde der Versuch gemacht wurde, eine allgemeine, alle Theile des Kultus umfassende Fusion des deutschen und spanischen Ritus zu Standezu bringen, wögen diejenigen entscheiden, denen ein größerer Qnellenreichthum zu Gebote steht, als uns. Hier sei nur bemerkt, daß Juda Arjeh Leon da Modena (geb. 23. April 1571; gest. als Rabbiner zu Venedig am 24. März 1648), den Wunsch aussprach, daß sich die verschiedenen Ritus zu einem verschmelzen mögen. Allein das Werk, in welchem er diesen Wunsch äußerte, wurde wegen seines reformatorifchen Inhalts von dem Verfasser nicht veröffentlicht, und eS blieb der gelehrten Welt verborgen, bis eS Sal. Stern in Parma aus dem Autograf des Verfassers kopirte, und Isaak Reggio 1852 herausgab (Bechinath ha- Kabbala. Görz, Jos. Bapt. Seitz). Geiger hat der höchst merkwürdigen Persönlichkeit Leon da ModenaS 1856 eine ausführliche Monografie gewidmet, welche bei Joh. Urban Kern in Breslau erschien. Wie Leon de Modena über die Liturgie dachte, erhellt schon daraus, daß er vorschlug, an die Stelle unseres Morgen-, Vesper- und Abendgebetes folgendes kurze Gebet zu setzen: ״Ewiger, mein Gott und Gott meiner Väter, Urheber und Regierer der Welt, Schöpfer des Lichtes und der Finsterniß, Allmächtiger und Allsehender, der du unS aus Aegypten geführt und unS durch Mose deinen Knecht die Lehre der Wahrheit geoffenbart hast, erbarme dich meiner und gib mir Leben, Gesundheit, Nahrung und Verpflegung und treffliche Einsicht, deinen Willen zu erfüllen und an dir zu hangen. Verzeihe mir nach deiner Gnade meine Sünden, denn ich bereue, daß ich sie begangen habe. Wende ab von mir jedes böse Geschick und Verhängniß. Erbarme dich beines Volkes Israel und befreie die Unterdrückten unter uns um deines großen Namens willen, der gelobt, gepriesen und gebenedeit werde in alle Ewigkeit, Amen." ״) Das. Nr. 14.: להתפלל Oll!הבאים בסוד ה*.... טוב ׳ ממה שיתפללו אשכנזי.מסדור ספרדים Statt ממה sieht irrthümlich ומה , was keinen Sinn gibt. Wir lassen die von Herrn Dr. H. hervorgehobenen» an sich sehr unerheblichen speziellen Bedenken unberührt, um der Pariser Kommission, die mit aller Rücksicht auf das Bestehende, eine Fusion der beiden Riten anbahnen will, nicht vorzugretfen. Von allgemeinem Standpunkte betrachtet, wird die in Parisangestrebte Fusion, die im Hamburger Tempel zum Thetl bereits vollzogen ist, zur Veredlung des synagogalen Gottesdienstes einen dankenSwerthen Beitrag liefern. Diese Veredlung gewinnt in den gebildeteren Gemeinden von Tag zu Tag mehr Boden. Zu dem Bedürfnisse eines würdiger» äußern Anstandes gesellt sich immer mehr das Bedürfniß eines wahrhaft erbauenden und erhebenden Gott sdienstes. Ein solcher Gottesdienst will keine äußerliche Schuldabtragung sein, und keine magischen Wirkungen produziren. Der reiche Segen, den er bringt, besteht darin, daß er, wie sonst nichts in der Welt, geeignet ist, die Seele zu Gott zu erheben, das jüdische Selbstgefühl und den religiösen Gemeingeist zu wecken und zu kräftigen, die Veredlung, des Herzens und Lebens zu fördern, Fassung in Noth und Trübsal zu gewähren und Frieden und Eintracht in den Gemeinden zu befestigen. Dieses Ziel wird in den Synagogen erreicht werden, sobald der Kultus von Anfang bis zu Ende Geist und Gemüth in Anspruch nimmt, wie dies in den Gott es stätten (מוש״י אל) der Vorzeit, oder in den ältesten Synagogen geschah. Ein solcher Kultus, der Gottlob bereits Vielen als Jdea vorschwebt, wird würdiger und wirksamer sein, als der Heutige, und weniger Zeit und Geldopfer fordern״ als der Heutige in Anspruch nimmt. Homiletische -Briefe. Von Rabbiner Dr. S. H. Sonneschein. Sechster Brief.*) fAndere Zielpunkte. — Eigene Anschauung. — Die Derascha. ־-, Tie mentarische Sonderung. — Stegreif. — Der fahrende Darschau. — Hmprovifirt aber nicht unfertig. — Gin profaner Vergleich. — Satisfaktion.! (Schluß.*) WaraSdin, 23. Mai. — Wieso es aber möglich war, daß es im älter» Judenthum hinreichte, wenn der Rabbiner nur viermal im Jahre auf der Kanzel das Wort ergriff? — Das hatte seinen guten Grund. Es herrschte nämlich in den jüdischen Gemeinden ehedem der schöne Brauch, daß auch außerhalb des Gottesdienstes theils von den Rabbiner», theils von fachkundigen Privatleuten entweder bei den Zusammenkünften der zu solchen Zwecken gebildeten Vereine, oder an Sabbath- Nachmittagen für Jedermann religiöse Vorträge gehalten wurden. Auch diese Vorträge waren vorwiegend belehrender Natur, selbst wenn sie sich, wie es hin und wieder vorkam, an die bereits vorhandenen altern Erbauungsschriften aülehnten. Durch solche Vorträge ward denk einschlägigen Bedürfnisse völlig entsprochen und für Herz und Geist reichliche Nahrung geboten. - «• Außerdem gab es ja, wie Du weißt, zu jener Zeit-d ie gegenwärtig nur höchst selten anzutresseuden ״fahrender Prediger", die von Zeit zu Zeit bald hier bald dort ihre ambulante Kanzel aufschlugen. Zuweilen sah sich ein Rabbiner vou Verhältnissen der verschiedensten Art dazu gezwungen, zeitweilig ein solches Wanderleben zu führen, und sein mehr *1 S. die vorige Nummer.

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