Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 24 (13.6.1866)
- Date
- 1866-06-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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449 450 sowie in den ältesten Gebetstücken "). Andererseits enthält aber fowol der haggabische, als der hakachifche Thekl des TalmudS Vieles, daö sich mit diesen Anschauungen nicht vereinbaren läßt. Für den Zweck unserer Entwicklung genügt, auf folgende zwei Stücke hinzuweisen. 1. Schon in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhun- VertS wurde die Frage diskutirt, ob und in wie ferne beim Lesen oder Nezitiren deS Schema (קריאת שמע) des MorgenS und deS Abends andächtige Aufmerksamkeit auf das Gelesene oder Rezitirte erforderlich sei. R. Mei'r forderte dies nur für den ersten Vers, Andere stellten umfassendere Forderungen, ohne jedoch ein andächtiges Aufmerken für das ganze Schema in Anspruch zu nehmen,3). Die historische Apologetik wird vielleicht sagen, daß in dieser Jndulgenz eine Konzession liege, die man der bedrängten und aufgeregten Hadriauischen Zeit gemacht hat, wo eine andächtige Lektion deS Schema von den Wenigste» zu erwarten war. Allein gesetzt, daß sich dies wirklich also verhalte, so steht es doch fest, daß eine solche Auffassung den Amoräern in Palästina und in Persien fern lag. Jedenfalls wurde dadurch ein Mechanismus selbst in der Theorie vom Gebete einheimisch, der in demselben Maße zunehmen mußte, als die Liturgie an Umfang gewann. Vom Schema zur eigentlichen Tefilla hatte dieser Mechanismus nur einen kleinen Schritt zu machen, und in der That konftatiren R. Meir Kvhen und R. Jakob b. Ascher gegen Anfang des vierzehnten Jahr- Hunderts, daß es mit der Andacht beim Gebete nicht so genau genommen werden könne, wie in den alten talm. Tagen"). Die Sefardim hielte» sich strenger an den Talmud; doch Hatte selbst dieser auch in Ansehung der Tefilla dem MechaniSmuS einen Spielraum gestattet. ^). Die Orthodorie hatte mithin die Bedeutsamkeit des Gebetes sinken lassen, wiewol die sefard. ReligionSfilosofen und die aschken. Sittenlehrer nicht unterließen, auf ein seelenvolles Gebet zu dringen "). Ihre Mahnungen drangen nicht durch, weil sie bloS in Schriftwerken niedergelegt waren, und die öffentliche Belehrung entweder gänzlich fehlte, oder doch nur sehr kärglich ertheilt wurde. In den Kirchen waren zu jenen Zeiten nach dem Zeugnisse der Kirchengeschichte die Andachtsübungen noch viel mehr gelähmt und verkörpert, als in den Synagogen. In jenem und in diesen trat die Mystik dieser Lähmung und Verkörperung entgegen. Die Erfolge der christlichen Mystik liegen außerhalb deö Bereiches unserer Betrachtung. Die dem inner», psychischen Momente beim Gebete mit Vorliebe zugeweudete Lnrianische Schule mußte bei tiefer fühlenden Gemüthern Beifall und Anklang finden. ") Schon die Kürze derselben beweist , daß es bei deren Abfaf« suug nichl aus Lippeuweek abgesehen war. Hieher gehört auch die Selbstständigkeit elii'zelnrr Schristgelehrte» in Bezug auf die Tefilla: j. Brr. 4, 4. B. das. 29, b. ") j. Ber. 2. 1. B. das 13, ». b. das. j. 2, 4. B. 16. a Zoma 19, b. Sol. b. Add.:.ומססוק ראש(( ואילך א0י׳ קורא להניר ממש יצא רהא מכאן ואילך אין צריך כונה כלל. ") Hagg. Maim. Tkf. 4, 15 Nr. 20. T»r O. CH. 101. Gr, sterer beruft sich dabei auf die Toßafisteu. Gine Attomodation aus der ralwudischen Zeit. s. Ber. 34, b. Sch. Ar. O. Ch. 101. S. die vor. Anm. ") Wir werke» die hieber gehörige» Lehren und Meinungen Sei einer andern Gelegenheit zusammenstellc». 2. Dazu kam auch die Wirkung, welche die Kabbalisten den nach ihren Marimen verrichteten Gebeten 00* * rantirten. Auch hierin hatten frühere Zeiten vorgearbeitet. Während nämlich noch einer der jüngsten Psalmisten mit frommer Zuversicht spricht: ״Nahe ist der Ewige Asien, die ihn anrufen: Allen, die ihn anrufen in Wahrheit (Ps. 145, 18)", spricht das Buch Tobi schon von den sieben heiligen Engeln, welche die Gebete hinaufbringen"), und ist die Mischna ziemlich nahe daran, dem Gebete eine gewisse magische Kraft beiznlegen; denn nur unter dieser Voraussetzung konnte sie lehren, daß ein Jrrthum im Ausdrucke ein ungünstiges Prognostikon für den Betenden sei,8). Nicht minder war schon in der talmudischen Zeit die Anschauung verbreitet, daß der Gotteöname auf eine, magische Wirkultgen hervorbringende Weife ausgesprochen werden könne'9). Alles dies wurde in der kabbalistischen Schule weiter auögebildet und potenzirt. Indem der Betende mit den gegebenen Worte» der Gcbetformeln den denselben innewohnenden mystische» Sinn verbindet, und sich die verschiedenen Kompositionen der Buchstaben deS heiligen Gottesnamens vergegenwärtigcr, tritt er mit der höher« Welt in einen geheimnkßvollen innigen Rapport, aus dessen Schoße der beabsichtigte Effekt deö Gebetes hervorgehen muß. Dies lehrten die Kabbalisten unverhohlen und darauf beriefen sie sich, um die praktische Bedeutsamkeit ihrer Wissenschaft einleuchtend zu machen. Sie blieben auch keineswegs bei der Theorie stehen; vielmehr drangen sie auf Reformen in der Liturgie, um Theorie und PrariS in Einklang zu׳ bringen. Wir haben die Kämpfe- Welche diese Neformbestrebungen in verschiedenen Gemeinden, namentlich in Italien, hervorriefen, im vorigen Jahre ausführlich geschildert^). Wenn sich der Herr Dr. HildeShcimer mit dieser historisch treuen Schilderung vertraut macht, wird er zu seiner Genngthuung daraus ersehen, daß das Herkommen als solches auch zu jener Zeit seine Vertheidiger und Lobredner fand. Zu gleicher Zeit wird er aber erfahren, daß selbst sehr orthodore Rabbinen, wie Josef Ergas (gest. 1730), weit entfernt waren , den sonst auch von ihnen begünstigten Stäbilism auch auf daö Gebiet der Liturgie zu übertragen. Wenn man die Ausführungen des Herrn Drs. H. liest, muß man auf den Gedanken kommen, daß es förmliche Synoden wären, welchen den Aschkenasim ihren Ritus und den Sesardnn den ihrigen festgesetzt Haben, (und daß das Pariser Konsistorium sich gegen diese alten Sy'iodalbeschlüsse auflehnt, so daß es von Eisenstadt aus zurechtgewiesen ui d an seine Pflicht gemahnt werde» muß. Diese Voraussetzung ist aber rein auS der Luft gegriffen. Ueber liturgische Fragen haben niemals Synoden entschieden. Ja ein großer Theil des Mächafor, fowol deS aschkenasijchr» ") Tob. 12, 15. Brgb Sabb. 12. b. den Ausspruch R. JochananS den MatwonidcS fafUti läßt und tie andere» Kasttlfi.» »nfttl ren. S. auch Toßuf. B.r-3.». SchliNv. ועונין. '") Ber 5, 5. Der Maimonibtiche Miichliakvmuicntac verbachtet Kierüber ein bekeutu»fl»׳voll:s Stillschivei-ieu. ' יי) A. v. Stell..׳- "len Chan. II S. 198. 91 um. 8. I *9) 33.il C •ananpי!!* ׳ Ar. 30, 31. 38. 24 * .״..■־■■