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Ben Chananja · 1866-06-13 · 24 (13.6.1866) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
24 (13.6.1866)
Date
1866-06-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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447 448 iit Perpigtian und Vldal in Toulouse waren nichtsweniger als geneigt, pilpulistische Knoten zu schürzen und zu lösen. In Deutschland und Frankreich wirkten die Verfolgungen des vierzehnten Jahrhunderts vernichtend auf die jüdischen Gemeinden und ihre Lehrer und Schriftsteller. Namentlich ״hat die große Epidemie, welche 1348 bis 1350 das mittlere und westliche Europa entvölkerte, über die Juden von Thüringen bis Katalonien, und vornehmlich über die Gemeinden von Elsaß, Schwaben, dem Nheinkreise, der Schweiz, Piemont und Provence entsetzliches Unglück gebracht, gegen welches daS der Kreuzzüge klein genannt werden darf (Zunz)." In dem Jahrh. Guttenbergö begnügten sich die aschken. Talmüdgelehrten damit, praktischen Anforderungen und Bedürsi Nissen Rechnung zu tragen: sie lieferten Sammlungen von Gutachten und liturgischen Sachen. Die Sefardim blieben eine Zeitlang den Aschkenasim überlegen. Der pilpulistische Geist aber erwachte erst von Neuem unter ihnen, nachdem seit dem siebzehnten Jahrhundert von Polen und Deutschland aus der Anstoß dazu gegeben war. Den imponirenden selbstständigen Pilpulismus eines R. Arje Löw in Metz und die den Fachmann hinreißenden Kombinationen eines R. Jonathan Eybcschütz sucht man nun allerdings in der Literatur der Sefardim vergebens. Allein letztere brauchten diesen deutschen Heroen gegenüber nur ihren R. Jehuda Rozanes, den universellen Talmudisten, und R. Isaak Nunnez Belmonte, den Virtuosen im leichtern Pilpülstyle zu neunen; wenn sie überhaupt uöthig hätten, sich 'auf eine Ehrenrettung ihrer Literatur cinzulassen. Gie haben dies aber gar nicht nöthig! Denn selbst der Nichtgelehrte muß sich sogleich von dem Nebergewichte der sefardisch-literärischen Erzeugnisse über die der Aschkenasim überzeugen , sobald er von den neueren und neuestenWerken über jüdische Geschichte Einsicht nimmt. Aus der Hand der Sefardim empfing das Judenthum den Führer d er Verirrten von MaimonideS und den So har! Diese beiden Schriftwerke sind aber die ersten Quellen der stärksten und verbreitetsten geistigen Bewegungen im heutigen Israeli Die auf dem Standpunkte der europäischen Kultur siehenden Juden verkünden cs tausendstimmig, daß mit Moses Mendelssohn e'ine neue Kultnrepoche desjüdischen Volkes ihren Anfang nahm. Gesetzt aber, Mendels^bn hätte in seiner frühesten Jugend nicht den MaimonidischeH More, sondern statt dessen die Werke der Aschkenasim, etcha daS Buch der Frommen (ססר חסידים), mit Eifer stuairt; würde auch dann eine neue Kulturepoche mit ihm begonnen haben? Und hat seit der Mendelssohn'schen Zeit das Studium der hebräischen Grammatik und die Pflege einer gesunden Schriftauslegung nicht zumeist an sefardische Vorbilder angeknüpft? Erst die neueste deutsche Forschung hat auf die Vorzüge und Verdienste der nordfranzösischen Eregeteuschule aufmerksam gemacht. Die Sefardim selbst nehmen an den neueren Bestrebungen nur dort Theil, wo sie von den Aschkenasim mit in die Bewegung der Geister hineingezogen werden. Die Sefardim des Orients pflegen neben dem Pilpul nur die- Kabbala, welche.über auch einen.großen Theil der aschkenasischen Gemeinden eroberte, in denen sich die praktische- Kabbala sogar zu einem sehr einträglichen Industriezweige ausgebildet hat. Der bedeutende praktische Einfluß der Kabbala, namentlich auf die Liturgie, datirt bekanntlich seit R. Isaak Lurta, der aus einer aschkenasischen Familie stammte und als Sefardi erzogen wurde. In ihm wurde gleichsam eine Fusion des kabbalistisch-sefardiscben und des germanofränkischen Geistes vollzogen. Nicht lange nach seinem Tode (1572) vollzog sich eine gleiche Fusion unter den beiden großen Gruppen der zerstreuten Judenheit, indem der aschkenasische Pilpul in die sefardisch'en, die sefardische Kabbala in die aschkenasischen Kreise drang. Bald machte sich auch ein liturgisch-fusionistisches Streben geltend, indem die Luna- Nische Schule auf die Wiederherstellung der vernachlässigten Andacht drang, und sich sogar die Kraft zuschrieb, dem Bittgebete die sichere Gewährung verbürgen zu können. Beide Punkte verdienen näher beleuchtet zu werden. Wie die Profeten gegen gedankenloses Beten als gegen eitles Lippenwerk eifern 6), und die Psalmen öfters hervorheben, daß das wahre, Gott gefällige Gebet ans dem Herzen fließtד) , was auch in den Apokriphen nachdrücklich gelehrt wird b); so dringt auch Philo in Uebereinstimmung mit der von ihm gelehrten Moral auf die Andacht beim Opfer und beim Gebete^). Diese Anschauung vom Gebete als einer Erhebung des Herzens zu dem Herrn der Welt, findet ihren Ausdruck auch in der talmudischen Haggada 8 9 10) und Halacha "), 8) Jesaj. 29, 13. 14. Ewald: ״DaS alte Volk kannte (ein einnial feststehendes Gebet, keine indische Gajatri, kein Vaterunser, keine erste Sure.Noch weniger kannte daS alte Israel die stete Wiederholung gcwiffer heiliger Worte und die üble Kunst, aus solcher Wiederholung ein heiliges Werk zu machen (Alterth. 12.13)." ף Ps. 5. 1; 17, 1—4; 25, 1; 32 5; 34. 19; 37. 3—5; 39. 4; 40, 7-11; 42, 3; 50. 23; 51, 18. 19; 63. 2; 77. 4; 84. 2. 3; 86. 4; 184. 1; 119, 10; 130. 1—6; 139, 23. 29; 142, 1—3; 143, 8; 145, 18- Ewald: ״Und welche Früchte die Kraft des Gebetes im Verlaufe der Jahrhunderte immer reicher sowol als reifer hervortrieb, tritt während des letzten Zeitalters der ganzen Geschichte Israels im Psalter an das Helle Licht der Geschichte (Alterth. S. 13).״ 8) Sir. 7. 10. 14 (vrgl. Kohel. 5 , 1. 2); 35, 17-22; 51, 6—22. Weish. Sal. 9, 1—18. 9) Wir heben aus mehreren Stellen nur folgende hervor: ״Alle Tugenden find heilig; ganz vorzüglich ist es aber die Dankbarkeit. Durch Tempel, Gaben und Opfer bekundet man nicht auf die rechte Weise seine Dankbarkeit gegen Gott. Das ganze Weltast würde kein würdiger Tempel zu seiner Verehrung sein! Es ist rühmlicher, ihn mit Lobliedern zu ehren, und zwar nicht mit solchen, die wir mit lauter Stinime fingen, sondern mit Lobliedern, die unsichtbar in unserm reinen.Ge« mülhe ertönen (06 pinnt. Noe 231, d. e. e<J. Franks.). ,0) Sifre 5 M. 21. 1. Bcr. 4, 1. Babli Taan. 2, a. Aboth 2. 13. Ab. iß: Rath. 17. Taan. 8, a. Sanh. 22, a. Schem. N. 22. Der öfters! vorkommende Ausdruck 3ין לבר ist aus Job 11, 13. geflossen. DaS hebr. Hifil ist daselbst im Targum mit dem Paöl wiedergegrben. DaS אליו des zweiten Gliedes ist..auch .ilp ersten zu. suppliren. So schon De Wette: Wenn du dein Herz zu ihm richtest ., ,und nach ihm ausbreitest deine Hände. Willkürlich die S.r'pt,; ■T*9 dy *a&ctguv i&ov ttjv xctQdtav 60v, Sprachgemäßer die Vulgata: ll?u aütew Lrmasti vor tuuw. Unter den neueren Uebersetzern folgen mehrere mit De Wette dem Targum; so Cahen r 81 tu as äirigü v6rs lui ton cor. Wolfson: Richte zu Gott dein Herz. Daher: 3יונת הלב (Meg. 20, a) Richtung des Herzens. Da aber das Zthpaal (talm. Nithpaal) schlechthin dieselbe Bedeutung hat (Nazir 23. a. B. Bathra IC, a); ,0 beißl auch schlechthin die Richtung oder Intention des Herzens. ") Ber. 5. 1. Toß.sta da,. 3. (Das schwierige 122 הראש ist vielleicht nach chw e rmülhigkeit gebildet). Gem. das. 30, b. 31, a.(34 ,(הלכחא גברווחא, t>. ®mb. 65, a. דעחח 3 (מיושבתn Bezug auf das Schema: Ber. 2, 1. Vrgl. auch 34, b.

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