Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 23 (6.6.1866)
- Date
- 1866-06-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543198--4832-2548866- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
440 439 die ganze Gemeinde", nnd zwar, was eben dieses Hervorheben bezeichnen soll, an eine öffentliche Versammlung deS ganzen Volkes gerichtet wurde, weil er fast alle wesentlichen Lehren der Gotteöoffenbarung in sich schließe. Er stellt gleichsam in kleinem Bilde das ganze herrliche Gemälde der Religkon dar. Religion aber ist ihrem Ziele und Zwecke nach eben nichts Anderes, als die Verbindung der Menschen unter sich und mit Gott, sie ist daö ״Bündniß" daS Gott gestiftet zur Beseligung der Menschen in seinem Dienste und in ihrer eigenen Versöhnung. Die Lehren der g. Offenbarung zur Herstellung dieses ״Bündnisses" müssen also nach der Anweisung der alten Lehrer in unserm Tene enthalten sein, und die Erforschung von dessen Inhalt wird nnS daher den wesentlichen Inhalt unserer Religion, und damit die Lösung unserer Aufgabe, da die Bestimmung deS Gotteshauses ja nur die Beförderung der Religion sein kann, an die Hand geben. Möchtest Du, o Gott, Dein Angesicht leuchten lassen über uns und Deine Gesetze uuS lehren! Amen. 93. ■81. i. ״Seid heilig, denn heilig bin ich der Herr, euer Gott,": daS wäre also daS erste, waS die g. Offenbarung zur Herstellung des ״Bündnisses״ mit Gott fordert. Heiligkeit aber ist, wie die alten Lehrer bemerken und aus der h. Schrift Nachweisen, nichts anderes als .Sittlichkeit, Reinheit der Gesinnung und deS Wandels, keusche Sitte und Zucht. Wie Gott heilig ist, d. i. in höchster Reinheit thronet, ohne alle Leidenschaft, so sollte-der Jsraelite, Mann und Weib und Jünglig und Jungfrau — denn Allen wurde es in der öffentlichen Versammlung deS Volkes verkündet — eingedenk der Gottähnlichkeit des Menschen, eingedenk seines besondern hohen Berufes, die g. Wahrheit durch die Jahrtausende der Geschichte hindurch zu tragen, bis daß ״die Erde voll sein wird der Erkenntuiß Gottes, wie Wasser den Meeresgrund bedecket", jebc, seine innere Seelenwürde befleckende, unreine Leidenschaft, 'jede, seine Gott-- ähnlichkeit, sein Menschenthum entwürdigende, unsittliche Gesinnung und That von sich abweisen. Und in Wahrheit, v. F. u. A. nichts steht mehr in Widerspruch mit dem reineu, hochthronenden, erhabenen Gotte, als wenn wir in des Lasters und der Unsittlichkeit schmutzige Tiefen versinfen 5 nichts kann der Gottähnlichkeit mehr Hohn sprechen als das Zerrbild eines von inner» Leidenschaften durchwühlren, in unsittlichem Leben vorkommenen Menschen; nichts entehrt uns mehr, beraubt unS mehr deS ״Schmuckes, mit welchem Gott den Menschen gekröuet und den Engeln wenig nachgesetzt hat", als die-auf die niedere Thierstufe uns zurückschlcuderude sinnliche Begierde. Da kann ״Geist und Herz dem lebendigen Gotte nicht mehr entgegen jauchzen": denn beide sind todt, der Fäulniß und Verwesung preiögegeben; daö Band ist zerrissen,■ daö mit Deinem Gotte Dich verbindet, und von Religion, dem Bündnisse Gottes mit dem Menschen kann keine Rebe mehr sein; zerbrochen liegen deS. Gesetzes heilige Tafeln am Boden, wo Du wild und zügellos um den Götzen der Sinnenlust taumelst. Daö Gotteshaus nun, v. F. u. A. soll die Bande, die in deS Herzens und deö Lebens Reinheit mit Gott dem Herrn uns verbinden, erhalten, oder, wo sie durch Verirrung oder. Verführuug zerrissen sind, wieder festknüpfen, indem eö der Weisheit und Gottesfurcht ewige», beseligenden Reiz, der allen vergänglichen, irdischen Reiz so unendlich überstrahlet, in der reinen Gottesnähe unö vorführt, daß wir mit dem h. Sänger sprechen: ״Verloren sind > die sich von Dir, o Gott, entfernen, verloren,, die nach Andern buhlen", und.in dessen Ruf: ״GotteSuähe, d. i. Gottähnlichkeit in. Gesinnung und That, ist mir das einzig wahre Gut", begeistert einstimmen; indem eS David'ö Bußgebet nach der Sünde, nnö flehen lehrt: ״Ein reines Herz erschaffe in mir., o Gotf, Md gib .mir einen neuen ׳ festen- Sluu?> DaS Gotteswort, daS hier verkündet wird , soll zündend in daS Herz dringen und den durch Sinnlichkeit «nd Wollust erstickten Funken für Sittlichkeit und Tugend zur lebendigen Flamme wieder anfachen; das Gebet, daS daran sich anreihet und daher in Wahrheit von ganzem Herzen und gan- . zer Seele zu Gott sich richtet, soll deS Gewissens heiliges Licht, daS der höchste Priester, Gott der Herr selbst, in des Herzens innerstem Tempel hat äufgezüudet, daS von der Sünde dunkler Gewalt nur verhüllt, niemals ganzverlöscht werden kann, wieder frei machen, daß eS hell und klar in dein Leben hineinstrahlet, und, heilend die von Ge-: wiffenSbiffe» zerrissene Brust, mit dir und deinem Gotte dich wieder versöhnet. Ja, das ist des Gotteshauses erste, hohe Anfgabe. Nicht ein bloßer Lippendienst soll hier geübt werden, soudern Herz und Geist sollen das erneute Bündniß mit Gott dem Herrn durch Belebung des sittlichen Sinnes feiern; nicht bloße Formen sollen hier gelehrt werden, bloße ״Glie- Verpflichten" wie ein alter Lehrer die entseelten äußern Formen nennt, sondern vor Allem die Sittlichkeit, deö ״HerzenS" heilige Pflichten. ״Seid heilig, d. h. sittlich rein in Sinn und Leben, denn heilig ist Gott, euer Herrn." Dieses Wort muß hier immer nnd immer der versammelten Gemeinde wie in Flammenschrist vor Augen treten. 2. ״Ein Jever ehrfürchte seine Mutter und seinen Vater": daS ist daö Zweite, was unser Tert als wesentliehen Inhalt der Offenbarung zur Herstellung deS g. BündnisseS angibt. Was ist das aber anders, v. F. u. A., als die Heiligkeit der Familie, dieses einzig festen Grundes für den Bau der Menschheit, dieser einzig gesunden Wurzel - jenes Lebensbanmes der menschlichen Gesellschaft, der allein die schönen Blüthen deS Rechtes und der Liebe in nnseren gegenseitigen Beziehungen rein und vollen treiben vermag. -Denis wer wollte׳ es läugnen, daß^M^Fainilie In 'Ihrer Heiligkeit und Reinheit, in ihrer Innigkeit uub Liebe, in ihrem Frieden und ihrer Beseligung ,' Der Grund und die Wurzel zugleich sei, in welchem »nv'auS welcher der Ge-- meinve, deS States, der menschlichen Gesellschaft sicheres Gedeihen ersprießet, ebenso wie unsere TrneSworte,— wie die׳weitere Ausführung mit den Geboten der Unter- - stützllng der Armen und Bedrängten, der Redlichkeit, der Wahrheit, deö Rechtes im Gerichste, des milden, versöhnlicheu Sinnes, und der das Ganze als edelste Perle kröneu de Lehre: ״Du sollst deinen Nebenmenschen lieben wie dich selbst", unwiderleglich beweist, — in diesem, daS ganze Leben umfassenden Sinne aufzufassen sind? Blicken wir hinab ' in die Mcnschenbrust und hinein in die menschliche Gesellschaft, und wir müssen uns bald überzeugen, daß ein edleS, durch Recht und Liebe umfriedetes Familienleben die sicherste Bürgschaft für ein edlrS, durch Recht nnd Liebe umfriedetes gesellschaftliches, bürgerliches und statlicheS Leben bietet. Over ׳ sollte der Mann, der in seiner eigenen Familie den Frieden^ und die Liebe nicht pflegt, der seiner Gattin, seiner eigenen Kinder treuester Freund nicht ist, der zuverlässige Freund Anderer, der Pfleger von Recht und Liebe in weitern Kreisen sein können? Nein, v. F. u. A. wo wir , daö Familienleben in einem Hause getrübt sehen, da wenden wir uns mit Granen weg, da rufen wir jene verhängnißvolle» Worte ans: ״Weichet von den Wohnungen dieser Frevler und berühret, nichts, waS ihnen gehört"; da sagt unö eine innere Stimme: Diese Herzen sind ausgebrannt, der Liebe heilige , Flamme ist erloschen in ihnen. Wo unö dagegen die Familie -l in ihrer himmlischen Beseligung entgegen tritt, wo Friede, Liebe, Treue, Geduld, Ausdauer, Hingebung, Anfopfe- .rung, Fleiß, Bescheidenheit und Tugend, diese Bedingungen und Erfolge deS häuslichen Glückes in einer Familie wal-! tezi, wo diese.. schönen Blumen, würdigen; Familienlebens...