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Ben Chananja · 1866-06-06 · 23 (6.6.1866) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
23 (6.6.1866)
Date
1866-06-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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438 את חרפת מצרים• Denn wie oft mußten wir nicht dtp beschämenden Borwurf vernehmen: Ihr sprechet und schreibet die Sprache di» Vater« landet, aber so lange das Wort des Herrn nicht von der Kanzel herab in unserer Sprache ertönt — können wir nicht recht an eure Anhänglichkeit glauben, können wir uns. nicht recht überzeugen, daß wie die Zttnge auch das Herz ungarisch, wie die Sprache auch das Gefühl, der Gedanke und die Handlung patriotisch seien. Doch nun ist der Vorwurf entkräftet, die Verunglimpfung zum Schweigen gebracht. Wir babru die Sprache des Vaterlandes in unser Allerheiligstes «ingeführt; was aber der Zsraelite in das Haus des Herrn bringt, das muß rein und makellos, heilig und verehrungswürdig sein. Doch höten wir nun die Predigt des Herrn DrS. Kohn. Zsrael ist eine J«richo׳Rose, die auch in dürrem, saftlosem Boden gedeiht. Wird die zartgebaute Pflanze von versengendem Samum in die weite Fern, gewirbelt, srtzt ste sich neuerdings fest , schlägt Wurzel, treibt und blühet wie ehedem. Zsrael ist zerstreut und verschlagen unter die Völker und seine Sijten sind verschieden von denen aller andern Völker. Doch mögen die Hawane hieraus keinen Vorwurf ableiten. Israel hat aufgehört ein eigenes Volk zu sein und trotz eigenthümlicher Sitten denkt, fühlt und wünscht eS nichts anderes, als das Volk, in dessen Milte eS gastliche Aufnahme gefunden. Za, der Zsraelite liebt fein Vaterland nicht nur aus Patriotismus, sondern auch aus Religion. Gleichwol hat Zsrael seine Mission, und die ist: den einigen und einzigen Gott unter den Völkern zu v-rkünden. Für seine Lehre duldet, ringet und kämpfet es. Doch find seine Waffen weder Macht noch Gewalt, sondern der Geist des Herrn. Schließlich dankt der Redner seinen Gönnern, die sich seiner Hilflosigkeit auch in weiter Ferne angenommen , sowie der edlen Pester Gemeinde, die ihn durch die Vokation so hoch geehrt und der er, was sie auch in Bezug auf ihn beschließen werde, stets ergeben und erkenntlich sein werbe. ( Das Thema war...w,ix .Sie sehen, nicht neu, und die Behandlung desselben, war eS auch nicht. Doch der Redner führte sich bei uns als נר ותושב «in und als solcher hat er weder das Recht zu moralifiren, noch sich über Lokalverhältniffe auSznlaffeu. Es stand ihm also eben nur das gewählte Thema zu Gebote; über, dasselbe ist aber bereits so viel gesprochen und geschrieben worden, daß sich nicht leicht was Neues darüber sagen läßt. Was übrigens die Sprache anbelangt, war sie sowol in Bezug auf Pronuntiation, als auf Grammatik, korrekt und tadellos. Enttchieden hat aber der, Redner seine Begabung und!Eignung durch den Vortrag bekundet. Bloß und zitternd besteigt er die Kanzel, auf die 5000 Menlchen die Blicke heftend. Doch kaum ist er oben, schwindet die Befangenheit und kaum hat er daS erste Wort gesprochen,,, ist er gefaßt und Herr des Platzes. Während' der ganzen Rede, die 3/, Stunden gedauert, war weder Stottern noch sonst eine Unsicherheit zu bemerken. Das Organ ist aber bald lieblich tönend, daß es sich ins Herz hinein schmeichelt, bald metallisch schmetternd, daß er erobert, be« geistert und entflammt. Unter, den Zuhörern befanden sich auch viele Christen, namentliche gefeierte Redner aus dem Landhause. Alles aber war einig indem anerkennenden Beifalle deS Herrn Drö. Kohn. des künftigen ungarischem Predigers der Pester Gemeinde. kr. Pest, 2. Zuni. Heute hat Herr Dr. Kohn vor einem zahlreich versammelten andächtigen Publikum seine Gostpredigt gehalten und so weit es möglich lst, nach einmaligem Anhöeen ein Urtheil zu fällen, glauben wir genügende Ursache zu haben, mit der Befähigung dieses Kandidaten zufrieden zu sein. Die Predigt bot uns zwar kein Häschen nach neuen Ideen, sie zeigte aber doch von einem besonders hohen Bildungsgrade des Redners und von einem nicht unbedeutenden Rednertalente, weiches sich in dem ihm heimisch. Elemente der deutschen Sprache gewiß noch glänzender entfaltet hätte. Ueb-igenS besitzt Herr Dr. Kohn׳ eine nicht gewöhnliche Fertigkeit im Ungarischen, die Jedermann aufs Angenehmste überraschte. Gepaart mit der korrektesten Aussprache und mit einem deutlichen alle Räume des Bethauses durchdringenden Organ, beseelt durch das. innigste vom Herren kommende und so wzeder zum Herzen sprechenden Gefühl reiht' sich didser Kanzelvortrag würdig 4M den׳ beste« an;! dl« - seit Jahren in unserer Gemeinde gehört würden׳. Dev Rednir nahm Veu Vers Zacharias׳ IV, . 6. zum Texte und beleucht ete in gewählter, stellenweise sogar dichterisch gehobener, Sprache die Vergabgrnheit und Gegenwart Israels, wre es sich unter allen Nationen allein zu erhalten gewußt» nicht durch Macht, nicht durch Gewalt, soudern durch den Geist Gottes. Wenn eS auch aufgehört, eine Nation, zu-sein-sv lebe es doch als GlaubenSgrnoffenschaft und als solche findet fich an ihm selbst kein Widerspruch, um allen Pflichten des StatSbürgerS nachzukommen. Der Redner verbreitete sich sodann über den gegenwärtigen Stand der Religionsfrage und indem er sowol den zelotischeu Starr« sinn, der. über jeden Andersdenkenden aburtheilt, wie auch den erstor-; renden Nihilismus, die ertövteüde Indifferenz gleich fern wissen-will,, hält er die-richtige Mitte .für den einzig zufriedenstellenden Weg, Die klare Anlage,! die Deutlichkeit und Znnigkeit der Predigt-, aus der an mancher Stelle die Bescheidenheit des׳ Redners wohlthuend durchblicktr, verfehlten nicht!, den besten Eindruck zu machen. Bedenkt!man die Schwierigkeit-, die fich einem in Deutschland ausgebildeten Theologe» bei Abfassung einer ungarischen Predigt darbietet, bedenkt man di« «atürliche Befangenheit bei Gelegenheit einer esten Probepredtgt:, so kan» man das Resultat wol als befriedigend Hinstetten und scheint iu Dr.- Kohn der Mann gefunden zu sein, die Stelle eines Predigers in. unserer Gemeinde würdig auSzufüllen. - ül. Szegedilt, 3! Juni. Herr Eduard Katschmaroff, - Ober- - kantor zu-MtSkolcz, ist in Folge seines glänzenden Probevortrages i» gleicher Eigenschaft in der hiesigen Gemeinde gewählt worden, und wird׳!er nächstens fein Amt antreten: 8. Kalocsa, 28. Mai. Der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, der zu den auserlesenen- Jüngern R. MoseStSoferS gehörte, hat vor; in, b«c @»;«03006 zu Hajüs, einer zu seinem Bezirke gehörende» Filialgemctnde. gegenden Lehrer, der zugleich Schächter ist, .eine furchtbare Philippika gehalten : und über Küche und Geschirr mehrerer .. jüdischer Häuter daselbst ein horribleS Interdikt ausgesprochen-^ Damit noch nicht zufrieden, begab sich Herr I..Wolf, so heißt, der Rabbiner, zum Stuhlrichter, um dessen Assistenz in Anspruch zu nehmen. Ein hie-' figer Witzkopf sagte: ״Daß mancher Siuhlrichter über "!שת Auskunft geben kann, ist nicht zu leugnen;- wie aber ein Gtuhlrichter über einen;שותם urtheilen soll, ist unbegreiflich!״ Der Erfolg der seltsamen Prozedur ist noch nicht bekannt. Aus der Pfalz, 24. Mai. Mitten in den kriegerischen Znrüstungen, deren Schauplatz besonders unsere Grrnzprovinz in wahrhaft erschreckender Weise bildet, sind wenigstens bis jetzt die Werke des Friechens, auch auf dem Gebiete der Judenheit, nicht ganz, zurückgedrängt- Am.4. des v. M. wurde der Grundstein zu einer neuen schönen Synagoge rn Neustadt a. H. gelegt, am 27. desselben Monats fand die Ein- Weihung einer prachtvollen neuen Synagoge in Speyer statt, beide Fest-!lichkeiten unter herzlicher Theilnahme auch der christlichen Bürger und in Gegenwart sämmtlicher Behörden. Besonders in Speyer, der:Hauptstadt des Kreises, war es erfreulich zu sehen, wie. die Spitzen sämmt-, licher Zivil- und Militärbehörden mit dem Regierungspräsidenten, sowie- Bürgermeister und Skadtrath der Einladung, folgten und der dreistün-! digen schönen Feier von Anfang bis zu Ende mit der größten Theil-< nähme beiwohnten. Nur der katholische Bischof gab der Eiuladung.keiue Folge. Treffend aber war die Antwort, die der dortige, israelitische Vorstand, Herr Karl David, ein auch sonst für die Angelegenheiten der Glaubensgenossen sich intereffirender und namentlich auch um den Sy^ nagozeuban sehr verdienter gebildeter Mann, dem Bischöfe gab. Dieser wich nämlich der Antwort auf die Einladung immer in geschickte« Settenwendungen aus, bis er endlich sagte:. ״Ich freue mich, der Bollen« dnng der Synagoge , obgleich ich der Ueberzengung-bin, -daß auch die Juden einst.zur alleinseligmachenden kath. Kirche sich bekehren werden." Herr D, ,erwiderte, ihm: ״Herr. Bischof! . über dem ,Eiflgaug' unser?c^ Synagoge stehen die Worte aus Jes. 56, 7 :- ״Mei»»-׳Hau4 wird -ei» BethauS für alle Völker genannt werden"; ich glaube daher, daß Sie eher zu uns, als wir zu Ihnen tomrqen, werde«",-und emyfahl sich. Für daS vakante Rabbinat Dürkheim-Frankeu-thal! hadew-sich- 38- Bewerber gemeldet, und zwar 3 aus Böhmen, 2 aus Mähren , t aus ' Angarn,'b. h. wenigstens ein Kandidat aus Preßburg. ei« ״Rabbiner-

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