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Ben Chananja · 1866-06-06 · 23 (6.6.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
23 (6.6.1866)
Date
1866-06-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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431 Dt« Schnllokalitäten find im ׳.3׳ «Kd 4. Stockwerke. TS dürste in dies«, Beziehung die Wiener Gemeinde als Voi'ovm dastehen. In der ganzen Welt dürfte wöl nirgends eine Schule, welche Kinder im zarteste» Alter besuchen, im 8/oder 4. Stockwerke fltuirt sein. Wenn Such die Lokali» «Lten im ersten Stockwerke nicht dem Zwecke entsprechend Wären, weil fle zu dunkel find, so fragt man sich mit Recht, warum das zweite Stockwerk, wenn man schon andere Lokalitäten nicht finden kann, nicht zu dem Zwecke benützt wird? Wie wir übrigens glauben, gehen sämmt« Uch« Fenster der Schullokalitäten auf He Straß, und es dürfte daher faum möglich sei», sie in heißen Sommrrtagrn gehörig zu lüsten. In solcher Zeit muß die Schule den venet. Bleikammern in Venedig ähnlich und für Lehrer und Schüler eine wahrhafte Folterkammer sein. Wenn bisher kein Unglück geschah, wenn die Kinder die Schule verließen (und Kinder gehen aewöhnlich nicht gerne gemessenen Schrittes), so muß haS wol der ר,שגהה מרסות zugeschriebe» werden. Gehen wir nun zu den Lehrgegenständen über. Wir müssen eS als einen Vorzug der Wiener Religionsschule rühmen, daß seit ihrem Bestände in den Klaffen der Knaben die Bibel in der Ursprache obligat gelehrt wird. Man kann heute zu welcher Partei immer im Zudenthume angehör.en, so wird man doch für die Verbreitung der Kenntniß der hebräische« Literatur stemmen müssen. Geschieht dieses nicht, dann haben wir über kurz oder lang unter den Juden sogenannte Geistliche und Laien und das rothe Gespenst der Hierarchie steht leibhaftig vor ünS; die Reformpartei im Zudenthume, möchten wir behaupten, hat noch mehr Interesse daran, daß die Kenntniß der jüdischen ReligionS- und Geschichtsquellen zunehme, als den Orthodoren, denn die heutigen reformatorischen Bestrebungen unterscheiden sich in der Beziehung von mancheu derartigen Bestrebungen zu Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts, daß sie nicht ein Judenthum nach eigenem Gutdünken und eigner,.Laune konstruiren will, sondern auf Grund der vorhandenen Quellen. PZie in früherer Zeit der Spruch galt דע מה שתשיב לאפיקורס, so muß man heute wissen, die Orthodoren, die ihr rabbinisches Wissen aus dem.באר היסס geschöpft l)aben und der Gemeinde Dinge verbieten wollen, die nicht verboten find k. Rede zu stehen. Sie werden nun fragen: Erreicht die Wiener Religioiisschnle in vollem Maße dieses Ziel? Darauf antworte ich unbedingt: Nein. Sie kann es auch beim besten Willen nicht, da die Schüler trotz aller Pädagogik und Didaktik dennoch dem Gegenstand ein größeres Maß von Zeit zuwenden müßten, als sie dies bei den.anderweitigen Stlivitii lhun können. Es ist auch, chie ich glaube, picht Aufgabe der Neligtousschnle, die Schüler zu RadbinatSkaudidaten heranzubildeu. Die Schüler in der Volksschule erlernen ledoch den größten Theil des Pentateuchs, die der Mittelschulen die wichligsten Kapitel aus den Profeten und Keihubim und es wird ihnen dadurch der Weg eröffnet, um das Ziel zu.erreichen, wenn sie es wollen. .Ich erlaube..mir bei dieser Gelegenheit meine unmaßgebliche Meinung über einen Vorschlag, den Sie in dieser Beziehung bei Gelegrnheit der Besprechung der Stein',chen Schrift: ״Abhandlung rc. Ps. 17 S. 324 des ״B. CH." gemacht haben, zu äußern. Ich finde den Vorschlag., SiddnrauSgaben zu veranstalten, in welchen der Tert bald pnnktirtbald nnpuiiltirt vorkommt, ganz praktisch. Ich möchte Mir.jedoch, erlauben weiter vorznschlagen, daß die Schüler, welche ein- Mal den Pentateuch erlernt haben, bei der Wiederholung in höhern Klaffen in vorgerücktem Alter denselben unpunktirt lesen müßten und könnte man zu dem Zwecke die תקונים gebrauchen, welche Vorbeler beim Vorlcseu aus der Thora benützen. Außer der Bibel in der Ursprache wird auch eine Auswahl von Gebetstückcn gelesen. .Es wird wol kein Pädagoge aus didaktischen Gründen die Uebersetzung der. hebräische» Gebete befürworten, aber man trügt der Opportunität Rücksicht. Das Haus ist .״litt einmal zumeist njcht^jndifch und das Leben.fast.noch weniger, was also bleibt ist das Gotteshaus, welches denn doch von Zeit zu.Zeit »nd wenn auch nur all« heilige Zeit bespcht wird. Man sucht daher so viel als möglich der Jpgrnd das Verständniß für den jetzigen Gottesdienst beizubringen. (Hie ich dem Programm, entnehme, erlernen auch die Mädchen eine Ajpzchl von, Gebetstncken übersetzet,). .Während man jedoch hier, bei der ^N.twers.upg. d.eS. Progrqmilit.s bezüglich des Gebetbuches, :wir es scheint, dp,(, .Grundsatz sesthielt.^ . die tp.ichtigst.en: Gebete-, die am-uhäfigsten im 432 -eben Vorkommen, zi» lehren, schlägt','' wie man mir mitMilt, Atr Rabbiner Dr. Herzstld .in Braunschweig in einer. S.chrifr מנחת וברק den umgekehrten Weg ein. Gr meint, da der größte Theil der Juden im Laufe des Jahres mit Ausnahme an Sabbathen und Festen »Np selbst da nur zum MußafgotteSdienste die Synagoge besucht; so wäre eS unnütz, die Jugend mir der Uebersetzung von Gebeten zu behelligen, die später für sie keinen praktischrn Zweck hat. Er schlägt daher vor. lieber Gebete, die am Neujahrs- und Versöhnungstage vorgetragen werden, zu übersetzen. Auch die Uebersetzung des Kadischagebeteö wird den Kiuderu gelehrt.*) (Schluß folgt ) & o rrrspo «den). Emanzipation und bürgerliche Verhältnisse. Lemberg, 30. Mai. In das Freikorps, das fich hier bildet, find auch Juden freiwillig ctiigetreteii. Hf. Pest, 3. Juni. Vorige Woche fand hier die Weihe der für die Leopoldstätter Basilika bestimmten Glocken durch Se. Em. den FürflprimaS statt. Der kirchlichen Zeiemonie ging die Prüfung des durch unser», Landsmann und Glaubensgenossen Jakob Jassniger nach hier noch nicht üblichem System konstruirten Glockenstuhles voran. Die hierzu entsendete Kommission der Sachverständigen äußerte sich besonders anerkennend über diese technische Leistung. Wir berichteten erst unlängst, daß bezüglich der Affentirung 50 junger Leute jüdischer Konfefflon eine Superrevifion verordnet worden sei. Dieselbe hat nun stattgefunden und spricht das Resultat derselben am besten für die UnzulängÜchkeit der gehegten Verdachtsgründe. Von jenen fünfzig jungen Leuten war nämlich nur ein einziger, bei dem das Gutachten der ersten Kommission für nicht:zutreffend erachtet wurde. —k. Aus dev Somogy, im Juni. Die Beschäftigung der Juden mit Feldbau und Landwirthschaft, welche in unserm Vaterland« in neuerer Zeit von Tag zu Tag znnimmt, ist in moralischer und so« ziallr Beziehung so bedeutsam, daß die Bahn׳ brechenden GlaubenSge- «offen jedenfalls verdienen, im ״B. CH." registrirt z» werden. Hervorragendere jütische Landwirthe unseres KomitateS find die Herren Freistädtler in KopoSvür; Hong und Stein das.; Reiter und Komp, in- Szill; Kreisler in Kodorkllt; Böhm und Komp, in Tabb; Mayerhofer in Csurgü, Schlesinger in Gige. Besitzereiner Musterwirlhschaft ist! Herr Arnold Wodjancr in Pußtaberöny, der geditdkte und wackere Sohn des in talmudischeu Krersen mit Verehrung genannten gottsel. Herrn- Kosman Wodjaner und Enkel dcü würdigen und verdienstvollen Herrn- PhöbuS Wodjaner in Szegedin. ES wäre interessaut, auch die Name» der jüdische», Landwirthe i» andern Jtomitaten zu erfahren. Paris, l. Juni. Die Maler Emil LevV und Benj. Nlmank haben erste Medaillen erhalte». (A. I.) Kultus und Kultusgemeinde. fl. Pest, 28. Mai. Die in Nr. 21 d. B. vom 16. d. M. aus H. M. Vüsürhely als fait accorapli gemachte Anzeige betreffs der Anstellung des dortigen Herr» Stöffel als Vorbeter für die hiesige Synagoge der orthodoren Partei, muß, Ntlgeachtet des Beifalls,'welchen derselbe durch sein zweimaliges Vorbeten in der genannten Synagog'« geerntet hat, um so mehr resutirt werden, da am angegebenen Datumder im Konkurse anberaumte Termin noch nicht abgelaufen war. -•׳ א״ת• Pest, 5. Juni. Heute bekamen wir endlich die lange- und sehnlichst erwartete ungarische Predigt zu hören und kann nun jeder Zsraelite der Pester Gemeinde frohen Herzens auSrufen: ־היו□ גלותי *) Mögen mich die geehrten Leser entschuldigen, wenn ich ihnerr bei dieser Gelegenheit eine Anekdote mittheile. Ein jüdischer Hausvater nahm für sein verzogenes, nicht talentirtes Söhnchen einen Lehrer ins״ Hans. Dieser erkannte sofort die Talentlosigkeit des Schülers und er begann mit demselben das Lesen des KadischgedeteS einzustudiren. AISder Vater einmal unverhofft ins Lesezimmer trat,' war er höchlich über, rqscht - (bekanntlich besteht bei vielen Jude» ein Aberglaube , Kinderderen Eltern ,noch leben, das Kadischgebet nicht lesen zu lassen.) Doch der Lehrer beruhigte den Vater, indem er meinte: da können S)e noch lange׳ leben, bis der Knabe wird das Küdischg'rbet zu lesen im'Stande sein.

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