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Ben Chananja · 1866-06-06 · 23 (6.6.1866) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
23 (6.6.1866)
Date
1866-06-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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429 430 Methode zu wiederholen. Malen htngewtesen. Hier genüge, nur ein Beispiel aus dem vorliegenden Gutachten hervorzuheben. R. Tanchum b. Chaoilai, ein Haggadist des dritten Jahrhunderts, gab, seiner Umgebung die Lehre: ״Man weiche nicht ab von der herrschenden Sitte; Moses verzichtete auf Nahrung , als er in die Höhe gestiegen war, wogegen die Engel Nahrung zu sich nahmen, nachdem sie hinabgestiegen waren (B. Mez.. 86, d)." R. T. wollte offenbar nichts Andereö sagen, als: Ländlich, sittlich! Nach talmudischem Sprachgebrauche nennt er die herrschende Sitte ״Minhag." Dieser Umstand genügt aber dem Herrn Dr. Hildesheimer für seinen Zweck. Und wer könnte auch der Deduktion desselben seinen Beifall versagen? Da MoseS in der Höhe nicht aß und die Engel in der Tiefe nicht fasteten, so, darf in den Pariser Synagogen keine Fusion des deutschen und sefardischen Ritus vorgenommen werden. DaS ist in der That sonnenklar! Ego vero facile sim passus, ne*in mentem quidem mihi aliquid contra venire: ita isti faveo sententiae JS). Nichtsdestoweniger scheint uns die Fusionsfrage in historischer und dogmatischer Beziehung einer nähern Belenchtung werth und bedürftig zu sein. fS ch l u ß f 0 l g t.) Wiener Griefe. VI. Wien. Ende Mai. Als Jerusalew^gestürzr unv das Heiligthuw vom Feinde, agge- «rissen wurde, körten die Priester nicht auf. den Dienst zu versehen und fielen dann als Opfer ikreS Glaubens und ihrer Ueberzeugung neben den Opfern, die sie zur Ehre Gottes dargebrachl batten. Wir leben jetzt in einer stürmischen Zeit. Völker in Waffen, in voller KriegSrü« stung, stehen sich gegenüber. Ob ihres esiernen Schrittes zittert die Erde, sie wankt wie betrunken. Und doch dürfen die Männer des Geistes und der Wissenschaft sich in solcher Zeit nicht von dem Sturme betäuben lassen. Nach wie vor müssen sie am Altäre stehen und die heilige Flamme der Erkenntniß nähren. Den jüdischen Journalen ist jetzt auch eine der» artige Aufgabe zu Tbeil geworden. Mögen sie nicht ermüden und nicht ermatten, und trotz deS Waffenlärms ihre Stimme ertönen lassen. Ich will mich auch dieses Mal einer Anstalt der Gemeinde zuwenden, welche die Aufgabe hat. die Kenntniß der ,üdlschen Religion zu verbreiten, ich meme nämlich : die R e l i g i o n S sch u l e. ÄS ist das die einzige Anstalt der Gemeinde, welche einen wissenschaftlichen Zweck hat. ÄS liegt mir der Bericht über die Gebarung, der Gemeinde vom Jahre, 1664 vor (der über das Jahr 1865, odschon wir jetzt Ente Mai 1666 haben, ist mrineS Wissens noch nicht er,chienen). Aus diesem Berichte entnehme ich, daß. der Aufwand im genannten Jahre für die Religionsschule 6762 fl. 25'/, kr. betrug. Da jedoch die Religiousschule auch durch die Schulgelder und die PrüfungStaren für Privatschüler 1c. Einkommen hat. so schoß die Gemeiude 2589 fl. 16'/, kr. zu. DaS sind die säwmklicheu Auslagen für die Neligionsschule, während z. B. die Kanzlei 11.630 st. 14 kr. verschlingt. Diese Zahlen würden schon darauf Hinweisen, daß die Gemeinde mehr Werih auf die Bureaukratie. die jetzt so sehr verpönnt ist. legt, als auf jüdische Religionswissenschaft. Und in der That, wenn mau sieht, wie bedeutend die Auslagen der Geweiuden zu Berlin, Hamburg, Frankfurt rc. für Schulen find, so wird mau über die geringe Ziffer in dieser Rubrik im Budget der Wiener Gemeinde erstaunen Doch wollen wir der Gemeinde daraus weiter keinen Borwurf machen. Wir wissen es wol. daß die genannten Ge- **) Cia. Tuac. Qtiaiest. I. 23. «einde«-vollständige Schulen haben (in Frankfurt besteht das berühmte Pkilantroptu, in Berlin die Gemeindekuabenschule, welche auch das Gymnasium umfaßt, in. Hamburg die Fretschule); in Wien besteht nicht einmal eine jüdische Volksschule. Doch sostte man meinen, daß der Vorstand der Religionsschule desto mehr in ausgiebiger Weise materieste Mittel zuwendr« werde. Der geehrte Leser dürfte jedoch vielleicht fragen : wenn Berlin, Hamburg, Frankfurt, Kobersdorf und MatterSdorf ,c. jüdische Volksschulen haben, warum nicht auch Wien? — Nun wir Juden neunen uns selber: מאמינים בני מאמינים• Wir find jedoch in manchen Dingen wahre Skeptiker. Die Juden hatten öfters Gelegenheit sich zu überzeugen, daß ״die Sonne auf- und wieder untekgegangen ist": sie wollen daher zur Zeit des Sonnenaufganges sich nicht der Mittel entledigen» die man ebenso zur Zeit des Sonnenunterganges braucht. Mit Einem Worte, man fürchtet, daß durch besondere jüdische Schulen dem Separatismus Thür und Thor geöffnet werde und mau legt dem sozialen Zusammenleben jüdischer und christlicher Kinder großen Werth bei. — Ich suchte Mich übrigens über diesen Gegenstand genau zu informtreu und habe Folgendes erfahren. Kurz nachdem die provisorischen Statuten der Gemeinde behördlich genehmigt waren, etwa im Jahre 1854, bat Herr Jos. Wertheimer in einer Sitzung des Schulsektion, deren Vorsitzender er war und noch ist, die Errichtung einer jüdischen Volksschule befürwortet. Herr Religionslehrer Dr. Wolf unterstützte diese» Antrag durch sachliche und fachliche Gründe. Der Gegenstand wurde hierauf wiederholentlich berathen. Es erhob sich eine heftige Opposition gegen denselben, aber er fand auch warme Vertheidiger. Während diese Verhandlungen schwebten — es war eben die Zeit der KonkordatSwehen — forderte der damalige Unterrichtöminister, Herr Graf Thun, den Borstand der Gemeinde auf, eine jüdische Volksschule zu errichten. Diese Aufforderung wirkte wie eine kalte Douche aus diejenigen, welche den Antrag im Schoße des Vorstandes gestellt und vertheidigt hatten. Man merkte die Absicht und war verstimmt. Der Vorstand sah sich nun veranlaßt, gegen den ministeriesten Erlaß Opposition zu machen. Dieser Vorgang irritirte den Herrn Grafen Thun und er verordnet«, daß die Gemeinde zwei Volksschulen errichte: Eine in der Leopoldstadt und'die andere in der inneren Stadt. Wie natürlich verwahrte sich der Vorstandaufs Neue gegen diese Anforderung. Inzwischen wurde auch das Konkordat abgeschlossen. welches um so mehr den Vorstand veranlassen mußte, sich gegen den ministeriellen Befehl zu verwahren. Er wendete sich an den Kaiser gegen den Minister. Und man kann entnehmen, wie viel der Vorstand zu leisten im Stande ist, wenn er will, — der Befehl des Ministers wurde sistirt. Seitdem die sogenannte neue Aera unter Schmerling eingeirelen ist und der Gemeinderath der Residenz so weil es in seinem Wirkungskreise liegt, auf die Trennung der Schule von der Kirche hinarbeitrt, hält rS der Vorstand der jüdischen Gemeinde um so weniger für opportun, eine jüdische Volksschule zu errichten und so gewissermaßen von seiner Seite die Schule mit der Synagoge zu Verbinden. Ehrlich gestanden, so sehr ich auch die Errichtung einer jützischen Volksschule wünsche , so glaube ich doch, daß ein großer Theil derjenigen, welche selbst den Wunsch auSsprachen, daß eine jüdische Volksschule errichtet werde , ihre Kinder in eine solche nicht schicken werde. Als Beweis dafür kann angeführt werden, daß die Schule voü Pick und Szanto, welche das Recht der Orffentlichkeit hat und daher die Vollgewalt einer Schule besitzt, die. so weit mir bekannt ist. tüchtige Lehrkräfte besitzt und Vortreffliches leistet, nichtsdestoweniger nicht in derWeise besucht wird, wie man dieses voraussetzen sollte und müßte. Wir Juden haben eben das große Vorurtheil und den unüberwindlich« steu Aberglauben gegen Juden. Es wäre das ein Gegenstand, der ei» ganz besonderes Kapitel in Anspruch nehmen könnte. Nachdem wir diese Zwischenfrage erledigt haben, wollen wir zu unserem Gegenstände zurückkehren. Die ReligionSschule — es besteht nur Eine und eine in der Filialgewriude Fünfhaus — befindet fich im Gemeiudehause in der Stadt, wo der alte Tempel fich befindet. Dahin müssen aste Schülrr und Schülerinnen,' welche dieselben besuchen wollen — Volks-, Real- und Gywnasialschüler, Schüler der Gremialschulen, Präparandeu »atz Präparandinuen - gehen-, beiläufig 600 Schüler und Schülerin»«« יי׳

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