Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 22 (30.5.1866)
- Date
- 1866-05-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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417 418 steiler und *ahlreicbo Mitglieder unserer Gemeinde gaben den sterblichen Üeberresten des 42 jährigen Biedermannes das lezte Geleite. Friede seiner Asche! Literarische Anzeigen. Predigten von Dr. Michael Sachs. Aus dessen schriftlichem Nachlaß herauSgegeben von Dr. David Rostn. Erste Lieferung. Festpredigten. Berlin. Gerschel 1866. (IV. und 172 S. 8°). Besprochen von Rabb. Dr. Sonneschein. Der Prediger nimmt gedruckte Predigten, wenn sie von einem Meister herrühren, mit ganz anderer Absicht zur Hand, wie der Leser, der nicht vom Fach ist. AIS Zuhörer einer von beredtem Munde ge, sprochrnen Predigt ist wol der Fachmann ganz von demselben Gefühle der lauschenden Andacht bewegt, ganz von denselben Eindrücken des be« geisterten HingeriffenseinS erfüllt, wie jeder andere Zuhörer. Aber dem ist nicht so, wenn er nur die tobten Buchstaben vor Augen hat, wenn et die Predigt liest. Da ist in der Regel die Empfindung des Fach, monneS von der des Laien wesentlich verschieden. Während dieser auch noch mit dem Selen der Predigt ausschließlich den Zweck verfolgt, sich zu belehren und zu erbauen. sucht Jener durch eine solche Lektüre einzig und allein seine sachlichen Erfahrungen zu bereichern, sein Urtheil zu schärfen und durch die negativen oder positiven Resultate derselben feine eigenen Leistungen zu berichtigen und zu vervollkommnen. Darum habe ich es beim erstmaligen Lesen dieser posthumen Spende eines der eminentesten, unserer Wissenschaft leider viel zu früh entrissenen Meisters wolweislich vermieden, das Dargebotene mit den Augen des Fachmannes zu prüfen. Indem ich den tobten.Buchstaben ganz außer Acht ließ, und mir bloS den rcdegewaltigen Meister voll Leben und Schwungkraft vergegenwärtigte, suchte ich mir eine gewisse naive Empfänglichkeit zu bewahre», einen reinen, ursprünglichen, von des Gedankens Bläße nicht angekränkelten Genuß zu verschaffen , was mir auch wirklich zum größten Theile gelungen ist. Nachdem ich das Büch zum ersten Mäle' Zelesen halse, legte ich eS mit dem" heiligen Schauer der Andacht aus der Hand , von der sympathischen Macht der ersten Eindrücke und Stimmungen noch lange nachher beherrscht. Ein Sachs ha» es verdient, daß man sich seinem Werke vorerst ohne jede Nebenabsicht hingebe, daß man sich die Freude von seinen hier zum erstell Male veröffentlichten Predigten nicht sofort durch kri« tische Spähergedanken verkümmern lasse. Er verdient es üm so mehr, als eS hier die rigorosere Beurthetlung eigentlich gar nicht' mit ihm" selbst, sondern nur mit dem Herrn Herausgeber zu thun haben wird. Dieser allein muß in dem Falle, daß das Senkblei der Kritik in den Sachs'lchen Predigten auch auf seichte Stellen stoßen sollte, dafür verantwortlich gemacht werden. Indem ich wir diese zweite Rezension bis zu den weitern ein« schlägigen Veröffentlichungen des Herrn Herausgebers Vorbehalte, will' ich hier nur meiner wahrhasten und ürigeschminkten Bewunderung eines' Kanzelheros, wie Sachs einer war, Ausdruck verleihen. . , Versenke dich ganz in lauschende Andacht, geehrter Leser; wenn du dich mit diesem Vermächtniß eines großen Tobten vertraut machen willst. Erwirb dir das Buch und lege es zu den'Deinen hin, die dir " lieb und theuer find, und an denen Du dein Herz vonZeUzuZeit ■ erlabst und neu verjüngst. Denn selten ist ein Buch, wie dieses ange, than, deinen Tisch in einen Altar, deine Wohnstube in einen Gottestempel zu umwandrln, so oft du darin lesest., Wie in einem milden, klaren Spiegel wirst du dich selbst darin wiedererkennen mit allen deinen^ Fehlern und Vorzügen. Und ein echter jüdischer Geist leuchtet ans dem Buche hervor, rer , selbst-auf die verborgensten und dunkelsten Wege de» Daleins seine Hellen Strahlen wirst, denn die unsichtbarsten Geister, lippeu eines verewigten Lehrers in Israel find eS, die dir auf die wichtigsten Fragen des Lebens Rede und Antwort gebe». Die Geschichte Israels für die israelitische Iugettd. Bearbeitet von Dr. G. Wolf, Religionslehrer der isr. KnltUSgemeinde in Wien. Zweite vermehrte Und verbesserte Auflage. , Wien 1866. Ad. Knöpflmacher. 8. 71. und 136. Der Herr Brf. ist den Lesern d. Bl. als fieißiger Arbeiter auf dem Felde der Spezialgeschichte der österreichischen Juden rühmlich bekannt. Er erforscht gewissenhaft die Quellen , welche er großentheils in Archiven aufsucht. In dem vorliegenden Buche hat er sich eine leichtere und schwerere Aufgabe gestellt, eine leichtere, weil die Quellen für den Schulg,brauch und Zugendunterricht hinlänglich erforscht sind, und etwaige neue Entdeckungen für den Elementarunterrtcht kaum verwirrthet werden können; eine schwerere, weil an den Jugendschriftsteller Anspräche gestellt werden, denen Nicht jeder Geschichtschreiber gerecht wer« den kann, und well die Geschichte ZjraelS in neuerer und neuester Zeit auch für die Jugend, ja vorzüglich für diese so oft bearbeitet wurde, daß die Motive zu einer neuen Bearbeitung ausdrücklich hervorgehobeu, •: oder durch die Bearbeitung selbst möglich gemacht werden müssen. Der Herr Vrf. hat CrstereS nicht gethan; der Beurtheiler ist mithin auf das Buch selbst angewiesen. Die Einrichtung desselben und dessen inhaltlicher Umfang deuten darauf hin, daß der Herr Brf. in einer möglichst kleinen Anzahl von Druckbogen die Geschichte Israels .bis zur Zerstörung des zweiten Tempels liefern, und dabei auch dem dogmatischen und ethischen Inhalte der Thora, sodann auch der späteren religionSgeschichtlichen Entwicklung gerecht werben wollte. Diese Aufgäbe scheint uns der Herr Vrf. glücklich gelöst zn haben, und seiner Ar- ,beit wird von Sachkennern sicherlich dii gebührende Anerkennung gezollt werden. Nichtsdestoweniger dürften sich auch manche Bedenken geltend machen, welche thetls den Inhalt, theils die Form betreffen.! Zn ersterer Beziehung lcheittt uns die gänzliche Vernachlässigung der Profeten keine Billigung zu verdienen. Wenn G. 91 die Proklamätion des assyrischen Feldherrn Rabschake mitgetheilt wird, so kann »s kaum gütgeheißen werde», daß diest Ehre keintm" einzigen jesajanischeu Spruche widerfährt. Nach unserm Dafürhalten muss beim Unterrichte in der biblischen Geschichte die Pertode der Könige uüd die der babylonischen'Zeit so behandelt werden , daß gerade die Profet e n in d'e n Vordergrund zu stehen kommen. DieTendenj des biblischen'Geschichtsunterrichtes läßt über diese Forderung nicht den Hringsten Zweifel obwalten. ES ist nämlich die Hauptaufgabe dieses'Üüterrichtes , der jüdischen Jugend zu zeigen, auf" WelchenWegVn Gott ,die Patriarchen Und ihre Nachkommen geführt, wie Er Israel gerettet ,und gestraft,' gesegnet und ge'züchtiget hat , um den MonötheiSmüs iu dessen Mitte zu befestigen. W i e dieses Ziel erreicht wurdi , zeigt' die biblische' Geschichte; die Boten Gottes, durch tvelches Israel zu diesem Ziele׳ geführt wurde׳, Wären aber die ,Profeten. Es genügt daher bei weiteür nicht , wenn dieselben nur nebenher und etwa nur'iss sokepne genannt werden. als sie auf den Gang der politischen Ereignisse inflüirt haben: Den nöthigen RäM"dieser'Forderung zu genügen-, ssätte der Herr' Vrf: leicht gewinnen können , wenn ' er Manches 'ausführlich Dargestellte kürz ängedeutet und die weitere Ausführung dem sstündlichess'Ünterrichse überlassen hätte. - \; ' 5? " * '־ Zn Änsehting der ForM erlauben wir uns dim Herr« Brft zw -empfehlen^ daß er in der nächsten Auflage die Geschichte W die Stelle :der «Grfihi^ch ten trete» kaffe, d: i. den zu erzähkenden Stoff'i» gewissen Abtheitungen oder Perioden der Jugend vorführe, 'um detstlben eilte'klärt und' übersichtliche Änschauung vom Ganzess zu verschaffen. Auf diese' Üeberfichtlichkiit ist viel mehr Gewicht zu ' legen , als auf - Spezialitäless j deren Ärittheilung leicht dem spätedü Unterrichte vorbe- :halten werdess lassn üssd Vorbehalten weirdeu soll. ' " יי י ' Es tst uns nicht unbekannt, daß in Deutschland der "Unterricht ' :in der biblischen Geschichte ipsissimis verbis der h. Schrift ertheilt, 'und den Kindern eine kleine Bibe^ in die Hand gegeben «ird. Llestm Unterrichte" muß aber jedenfalls ein übersichtlicher Ünterricht vorangehen, worauf auch beim Gebrauche der kleinen Bibel stet- Rücksicht ßu. nehmen, ist. Damit hängt zusammen, daß die chronologisch^ «N Anggden nichterst - mit der Zeit der^schjer'iinkangen dürfen. Ein Hwiffe» Minimum von Chronologie ist auch für die früheren Perioden unenttehrlich, wenn der Unterricht ein geschichtlicher sei« soll. Für den In-