Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 22 (30.5.1866)
- Date
- 1866-05-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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419 420 gendunterricht kann die' Zeittafel von Zunz jedenfalls als Richtschnur dienen. f. . , .3 : Im Einzelnen dürften bei einer neuen Auflage ebenfalls manche Verbesserungen vorzunehmen sein.; . S- 49. übersetzt der Herr Vrf. das שמע. so, daß die letzten.- vier Worte nur Einen Satz bilden. Dasselbe thut allerdings auch Mendrlssohn und andere Üebersetzer. Im Sachlichen Machasor findet sich, dieselbe Üebertragung., die aber unrichtig ist. Nach dieser Auffassung ist nämlich das erste יחוה mit dem barauffolgenbcti אלהינר das Subjekt, das^ zweite mit dem darauffolgenden אחר das Prädikat. Das zweite ח׳ stünde mithin ganz überflüssig da, und glauben wir nicht, daß sich eine analoge Konstruktion Nachweisen läßt. Der etwaigen Forderung, des Nachdruckes hätte ein ה1א genügt, wie 5 M. 4, 35. Christliche Üebersetzer sahen längst ein, daß 8לר.ינו',"l einen Satz bildet. So schon, de . Wette <1631) und ihm folgend Bunsen: ״Der Ewige ist unser Gott," Wenn sie aber die zwei letzten Worte: ״der Ewige allein" übersetzen, so irren sie offenbar. Zn diesem Falle-müßte es ל2רו heißen.. Die.einzig sprachrichlige Uebersetzung muß also lauten: Höre Zsrael: der. Ewige ist unser Gott; der Ewige ist einzig. Zn.diesem Sinne übersetzt Luzzatto: ^soolta, larael: il Liquors e il nostro Iddio, il Signore in univo. Reggio und Cahen folgen noch der Mendrlssohn'schen Urbersetzung. Doch ist der Vers auch von manchen jüdischeu Schriftstellern in Deutschland richtig wiedergegeben werden., , ., ' Bei dem dogmatisch fundamentalen Charakter, welchen der in Rede stehende Vers hat, dürfte anch ein Blick auf die Geschichte d^ Auslegung desselben von Interesse sein. Die irrthüwliche Auffassung kann sich allerdings eines hohrN Alters rühmen, indem sie sich schon in der Septuaginta findet. Die Trennung der vier Worte in zwei Sätze ist aber auch schon in den Worten des Sisre ausgedrückl בעוה״ו ה׳ אחד■ בעוח״ב,ח״א (5 M. 6. Nr. 3). Aben Esra führt die richtige Erklärung au,zweiter Stelle an: ונכפל כמו כן לומר אחר א( חע?ר חו>- אלחינו. Entschieden erklärt sich für die zweisätzliche Auffassung. R. Sam. b. Meir, auch hier seinen richtigen exegetischen Takt bewährend. Die S. 49. beim 5. Worte des Dekalo״- zitirteu Worte der alten Weisen dürsten kaum in einet alten Quelle nachznweisen sein. Dem Sinne nach ist das Zitat richtig, wie Mrchilta und Jalkut zur Stelle beweisen. Daß das fünfte Gebot gleichsam zum vierten gehört, dürfte her Zugend' kaum einleuchleu. Viel einfacher wird derselben gesagt; die ersten 5 Worte erhalten Pflichten gegen Gott, und kommen iy. jedem derselben die Worte ח׳ אלחין״ vor; die zweiten 5 Worte enthalten Pflichten gegen den Nebenmenschen. Das fünfte Gebot gehört zu der ersten Klaffe, weil die Eiternden Kindern Gottes Stellvertre- >«r auf Erden find, wie schon Philo sagt: <*« ^1/xoi/ueyot rrjv inttvov qvGtv ym׳w0* Tovi‘ s7ti piftovs (De Dekal. ed. Frankf. 751. D). Daß Hillrl den Gelehrtrnlitel erhalten habe (S. 186), dürfte schwer zu beweisen sein, der Titel Rabbi als Gelehrtentitel war zu Htll.el'S.,Zeit noch nicht im Gebrauche. Auch stimmt r» mit der Geschichte nicht überein, daß die Naßiwürde in Hilles Geschlecht bis zum zehnten Gliede erblich blieb, (Das.); sie blieb »S bekanntlich längere.Zeit. S. 119: ״von jüdischer Abkunft" hat der Hr. Vrf. an ^chrmajah und Eutalion vergessen. Hin und wieder find uns auch sprachliche yngenauigkeiten ausgefallen, z, B. 114. Weltenreich statt Weltreich; .116. außerhalb die; 180 mit den.j ... Trotz dieser wohlgemeinten Ausstellungen betrachten wir die vorliegende Geschichte als eine verdienstliche . Bereicherung, der jüd. Schullit^ratox, und wird der fleißige und umsichtige Verfasser sicher flch defliffrn sein, seinem Buche bei späteren Auflagen eine größere DollenduM^n. geben. , , Replik. Czkin in Böhmen, 82. Mai. In Ihrem geschätzten Blatie ddo. 16. Mai Nr. 20 findet sich eine Korrespondenz aus Czkin» die im Interesse der Wahrheit meh - fache Berichtigungeu nöthig hat. Wiewöl ich in besagtem Referate nicht nur nicht verletzt, sondern sogar auf Kosten der Gemeinde heraus gestrichen bin, ist es mir im Interesse der' Wahrheit doch' nicht möglich, all die hier aneinander gereihten Unwahrheiten, welche der mir unbekannte Einsender auseinanderhäuste, mit Stillschweigen hinzunehmen. Daß der Berichterstatter hier weder Land noch Leute kennt, beweist schon der Umstand, daß er die Gegend als industriearm schildert. Hätte sich derselbe nur etwas in der politischen Geografie umgeseben, so wüßte er, daß schon vor 30 Jahre» in dem Orte Winterberg, eine Stunde von hier, die berühmte Kreidengläser-Fabrikation erfunden, sowie, daß die Produkte der dortigen Glaösabrikation überhaupt seinen der ersten Plätze in der Weltausstellung einnehmen, es würde ihm ferner bekannt fein, daß in Strakonitz, 3 Stunden von hier, die größten orientalischen Kappenfabriken bestehen, sowie daß in der nächsten Nähe des hiesigen Ortes die größten Werkstätten in Sieb-, Sündernnd Resonanzholz (zu Instrumenten) eristiren, deren Erzeugnisse von hier nach allen Welttheilen erportirt werden, ja daß in neuester Zeit sogar in unserer unmittelbarsten Nähe Schießpulver, das der Einsender keineswegs erfunden hat, — fabrizirt wird , sowie hier im Orte selbst sich Woll--- spinnereien, Leinölpreffe, Rüpsölraffinerie, Spiritusfabrik u a. befinden.. Gehört hierzu nicht ein gewisser Grad von Arroganz, eine Gemeinde, die feit Jahrhunderten besteht, und die zu allen Zeiten mit wahrhafter Selbstaufopferung zeitgemäße Rabbinen und Lehrer anstellte und au* deren Mitte zu allen Zeiten mitunter hochgebildete und zahlreiche intelligente Menschen hervorgegangen, die es in der menschlichen Gesellschaft, so weit gebracht, als eö nach unfern StatSgeseyen dem Luden zu brin. gen möglich war ... als bestände sie von gestern, erst Hinzustellen Vielleicht, daß der Berichterstatter an sich die Erfahrung machte, wie manche Eltern ihre Kinder bis zum 13. Jahre füttern und dann mit dem Packe auf dem Rücken flügge machen, daß dies aber hierländsnicht Sitte und in hiesiger Gemeinde niemals gang und gäbe war, beweist schon der Umstand, daß ich einerseits viele Familienväter dieser Gemeinde namentlich anführen könnte, die ihre letzte Habe aufopferten, um ihre Kinder zu tüchtigen Menschen heranzubilden, anderseits aber Rabbiner, Prediger, Dr. der Rechte und der Medizin, Lehrer, Buchhalter u. s. nennen könnte, die aus unserer Mitte hervorgegangen; daß eine bedeutende Anzahl unserer Brüder hier, wie auch anderswo vom Hausier- Handel lebt, kann hier um so weniger als Vorwurf gelten, da abge-״ sehen von der bisherigen Stellung der Juden im State auch ,in Theib der christlichen Bevölkerung den Hausirhandel treibt; daß eben selbst derjüdische Kaufmann Sinn und Hang für Bildung und gute Erziehung, seiner Kinder sowol männlichen, als weiblichen Geschlechtes hat, wirddem böhmischen Juden gewiß Niemand streitig machen wollen, außer etwa der in Rede stehende Korrespondent. Daß bisher keine regelrechte Schule bestand, ist wo! nicht Schuldder Gkwrinde, sondern die Schuld der bis vor kurzer Zeit anderweitiger herrschender Umstände die wir hier nicht erörtern wollen. Daß unsere Gemeinde religiös ist, auf das find wir stolz, daß-׳ das AuSspuckrn bei Alenu und ähnliche Observanzen aber bei uns niemals in Gebrauch waren, und daß wir überhaupt immer dem vernünftigen Fortschritt huldigten und auch heute gerne der Vernunft und allen zeitgemäßen Forderungen Rechnung tragen, davon kann Jedermann versichert sein. Schließlich glaube ich unsrrm ehrenwerthen Herrn-! Rabbiner nur aus der Seele zu reden, wenn ich die Behauptung hier-! aUSspreche, daß ihm das Lob auö der Feder einesolchen Bericht- , erstatt»- nur unangenehm ist. er überhaupt im Bewußtsein der Er- ' füllung seiner heiligen Pflichten auf der Kanzel und auf dem Katheder- ׳ keine Lobhudelei nöthig hat. Leopold Horner, Vorsteher der isr. Gemeinde zu Czkin chzegedin? Selbstverlag -er Lr-aktlon. Leipzig, Lommissions-Vrrlag von Franz Wagner. Drück von Sigmund Burger in Szegedin.