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Ben Chananja · 1866-05-30 · 22 (30.5.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
22 (30.5.1866)
Date
1866-05-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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409 410 daß in persischen Gemeinden, wo der einjährige Cykluö .beliebt war, auch beim sabbathlichen AbendgotteSdienste ׳eine Haftara gelesen wurde, und zwar in manchen Gemeinden aus den Profeten, in anderen ans den Hagiografen 8 9). Wie konnte diese Einrichtung spurlos verschwinden, wenn jeder Minhag auf ewige Dauer Anspruch hat? In Bezug aus die Haftara'S tritt die reformatorische Autonomie der Gemeinden besonders eklatant hervor. Bekannt sind die drei Straf- und sieben Trost-Haftaras, welche an den zehn Sabbathen vor dem neuen Jahre gelesen werden. Diese Anordnung steht aber zum Theil in direktem Widerspruche mit dem Talmud. Der Versuch der Toßafisten, für diese Neuerung in der Peßikta einen Anhaltspunkt zu finden?), ist nach der Theorie des Herrn Drs. H., welche zwischen asketischem und liturgischem Herkommen keinen Unlerschied kennet, ganz unstatthaft, da die Midraschim in praktischer Beziehung dem Talmud gegenüber keine Autorität besitzen! Die Berufung auf die Peßikta kennet schon R. Jakob Tam. Trotzdem wollte R. Efraim b. Jsak der Große in WormS am ersten Sabbathe des Monates Ab die im Talmud vorgeschriebene Haftara lesen lassen; die Gemeinde weigerte sich aber, darauf einzugehen, und wendete sich an N. Eliezer b. Samuel aus Metz, einem Schüler R. Tams. R. Eliezer erklärt sich zu Gunsten der Gemeinde, indem er, ohne über die Unverletzlichkeit des Herkommens auch nur eine einzige Silbe zu sagen, den Usus pilpulistisch zu rechtfertigen sucht. Sein eigener Schüler, R. Eliezer b. Joöl ha- Levi widerlegt aber dieses Raisonnement, wie der Scküler des letzter», R. Jsak aus Wien, ausdrücklich berichtet 10). Noch mehr. Ju der talmudischen Zeit war die Thoralektion des Maftir keine Wiederholung des bereits Gelesenen; diese Wiederholung widerspricht dem talm. Usus! Die Taßasisten, R. Elia und R. Meschullam, gingen so weit, baß sie diese Wiederholung auch an solchen Sabbathen oder Festtagen geschehen ließen, wo aus mehreren Thorarollen gelesen wird, wiewol sie dadurch mit den Anordnungen Raschi's und Rabbenu Tam's in Kollision geriethen 1,). Hielten sie etwa ihre eigene Gelehrsamkeit für tiefer, als die Raschi'ö und R. Tam'S? Sicherlich nicht. Aber der Kanon, nach welchem Kollegien, die die Einrichtungen ihrer Vorgänger abschaffen ober modifiziren wollen, denselben an Gelehrsamkeit und Zahl überlegen sein müssen, findet auf liturgischem Gebiete keine Anwendung, was wir wiederholt betonen, weil Herr Dr. H. bas Gegentheil für selbstverständlich hält. Diejenigen Leser, welche diese Spezialitäten zum ersten Male erfahren und überrascht davon sind, wie. flüssig die synagogale Liturgie noch im Mittelalter war, werden es vielleicht überraschender, als alles bisher Angeführte, finden, daß in der talmudischen Zeit an Festtagen keine zwei 8j Sabb. 24, a. Die Behauptung, daß נבוא von Hagiografen rede, ist gewiß weil hergeholt (Toßas. das. Schlgw. 2■ •(אלמלא>af. 116, b. Rapopvrt in Ererb Millin 170, o. ff. 9) Toßas. Megilla 31. b. Schlgw. ראש und Äschert das. Or. Sarua II. 161, a. ") Toßaf. Meg. 23, a. Schlgw. כיון Aschen das. liest Cljakim für Elias, was mir ein Schreib- oder Druckfehler zu sein scheint. Doch findet sich ersterer Name auch in dem Zitate des Ascheri bei Schilie Gibborim Meg. 140-271. Thorarollen auSgehoben wurden, weil man die auf das Fest bezüglichen Opfervorschriften (4 M. 28, 16—39) gar nicht vorlas. Diese Vorlesung wird zuerst im Seder R. AmramS erwähnt, und die Toßafisten bemühen sich, derselben einen haggadischen Anhaltspunkt zu geben"). Merkwürdig genug haben diejenigen deutschen Gemeindeu, welche in ihren Gebeten die Wiederherstellung des Opferkultus nicht mehr erflehen, dennoch die nachtalmudische Lektion bei'behalten, während eS offenbar für sie angezeigt war, zum talmudischen UsuS zurückzukehren. Bet einem so freien Walten, wie eS bisher beschrieben wurde, kann eS kaum befremden, daß der Gaon R. Hai die im Talmud für den Tag der Thorafreude vorgeschriebene Haftara abschaffte und eine andere an deren Stelle setzte, was von den Toßafitsten in starken Ausdrücken aber vergebens getadelt wird"), und daß man an Fasttagen auch die uralte talmudische Thoralektion fallen ließ, um eine andere dafür anzuordnen! Die angeführten Beispiele beweisen, welche Abweichungen man sich rückstchtlich der Thoralektion, die schon in der talmudischen Zeit mannigfache Reformen erfuhr"), im Laufe des nachtalmudischen Mittelalters erlaubte: Abweichungen, welche der Stabilitäts-Theorie des Herrn DrS. H. und seiner Gesinnungsgenossen ein entschiedenes Dementi geben. Die Quellen dieser Abweichungen sind nicht verborgen, und sie werden desto klarer aus Tageslicht treten, je sorgfälligere Pflege die jüdische Neligionsgeschichte erfahren wirb. Unleugbar waren es Opportunitätsgründe, die dabei eine wichtige Nolle spielten. 5. Betrachten wir doch die Physiognomie vieler Gemeinden während der Thoralektion! Die Einen folgen dem Vorleser mit Aufmerksamkeit. Bei der Schnelligkeit, mit welcher der Abschnitt durchgelesen wird, kann aber die Vorlesung, — selbst wenn sie hebräisch verstehen, was aber bei Vielen nicht der Fall ist, — weder belehrend noch erbauend für sie sein. Andere lesen im besten Falle eine ihnen verstündliche Uebersetzung oder Auslegung des Schriftabschnittes und suchen sich zu belehren oder zu erbauen; sie verletzen '^) Toß. Meg. 30, b. Schlgw. ושאר unb Ascheri» R. Nissim und Mordechai das. S. ist. Amr. S, 41 in Bezug auf den 1. Peßachtaö: מוטיפין עליהן psi וקורין המשה ז<ין סוחתין מהן א11ר* rVD ומוציאין Die Rollen wurden also nicht zu gleicher Zeit auSgehoben. Dieselbe Einrichtung spricht auch aus Soferim 11, 3,: תהא מותיב חרא ומייתי הרא; nur daß daselbst nicht von den Festell die Rebe ist. Die Schlußworte deuten auf Schekalim hin. Für הר.א ist הרא zu lesen, wie aus jer. Meg. 4, 6. und Sola 7, 6. erhellt. Brgl. Mag. Abr. 147, 11. ,3) Toß. Meg. 31, a. Schlgw. ושבוש הוא!•למהר; ferner: הסברא אמאי שנה סדר הש״ס R. Ascher das. beruft sich auf de» jerus. Talmud, was um so ausfallender ist, als dieser Talmud den zweiten Festtag gar nicht kennet. ") VidA. de Tolosa bemerkt, daß manche Geonim dasselbe ibaten, und fügt hinzu: ואיני יורע טעם לשינוי מנר,נ הבמיס. Der Kommentar zn Taan. 12, b. Ende verlegt diese Neuerung in,die talmudische Zeit! R.-Esiezer b. Z,el, ha-Levi beruft sich zur- Begründung derielben aus die, Peßikta (Oc Sarua II. 161,. a), Ascheri auf Trakt- Sofer (Meg. 31, b ). Die Stelle findet sich in leplerem Traktate 17, 7 ״).M»g. 31. a.: והאידנא נהונעלמא• ®oö moxt עלמא gibt zu verstehen, daß die Initiative zu den fraglichen Reformen ron den Gemeindeu ausging. 22*

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