Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 21 (23.5.1866)
- Date
- 1866-05-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543196--4810-2548842- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
399 im Voraus bemerken, daß die chronologischen Hilfsmittel zur Ergründung einer sichern Bestimmung äußerst unzuverlässig bleiben und nur sehr allgemeine Epochenzahlen sich im Großen rechtfertigen." Seitdem Jost diese Worte niedergeschrieben hat, ist eine ״gediegene Leistung" aus historischem Gebiete zu Tage getreten und diese ist: Grätz's Geschichte der Juden, aus welcher wir das vom Leitstern- Helden W. R. fest und steif geleugnete und mittelst logischer Bocksprünge in's Lächerliche gezogene Factum schöpften, laß: 4״ junge Männer in's Ausland geschickt wurden, um die Theilnahme reicher Gemeinden für die aitehrwürdige (v. Rab gegründete), Akademie zu wecken und sie zu Beiträgen jür die Fortsetzung dcS Lehrhauses zu bestimmen." (S. Grätz B. V. S. 336). Gegen dieses von Grätz aus Abr. b. D's Sefer ha-Kabbalah entnommene Factum, nach welchem, wie Lebrecht erklärt, zur ״Einnahme und Unterstützung für das Lehrhaus", (״Unter כלה oder Lehrhaus x«rV0^ ist aber nur das pumbaditanische oder snranische zu verste- Heu" S. Grätz B. V. S. 544), beliebt es, dem neumodischeu Kritiker W. R. einzuwenden: baß ״die leidige Krisis, die die Eristenz der Schulen am Euphrat von der Großmuth des fernen Auslandes hätte abhängig machen sollen, entweder(!) nie(!!) eintrat, oder doch(!!!) erst mit dem Absterben des Schulenoberhauptes Hai, mit welchem (!) auch das Patriarchat(!) erlosch." Wahrlich! mit Herrn SB. R. über jüdische Geschichte zu sprechen, verlohnt sich gerade so der Mühe, wie mit Blinden über Farben rechten! Daß die babylonischen Schulen in Verfall gerathen waren, gibt auch W. N, mit liebwerther Herablasseuheit zu, denn bas ist auch auf der wellbedeutenden Hälfte der 237. Seite in Jost's Geschichte schwarz auf weiß zu lesen, und was auf dieser Seite nicht ״steht", hat vor W. R'S gründlicher Geschichtskritik keinen Bestand! ״Allerdings ist eS wahr", sagt W. N. ohne die Quelle anzugeben, aus welcher sein affirmatives Urtheil floß, ״daß seitdem bas Resch-Galutha-Amt ein erkauftes, und den Bewerbern, d u r ch ׳ d i e Erpressungen, d i e s i e an strengen mußten um die dafür gebotene Summe ein zubringen, eben deshalb ein verderbliches geworden ist, der Sinn für die Erhaltung der Schulen immer m e hr erkaltete und die Eink ünft e i mmer spärlicher flössen; ab er jen e ange bliche(!) leidige Krisis" n. s. w. Wie gründlich Herr W. R. Geschichte liest und studirt, erhellet am deutlichsten aus dem Umstande, daß erden Hauptgrund für den Verfall der Schulen, den Jost auf derselben Seite, ja einige Zeilen weiter geltend macht, uemlich ״die Welt des Islam war durch Kriege zerrissen und die entfernten Juden hatten keinen Sinn mehr für die Erhaltung der Schulen, wohin sie ihre Jugend nicht mehr senden konnten" ganz außer Acht gelassen. ״Die Schulen sagt Jost weiter, wurden wahrscheiulich stark belastet und die Rabbiner außer Stand gesetzt, wie früher viele Freischüler zu erhalten." Und eben deßwegen um dieses Letztere, die Unterstützung und Versorgung von Freijchülern uemlich zu ermöglichen, sandte man 4 junge Gelehrte להכג׳ כלה ins Ausland! Nun kommt ein pseudonymer Herr W. R., umstrahlt vom Glorienscheine des Leitsterns, auf den jambusartigen Stelzen des ״Entweder-Oder" gegen uns herangesprungen, legt uns ein Epitheton ornans bei, daß seiuer ganz würdig ist, lässt mit Hat Gaon das Patriarchat (!) erlöschen, wiewohl er freilich bei etwas aufmerksamerem und weniger flüchtigem Lesen auö derselben Seite, auf welcher er sich über den Verfall'der Schulen in Babylon halbwegs Ausschluß verschaffte, hatte ersehen können, daß daö Patriarchat, richtiger das Erilarchat erst mit ChiSkiah für» im- 400 mer zu Grabe ging, nachdem es schon eigentlich im I. 980 unter dem von Saadja Gaon protegirten Enkel deS Erilarchen David b. Saccai, dem Vater ChiSkiah's, zu einer bloßen Scheinwürde herabgesunken, (S. Gr. V. S. 335, ferner S. 474. und 475.) und mit ihm erloschen war. ״So erlosch das'Erilarchat" sagt Grätz, ״nachdem es über 7 Jahrhunderte bestanden und eine Zeit lang die Spitze und eine Art politischer Selbständigkeit des JudenthumS repräsentirt hatte. Wie die Patriarchenwürde in Judäa durch die Unduldsamkeit der christlichen Kaiser, so ging die Erilarche»würde durch den Fanatismus der Muhamedaner unter." (Gr. B. 5. S. 335.) Als Scherira Gaon sein historisches Responsum erließ, 987, war das Erilarchat als seist ständige Würde bereitS erloschen (S. Gr. B. V. Abthg. 8. Note 12 S. 474.) und erst nach dem im I. 1038 erfolgten Tode Hai Gaon's, des großen Sohnes Scherira's ״wählte das Collegium sofort einen Nachfolger für ihn, in einem Manne, welcher beide Würden, das Erilarchat und Gaonat, in sich vereinigte, gewissermaßen, damit beide in einer Person zu Grabe getragen werden sollten" (Gr. B. VI. S. 13.); und dieser Mann war eben jener Chiskia, den W. R. beim Schöpfen aus seiner halbseitigen Geschichtsquelle unglücklicherweise übersehen hat. Unter die Befugniße des Gaons von Snra gehörte auch bei eingetretener Vacanz des ErilarchatS die Stellvertretung desselben!mb Hai konnte wohl allerdings de jure, nachdem das Gaonat von Snra durch die Auswanderung des Gaons Joseph b. Satia im I. 948 noch erledigt war (Gr. B. V. S. 336) das Erilarchat bekleiden (das. S. 476); die Behauptung aber, daö Erilarchat sei mit Hai erloschen, ist mindestens ungenau und — ״unkritisch". ״Das Unglück der 4 gelehrten Emigranten, in die Hand eines Seeräubers zu fallen, fällt um d. I. 980 zur Zeit des gemeinsamen (!) Schulenoberhauptes Scherira" sagt H. W. R. weiter. Nun dieser Passus in der famosen Leitsternkrilik könnte als Oase in der Wüste W. R'schen Unwissenheit angesehen werden, wenn nur das ״gemeinsame" Schulenoberhaupt Scherira nicht der Flugsand wäre, den W. R. in die Augen des Beobachters zu streuen bemüht ist. Die Hauptquclle für dieses Ereigniß ist R. Samuel Halewi im Mebo Ha-Talmud, aus welchem (nach Rapo- Port, Biographie des Hai Gaon's S. 84. Anm. 2) R. Abr. b. D. es (in seinem Sefer ha-Kabbalah) entnommen, ferner׳ Juchasin (S. Sachs religiöse Poesie der Juden in Spanien S. 182, Anm. 1.). Was die Bestimmung der Jahreszahl für dieses hochwichtige und folgenschwere Ereigniß betrifft, so begegnen wir hierüber verschiedenen Ansichten. Abr. b. D. setzt das Factum zur Zeit Scherira's um 1990_ת״ש״ן, oicipopovt und Lebrecht corrigiren das ן in •ך und geben d. I. 960 (S. Sachs bas. Gr. B. V. Note 21. II. S. 543), Juchasin ed. Philipvwski hat 943=ת״ש״ג, Jost giebt für das in Rede stehende Ereigniß baS Datum 980, Sach's 962, und Grätz (B. V. S. 336 und 544) 948 an. Ein ״gemeinsames" Schulenoberhaupt Scherira hat die Geschichte bis heute nicht gekannt, ein solches zu erfinden, blieb Herrn W. R. Vorbehalten und um dieses große Verdienst wird ihn wohl schwerlich Jemand beneiden. Flüchtig und oberflächlich, wie Halbwisser zu lesen pflegen, hat sich Herr W. R. durch die Worte Jost's (Allgem. Gesch. des isr. Volkes S. 237) ״ein ausgezeichneter Lehrer in Pumpadira und Firuz-Schabur" zu der falschen Annahme verleiten lassen, daß Sura identisch sei mit Firuz-Schabur (Anbar) und daß Scherira das gemeinschaftliche Oberhaupt der ״beiden" Akademien von Sura und Pumbadita gewesen wäre. In der That aber war Scherira nur Gaon von Pmnbadita und führte auch nur diesen Titel, da die Akade-