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Ben Chananja · 1866-05-23 · 21 (23.5.1866) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
21 (23.5.1866)
Date
1866-05-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Geschichte nab ijointCetii Ein Beitrag zur Geschichtskritik unserer Zeit von Dr. M. Mein. . Mach' dein Ohr, wie einen Trichter und schaff' Dir ein Herz recht zu hören und aufzufaffen. Talmud Chagiga, 3, b. Die Fnnkel-nagelneue Richtung, welche die historische Kritik durch die in Nr. 13 des Kaschauer ״Leitstern's" gelieferte Recension meiner am Sabdath Schekalim gehaltenen Rede zu nehmen verspricht, noch mehr aber der glänzende Triumph, den der pseudonyme Herr W. R., der geistreiche und scharffinnige Verfasser des Leitstern-Pamphletes, mit seiner fiylistischen Gewandtheit und vielnmfassenden Gelehrsamkeit in meiner mir überaus theuern, vaterstädtischeu Gemeinde gefeiert, stacheln auch meinen Ehrgeiz in nicht geringem Maße an, wenn auch nicht so bewundert zu werden, wie Herr W. R. daS Glück hat, so doch wenigstenS mit einigen spärlichen Abfällen der Anerkennung dedacht zu werden, über welche ein großer Geist, wie W. R., mit vornehmthuender Gleichgültigkeit und Geringschätzung hinwegsieht. Daß Herr W. R. über ״Gehalt, Ordnung und logischeu Zusammenhang" meiner armen, zu Tode gehetzten Schekalimrede ״kein Sterbenswörtchen verlieren" will, nimmt mich, und alldiejenigen, die des Herrn W. N. Denk-und Ausdrucksweise kennen, gar nicht Wunder; denn wie kommt Saul unter die Propheten? sind doch Gehalt, Ordnung und logischer Zusammenhang in den Augen eines W. R-.׳ spanische Dörfer! Daß ״meine Kenntniß auf talmudischem Gebiete" unter dem scharfgeschliffenen Verkleinerungsglase W. R'scher Kritik sich nur ״gering" ausnehmen kann, darf bei einem Gaon, wie W. R>, auch .nicht befremden; wie aber Geschichte auf die Kanzel kommt? Mit dieser Frage sollte Herr W. R. nicht iu Miökolz bleiben! Er sollte vielmehr ehemöglist den springlustigen Klepper seiner feinmanierlichen.Geschichtskritik satteln, unverzüglich nach Wien, Prag, Szegedin und in andere Städte reiten, und an den Geistesprodukten der Männer und Meister, die den 6118 minorum gentium als Muster und Beispiele voranleuchten, nicht aber an diesen seinen kritischen Zahn wetzen! Rapoport, der eigentliche Begründer des literaturhi-!'torischen Studiums in der neuesten Zeit, wie ihn Dukes (Ehrensäulen und Denksteine S. 8.) mit Recht nennt, hat .in seinen unübertrefflichen Deraschot, deren Veröffentlichung Kämpf in der ״Nichtandalnfischen Poesie andalusischer Dichter" (Prag, Hellmann) im Interesse der Wissenschaft für sehr wünschenswerth hält, die Abfassungözeit vieler Psalmen an der Hand der Geschichte auf der Kanzel nachgewieseu. Kämpf hielt, wenn wir uns noch recht erinneru, im I. 59 am Sabdath Channka eine nach Form und Inhalt gleich ausgezeichnete Predigt, über 1. B. M. Cap. 37. V. 11: Und seine Brüder beneideten ihn, se i n Vater aber m c r k t e . si ch d i e Sache,' und trotzdem daß der ganze 1. Theil dieser Meisterrede ״die verschlungenen Ereignisse" der Mackabäerperiode behandelte, die dann im 2. Theile auf eine diesem hochbegabten Redner so eigene, geistreiche Weise, auf unsere Zeit angewenvet wurden, nahm man in Prag! dennoch keinen Anstand, Kämps's Chanukapredigt den besten und gelungensten, die er je gehalten, anzureihen. Jellinek, dessen Musterpredigteu zu lesen und zu studiren man gewiß nicht ״ermüdet", und bezüglich derer, Rabbiner M. Dnschak so wahr und treffend sagt: ״Dr. Jellinek unterscheidet stch von der andern Klassischen israelitischen Predigern.dadurch,! daß er die Situativnen der Vergangenheit so gewandt und geschickt zu dramatisiren versteht, daß sich dem Hörer und Leser unwillkürlich das entsprechende Spiegelbild der Gegenwart präsentirt" (S. B. Ch. 6. Jg. S. 541), nimmt keinen Anstand, die Geschichte in den Dienst der Homiletik zu nehmen*) und feiert in jüdischen, wie nichtjüdischen Kreisen, Triumphe, von denen Leute, von W. R'schem Gelichter , gewiß keine Ahnung haben. Löw hat unter andern auch iu seiner in Semlin im I. 61 abgehaltenen EinweihungSrede zur Genüge bewiesen, welche Erfolge die Geschichte auf der Kauzcl erzielen kann. Der scharfsinnige Herr Kritiker W. N. wird wohl eingestcheu, daß wir ihm da Namen vorgeführt haben, die in gelehrten Kreisen einen ziemlich guten Klang haben, und von deren Glanze geblendet, er sich die Augen reiben muß. Nun wollen wir uns seiner.starken Seite, seiner Geschichtskenntttiß nämlich, zuwenden. Was Herrn W. R's. Geschichtskenntttiß anbelangt, so dürfen wir ihm das wohlverdiente Complimcut nicht vorenthalten, daß sie sich auf volle 2 Hälften zweier Octavseiten in Jost's ״Allgemeiner Geschichte des isralitischen Volkes" (Leipzig 1850) erstreckt. Schade nur, daß. Herr W. N. sich zur Bewältigung dieser schweren Geschichts- Masse nicht mehr Zeit gelassen, die ״starken" Seiten 237 und 245 B. 2. nur so flüchtig durchgelaufen, und ohne vor- oder rückwärts oder tiefer zu blicken, an der Oberfläche schon die Perlen fand, mit denen er die Stirne feines journalistischen ״Sternbildes" schmückte. Da nun Herr W. N. zu seiner, klassischen Geschichts-- forschung und scharfsinnigen Kritik Jost als Quelle benützte: so wollen wir ihm zu Ehren aus eben derselben Quelle einige Worte anführeu, die ihm freilich ganz neu und unbekannt klingen werden, trotzdem er sich bei Liebhabern vom ״unparteiischen Organ für alles jüdische Interesse" das. Ansehen eines gewaltigen Geschichtskenners geben, wollte. B. 1. S. 10 des genannteu Geschichtswerkes sagt . Jost: N och i st die Ge sch ich tS sch r e i b u n g, wenig ste n S in Betreff unseres Gegenstandes, nicht dahin gediehen, um den Thaten b e st and als ge sch lossen anzusehen u. zum Urtheilsspruch zu schreiten. Noch ist es Pflicht deö Geschichts schreibers der Jsr. zu sammeln und zu ordnen, aber auf allgemeine und zuverlässige Beurtheilung zu verzichten. Wenn er aber seiner Ueb erzengung nach mit einzelnen Theilen der Geschichte hinlänglich vertraut ist, um stch eine Würdigung der Handlung Zutrauen zu dürfen,, so darf ihn doch das Bewußtsein nicht täuschen, um unbescheiden abzusprechen, und er ist vielmehr erst daun völlig u np a rth e ii sch, wenn er seine Ansicht der Prüfung gleich unparth eiischer Sachkenner anheimstellt. Diese Betrachtung ist unsere Richtschnur und obgleich es nicht v e r m i e d e n w e r d e n k a n u, daß wir t h e i l S u u s e r U rth eil abgeben, theils durch die Darstellung s e l b st zu erzeugen o d e r z u b e g r ü n d e n b e m ü h t seien: so begleitet uns dvch überall die Ansicht, d a ß a l l e B e m ü hu n g e n d e r g e g e n w ä r t i g e n Geschichtsschreibung nur als Vorbereitung und Bahnbrechuug zu künftigen gediegenen Leistungen dienen können. S. 19. sagt derselbe Geschichtsschreiber: Wir m ü s s e n u n se r e r s e i t S gleich S. besonders ״Sikbni Zeitpi'kdigttn", II. Prrd. II Th.

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