Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 21 (23.5.1866)
- Date
- 1866-05-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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383 394 aus den verschiedenen Gegenständen. Nach Beendigung dieser Prüfung ließ der Herr Bürgermeister die Zöglinge in den Prüfungssaal verfam« mein , hielt den Lehrrrn und Schülern eine Ansprache, in welcher er seine große Zufriedenheit über die Leistungen der Lehrer und die Fort, schritte der Zöglinge aussprach. Hierauf ergriff Herr Direktor Szauter das Wort, dankte dem Herrn Bürgermeister iw Namen des Lehrkörpers und der Zöglinge für seine gehabte Mühe und sprach unter Anderm: ״Welche Freude würde es jedem einzelnen LandtagSdeputirten machen, zu erfahren, in welchem Grade die israelitischen Schulen in Ungarn überhaupt und insbesondere di, Fünfkirchner Musterhauptschuke bereits in der ungarischen Sprache vorgeschritten ist." Herr Bürger« Meister und Herr Direktor kennen unsere Anstalt noch aus einer Epoche, wo die ungarische Sprache den Zöglingen noch in einer sehr kleinen Dosis verabreicht wurde und um so größer und angenehmer war die Ueberraschung dieser freundlichen Herren, als sie sich heute überzeugten, daß ausschließlich die ungarische Sprache die Unterrichtssprache ist. Indem wir diesen Herren für die Freundlichkeit dieses Besuches unfern tiefgefühltesten Dank aussprechen, haben wir den frommen Wunsch, daß Gottes Segen fernerhin unsere Anstalt beglücke, auf daß cs uns möglich werde, die uns anvertraute Jugend im Geiste unserer heiligen Religion und unseres geliebten Vaterlandes zu erziehen. Temesvar, 12. Mai. Ew. Hochwürden! In Ihrer Besvre. chung der Abhandlung über den ersten Unterricht im Talmud von Rabbiner De. Stein wird auf die daselbst offen gelassene Frage hingewieien, auf welche Art die Schwierigkeiten überwunden werden sollen, die sich in ״gebildeten Ländern, wo das jüdische Haus und Leben nicht mehr eine Menge von hebräischen Ausdrücken und Begriffen mit der Umgangssprache verweben" — dem Talmudunterrichte entgegenstellen, und im weitern esn entsprechendes Palliativ empfohlen. Indem ich glaube, daß zwischen dem bloßgelegken Schaden und dem ihn weißwandelnden Heilmittel noch etwas •VT בשר zu beseitigen wäreerlaube ich mir meine bescheidene Ansicht den Fachmännern vor« zulegen. DaS Uebel beginnt nämlich nicht erst nach den 3—4 Klaffen der.Volksschule sich fühlbar zu machen; nicht fetten arbeitet cs schon »n den ersten Schuljahren seine wunden Flecke auf. ״Was doch das Kind von der Schule nach Hause alles bringt!" klagt da und dort eine jüdische Familie, die eigene jüdische Wortfolge, überhörend, und meint damit nicht etwa bloß die freilich unanständigen Ausdrücke von anno dazumal; ist es vielmehr jedes nichtdeutsche Wort ein dorreur, welchcs ״ach der vorgefaßten Meinung das schöne Schnäbelchen des lieben schwachen Kindes ״befleckt." Und die Schulen? Scheiden diese etwa Spreu von dem Weizen und gelangen sie zue vollen Rechtfertigung ihrer zeitgemäßen Aufgabe? Mit Bedauern muß ich, selbst ein Lehrer, diese Frage verneinen! Abgesehen von der lösen Schaukelei um pekuniäre, materielle Vortheile, welche leider hie und da auch die Sichersten und Geborgensten ergreift und noble Separationen in der öffentlichen (!) Schule von wegen dieser ״Jüdischkeiten" nicht nur gestattet, sondern sogar fördert, wurzelt die Unterlassungssünde der heutigen öffentlichen isr. Schule nach dieser Richtung im Unterrichtsgauge des Hebräischen. Dieser ist mit sammt der für ihn in den ״gebildeten" Vororten zur Anwendung gelangten, von der Menge nachgkbcteten, Methode ans manche abschüfflge Bahnen gerathen. vornehmlich auf die, daß man mit hebräischer Grammatik und deren Terminologie zu viel der kärglichen kostbaren Zeit versplittert. Beim ersten Verse, ja beim Worte בראשית wird der Apparat aufgezogen, fort und fort die Feder ge, schraubt, die, wenn sie an Elastizität verloren, geschwind durch eine andere ersetzt werden muß, Sicherheitsventile, Klappen — mit allem wird vorgesorgt .... beim so und sovielten Kapitel muß die künstliche Maschine schon in Bewegung gesetzt, der kleine neue Hebraist.fich nicht nur durch die Thora, sondern durch die ganze Bibel ins Neuhebräische hinüber bis in den Lykaer Magid Hineinrollen .... Doch diese bansebäckige Methobenreirerei erreicht ihren Zweck nicht und beeinträchtigt unsere UnterrichtSanstalten gar sehr, indem sie uns verhindert, die allerersten und allerwichtigsten Ziele zu erreichen. Eö ist etwäS ganz anderes, "eine Lektion in Ollendorfs französischen Lehrgänge oder. ein. deutsches Leseftück vorzstnehmey yher zu ״behandeln.", als-in. der Thora,-die hier תמימה und כנגד בלם als Hauptstück und Hauptgebot gegen alle Nebenzwecke geboten werden soll, bis zum ehrenvollen Ende zu getangen, di, religiöse Entwicklung der Jugend an und in ihrem Seist, vorzunehmen. Das Thoralernen, aber auch das Erlernen der Thora gilt mehr, als alle unzeitigen abstrakten Dozirungen und zeitraubenden Spielereien. Vorerst sollte es in den Schulen Israels zu einem Gesetze werden, daß ein Schüler der Oberklaffe eine gute Fortgangsklasse nur dann erhalten könne, wenn er zum Schluffe des letzten seiner Schulsemester eine Prüfung aus der ganzen ,Thora mit Ausnahme einiger wenigen Kapitel gut besteht. Zur Erreichung, ja schon zur Ermöglichung eines solchen würdigen Erfolges sollten die ehrsamen Gemeindevorstände, ehrw. Rabbinate und mit ihrem Lehrkörper geeinigte Schuldirektionen gemeinschaftlich Hand anlegen und die hohen Behörden von der Nothwendigkeit dieses Lehrzieles so lange und so nachdrücklich überzeugen, bis es eine unumstößliche Gesetzlichkeit erlangt, und eingehende Berathungen sollten die Wege ermitteln , auf welche unsere zarte Jugend diesem einfach scheinenden, unter den ״ausgebildeten" Verhältnissen jedoch, schon sehr schwierigen Ziele zugeführt werden könne. Was aber nächst dem möglichst vollständigen. Thorannterrichie zu verfolgen wäre, das ist ber ׳הבור למק׳ welcher sowol in ethischer als in jeder Beziehung alles zu umfassen hätte , was an hebräischen Ausdrücken und Begriffen mit der Umgangssprache fich verweben läßt. Nicht bloß die Sidrah Mischpakim, Kedoschim oder die im S. Buche zerstreuten kleinern Stellen der דינים, sondern mancher andere geeignete Passus und manches Anlaß gebende Wort sollte benützt werden, um das Verständniß der Ausdrücke zu erwecken und zu beleben, die einerseit» eine schätzbare Vorbereitung zum weitern s״Lerncn" find, und anderseitS der größern Menge ein Stück Judenthum, bedeuten. Dies kann geschehen, ohne irgend eine Umgangssprache zu korrumpiren. Was ferner die beim Sidur und Pentateuch stellenweise unterzuschiebenden unpunktirten Texte betrifft, erlaube ich mir zu bemerke«, daß bet letzterem eher und besser die Sache in Gang gebracht werden .könnte, weil da, wenn auch in sekundärer Linie, die grammatikalische״ Unterweisungen vorgenommen werden sollen, weil ferner die verschredcne Befähigung der Schüler und deren häüöliche Antezedenzen e» zulasse», daß man den best- und bessergestellten, auch den um diesen Gegenstand bestrebten solche Eremplare in die Hand geben könnte; damit wäre der .weitern Ausbildung ein großer Vorschnb geleistet, ohne daß jene Schüler, welche nicht gerade, theologischen Studien fich zuwenden , mit größern Forderungen beladen wären, als eben mit der, die Thora zu können und zu kennen. Salomon Götzl. Chicago (Amerika), im April. Der Prediger der hiesige» Zweiggememeinde, Herr B. Felsenthal, hat in der Ramah-Loge allhier über das jüdische Schulwesen in Amerika einen Vortrag gehalten, welcher im Drucke erschienen ist. Der geistvolle und gesinnungstüchtige Pcdner schildert mit lebendigen Farben die vorhandenen Uebelstände und dringt auf-die Errichtung jüdischer Schulen, welche man hier zu Lande durch Erhaltung sogenannter Säbbathschulen entbehren zu können glaubt. Ich sende Ihnen diese Rede, die auch die jüdischtheologischen Studien mit in ihren Bereich zieht. Manche Partie derselben dürfte für Ihre Leser von besonderem Interesse sein. Wohlthätigkeit und Wohlthatigkeitsanstalten Cincinnati. In hiesiger Stadt wird ein jüdisches Spital errichtet, dessen Kosten fich auf vierzigtausend Dollar belaufen. (Arch. Isr.) Padua, '15. Mai. Für die Familie Luzzatto's haben gezeichnet: Die Rabbinen Viterbi und Osimo je. 100; Br. Triefte 800; Marianne Almanzi 600; Cons. Triefte 500; Dav. Morpurgo 100 Fr. Zn Cortemaggiore wurden durch die Intervention des Rabb. Tobias Foü 2000 Liren unterzeichnet. (Ed. Isr.) A H. M Vüfürhely. 18. Mai. : Frau Josefa Großmann spendete ein prachtvolles Mäntelchen zur Thora und Herr Steiner, welllicher Schulaufseher, ließ ein schönes Parochet anfcrtigen. Literatur. Szegedi», 17. Mai. Herr I I L Bargös, Prof, der hebr.'Sprache an der Sorbonne zu Paris, welcher 1857 das Sendschreiben R. Jehuda b. Koreisch'ö über die Nützlichkeit des Targumstu-