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Ben Chananja · 1866-05-23 · 21 (23.5.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
21 (23.5.1866)
Date
1866-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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391 392 kommen mächtig. Sollte nun auch der langjährige Aufenthalt im Auslande ihn in der weitern Ausbildung hierin etwas zurückgehalten haben, so wird man einen etwaigen Mangel in dieser Beziehung doch nicht gar zu genau nehmen. Die ungarische Svrache ist allerdings eine conditio sine qua non für den fraglichen Posten; wir wollten aber gerathen haben, gegebenen Falls lieber einen Prediger ohne allzugründliche Sprachkenntniß. als einen spezifisch ungarischen, aber kein Predigertalent besitzenden Kandidaten zu bevorzugen. Und wir find überzeugt, daß Herr Dr. Kohn, fasts er hier im Astgemeinen gefällt und acquirirt wird, sich gewiß in kürzester Zeit die Ausbildung in seiner Muttersprache in dem Maße, als erforderlich, angeeignet haben wird. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß es sich hier um eine ganz neue Institution handelt und «S demnach beinahe unmöglich ist, eine nach asten Seiten hin vollkom« mene Persönlichkeit zu finden. Herr Dr. Kohn trifft nächste Woche hier ein und dürfte kurz darauf seiNe Gastpredigt halten. Der Gemeindevorstand wird dann einer großen aus 200 Gemeindemitgliedern bestehenden Kommisston die end« giltige Entscheidung in dieser Angelegenheit überlassen. — Näheres mit Nächstem. Ä Prag, 17. Mai. Gestern wurde in unserer Gemeinde in oster Stille eine Feier begangen, welche wol des äußern Prunkes ent« behrte, um fich daher desto wärmer in die Herzen aller Betheiligten «inzugraben und in der Erinnerung fortzuleben. Die Kultusrepräsentanz beschloß am 28. September v. I.. Herrn Ernst Wehli bei seinem Ausscheiden als Vorfitzender der Repräsentanz in doppelter Weise ein blei« bendes Zeichen der Anerkennung zu weihen: ihm eine Dankadresse ju' überreichen und sein Porträt im SitzungSsaale der Gemeinde zum blei« benden Andenken an seine gesegnete AmtSthätigkeit aufhängen zu lassen. Beides geschah am gestrigen Tage. Im Sitzungssaale versammelte fich die Elite der Israelitengemeinde Prags um die Mittagsstunde, und als . Herr Ernst Wehli abgeholt von den Herren Repräsentanten Dr. Pribram und Georg Feigel mit ihm den Saal betraten, wurde er von dem jetzigen Borsitzenden Herrn Dr. Tedesko mit einer warmen An« spräche begrüßt, worauf letzterer folgende Adresse vorlas: לבי להוקקי ישראל המתנדבים בעם ״Mein Herz gehört den Führern in Israel, ״Denen, die fich hingeben im Volke." Richter V. 9. So gehört auch unser Herz und das Herz der ganzen Gemeinde einem Führer in Israel, Ihnen, der Sie durch eine lange Reihe von Jahren unser Führer und der Leiter unserer großen, altehrwürdigen Gemeinde waren, Ihne», einem Manne, von dem man in Wahrheit sagen kann, daß er sich hingegeben hat seinem Volke, seiner Ge« meinde. Sie sind mit Ihrem Sein und Wesen aufgegangeu in dem Ehrenamte, das Sie so ehrenvoll bekleideten; Sie haben ihm Ihre ganze Zeit, Ihre beste Kraft gewidmet, nach den verschiedenste» Seiten hin haben Sie theils selbstthätig, theils anregend gewirkt; unter Ihrer Führung vollzog sich der schwierige Uebergang aus einer politischen in eine Kultusgemeinde, während Sie unsere Verhandlungen leiteten, wurden fast aste Anstalten unserer Gemeinde neu organisirt, wesentlich ge« bessert, mannigfach gefördert und gehoben. Und wenn Sie jetzt das Bedürfniß größerer Muße fühlend, dies Ehrenamt freiwillig niederlegten, und doch dabei einwilligten, unter uns und mit uns auch fernerhin wie bisher zum Wohle und Heile unserer Gemeinde zu wirken und zu stre« ben; so haben Sie damit ein neues Beispiel Ihrer edlen Selbstverleuglning und Ihrer Ovfrrwistigkeit gegeben, und sich ein neues Anrecht auf unsere Liebe und Anerkennung, wie auf die Dankbarkeit und Ber- «hrung unserer ganzen großen Gemeinde erworben. Diese Gefühle sind allgemein; wir sind nur die Dostmetscher derselben, sie werden Ihnen folgen bis ans Ende Ihres Wirkens; ja darüber hinaus wird Ihr Name ein gepriesener, Ihr Andenken ein gesegnetes sein für immerdar." Die Adresse ist prachtvoll von dem Meister der Schönschreibekunst, Herrn A. Nischel, angefertigt. in karmesinrvthem Sommt gebun» den und auf dem Deckel befindet sich ein silberner Lorbeerkranz. Nach Uebergabe der Adresse hielt Herr Dr. TedeSko eine kurze Ansprache bezstglich des Porträts, das nun enthüllt .wurde» bei welchem Momente sich aste Anwesenkrn erhoben und Herr Rabbiner Rapoport Herrn W. seine Gratulation darbrachte. Herr Trust Wehli dankte Hieraus in nach« stehender Weise: ״Meine Herren! So wie ich vor nicht langer Zeit überrascht wurde, als wir mein gnädigster Kaiser und Herr das Zeichcn seiner Gnade und Anerkennung zu Theil werden ließ; ebenso überrascht bin ich heute, wo Sie, meine verehrten Kollegen, durch Wort und Schrift und That mir die Anerkennung zu Theil werden lassen, daß Sie mit meiner Leitung der verehrten Gemeinde durch volle 13 Jahre zufrieden find. Wenn ich heute das Gnadenzeichen Sr. Majestät an die Brust geheftet, der aus der Höhe und Ferne feines erhabenen Thrones mein kleines Verdienst um die Gemeinde erschaut und belohnt hat, so trage ich in der Brust den Dank und die innigste Rührung für die Anerken« nung meiner geehrten Kollegen, die mir stets nahe standen und mein redliches Wirken sahen. Diese Anerkennung, die Sie heute nicht nur durch vorzügliches Wort gesprochen und geschrieben, sondern durch Aufstellung meines Bildnisses, - das auch in später Zukunft den Nachkommen verkündet, wie das redliche Wirken eines Vorstehers durch seine Mitwelt belohnt wird — bewerkstelligt haben. M. H. Wenn ich auch durch so lange Zeit nicht immer in Meinung und Ansicht mit Ihnen übcreinstimmte, so liegt das in der Berschiedenheit unseres Alters, da wie Sie wissen, unsere Altvordern gesagt haben: Je älter der Mensch wird, desto fester setzen sich seine Meinung und Anschauung; auch hatten ja die verschiedenen Ansichten immer nur das Wohl und das Heil unserer geliebten Gemeinde zum Zwecke und Ziel und da muß ich denn wieder ein weises Wort unserer Altvordern zitiren: זאלו וא*לי דברי אלהי' חיים Die Einen verbieten, die Andern erlauben, diese und jene erklären nur die Worte des lebendigen Gottes, des immer lebendigen Gottes, der durch seine Gnade und seinen Segen die Welt beglückt. Möge er auch über hiese Körperschaft seinen Segen ausgicßen, auf baß sie stets nur . das Wohl und das Heil der Gemeinde fördere. Amen." Alle, welche an dieser erhebenden Feier Theil genommen,- stimmten in das Amen und brachten ihm ihre gewiß begeisterten Gratulationen dar *). Schulwesen. ß. Wien» 13■ Mai. So glänzend auch der Ruf und die An« erkennung sind, deren das hiesige allgemeine österreichische sisraelitische Taubstummen-Zttstitut sich fast in ganz Europa in jüdischen wie io nichtjüdischen Kreisen erfreut, und so lobend die Berichte über die in demselben erzielten Erfolge auch lauten mögen, so verläßt man dennoch wenn man einmal einer Prüfung» wie die heute stattgefundene, beigewohnt hat. überrascht und staunend den Prüfungssaal. Gedeihliche Fortschritte, die in andern Lehranstalten wahrgenommen werden, wo nur die geschickte Methode und der pädagogische Takt des Lehrers die den Zöglingen von der Natur gegebenen Anlagen entwickeln und fördern helfen, können den freudlgen Dank, daS gerechte Lob des redlichen Be« «rtheilerS erwerben und abzwingen; aber wo die Natur ihre Geschöpfe kärglich auSgestattel, ihnen die Handhaben des Geistes, die Vehikel des geselligen Verkehrs, die vorzüglichsten Sinne des Menschen als solchen, Sprache und Gehör versagt hat, und der Lehrer de» Mangel dieser Or« gane durch künstliche Bearbeitung der übrigen geistigen Anlagen ergänzt, sich mit taubstummen Zöglingen in Verkehr setzt und sie zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft heraubildet, da steigert sich die Anerkennung zur Bewunderung und die eigene Wahrnehmung übersteigt Kunde wie Vorstellung. Ich muß es bekennen, daß mir die Anwesenheit bei dieser Prüfung eine ebenso erheiternde wie lehr« und genußreiche Stunde gewährt hat, und so weit ich blickte, war auf asten Gesichtern das AuSrufungSzeichen deü Staunens zu sehen. (Schluß folgt.) ב״ק Fünfkirchen, im Mai. Am 14. d. M. erfreute sich die kön. isr. Musterhauptschule des Besuches des Herrn Bürgermeisters v. Bubreg und des Lokal-Direktors Herrn Anton Szauter. Genannte Herren besuchten jede einzelne Klaffe und hielten eine kleine Prüfung *) Dies thut auch im Gefühle aufrichtiger Verehrung der Red. des ״B. Eh."

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