Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 20 (16.5.1866)
- Date
- 1866-05-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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UHU UlUUUU|ll|v £jUi1m|Jv jU _ y.9״ UH♦ £>U• 1ÖUU♦ Das Streben nach Uekheit*). Bon Dr. I. H. Hirschfeld, Rabbiner in Augsburg. Weisheit ist des Menschen edleres Leben. Sie hebt seine Seele empor, bis diese mit ihrem Fühlen und Wollen in den Geist und Willen Gottes aufgeht. Sie ist ein Licht, das vom Gottesgeiste selbst ausfließt: ״Gott ist eS, der Weisheit gibt, aus seinem Munde strömt Einsicht und Vernunft (Shr. 2, 6).'״ ׳Wahrlich, ein höherer Geist waltet in dem Menschen, ein Gottesorden erleuchtet ihn" sprach Elihu 1). Und Daniel 2): ״Gott ist eS der den Weisen ihre Weisheit gibt und-die Erleuchtung den Erleuchteten." ״Ich der ewige bin'S", spricht Jesaias 3) im Namen Gottes, der dich lehret was dir wahrhaft ' frommt, der in dem Weg dich leitet, den zu wandeln Du bist bestimmt!" Ist aber die Weisheit, die Gott-entstammte, des Menschen höchstes Gut, so ist wohl seine würdigste Aufgabe, sein Augenmerk angelegentlich auf sie zu richten und es sich klar zu machen : 1. Welches ist die Absicht, die den Menschen leiten muß in seinem Streben nach Weisheit? und 2. Welches ist der W e g, auf dem er zur Weisheit gelangt? Zur Beantwortung dieser Fragen möge uns unter dem Beistände Gotteö, folgende Betrachtung führen. . •■־־.■: ■ - I.; ■ - י ■■ י Um die Absicht zu - erkennen, die den Menschen in seinem Bestreben nach Weisheit leiten solle, mäßen wir unS vergegenwärtigen, daß diese zweifacher Art ist. Entweder ist sie Weltweisheit, indem sie die jenigen Dinge zum Gegenstände: ihrer Forschung! und Erkenntniß macht, die dem Bereiche dieser sinnfälligen Welt, dem großen und herrlichen. Gebiete der Gott-erschaffenen Natur angehören; -oder sie ist höh ere Weisheit, worunter nämlich jenes Forschen und Erkennen zu verstehen ist,.; welcheö sich zu dem Uebersinnlichen, zu dem Göttlichen-?erhebt. Wie nun in dem Wesen, so unterscheidet diese sich Weisheit von jener: auch in Rücksicht auf die Absicht, von welcher die menschliche Bestrebung nach ihr, eben in Gemäßheit dieses Wesens, bestimmt und geleitet werden müsse. Die Weltweisheit erschließet, dir. die Welt,.?und weltliche Vortheile winken dir .auf ihrer Bahn. Die!Geheimnisse der Natur, von-denen sie den Schleier mit Geisterhand vor deinem Blick emporhebt — sie können und mögen dein staunendeS Auge seelisch ergötzen, doch dürfen und sollen sie auch die Kräfte der Natur: wie ihre Schätze— im menschlichen Leben ihre Verwendung finden und ihre: Verwerthung, und kann und?soll die Aussicht auf solche Triumphe dcS Geistes diesen aufmuntern und anspornen, auf dem mühsamen Pfade der W e.l t.w e i:S.Heit. Hier mischt in die Bestrebung nach Erkeuntniß der Natur sich füglich? auch das Verlangen nach ihrer Beherrschung und Dienst barmachung und zu :der unmittelbare» Wi ß.begser.de: gesellt die berechnende Nutzanwendung sich. Die :,andere jedoch,: die höhere Weisheitdie hinauf in daS Lichtgefilde der Gottesnähe, hie :iu das? innere Heiligthum der Religion dich führt י— wie sie:; selber: höherer Natur ist, also gibt sie, auch der.menschlichen Bestrebung nach ihr eine höhere: Weihe,: die Weihe der:Liebe, der reinen-, durch keine.Selbstsucht: befleckten. Liebe zu it>r. Der Preis, der:auf ihrer? Bahn hir winfet, und mach:-dem dm-eifrig ringst — de.r Zielpunkt: - selber muß eS : seiy , zu: dem - dich . 5) Nach Bachjan'e. Herzmfpflichtrn. .;.! >) Hiob, 32, 8. a) Dan. 2. 21. a) Ztt. 48. 17. diese hinführt; nur seine Erlangung sei deine Belohnung. Die Stillung jener Sehnsucht nur die deine strebende Seele hinzieht nach dem Heiligthum der höhern Weisheit, ste allein nur. darf Beweggrund dir und Antrieb sein in deiner Bestrebung und Befassung mit der GotteSwiffenschaft. Und wenn auch irgend ein zeitlich Gut, irgend ein weltlicher Vortheil aus ihrer Erlangung dir erwächst , — du entadelst sie, so du diesen als Preis deiner Beflissenheit: mit ihr inS Auge fassest. Es steht geschrieben: 4) 5)u sollst lieben den Allerhahenen, deinen Gott, seiner Stimme gehorchen und mit ihm dich verbinden." Unsere alten Talmudweisen fragen nun, wie-das zu verstehen sei , daß der Mensch, der sterbliche, mit seinem Gotte, dem Allerhabenen, sich verbinde? Und sie antworteten: dies sei dahin zu verstehen, daß der Mensch mit seinem Geiste, der nach Gott und dem Göttlichen strebt, unmittelbar zu demselben sich erhebe; daß er bei seiner Beflissenheit in der höher» Weisheit der GotteSwiffenschaft, bei seinem Denken und Forschen, in Ver GotteSlehre, daß er da zwischen sich und seinem Gotte, zu dem er im Durste seines Geistes und in des Herzens liebender Sehnsucht aufstrebt, keinen fremden Gegenstand des Wunsches eindringen lasse; daß. er nämlich von keiner irgendwie selbstischen Absicht etwa den klangvollen Namen eines Gelehrten sich zu erwerben; etwa die? ruhmreiche Bahn einer hohen Lehrthätigfeit sich zu eröffnen — von keiner irgendwie selbstischen Absicht -sich? leiten und bestimmen lasse! Nein! Lernen und Forschen sollst du in der Gotteslehre aus Liebe zu ihr selber und. ausschließlich nur aus Liebe zu ihr, b i.e und weil sie deinem edelsten und innersten Leben und Streben himmlische Nahrung und hohes Genüge gewährt! ׳ Ehren und Würden mögen -hinterher, als .eine vonselbst eintretende Folge erscheinen; von vorneherein in deiner Absicht dürfen sie nichtliegen. — Und wieder sagen unsere Alten: ״So du den göttlichen Willen vollziehest, so muß der?Handlung Zweck die Handlung selber sein; so du in der. Gotteslehre sinnestso muß die Erleuchtung selber deines Geistes., Zweck seines Strebens sein, Niemals aber darfst du darin glänzenden Kronenschmuck suchen; um durch denselben dich hervorznthnn; , niemals ein nutzbringendes Werkzeug darin, nm durch dasselbe irdischen Vortheil zu erringen." Sehr sinnig bemerkt R. Elieser: ES heißt in der heil. Schrift: ״Heil dem Manne, der den Ewigen fürchtend, an den göttlichen Geboten hat sein Wohlgefallen"; — Heil dem Manne, der an den göttlichen Geboten, än ihnen selber, nicht an der göttlichen Vergeltung dieser Gebote, hat sein Wohlgefallen; dem Manne nämlich, der die Gotteögebote vollführet, nicht wegen des Gotteslohnes, sondern weil der- Wille G ot t e S zugleich sein ei gen e r Wille ist/ Ganz so wie es in den Sprüchen der Väter heißt: ,,Seid Gott egennber nicht den Dienern gleich, die ihrem- Herrn m es Lohnes Willen dienen, sondern jenen Dienern gleichet, die oblle Absicht ans Selohnung ihrem Herrn dienen. Ohngeachtet dessen ׳aber mnß hohe'Gottesfurcht stets ans euch rnhenl"' Ohngeachtetnämlich, daß ihr aufgeht in dem Willen Gottes/ baß ihr / ohne Absicht auf Belohnung, daS Güte auS Liebe zu dem Guten selber übet, aus eigenem Antriebe und in der Weise und Würde der Selbstgesetzgebung -77-:; sollt:ihr.dennoch mit der Demnth des Geschöpfes vor seinem;Schöpfer unter dem steten Einflüsse tiefster:Götteö> fiur:cht such:fühlen. Darum:-sagt: die heil.Echriftwie wir eben?.bemerkten!: Heil dem Manne, der den Ewigen ssnrchtettd, Ungleich auch an seinen Geboten — an!den Gebotem «>׳V. B.-!M. 30. -SO. ' -׳