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Ben Chananja · 1866-05-16 · 20 (16.5.1866) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
20 (16.5.1866)
Date
1866-05-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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367 368 Einer. Für ihn hatte nur das einen Werth, waS ״die Versöhnung der Gegensätze" fördern half. Ob es die Belehrung oder die Erbauung war, wodurch er seinen Zweck erreichte, daraus machte er sich nicht viel. Heute zog er gegen die seichte Moral zu Felde , morgen bekämpfte er daö krasse Formelwesen. Dergestalt haben alle seine Predigten ein mehr polemisches Gepräge, und es ist bekannt, daß Mannheimers eigentliche Stärke in seiner kanzelrednerischen Satyre lag. Der phantastereiche Philippson läßt es auch als Prediger uns nicht verkennen, daß wir in ihm den eigentlichen Schöpfer der jüdischen Publizistik zu verehren haben. Ihm ist die jüdische Predigt vornehmlich ״ein Ergebniß der Zeitbildung", und darum treffen wir bei ihm, wie sonst bei Keinem, eine so vielgestaltige Mannigfaltigkeit des Inhalts an, daß wir darüber, ob er sich mehr zur Belehrung oder mehr zur Erbauung hinneigt, ganz im Unklaren bleiben. Bei dem unermüdlichen Jellinek suchen wir vergebenS eine die Richtschnur seines Strebens andeutende Vorrede zu dessen Predigten. Es scheint, als ob er es erwartete, daß diese selbst die beste Auskunft zu geben im Stande seien. Und diese sind auch in der Thal am besten dazu geeignet. Sie weisen uns entschieden darauf hin, daß Jellinek als Hauptziel der Predigt die Belehrung im Auge hat. Allein, könnte ״der Gelehrte unter den Predigern" auch anderS zu Werke gehen? Würde es jedem Andern ebenso leicht gelingen, wie ihm, daß Zuhörer und Leser über die so unerschöpflich quillende Belehrung an die mangelnde Erbauung ganz vergessen, daß sie sich in der gewonnenen Geistesandacht erhaben dünken müssen über jede Herzensaudacht? Du siehst also, mein Theuerer, wie wenig wir a posteriori bei all diesen Erkundigungen für die endgiltige Lösung unserer Frage, wenn wir ihr nur unbefangen gegenübertreten, gewinnen können. Führen wir demnach a priori eine Antwort herbei, und gehen wir unfern eigenen Weg, welcher darauf hinausläuft, daß wir die eine Hauptfrage in mehrere andere auflösen, die in ihr enthalten sind, und daß wir dieselben ״von Fall zu Fall" in Betracht ziehen. Ihre Reihenfolge sei folgende: Waö war der Prediger im älteren Judenthume? Worin besteht die Belehrung und worin die Erbauung durch die Predigt? Für welche von Beiden bringt der jüdische Zuhörer mehr Empfänglichkeit ins GotteShauS mit? Nur indem wir sie theilen, beherrschen wir unsere Frage vollständig. Auch im Reiche der Gedanken gilt der Spruch: divido et impera! und zwar mit mehr Recht und Erfolg als in der Politik. — Adieu! Literarische Griefe. Bon Ad. Neu ba u er. IV. Gs sei auch mir gegönnt, hier des großen Mannes, dessen Vertust wir alle, die mit jüdischer Literatur sich beschäftigen, nicht genug beklagen können, Erwähnung zu thun und unser Bedauern auszudrücken, ein jüngst begonnenes Werk, welches nur Luzzalto mit großem Erfolge bätte vollenden können, nicht zur Reise gebracht zu sehen; die gelehrten Leser werden sogleich erralhen, baß ich vom Divan des Zehuda Ha-Levi Pier spreche» will. Dieser Dichter war seit lange schon Eigenthum des berühmten Eregeren und Grammatikers in Padua; Luzatto war fast der erste, der 1640 mit der Veröffentlichung einer Reihe von profanen Gedichten des kastilianischrn Sängers begonnen, unter dem Namen Bethulath Bath Zehuda. Zst es etwa nüthig, darauf hinzuweisen, wie wünschenSwerth es wäre, daß Jemand die Fortsetzung dieser Arbeit unternähme? Wird es etwa nützen,'wenn ich hier in einigen Phrasen die Schönheit der Dich, tung Zehuda Ha-Levis beschreiben wollte? Biel Gewandtere, als ich, haben dies bereits gethan. Wenn Jemand Lust hat zu wissen, wer der Verfasser des Divans, dessen Herausgabe wir so sehr wünschen, sei, der lese, wie Heine ihn aufgefaßt, was Geiger in seiner poetischen Uebersetznng eines Theils dieses Divans über ihn gesagt und endlich das schöne Kapitel in Grätz'S Geschichte (17. B.), wo unser Dichter mit meisterhaften Zügen gemalt ist. Doch geht es mit den literärischen Auffassungen, wie mit den Phänomenen in der Natur. Die Erde dreht stch für jeden um ihre Achse, die Gestirne gehen ihren regelmäßigen Gang und die See über, schreitet ihre vorgeschriebene Gränze nicht und doch machen die Erscheinungen auf jeden Forscher einen andern Eindruck. Die Erklärungen differiren den Auffassungen gemäß und unwillkürlicher Weife wird jedesmal ein Fortschritt herbeigeführt. Die Literaten besitzen ein und dieselbe Quelle, suchen in einer und derselben Schacht, wiederholen sich in der Beschreibung und doch kommen auch da Verschiedenheiten vor, und immer kommt etwas Neues zum Vorschein. Unsere Forschungen find die See, wohin alle Flüsse münden und doch wird sie nicht voll. Ist auch schon so viel über den Charakter Zehuda ha,Levis gesagt worden, so ist das letzte Wort noch mcht gesprochen und Herr Z. Dcrenbourg (Journ. As. 1665. II. B.) gibt in einem Artikel (24. S.) über die Publikationen der מקיצו נרדמים eine interessante Vergleichung zwischen den zwei zu gleicher Zeit lebenden Poeten Zehuda Ha-Levi und MoseS ben Ei'ra. Dieser, sagt Hr. D-, besitzt alle Vorzüge und alle Mängel der arabischen Dichter seiner Zeit. Begabt mit einer wahrhaften Begeisterung liebt er die Spielereien und Künsteleien der Sprache, die keineswegs leicht find, wenn man bedenkt, wie gering der hebräische Wörterschotz ist; die schwierigsten Reime, die schwersten Tad sch n iS bringt er hervor, ohne viel zu suchen. Der Gegenstand seiner Mühe ist der der Maurendichter, der Wein, die Liebe und die Vergnügungen der Zugend und die hebräische Sprache muß sich diesen profanen manchmal ausgelassenen Dichtungen fügen; später ward er allerdings melancholischer und begeisterte sich für religiöse Dichtung. — Anders Zehuda Ha-Levi; er gehört seinem Volke und seiner Zeit zugleich an; er verwirft nicht die arabische Mnse, aber er hört nicht auf, Zude zu sein; mit seinem heitern Wesen ist ein Grad von Pietäl verbunden, die seine Gedichte nicht die Grenze des Anstandes überschreiten, läßt. Vor allem ist die Bibel die Quelle für die Sprache seiner Poefieen, und wenn er hie und da auch nicht ganz von dem arabischen Zdiome sich lossagen kann, zeigt er stets ein Bestreben, sich den Traditionen der heil. Sprache zu nähern. Er ist zu gleicher Zeit Dichter und Filosof; Israel ist für ihn das Herz der Völker, die heilige Sprache die Perle aller Sprachen, das heilige Land die Mitte der Erde und Jerusalem die Krone Palästinas; in dieser Stadt zu leben muß jeder Jude trachten. Noch weiter verfolgt Herr D. seine interessanten Schilderungen und kommt zur Beschreibung der verschiedenen Manuskripte des Divans und theilt in den Noten Stücke aus dem Knsan uns aus M. b. Esra'S Buch über Rhetorik in arabischer Sprache mit französischer Uebersetznng mit. Ich brauche nicht zu sagen, daß viele Bemerkungen in den Noten Neues enthalten. Außer dem Gehalte der Gedichte de» Divans ist die!er eine ganze Literaturgeschichre des 12. JahrhuudertS. Wenn die Ueberschristen aller Gedichte vorliegen werden, wird eS vielleicht so manchem gelingen, die verkappten arabischen Namen ins Hebräische zu übertragen und dadurch die Personen kennen zu lernen, an welche er seine Poesien sendet. Bis jetzt sind vier Eremplare des Divans handschriftlich dekannt: 1° Orford Poc. N. 74; 2° bei Luzzattv; 3° und 4° in der Bibliothek des Herrn Horace Günzberg in Paris und wenn man Carmoly Glauben schenken darf, ein fünftes in seiner Sammlung. Der Orforder Koder, obschon eine neue Handschrift, scheint doch die älteste Sammlung zu sein, denn es wird dorr keines andern Sammlers erwähnt, so auch nicht in 4, die eine Kopie aus einem Bombayer Koder ist; 2 und 3 nennen schon die Sammlung deö R. Chija Almagrebi (Abschreiber des Orforder Koder um 1600) des Abi Said Jbn Alkaph uud des David b. Maim. Erwähnt muß noch der Koder 808 in Petrrsburg werden, der eine Sammlung relig. Dichtungen und viele Stücke aus dem Divan enthält. — Wem würde es leichter sein, diese werthvollen Poesien herauszugeben, als meinem gelehrten Freunde Senior Sachs, ber schon zwei Codices;m Hause hat und nur einige Stunden

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