Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 20 (16.5.1866)
- Date
- 1866-05-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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365 366 wieder von zwei ordinirten Rabbinen, die wie weiland R. Merk sich nach SardeS begaben, um dort auf eigene Hand ein Schaltjahr anzuordtten, und R. Jochanan hatte sodann über die delikate Frage zu entscheiden, ob auf die Anorduung dieser faktiösen Gelehrten Rücksicht genommen werden müsse oder nicht? (Synhedrin 26, a.). Diese allerdings sehr bedenkliche Lage der Dinge, mochte dasNaßihauS endlich bewogen haben, sich nicht mehr die eitle Mühe zu geben, die flügge gewordene Wissenschaft im engen Gewahrsam unter Schloß und Riegel zu halten, sondern sich vielmehr dieser siegreichen Macht üuterzuordnen. Der Beginn der Monate wurde jetzt nach feststehenden Negeln ausgerechnet und die Zeugenverhöre über das Sichtbarwerden des Neumondes waren nur mehr leere Formaliraten, die man, um den Schein zu retten, beibehalten, die aber in keinem Falle das Resultat der Rechnung beirren durften (Rosch Ha-Schana 20, a.). Ja man that den Babyloniern zu Liebe noch mehr, um sie in Betreff der Festtage nicht in Ungewißheit zu lassen und ihnen jede mögliche Verlegenheit zu ersparen, machte man die zwei Monate Elul und Adar, welche den Festmonaten vorangehen, immer zu hohlen, und man hielt diese Anordnung für wichtig genug, um den babylonischen Erilarchen Mar Ukba durch eine eigene Botschaft von denselben zu verständigen (daselbst 19, b.). Und wieder war es eine Rücksicht für das heiße Klima Babyloniens, welche den Naßi und seinen Anhang wieder bewog, in einzelnen Fällen von der obigen Regel in Bezug auf den Monat Elul abzugehen, wenn es galt, durch die Einschiebung eines Tages die unmittelbare Aufeinanderfolge des Sabbaths und des Versöhnungstages, die den Babyloniern besonders beschwerlich fallen mußte, zu verhindern (daselbst 20, a.). Man that alles Mögliche, um die Babylonier in guter Laune zu erhalten. Ein weiterer Schritt zur Vervollkommnung und zur allgemeinen Verbreitung des Kalenbersystems geschah allenfalls zu Ende des dritten oder im Anfänge des vierten Jahrhunderts durch den Babylonier R. Jsak Napha.*) Von den karäischen Schriftstellern werden nämlich vielfach Aeußerungen des Gaons N. Hai zitirt, welche die Vervollftändigung und Verbreitung des KalendersyftemS dem N. Jsak Papha zuschrciben und zwar soll er zu diesem Schritte bewogen worden sein, um eine Gleichheit in der Feier der Feste bei den verschiedenen Gemeinden herbeizuführen, indem es früher nicht selten vorgekommen sein soll, daß ganz nahe nebeneinander liegende Ortschaften' die Feste nicht an demselben Tag gefeiert, weil die Einen früher, die Andern später zur Wahrnehmung des Neumondes gekommen (s. Pinsker Likute kadmonioth S. 148'u. ff. vergl. Fürst Geschichte des Karäerthums von von 900—1575 S. 12 u. ff.). Die beiden Talmude schweigen freilich über diese Wirksamkeit des N. Jsak Napha, ohne daß es sich jedoch verkennen läßt, daß um diese Zeit etwas durchgreifendes geschehen sein müsse; denn der nicht viel spätere R. Sera ist der erste, der in ganz entschiedenem Tone sagt: ״Wir wissen jetzt mit Bestimmtheit, wann jeder Monat zu beginnen habe, und wenn wir dennoch die Doppelfeiertage nicht fallen lassen, so geschieht dies nur darum, weil wir uns daran gewöhnt ha!- den, den-zweiten Tag ebenso heilig zu halten , als den er׳ sten und beide Tage gleichsam als einen einzigen Festtag zu betrachten." (Beza 6, b.) (S ch l u fi folgt.) *) Das Grab R. Jsak Naphas wurde noch zur Zeit des Tonristen Benjamiu von Tudela in der Nähe der Stadt Babel gezeigt f. Benjamin von Tudela edit. Ariae Montani p; 68. ' """ Riese. Bon Rabbiner Dr. S. H. Sonneschein. Fünfter Brief. *) fBelehrung oder Erbauung? — Kein llusts wiliou. — Kley, Satomon, Mannheimer , Philippson und Jellinek. — Theilung der Frage. — Bon Fall zu Fall.j; WaraSdin, 89. April. ״Was soll in der jüdischen Predigt mehr Berücksichtigung finden: die Belehrung oder die Erbauung?" — Das Hast Du so harmlos Hingeschrieben, mein Bester, als ob diese Frage nur so etwas Nebensächliches wäre, und. als ob sie sich ganz ohne weiters mit derselben Leichtigkeit beantworten ließe, wie z. B. die Frage: Was ist kostspieliger an Gut und Blut, . ein See- oder ein Landkrieg? Wahrlich! ״Etwas zu schwer ist : Dein Begehr!" Die Beantwortung Deiner Frage verlangt einen tiefen, bis; auf die Wurzel unseres Previgerthums dringenden Kennerblick und erheischt.eine Beurtheilungskraft, scharf im Denken und klar im Verständniß. Wenn ich nun dieser Schwierigkeit ungeachtet eine Beantwortung derselben versuche , so mag es für nichts Anderes, als für einen Versuch gelten, dessen Hauptverdienst in meinem guten Willen besteht. Wollen wir vor allem sehen, wie unsere Koriphäen sich zu dieser Frage stellen. Wir werden zu diesem Behufe die ihren veröffentlichten /Predigtsammlungen beigegebenen Vorreden zu Rathe ziehen. — Voraussetzen mußt Du jedoch dabei den folgenden außer aller Frage stehenden Umstand. In der jüdischen Predigt unserer Zeit müssen Beide: die Belehrung wie die Erbauung, als die zwei wichtigsten Elemente derselben, unbedingt vorhanden sein. Ganz außer Acht gelassen darf weder das Eine noch das Andere werr den. Nur daraus, daß das anderweitig so beliebte Juste } railieu hier zur unbrauchbaren, für die Praris untauglichen weil rein abstrakten Regel wird, daraus allein erwächst unsere Frage. Hier gilt es zunächst : Farbe bekennen. Niemand ' kann der Thatsache aus dem Wege gehen, in der Predigt entweder auf das belehrende oder erbauliche Element mehr Gewicht zu legen, entweder Dieses oder Jenes mit besonderer Sorgfalt zu kultiviren. Der gemüthvolle Kley erklärt sich selbst für die ausschließliche Erbauung in der Predigt, indem er seine- Vorträge als ״Früchte der Gottesfurcht" ausgenommen wissen will. Die Frucht fällt nun bekanntlich nicht weit vom Stamm, und der Baum der Erkenntuiß hat mit der Gottesfurcht wol einen gemeinschaftlichen Boden, wächst aber dennoch nicht in der unmittelbaren Nähe derselben, weshalb in den Predigten Kley's von eigentlicher Belehrung kaum eine Spur zu sinden ist. Der helldeukende Salomon weist gleich von Anbeginn darauf hin, daß seine Predigten deutsche Predigten sind. Bei ihm geht also die konfessionelle Belehrung und Erbauung in den Fluthen allgemeiner Aufklärung unter. Der Schwerpunkt seiner Kanzelreden liegt bei allen Strebnngen deutscher'Wissenschaft und Kunst in ihrer kosmopolitischen Bedeutung. Dem treuherzigen Mannheimer, dem daS W o r t für ebenso fruchtbringend galt, wie die That, war ״die Versöhnung der Gegensätze" in allen Dingen und auch im Predigeramte die Hauptsache. Er bekennt es selbst, daß er ״die Profeten zu seinen Meistern erkoren", und so hat er alles Andere seinem Hauptwecke unterzuordnen gewußt, wie selten *) Siehe Nr. 17. — Im vierten Brief ist zu berichtigen: Kol. 319 Zeile 5 «nb 6 v. o. vonstatt' aiu Zeile 21 v. o. ist: ״auch anderwärts einen fruchtbaren u. s. w/' zn leien. ׳ 20«- 7631