Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 19 (9.5.1866)
- Date
- 1866-05-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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357 358 solltn. Oder find wir wirklich schon so weit vorgeschritten. Laß mau beabfichtigt. kommunistische Einrichtung bei uns zu treffen und den An« sang mtt dem jüdischen Gemeinrevermögen zu machen? doch sind diese Momente gewissermaßen als unbedeutend zu betrachten, denn der hoch« weise Landtag will auch c) die Religionsfreiheit der Juden antastr». Die 20 jüdiichen Gemeindeväter sollen auch die speziell jüdischen Angelegenheiten leiten und so den Vorstand der jüdiichen Gemeinde bilden. Das ist wirklich ne«, daß der jüdischen Gemeinde in Friedenszeiten ein Vorstand oktroyirt werbe. Oker meine» die Herren, daß die christlichen Gemeindeväter dazu berufen seien, die Angelegenheiten der christlichen Kirche zu ordnen? Der Kaiser selber fragte erstaunt die Deputation : ״Wie! Auch Ihre KultUSaiigelegenheiten sind alterirt durch den Landtag?" Wen» in Oesterreich noch nicht das Gefühl für.Recht und Gercchtigkeit gestorben ist, so kan» dieses Gesetz des galizischen Landtages nicht zur Geltung kommen, und muß demselben die kaiserliche Sanktion verweigert werden. Eigenihümlich nimmt es sich aus, daß man den Juden vorhält, es sei inkonstitutionell, wenn das Prinzip der Majorität nicht gewahrt wird. Wir könnten auf den ganz analogen Fall Hinweisen, daß die Handelskammern in Böhmen gegen einen Beschluß des Landtages in Angelegenheit deS proponuten neuen Wahlgesetzes protestiren. Oder meinen unsere sehr liberalen Herren Polen, daß eS konstitutionell sei, sich an Händen und Füßen binden zu lassen? — Wahrlich wir haben selber manches gegen unsere GlanbenSbrüder in Galizien ans dem Herzen; aber so edel, so gebildet, wie die Christen in Galizien, sind fie auch, und diesen Schritt mußten sie thun, selbst aus die Gefahr hin, daß er erfolglos bliebe. Erfreulicheres bin ich rüder Lage, aus Mähren zu berichten. Dre Zudengemeinde in Holleschau ui Mähren erbaut eine Syncgoge. Der Gutsbesitzer, welcher zugleich Bürgermeister der israelitischen Gemeindr ist, Herr Gras Wrbna, k. k. Oberstjägermeister, hat nicht nur Materiale zum Baue geschenkt, sonderv er selbst leitete eine Sammlung hier in Wien ein und stellte sich au die Spitze mit 500 fl. Ebenso er« baut jetzt die kleine Gemeinde zu Wallachisch Meseritsch, welche bis vor kurzer Zeit ein יישוב war, eine Snnagoge, und der Gutsbesitzer, Herr Gras Eugen Ktnsky. schenkte zu dem betreffenden Baue das ge. lammte Materiale. Wenn wir also Feinde haben, so fehlt es uns auch nlcht an Freunden. Lorrespo n d rn z. Ausland. K. Frankfurt a. M., 1. Mai. Die Forschungen des tal« mudische» Vereins erfreuen sich de» allgemeinen Beifalls. Es wäre aber sehr ersprießlich, wenn in der Beilage dieser Blätter die zahlreichen Notizen und Abhandlungen, die in anderen Wochen- und Zeitblättern zerstreut und zersplittert sind, zusammengestellt und auch zuweilen auszüglich mitgetheilt würben. Hierdurch würde auch Plagiaten und so häufigen Wiebcrholnngrn vorgebeugr werden. Jede Wissenschaft bat ihre desonbern Archive und Jahrbücher, die talmudische hat dies um so nolhwendiger, weit die produkilven Kräfte in der Reget nicht jo ausreichend mit materiellen Stoffen genährt werde», um alle einschlägigen Schriften und Zeitblätter anichaffen zu können. Es ist zu bedauern, daß Deutschland feinen jüdische» Mäeen aufzuweisen hat, welcher, wie Rothschild und Güuöbiirg in Paris, für die jüdische Literatur einen offenen Beutet hat. Jenem verdanken wir die Munk'sche Ausgabe des arabischen More und dieser legte eine jüdische Bibliothek an, derrn Benützung selbst den Ausländern fretstehi. Auch der Verein zur Berbreltung jüdischer Wissenschaff in Petersburg, an dessen Spitze Herr I. Günsburg fleht, hat über 100 Eremvlare von der vortrefflichen Wochenschrift ״Carmel" übernommen, die nnnmehr graiiS versendet werden (und anch wir erfreuen unö dieser Zusendung, wofür wir dem Verein unfern Dank abstatten). Bei unser« Geldmännern über findet die Literatur und ihre Pfleger keine Stütze und Hilfe, selbst die Parteiblätter der orthodoren Richtung fristen ihr armseliges literärischeS Dasein nur durch die Colportage und durch das in diesen Kreisen so beliebte Klatsch. N. Berlin, 4. Mai. Herr Rabbiner Dr. S. Nascher, Sohn de» OberrabbinerS zu Baja, ha» auf Ausforderuug bis jetzt drei gotteSdienstliche Vorträge m rer Synagoge rer frommen HumanitätSgemeinde (שוחרי טוב) gehalten. Gediegener Inhalt, markige, literärische und schwungvolle Sprache, Tiefe und Innigkeit des Gefühls und der Ueber« zeugung, scharf pointirte, in Gegensätze sich auseinanderlegende Gedanlen, gestützt von jüdischer Gelehrsamkeit und getragen von einer mit voll- und wohlklingendem Organe gehaltenen begeisterten Vortragsweife find es, die die Predigten sammt und sonders auszeichneten. Der Beifast steigerte sich mit jedem Vortrage bis zu dem Maße, daS Dr. Nascher hier als einer der eminentesten jüdischen Redner der Gegenwart allseitige Anerkennung fand. Unter der Menschenmenge, die zu den Predigten wogte, waren die größten Notabilitäten, sowie die Vorsteher und und Repräsentanten der Gesammtgemeinde zu sehen. Der Erfolg war, daß auf Verwrnbung und Unterstützung hiesiger hervorra« gender Persönlichkeiten Herr Dr. N. einstweilen der HumanitätSgemeinde erhalten bleibt, von wo aus sein Uebergang zur großen Gemeinde, in der die von demselben in seinen Vortragen klar und eiuschiele» dargelegte vermittelnde religiöse Richtung Vertreter findet, mit Bestimmthelr erwartet ' wird. Inland. /VWierr, 2. Mai. Die Jiideiicrzeffe in Böhmen habe», nachträglich etüem hiesigen Juden, dein Herrn Alexander Scharf, Rcdak« tenr der ״Sonntägszeitnng", eine» Preßprozeß und eine Verurthell»»- zugezogen, gegen welche er jedoch die Berufung angemeldet hat. Die Verhandlungen batten, in soserne allgemeines Interesse, als die Slats« anwaltschaft, — indem fie die, von der offiziösen ,,Konstitutionellen Oesterr. Zeitung" auf kirchliche Unduldsamkeit zurückgcführten Hetze» aus sozialen Motive» herieiteu wollte, — feinen Anstand «ahm, die Theorie ausitistell.». daß die Juden früher darauf angewiesen waren , vom Haudelsgemuiue zu leben, dieser aber znnieist Verlust aus der andern Seite herveiführen mußte.. Der Vertheidiger. Dr. Schibrowitz. wies diese seltsame Volkswirthschaftlicke Theorie mit gebührendem Nachdrucke zurück. ES bleibt aber merkwürdig genug, baß diese Theorie rmrw 1866 ausgestellt wurde. Man hört und sieht ober hier mancherlei, bei dessen Betrachtung man aus den Gedanken kömmt, daß mehr denn eine Wissenschaft hier deshalb vernachlässigt wird, weit die Verbreitung der Wissenschaft und Kultur iu, Osten die.Kräfte gar zu sehr in Anspruch nimmt! Als einen erfreulr« che» Fortschritt des Orientalismus an unserer Hochschule dürfen obre auch Sie es verzeichnen, daß Dr. Friedrich »Müller zum Profcssoc ernannt wurde. Denn wenn Dr. Müller auch nicht unser GlaubenSge« noffe ist, so gehört doch das von ihm vertretene Fach 1,1 das Gebiet der philologischen Studien, die auch die jüdische Theologie intereffiren. (Wir glatuliren dem Herrn Prof. Müller vom Herze» zu seiner Er- Nennung. Red.) Lr. Pest, 5. Mai. Wie wir vernehmen, sokl in nächster Zei, ein Erlaß der hohen Statthaltrrei herablangen, des Inhaltes, daß von, kommenden Schuljahre ab an unserer hiesigen »Mnsterhaupischule olle Lehrgegenstände ausschließlich in der ungarischen Sprache vorzutrage» find; der für dies» Sprache als Fachgegenstand systcmisirte Posten, eines ungarischen Sprachlehrers demnach zu entfallen habe. Sollte diese Nachricht begründet sein, woran zu zweifeln wir keinen Grund haben, so wird diese Anstalt mit nächstem Jahre endlich in jenes Stadium übertreten, wo wir sie als ein auS Landesmitteln erhaltenes Institut schon gerne vor Jahren gesehen hätten. Die Musterhauptschule wird nämlich lediglich aus dem ungarisch-jüdischen Schulfond unterhalten, es ist daher nicht mehr als recht und billig, daß daselbst der Vortrag auch in der Landessprache geschehe. Nur den Germanisirungsiendenzen eines Bach- Thun'scheu Millisterillms. unterstützt durch das über alle Rücksichten sich hinwegsetzende und zur Genüge bekannte Wirken des kürzlich verstor« benen BischoseS Haas konnte es gelingen, eine solche Anomalie möglich zu machen, daß in der Hauptstadt und tut Herzen des Landes n ich r in einer Schule der ungarische Vortrag.geduldet wurde, viel weniger daher tu einem au» Slatsmitteln subventionirten LehrinstUutc. Mit dem Umschwung der Verhältnisse konnte aber auch hier die nationale Michtung eingeschlagen werben, obwol man aus »Rücksicht für die seiner Zeit aus fremden Landen herbeigerllfeneli Lehrer den Termin so viel als möglich hinausschob. Heute jedoch, wo in allen Schulen bloS ungarisch gelehrt wird, ist es im Interesse der Schüler geboten, für die »Möglich« feit der weiteren Ausbildung derselben zu sorge», und werden wir nach JnSlebentreten des fraglichen Erlasses hoffentlich nicht mehr den beschämenden Vorwurf vernehmen müssen, daß in de» Real- und Gymnasialichulen nämlich unter asten Schüler» eben die aus jener »Muster anstatt übertrete«»« Eleven des ungarischen Idioms am allerwenigsten mächtig seien! A. Aus Siebenbürgen,3. Mai. Am 10 d. M. tritt in Klausenburg eine Kommission zusammen, um i» Gegenwart eines landessürstlichen Kommissärs über die »Regelung der hierländischen isrüelitischen Kultus- und Schulangelegenheiten zu berathen. Die Kvmmlsfiou besteht aus den Herren Aronsohn Löbl, Grün Israel, Hirsch Leopold. Kohn Aleranber, Mandel Josef, Richtzeit Sigmund. Herr Nronsohn, der gebildete, verdienstvolle, für den Fortschritt begeisterte Vorsteher der Kronstädler Gemeinde hat ein organisches Statut ausgeorbeilet, wel.- cheS / wie ich höre, den Berathungcn zu Grunde gelegt werden soll. Mögen dieselben von dem günstigsten Erfolge gekrönt sein! S ch « l « e s e n. H. Körmen-, Ans. Mai. Bei Gelegenheit der letzten Se.׳ mestralprüfung, welche von den an der hiesigen Schule wirkenden tüchtigen Lehrkräften ein sehr erfreuliches Zeugniß gab, verabschiedete sich der wackere Lehrer Herr Ed. Löwy. Rabbiner Ehrlich hielt an ihn eine paffende Ansprache und überreichte ihm in seinem und der Gemeinde Namen ein ^2N-Diplom. Auch die Jugend machte ihrem scheidende» Lehrer ein Ehrengeschenk. 8. Losonez, 3. Mai. Die unpünktliche Einzahlung der Schul, gelber bedroht fortwährend die Eristenz unserer Schule, um deren Gründung sich Herr Alb. Schmiedl bleibende Verdienste erworben hat, und für deren Erhaltung der Schulvorstand mit aller Energie thälig ist. Möge uns Gott auch in dieser Beziehung einer schönern Zukunft rutgegenführe»!