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Ben Chananja · 1866-05-09 · 19 (9.5.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
19 (9.5.1866)
Date
1866-05-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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355 daß sie gewöhnlich nach kurzer Zeit die Lust zur Sache wegen Uebrr, bürdung verliert. Wie natürlich gibt es auch Persönlichkeiten, die Jagd auf derartige Ehrenämter machen, denn ״ein griechischer Orden ist auch ein Orden"; aber, wie es sich von selbst verstebt, find diese am wenig« ften geeignet, ähnliche Ehrenämter zu bekleiden. Ich muß übrigens er« wähnen, daß der Vorstand in jüngster Zeit bei der Besetzung eines Ehrenamtes in höchst liberaler Weise vorgegangen ist Bekanntlich wurde in mehreren ciSleithanischen Landtagen wäh<- rcnd der letzten Sesfion über die Armenpflege verhandelt. Bis jetzt bildet der katholische Pfarrer die Hauptversönlichkeit in den Armen» sektione». Wie natürlich haben die Bischöfe und ihr Anhang für den Fortbestand dieses Gesetzes gekämpft, indem sie auf die christliche Liebe 1c. hinwieseu. Die liberale Partei j-doch meinte, daß die Wvhlihätigkcit schon vor der Entstehung des Christenthnms vorhanden war, und daher nicht eine Schöpfung des ChristenihumeS sei. Die Wohllhätigkeit soll überdies nicht konfessionell sein und einer größeren Konfession zu Gute kommen, da zur Armenpflege auch verschiedene Konfessionen beitragen re. Der Vorstand der kiesigen israelitischen Kultusgemeinde hat in dieser Bezichnng jüngst die Grundsätze der liberale» Partei adoptiri. Der vcr« florbene Herr Prediger Mannheimer fnngtrrc auch als Vorstandsmil« glied des ArmenilistitutcS der israelitischen Gemeinde. Die vakant ge, wordene Stelle wurde jüngst besetzt. und zwar, wie wir gerne hinzu, fügen, durch eine, wie wir glaube», tüchtige Persönlichkeit, cS wurde nämlich Herr Eduard Mannheimer, Sohn des verstorbenen Predigers, für diesen Posten designirt. Herr Prediger Dr. Jellinek wurde jedoch bei dieser Gelegenheit übergangen. Es ist auch möglich, daß wir drn Vorstand wegen seines Libe, raliSttittS, die Armenpflege fern von der ״Hierarchie" zu halten, uns verdienter Weise loben, denn abgesehen von dem Gefühle der Pietät, welches bei der neuen Wahl milwirkte, mag auch vielleicht Herr Dr. Jellinek selbst dieses Ehrenamt abgclehnt haben, da er anderweitig zu sehr beschäftigt ist. ״Wer herrschen will, muß sich beschränken lernen", «,einte der alte Goethe, und Jedermann machte wol diese Erfahrung an sich selbst. — Zunächst möchten wir ihm da גמור in Beziehung auf daö Bet-Hamidrasch zurufen. Soll lch ehrlich cingestehen, so fehlt demselben »och der Boden. Zn der hiesigen Gemeinde — und wahrlich es gereicht lhr dieses nicht zum Ruhme — hat man vorläufig noch sehr wenig Silin für jüdlsche Wissenschaft. Diese wird von den Herren als eine Art Privaischrulle betrachtet. Der Schulchan Aruch hat von Zeit z» Zeit eine» gewissen Kurs, aber wozu die unpraktische jüeische Wissenschast! Durch die Gründung des Bet-Hamidrasch siuv tie ד׳ אמות של הלכה gewonnen worden; doch es gilt jetzt, den Boden zu behaupien und ihn nutz- und srnchtbringend zu machen. Es ist gewiß von Vortheil, daß man jetzt in Wie» einen Ort hat, wo ein ר!!!□•;» finden ist. Es ist etwas Verdienstliches, daß durch die populären Vorlesungen im Bet-Hamidrasch manche Leute den מושב לצי □ «n den Kaffeehäusern verlassen re. Wir legen jedoch den größten Werth aus den Unterricht und wir müssen daher wünschen, daß baS Bet-Hamidrasch de» Charakter einer Schule annchme. ES mag jedem sreistehen. als außerordentlicher Hörer die Vorlesungen zu besuchen; aber man muß auch tvisseu. wer die ordentlichen Hörer sind, indem dieselben einer AnsnahniSprüfung unterzogen werden 1c. Diesen Hörru könnte auch am Ende des Schuljahres ans Verlangen ein Zeugniß ausgestellt werden. ES kommt nicht darauf an, wie viele Schüler das Bethamidrasch anfänglich zählen wird. Wir erinnern uns, vor einigen Jahren einer derartigen Prüfling in der scuola paleognifia in Venelig beigewohnt zu haben. Es waren im Ganze» drei Hörer — und wie wir vernahmen, ist die Zahl der Hörer nie grcß; — aber die ganze Clvme der venetianische» Gesellschaft war bei der Prüfung anwesend. — Werden sich die Wlener Juden von den peaklitchen Erfolgen des Bet-Hamidrasch überzeugen, so zweifeln wir nicht daran, daß sie demselben ein giößeres Interesse elitgegenbringen werben. Möge» dar»», die Herren Bvisteher dieses JnstliuicS in energischer Weise dieses Z el anstrebe» und es wird, wir sind davon überzeugt, gedelheu und blühen. Ich möchte mir bei dieser Gelegenheit auch rin Woit an die Herren Rab-nnalSsandidaleu erlauben; aber manche derselben tragen dielen Titel in Ermanglung eines andern, manche wieder möchten gerne leh- 356 ren, obschon sie elber noch so manches zu lernen batten. —Doch ich komme ein anderes Mal auf diesen Gegenstand zurück. Ich erlaube mir bei dieser Gelegenheit auf eine Lücke in unserem Vercinswesen hinzuweisen. Wir besitzen eine Kinderbewahranstalt für das zarteste Alter. Der Thercsienkreuzerverein sorgt für den Unterricht der Knaben und Mädchen in der Volks- und Realschule und beschenkt seine Schützlinge am Chaiiukafetie mit Kleidungsstücke». Der Verein zur Unterstützung mittellosec israelitischer Studierender sorgk für die Hörer der höhern Lehranstalten, Universität nnd Technik. Für Gymnasial schul er btslchcn bloS einige wenige Stipendien. — Erst in letzter Zeit hat sich der genannte Frauenverein entschlösse״, wenn e« ihm die Mittel gestatten, auch manchmal Gymnastalschül.r zu unterstützen. Wenn wir es nnn zunächst angezeigt fänden, daß der Kreuzerverein i» gleicher Weise für die Schüler dcS Gymnasiums wie für die der Realschule sorge, da wir doch nicht einseheii, warum letztere der ersteren vorgezogen werden werden solle»; so müßte, falls die Mittel desselben nicht hinreichen, eben für die Gymnastalschüler ein besonderer Dereui gegründet werden. Freilich geben wir gerne zu, daß der jetzige Moment nicht geeignet zur Gründung neuer Vereine ist, da die ״bestehenben durch die schlechten Zeiten" starke Einbuße erleid-n, aber sobald die שעת הכושר dafür eimriit. wird es nothwendig sein, diese Lücke auszufüllen. — Doch da berührte ich »ine sehr wunde Stelle. Das sonst lebenölustige heitere Wien ist in Folge der drohenden KriegSgcfahr sehr bestürzt והעיר ששון נבוכה. Es befindet sich jetzt hier eine Depttiation der Juden in Galizien, welche die Aufgabe hat, die aus dem Landtage zu Lemberg gefaßten Bcichlüsse bezüglich des GemeindestatuteS in der genannten Stadt unschädlich zu machen. Wir gestehen aufrichtig, hätten wir nicht die Beschlöffe deS Landtages schwarz auf weiß vor nnö, wir würden eS nicht glauben, daß die ״freiheitsliebenden" Polen derartige Beschlüsse zu fassen im Stande seien. Wahrlich, wir ziehen die russische Knute dieser Freiheit vor. die darin besteht, nichts mehr zu dulden, was sich nicht fügt. Nun ein solches Volk ist der Freiheit nicht merih, welches nicht jeden Menschen der Freiheit wer,!, hält. — Dieses Gemeindestatut schädig! die Juden: a) moralisch, indem es festletzt, daß »nter den hundert Ge. meindevätern Lembergs n,ir zwanzig Juden sein dürfen. Abgesehen, daß dadurch das allgemeine Wahlrecht beeinträchtigt und die Autonomie der Gemeinde — woraus die Herren sonst Werth legen — verkürzt wird, so entspricht diese Zahl nicht einmal den BevölkerungSverhälttliffen. da die Juden den dritten Theil der Bevölkerung Lembergs bilden. Wie sehr der NeligionS- und Nalionalilätenhaß die Leute blind mache, geht aus der Bestimmung hervor, das, kein Jude Bürgermeister oder Vizebürgernieister von Lemberg werden darf. Wie? ivenn heute oder w einem Jahrzchent oder Jahrhundert ein jüdisches bürge r meisterliches Genie vorhanden ist, muß die Kommune darauf verzichien und sich mir einem mittelmäßigen christlichen Bürgermeister begnügen? Heißt man das die Interessen der Geineliide wahre»? b) materiell, indem das Vermöge» der Stadt Lemberg als ausschließliches Eigenihnm der Christen daselbst erklärt wird, während die Juden bisher durch Steuer» 1c. zur Erwerbung des Vermögens beigetragen und noch fortgesetzt heitragen, w>sl man lhnen das Recht au dem Besitze streitig machen. Einen eigcnillümllchen Eindruck macht e aus mich eine Korreipondenz in dieser Angelegenheit in dem hier erscheinenden Jonrnaie ״Die Debatte." Der Verfasser derselben, ein vorgcblicher Jndklifrcund. machl es den Lemberger Israeliten zum Vorwürfe, baß sie Nicht auf den Antrag eingehen wollieu, der Lemberger Kominiine das Vrrntögen der jüdischen Gemeinde zur Veifügulig zu stellen. Wie kannten die Inden auch anders Handel»! Besteht doch bas Vermögen der jüdische» Gemeinde ausschließlich ans dem Gelde, Welches Juden herbeigeichaffl haben. Ost zwar war schon davon die Rede, die Güter der ״tobten Hand" änzugrcifn!, doch bis jetzt haben sich selbst vorgeschrittene Liberale dagegen ciuSgeiprochen und cS müßten fu härtesten Kalamitäten für einen Srat eiutrrtcu, oder daß er es übernehmen werbe, die Auslagen für die Kirche zu bestreite». Wenn er sich veranlaßt sehen sollte, zu diesen, Mittel zu greife». Mu weichem Recht kann man bann verlangen, daß die Inden ihr Vermögen ausliefer»

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