Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 19 (9.5.1866)
- Date
- 1866-05-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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353 054 ״Frohsinn" aus Laupheim dem Jubilar einen Festesgruß zugesandt. Mögen diese nachgebornen Grüße auS Schwaben dem Jubilar ein Beweis der Verehrung sein derer, die draußen ״im Reich" Antheil nehmen an de» Kunstschöpfungen des Tondichters und die seine Kompositionen mit Begeisterung singen, in der wechselvollen Stimmung der Andacht: ״himmelhochjauchzend zum Tode betrübt", schwebend zwischen Furcht und Hoffen, zwischen Selbstanklage und Versöhnung, ausgehend in Lob und Dank für den Hüter Israels. Möge er als Sängergabe dem Laupheimer ״Frohsinn" einmal eine Gesangesspende für Männerchor senden, denn wie im Liede lebt auch in der Brust der Sänger und der Hörer daS Andenken und die Verehrung für S u l z e r d e m S ä nger Zions! __ Zustande der jüdischen Gemeinde in Amsterdam. Bon Jos. K a kni, Oberrabbiner zu Trier. (Schluß.') Der hier beilregenLe ״Entwurf der Statuten", der im Jahre 1863 vou Herrn Dr. Dünner ausgestellt wurde, und seitdem auch in Ausführung ist, bekundet den Geist des Herrn Rektors und des Semi« uarS auf die herrlichste Weise. Diese Statuten entsprechen ganz Len Grundsätzen, die Herr Dr. Dünner in seiner Denkschrift an das Kura« torium im Jahre 1862, als er noch m Bonn war, äußerte. In dieser, die mir zur Einsicht vorlag . stellt er als sein Programm auf. daß die zu lösende Aufgabe eines jüdisch-theologischen Seminars in der Erzielung einer gediegene!» klassischen Bildung neben einem gründlichen alt!seirig en talmud, schen Wisse n, be- Arhk — Eine große Bedeutunglegt er der Kanzel bei/ da durch die« selbe, wenn die Rabbiner vorzügliche Redner sind, der vom Zeilgeiste zurückgedrängtev Sinn der Gemeinden wieder geweckt und hergestellt werden muß. ״Wollte man", so ׳ äußert sich Herr Dr. D. wörtlich ״sich auf eine traurige Thatsache stützend, daß trotz, ja gerade seit der Herrschaft der Kanzel, das religiöse Leben-immer mehr verkümmert und bald in deu letzten Zügen liegt, diesen Einfluß in Abrede stellen, so würde man den Ungeheuern Fehler begehen, die Folge mit der Ursache zu verwechseln. Der Grund je ne!Erscheinung liegt gerade in der frühern mangelhaften Ausbildung der BolkSlehrer, Trefflich schildert Herr Dr. D. die beiden talmudischen Lehrmethoden, die deutsche und polnische, und gibt er der letzten in ihrer wesentlichen Ausgabe, den Geist und Berkand zu wecken und zu schärfen, den Vorzug. — Es würde mich zu weit führen, all die vorzüglichen Aeußerungen in dieser Denkschrift wiederzugeben. Es wäre für den ״B. CH." eine sehr gute Acquifition, wenn Herr Dr. D. selbst diese und ähnliche aus seinen andern Berichten über das Seminar mittheilen. sowie überhaupt aus seinem reichen Schatze von Wissen demselben spenden würde.**) Ich hatte während meines Aufenthaltes in Amsterdam daS Verguügeu, mit Herrn Dr. D. häufig umzugehen und habe ich denselben hochschätzen und achten gelernt, wegen seiner bedeutenden und gründlichen Kenntnisse und seines energischen und thatkräftigen Charakters und wegen seineS.Wirkens. Seine religiöse Richtung ist nach seinem ganzen Auftreten zu nrtheilen, die strenge konservative, ohne jedoch der neuern Romantik im geringsten zu huldigen. Er hatte mit der Hyperor« thodorie und der Neologie schwere Kämpfe zu bestehen, die er aber glücklich überwunden hat. — Die Seminaristen werden von ihm nicht zelorisch überwacht, sie können sich vielmehr selbstständig bewegen, und so *) S. die vorige Nummer. **) Wir erlauben uns. den-verehrten Herrn Dr. Dünner um die fragliche Denkschrift, sowie überhaupt um seine Mitwirkung ergebenst zu bitten. Red. j werden denn auch die jüdischen Z.ilschristen aller Richtungen — auch der ״B. CH." —- im Vereine angeschafft. Ich wohnte mehrmals dem talmudischen Unterrichte des Dr. D. der in holländischer Sprache — Herr Dr. D. ist dieser schon ganz mächtig — und ohne de» üblichen Niggun ertheiit wird — bei. und fand ich denselben sehr vorzüglich. Mit Recht verspricht man sich in Holland einen großen Segen von der Wirksamkeit des Herrn Dr. D. Außer Herrn Dr. D. unterrichtet noch im Talmud der Rabbina,Saffeffor Herr Convent und Delaville. welcher letzterer auch in Bibel und Hebräischer Sprache den Unterricht ertheilt. Letzterer ist rin äußerst fähiger und gelehrter Mann und sind seine vielen hebräischen Gedichte, von denen mehrere schon im Drucke erschienen sind, ansgezeichnet und i» klassischem Hebräisch abgefaßt. *) Auch dessen Unterricht in JesajaS wohnte ich einmal hei und ergötzte ich mich au dessen Gründlichkeit u»d herrlicher Vortragsweise. Die Anzahl der Seminaristen beträgt gegenwärtig 4t . wovon 10 in der Rabbinerabtheilung, die übrigen in der Lehrerabtheilung und den vorbereitenden Klaffen sich befinden. Die AbgangSprüsungen werden von einer vom Ministerium jährlich einberufenen Kommission abgehalten. Mitglieder derselben find ab, wechselnd die Oberrabbinen, Luien (Mediziner und Advokaten), dec Rektor und ein Seminarlehrer. Schließlich bemerke ich noch, daß der eine Artikel der Statuten, nach welchem der Rektor und die Zöglinge freie Beköstigung im Seminar erhallen sollen, i.ur ein frommer Wunsch geblieben ist. Der Rektor hat nur freie Wohnung in demselben und die Zöglinge müssen entweder aus eigenen Mitteln sich beköstigen oder zn den traurigeu Wandeltischen ihre Zuflucht nehmen. Berichtigungen. Zu deu bisher in dem ״B. CH." schon veröffentlichten Theilen meines Berichtes find einzelne Fehler zu verbessern, von denen ich einige nun hier angebe: Von der Hauptkommiffion für Holland befinden sich nur 5 in Amsterdam,-dag,gen 9 im Hag und 2 in Rotterdam. Der RabbinatSaffeffor Herr Hirsch in Amsterdam hat wol frnher, aber nicht während meiner Anwesenheit holländisch gepredigt. Auch wird mir mitgetheilt, daß die Kirche in Holland noch nicht ganz vom State getrennt ist. — Das jüdisch.holländische Blatt, welches gegen meinen ersten Bericht einigermaßen tadelnd sich äußert, wtrd sich aus dem Folgendem überzeugt haben, daß ich die dortigen Zustände wohl kenne, wenn auch einige nnbedeutende Jrrthümer in dem Berichte Vorkommen. Wiener Griefe. v. Wien, Ende April. Eine Glanzseite im hiesigen jüdischen Gemeindeleben bildet das Verein Sw es, n. Die Summen, die auf den Altar der Wohlthätigkeit uiedergelegt werden, find sehr beträchtlich, und wenn man bedenkt. daß außerdem die Privatwohlthätigkeit in vollem Maße in Anspruch genommeu wird, so wird man noch heute auf die Wiener Gemeinde den Spruch auwenden können: מלא מצות כרמון• So bereit jedoch die Herren find, das Geld herzugeben, so spröde und zurückhaltend find die meisten derselben, wenn eS sich darum handelt, persönlich thätig zu fein. ES zeigt sich dieses insbesondere, wenn es gilt, den vakant gewordenen Posten eines Vorstehers bei einem Vereine zu besetzen, dann ,st man gewöhnlich in Verlegenheit,' wen zn wählen. Taucht dann eine Persönlichkeit auf, welche Willen und Verständniß zu einem derartigen Amte hat, flugs wird sie mit Ehrenämtern und Stellen überhäuft, so *) Ueberhaupt gibt und gab es mehrere Männer in Amsterdam, di« vorzügliche hebräische Gedichte verfaßten. Durch die Güte der sehr verehrten und gebildeten Frau Tall besitze ich viele solche ausgezeichnete größere und kleinere Gedichte ihres seligen Mannes, des Notars Tall, sowie auch einige des obrneiwähnten Herr» Delaville und bin ich gerne bereit, auf Verlangen des ״B. Ch." solche zur Veröffentlichung zu übergeben. — Auch gibt es dort noch mehrere Private, die bedeutende hebräische Bibliotheken besitzen und hiefür große Summen verausgaben. Man findet da Prachirremplare der vielen Werke, die in den berühmten Amsterdamer Druckereien früher erschienen find.