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Ben Chananja · 1866-05-09 · 19 (9.5.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
19 (9.5.1866)
Date
1866-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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349 350 am gastlichen Herde deö Freundes , der von seiner Gattin an Aufopferung für Freunde noch übertroffen wurde. Schmal- Haus war meisteuS Säckelmeister im Hause, aber dennoch fanden Freunde gastliches Obdach — עליח קיר קטנה , מטח שלחן ,כסא ומטרה — dort. Sein Predigergenie war groß angelegt. Auf einem christlichen Dorfe Bensidel bei Langen bürg, wo Fürst Hohenlohe, Schwager der Königin Viktoria von England, restdirte, war eine jüdische Hochzeit, und Frankfurter hatte die Einsegnung der Ehe zu besorgen. Der Fürst ließ sich anmelden, daß er mit den Prinzessinnen der Trauung anwohnen wolle. Schreiber dieses, der gerade bei seinem geliebten Lehrer auf einer Ferienreise war, ertemporirte schnell durch einige Arrangements aus dem Tanzsaale des Gasthauses einen Betsaal und kaum mit diesen Anordnungen fertig, fahren die fürstlichen Karossen vor. Dr.- Frankfurter sprach so hinreißend über Ehe, Familie und häusliches Glück, in so formvollendeter und sinniger Weise, daß am Schlüße deS feierlichen Aktes der Fürst znm Rabbiner sagte, jetzt erst könne er sich seinen christlichen Neligionöstifter als Volksredner und Welterlöser denken, da er die Worte dieses Rabbis gehört. Es war das keine unverdiente Eloge deö Fürsten an den Rabbi, denn allenthalben strömte das Volk herbei, wo er lehrte und predigte. Lehren war sein liebstes Geschäft, darum hatte er auch stets Schüler um sich. Schreiber dieses brachte ein Jahr in seinem Hause als Zögling zu; als Schüler hat er es betreten und als׳ Freund es verlassen, und dieser Frenndschaftsbund überdauert' Raum und Zeit, selbst der Tod kann ihn nicht trennen.' Von Sokrates erzählte man, er habe den jungen Aeschines' gefragt: ,-Warum besuchst du meinen Unterricht nicht?"׳ und dieser erwiderte: ״״Weil ich nichts habe, das ich dir׳ geben kann"", und Sokrates antwortete darauf: ״Du schätzest dich selbst gering! Gibst du mir nicht sehr viel, wenn du dich selbst mir gibst?" Nafthali Frankfurter gab noch mehr; er gab sich selbst, sein edles Wesen, seinen Schülern hin. Sein Umgang war ein lebendiger Unterricht; im Berkehr mit diesem Manne habe ich mehr, als auf dem Gymnastum und auf der Hochschule, gelernt. Sein Wesen war die verkörperte.Menschliebe; Freundlichkeit und Humor, der Niemanden verletzt, waren die steten Genossen seiner Unter-׳ Haltung. Braunsbach, ein paritätischer Ort, ist von Katho-' liken, Evangelischen und Juden bewohnt. So lange Frankfurter dort im Amte war, galt diese Gemeinde als die zur Wahrheit gewordene Parabel ״der drei Ringe von Lessing." Der greise Rabbiner Gabriel Adler, unter dessen Leitung Frankfurter die rabbinische Würde sich erwarb, liebte den jungen Prediger, obschon ihre religiösen Anschauungen heterogen-waren. Sein Amt führte ihn fast wöchentlich vor׳ die Gerichteum EideSbelehrnngen zu ertheilen; zur Eidesabnahme kam es nie, denn er wußte jede Sache auszugleichen. — Ein armes Weib kam einmal zu ihm, er sollte entscheide», ob eine fette geschlachtete Gans.koscher sei, die einen von einem Bruch vernarbten Flügel hatte. Die Gans war trefa, und als er das verhängnißvolle Verdikt verkündete, da weinte das arme Weib. Frankfurter fragten waö die Gans koste, zahlte den Preis mit einem Kronenthaltr und die Gans schenkte er der Schabbes-Magd. — Solche Züge aus seinem Leben könnte ich Dutzende erzählen. ~ Bei seinem Wissensreichthum war er die Bescheidenheit selbst, und dennoch verbreitete sich sein Ruf und sein Ruhm rasch in den Gauen des Vaterlandes. Als Dr. Kley in Hamburg emeritirt wurde, berief ihn die Wahlkommission zur Probepredigt, er konknrrirte mit Dr. Stein um die Stelle. Er kam zurück und war voll Lobes über Dr. Stein, und in seiner Bescheidenheit stellte er ihn über sich; die Tempelgemeinde gab ihm den Vorzug und im Jahre 1840 trat er sein Amt als zweiter Prediger am Tempel neben Dr. Salomon an. Was er in Hamburg geleistet, das mögen seine dortigen Freunde kund geben; in Schwaben ist er heute noch nach 26 Jahren als der edelste Typus eines Geistlichen und Volkslehrers bekannt. Ein feiner Psychologein gewandter 'Redner, ein liebenswürdiger Charakter, voll von Humor, einfach von Sitten und in seinem Gebührenaufopferungsfähig bis zur Selbstentäußerung, wäre er in den Kreisen des Volkes, in den Hütten der Armen, wirkend für die rettende Menschenliebe, lehrend unter den Einfältigen des Volkes, predigend einfachen gemächlichen Herzen, noch berühmter geworden, als auf der Kanzel des neuen Tempels der großen Hansestadt, in deren Familien er überall so gern gesehen war und auf deren Parquetböden sein edles Herz und sein treues Gemüth festen Fuß faßte und nie ausglitt. Der gute Mann in Schwaben wäre berühmt, aber arm gestorben; doch reiche Liebe folgt ihm nach! 4us km Md) ]Mtjmiui jur SuCjcrfcicr. Ao« Aler <1 ndcr El s ä ß er. La u v he i m in Schwaben, Lenz .1866. Wir Süddeutschen hängen an unseren südöstlichen Nachbaren treu und innig, und wie in der Politik die Schwaben, als Träger der Neichssturmfahne, sich nicht ins Schlepptau pfiffiger preußischer nationalvereinlicher Agitation nehmen, lassen; sondern bestrebt sind, in föderalistischer Einigung 'und Einigkeit fest zu halten an dem allen Bundesgenossen und die treugefaßte Rechte des östlichen Grenznachbarn, der Hut hält an den Marken des Reiches, -nicht fahren lassen: so halten wir auch in Sachen des religiösen Kultus zu Euch- und haben mehr Verständniß für das gemüthliche Streben des Südländers, als für die kalte Ratio des Nordens,: die sich im Sande des Jndifferentiömns verflacht. Darum' sindavir: auch dem ״Ben Chananja" Dank schuldig:, daß er uns bekannt gemacht hat mit dem Dienstjubiläum Sulz er 6; daß er uns erzählt hat von dem Leben und Wirken dieses שליה צבור, dieses legatus eeclesiae, der ein Tonangeber ist geworden für die Hebung deö gottesdienstlichen Kultus; des Mannes, der produzirt und reproduzirt, der Reformator und Regenerator in einer Person ist; Vergangenhi-it, Gegenwart und Zukunft in der Harmonie der Töne vereinigt. Klage und Hymne, jauchzendes Halleluja und seufzende Elegie, Klagelied an Babels Bächen und Lobgesang mit schmetternden Trompeten und schallenden Cymbeln ist Sulzerö Gesang und Musik. In seine» Toustücken spiegelt sich Israels 19*

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