Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 19 (9.5.1866)
- Date
- 1866-05-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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347 34S bei den umwohnenden Völker» den Ruf der Gütigen hatten. Auch rücksichtlich der Molochdienenden Kanaaniten ging die eigentliche Absicht nur auf Vertreibung. Nichts deutet auf je geübte Zügellosigkeiten der einziehenden Krieger. Die als Beute mitgenommenen Jungfrauen wurden nach dem Gesetze so rücksichtsvoll, als sonst nirgend behandelt. Die kriegerische Begeisterung im Kampfe mir Gott für eine ge* rechte Sache fand in der hebräischen Poesie, wie auch in den Profetenreden, ihren schönen, muthvollen Ausdruck*). Die Kriegsgesetze Israels besprechend sagt Ewald: ״Das stolze Bewußtsein, vor allen Völkern der Erde ausgezeichnet zu sein, durchdringt zwar dieses Volk Israel: aber wehe einem Volke, welches nicht ein ähnliches stolzes Streben in sich fühlt, und nicht wenigstens eine höhere weltgeschichtliche Lebensaufgabe als die seinige erkennt und festhält; und indem Israel die edelste zugleich und die schwerste dieser Aufgaben festhielt, kam eS mitten in diesem Stolze während der schönen Zeiten seiner ältern Geschichte nie in die Gefahr, dadurch zu übermüthig und gegen andere Völker ungerecht zu werden. Es ist das Eigenthümliche jeder wahren Religion, daß sie den einzelnen Menschen, sowie das ganze Volk, welches sich ihr ergibt, in sich selbst vertieft und vor eitlem Verachten oder Befeinden des Fremden schützt: bas Jahvethum forderte nie,, wie der Islam, das Schwert gegen alles Fremde heraus." Und indem er die strengeren Gesetze historisch zu erklären sucht , fügt er hinzu, man merke hier ganz deutlich, daß hier einzig die Furcht, von dem überall mächtigen Heidenthume erdrückt zu werden, nicht aber, etwa Zerstörungslust oder blinde Feindschaft redet.^ Die geschichtliche Entstehung solcher Gesetze müssen wir nach seiner vollkommen begründeten Anschauung wohl beachten: ״wir verstehen mV« erst, wie sie nur eine zeitliche Bedeutung hatten**)." Die Vertheidigung Betar's gegen die Römer war nicht die letzte jüdische Waffentbat. Auch in der Geschichte der europäischen Juden ist manches Beispiel von Tapferkeit und Todesverachtung verzeichnet. So vertheidigten die Juden die Meeresseite der Stadt Neapel gegen Belisar im Jahre 536 mit solchem Erfolge, daß der Feind nicht wagte, seine Angriffe nach dieser Seite zu richten; und selbst nachdem die Stadt während der Nachtzeit durch List eingenommen worden war, kämpften die Juden mit Löwenmuth fort. Gallische Juden nahmen bei der Belagerung von Arles im Jahre 508 lebhaften Antheil an den Kriegen zwischen Chlodwig und dem Feldherrn Theodorichs. Spanische Juden, die am Fuße der Pyrenäen wohnte», vertheidigten im 6. Jahrhundert die Pässe, welche aus Gallien inö Land führten, gegen die Einfälle der Franken und Burgunder, und׳ sie galten als die treuesten Grenzwächter, deren kriegerischer Muth anerkannt wurde: Der mohamed. Eroberer Tarik erkannte 711 die militärische Wichtigkeit der jüdischen Bevölkerung in Spanien, und richtete darnach seine Maßregeln ein. Unter BoleSlaw II. haben die böhmischen Juden den Christen gegen die Heiden treuey Beistand geleistet, woran die czechischen Blätter ihre *) Saalschütz a. a. O. S. 308. §. 8. ' **) Die Mterthümer des Volkes Israel S. 243. 244. Leser öfters, erinnern sollten, wenn auch die Geschichte eine alte ist, und aus dem Ende des 10. Jahrhunderts stammt. Viel jüngern Datums ist der Antheil, welchen die Juden zum Schluffe des dreißigjährigen Krieges an der Vertheidigung Prags gegen die Schweden nahmen. Im Jahre 1686 zeigten die Ofner Juden, daß sie sich nicht scheuen, von den Waffen Gebrauch zu machen. In neuerer und neuester Zeit haben jüd. Krieger in verschiedenen Armeen Europas, Asiens und Amerikas an der Seite ihrer christlichen Kameraden wacker gekämpft und sich manche wolverdiente Auszeichnung errungen. Und wenn unsere von dem messianischen Weltalter des Friedens noch so weil entfernte Ziel wirklich wieder den Schall der Kriegsposaune vernehmen sollte, wie es den Anschein hat, so werden Mische Krieger wieder ihre Tapferkeit und Treue bewähren und dem Namen ihres Stammes und Glaubens Ehre machen. Eine Thräne aus Ir. ,ftanlifiirters 4)ra6. Nachgewm,! von Aleranbir E l sä s! e r. Äuo Würlemberg. Unser edler Landsmann, Dr. Na fthali Frankfurt e r, erster Prediger am neuen israelitischen Tempel zu Hambürg, ist nicht mehr; früh hat ihn der Tod ereilt, zu früh für seine Familie, seine Gemeinde, seine Freunde und für die Menschheit. Geboren 1810 zu Oberdorf, Sohn des vor, Ligen Rabbiners, brachte ihn sein Vater als Knaben nach Kleinerdliugen, wo er im Rabbinischen Unterricht erhielt; von dort kam er an das Gymnasium nach Ellwangen, wo er sich bald durch Fleiß und Talent auszeichnete. Von Ellwangen siedelte er nach Stuttgart über, wo er das Obergymnasium absolvirte. Im Hause des Hofagenten S. I. v. Kaulla, Sohnes des berühmten k. k. RatheS Jakob v. Kaulla, war er als Nachfolger des seligen M. Büdinger,. des Regierungsrathes Karl v. Weil, Erzieher der Söhne des jüdischen Mäcens. Von dort bezog er die Uuiversiäten Tübingen und Heidelberg. In Leimen bei Heidelberg lernte er seine Gemalin. kennen und lieben, und führte sie am 2-1. Dezember 1834 als Gattin in sein Haus in Lehrensteinöfeld bei Heilbronn, wo er als Rabbinatsverweser angestellt war, ein. Lehrensteinöfeld, nur eine halbe Stunde von WeinSberg entfernt, wo I u st i n u s Kerner lebte, war, so lange Dr. Frankfurter dort wohnte, der Sammelplatz literärischer Notabilitäten. JustinuS Kerner, Hausarzt und Freund׳ Frankfurters, stand bis zu seinem. Tode mit ihm in Verbind düng, und nur zu bald ist Frankfurter dem Dichterfreunde im Tode nachgeeilt. Im Jäner 1835 trat er seine neue Stelle, das BezirksrabbinatBraunSbach, an. Auch hier war sein Haus wieder der Mittelpunkt eines schönen Kreises edler Freunde und bedeutender Männer. Die 13 ׳ Filialen des Rabbinats, weit auseinander gelegen, führten den amtseifrigen Rabbiner und Prediger auf den Turnuöreisen jeden zweiten Sabbath an einen andern Ort, und allenthalben fand er Freunde und Verehrer. Der jetzige Prälat von Mehring, bekannt als filosofischer Schriftsteller, damals in Langenburg im Hohenlohischen, stand mit ihm. in lebhaftem literärischen Wechselverkehr. Berthold Auerbach suchte dort ein Asyl