Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 18 (2.5.1866)
- Date
- 1866-05-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543193--4776-2548805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
337 338 Das Äomiiö ha« f« sich zur Aufgabe gestellt, vor Altem jene Normen im Allgemeinen sestzustellen, nach denen vorgegangen werden soll, und so den später voraussichtlich einlretenven persönlichen Interessen keinen Spielraum zu lassen. Die erste Frage nun, deren grundsätzliche Beantwortung das Subkomitä sich zur Pflicht gemacht hat, war die, darüber zu entscheiden, ob die Besetzung des Predigerpostens auf dem Wege des Konkurses oder dem der Berufung angestrebt werden solle. Nach reiflicher Ueberlegnng und wiederholt eingehender Besprechung ist das Komiiö, wie wir bereits in unserer letzten Korrespondenz berichteten» zu dem Ergebnisse gelangt, die Ausschreibung eines Konkurses durchaus zu widerrathen. Nicht bloS bei anderen Konfessionen unseres Vaterlandes ist ein solcher BesetzungSmodnS unbekannt und würde als ein der Heiligkeit der Amtes widersprechender angesehen werden; sondern auch im Judenthume, selbst i» den Gepflogenheiten unserer eigenen. Re-, ligionsgemeinde finden wir keine Anhaltspunkte für einen solchen Vor, gang. Die Ausschreibung eines Konkurses ist der Würde des hohen Amtes gänzlich zuwider und wenn man auch das Beispiel der Wiener Gemeinde ansührt, so ist dies für uns nicht maßgebend, indem eben die berufensten Stimmen auch dort gegen einen solchen Vorgang laut wur« deu. UebrigenS war jenes exzeptionelle Vorgehen, (und als solches wird jeder in Gemeindeangelegenheiten Erfahrene die Konkurrenz ansehen müssen), eineStheilS durch die ganz anderen Verhältnisse jener Gemeinde zulässig, die. einen deutschen Prediger suchend, sich an die Männer des ganzen großen deutschen Sprachgebietes wandte', während bei uns das Terrain ein viel beschränkteres und die Zahl der zum ungarischen Predigerposten tauglichen Persönlichkeiten überdies selbst eine im Verhältniffe noch viel kleinere ist. Den einen Einwand könnte man trotzdem machen. daß der öffentliche Konkurs uns unbekannte Talente zusühren könnte, die, durch den beredten Mund der Presse aufmerksam gemacht, aus ihrem bescheidenen, Dunkel hervortreten und sich der Komwisston offenbaren würden. Auf jeden Fall das gewichtigste Pro, welches für den Konkurs plaidopren kann; das aber ebenfalls jeden Einfluß verlieren muß. wenn wir erfahren, daß daS Komilö sich ebenfalls der Presse als Vehikel und zwar in viel wirksamerer Weise, denn durch Annoncen, bedienen wird, indem eS nämlich seine angelengste Sorge sein wird, durch häufige No. ,izen und Korrespondenzen in den betreffenden Organen das in Aussicht stehende Amt selbst den fernsten und unbekanntesten Talenten vor Augen zu rücken. Cs verdient hier erwähnt zu werden» daß im Jahre 1661 ohne die förmliche Ausschreibung eines Konkurses auf die bloße Nachricht hi», das; man die Anstellung eines Predigers beabsichtige, sich mehrere namhafte Gelehrte und Nabbinen selbst jenseits der Grenzen unseres Vaterlandes in vertraulicher Weise an den!damaligen Vorstand gewendet haben, um ihre Bereitwilligkeit in dieser Richtung an den Tag zu legen. Nach solchen Erfahrungen glaubt das Komitü bei zweckmäßigen Einleitungen auch jetzt auf zahlreiche vertrauliche Anerbieten rechnen zu können, während bei Ausschreibung eines Konkurses die ohnehin kleine Zahl der Kompetirenden sich noch um alle Jene vermindern würde, die die Furcht, ihr etwa bestehendes AmtSverhältniß zu einer Gemeinde zu lockern und zu gefährden, davon abhalten dürste, sich öffentlich um den zu besetzenden Posten zu bewerben, abgesehen von allen Jenen, die die Würde ihres Amtes in derselben Weise wie das Konntö beurtheilend, sich vom KonknrSwege ein für allemal entfernt zu halten bestimmt fühlten. Und schließlich sollte schon der Weg der Bernfung zu keinem Resultate führen,;0 steht es noch immer frei, zum Konkurse zu greisen, während dies umgekehrt nicht anginge. Wird nun in obenangeführter Weise die Nachricht auf dem Wege der Presse hinreichend verbreitet sein, daß der Vorstand mit Vergnügen jedes ihm gemachte Anerbieten einer eingehenden und gewissenhaften Beurtheilung unterziehen werde, so wird das Komitä auch nicht ermangeln, die Erreichung der ihm vorschwebenden Zwecke durch eine emsige Korrespondenz zu betreiben, und sich somit zum Theile mit bereits besannren, zum Theil erst im Lause der Verhandlungen auftauchenden befähigten Kandidaten, wie auch mit hervorragenden Nabbinen und andern Männern des In- und Auslandes in Berührung setzen, die vermöge ihrer Stellung in der Lage fein könnten, daö KomitS auf den Einen oder Andern aufmerksam zu machen oder betreffende Aufschlüsse zu ertheilen. — Teniesvav, 27. April. Unserer Gemeinde ist es durch n amhafte Opfer gelungen, den Herrn Rafael Mohr auf dem Wege der Vokatiotr für die hiesige Stesie eines Oberkantors zu gewinnen. Die seltene Tenorstimme. der salbungsvolle Vortrag, die gründlichen musikalischen Kenntnisse und der würdige Charakter des Herrn Mohr find Eigenschaften. .welche die Berufung desselben als eine sehr glücklicht Acquisttion erscheinen lassen. Lj Preßburg, im April. Vor Kurzem ist in der hiesigen Buchd rnckerei ,,Siebers Erben" ein gut geschriebenes hebräisches Flugblatt von Sam. Back aus Frelstadrl erschienen, welches die Szikßüer Tendenzen als anwaßlich zurückweist. Es steht jedoch kaum zu erwarten, daß die gutgemeinte Apostrophe auf dieFreunde dieser. Tendenzen einen Ein-, druck machen wird. Szerdahely, im April. Ich kann Ihnen aus zuverlässiger Quelle die Mittheilung machen, daß Herr Juda Att ar, ein sehr gelehrter T almudist aus Jerusalem, der für ein dortiges Bet Ha-Midrasch milde Gaben sammelt, an den hiesigen Rabbiner von Losoncz aus geschrieben habe, daß er die Proteste gegen das Gitter der dortigen Frauenabiheilung in der Synagoge un ge gründet findet. §. Rimaszombat, im April. In Folge höherer Anordnung wird der hiesige Wöchenmarkt nicht mehr am Sabbathe abgehalten werden. Opponirende Stimmen, die sich hie und da vernehmen lassen, werden bei dem humanen Geiste unserer Stadt ganz gewiß nicht durchdringen. Das Finanzministerium hat gestattet, daß^zur Beschaffung der M ittel zum Synagogenbaue in unserer Stadt eine Wohlthättgkeits׳ Lotterie veranstaltet werde. (Ich bitte um Einsendung von 10 Stück Losen. Red.) צ Lemberg, im April. Auch in dem hiesigen isr. Vereine für Bildung und Geselligkeit wurde das Gedächtniß Luzzatto'S ge« feiert und zwar von dem gelehrten und geistreichen Abraham Kohen K r o ch m 0 1. Der Redner zeigte auf eine sehr treffliche Weise, daß Luzzatto, der in manchen Stücke», z. B.Zin Ansehung des Deuterojesajas, den auch von Nachmann Krochwal und S. L. Rapoport vertretenen kritischen Anschauugen mit orthodoxem Eifer eritgegenlrat, dennoch zu den Männern des Fortschrittes und der Reform gezählt werden muß. indem er iurch seine Ansicht von der Mischna und dem Maimonidischen Kodex sich ganz offen zu der fortschreiteuden und reformatorischen Richtung bekannte, und sich auch der Massora gegenüber die eregetische Freiheit zu wahren verstand. Zugleich hob Herr Krochwal hervor,^ daß man bei der Beurtheilung der filoscfischen Richtung LuzzattoS ni cht vergessen dürfe, daß der Vollendete kein Germane, sondern ein Romane war, weshalb das Gegebene und Positive mächtiger und u achhaltiger auf ihn einwirken mußte, als es auf den deutschen Geist ei nzuwirken pflegt. In Wahrheit war Luzzatto ein filosofirender Theolog , kein theologisirender Filosof. Zum Schluffe paralleliflrte der improvisirende Redner seinen Helden mit Herder, mit welchem aber Luzzatto nicht nur die Liebe zum Realen und zum Poetischen gemeinschafllich hatte, sondern auch die entschiedene Abneigung gegen tiefere filosofische Spekulation. A Prag, 19. April. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Wem die Bedeutung dieser Worte der heiligen Schrift, aus welche jener weise Rabbi seine ganze Religion basirte, ״och nicht bekannt gewesen, dem wurde sie gestern Abends ins Herz gelegt, als Herr Prof. Kämpf von heiliger Stätte ihre Bedeutung in vollendeter, meisterhaft beredter Weise bekannt gegeben. Gestern feierte der hiesige isr. Nächstenliebeve rein daö 25. Jahresfefl seines Bestehens. Um die Wirksamkeit des Vereins mit wenigen Worten geschildert zu haben, möge hier erwähnt sein, daß' durch ihn seit seinem Bestehen an 10 930 verschämte HauSarme 46.933 fl. an mildthätigen Spenden vertheilt, und an 963 unbemiltelte Handwerker und Gewerbsleute 47.933 fl. als unverzinsliches Darlehen weggeborgt wurde. Letztere müssen wol selbst die Hilfe des Vereins in Anspruch nehmen, aber den verschämten Arme» wird von den Mitgliedern des Vereins nachgesorscht. dieSpenden werden ihnen in der delikatesten Weise durch die Vorsteher zugestellt in einem verschlossenen mir der Adresse versehenem Couvert, gesiegelt mit der Devise des Vereins ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.« Und diese Spenden bestehen nicht iu einem magern Älmosrn, sondern nach reiflicher Erwägung der Verhält-