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Ben Chananja · 1866-05-02 · 18 (2.5.1866) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
18 (2.5.1866)
Date
1866-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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331 332 damit die vielgepriesene Weisheit der Altvordern nicht in Verruf komme, und man nicht auf den Gedanken gerathe, die älteren Lehrer für befangene Menschen zu halten, die sich von dem Aberglauben ihrer Zeit ganz und gar einnehmen ließen. Solchergestalt befielt die Zauberei ihren Platz in den orthodoxen Gesetzbücher^ bis auf den heutigen Tag. Dies könnte auffallen. Aber man darf nicht unberücksichtiger lassen, daß der exklusive PilpuliSm stets unwissend war über Alles, was die Natur und ihre Erscheinungen betrifft. DaS Schriftwort aber suchte man so auszulegen, daß dadurch der eigenen Leichtgläubigkeit kein Abbruch geschah. Die Thora, so sagte man, verbietet die verschiedenen Arten der Magie deSbalb, weil dieselben nur durch Verbindung mit unsanbern, bösen Geistern geübt werden können. Diese gefährliche Verbindung soll gemieden werden. Dagegen ist eS erlaubt, mit Hilfe reiner, heiliger Formeln den Gang der Natur zu u.ntebrechen und mannifaltige Wunder zu wirken. Im Sinne des Talmuds ist mithin eine doppelte Art von Magie zu unterscheiden: eine erlaubte und eine verbotene, eine heilige und eine dämonische. Ja, unter ge- Wissen Umständen ist sogar der Gebrauch letzterer gestattet. Den Ursprung der dämonischen Magie leitet der Talmud aus Egypten her'), was wol seine Richtigkeit hat"). Merkwürdig ist folgende Anekdote: JanneS und JambreS, die bekannten egyptischen ZaubererG), sprachen zu Mose: Was bringst du Stroh nach Esraim^)? Darauf erwiderte Mose: Man bringt Kraut an den Ort, wo es Absatz findet^). Minder einig, als über den Ursprung der Magie, sind die Rabbinen über den Umfang und die Grenzen ihrer Gewalt. R. Jochanan nimmt an, daß die magischen Kräfte ״die obere Familie, die Engel und Machtboten Gottes schwächen." R. Chanina erklärt hingegen, ihre ganze Wirksamkeit werde durch die Zulassung Gottes bedingt °). Bei den späteren Anhängern der Magie hat R. Jochauaus Meinung das Uebergewicht erhalten 7). Den Wirkungen nach, welche die Magie angeblich hervorbringt, ist dieselbe entweder revelativ, indem sie zukünftige, oder überhaupt solche Dinge offenbart, welche der Mensch vermittelst seines natürlichen ErkenntnißvermögenS nicht zu entdecken und zu ergründen vermag; oder sie ist produktiv, indem sie solche Erscheinungen und Zustande herbeiführt, die die Schranken der natürlichen Gesetzmäßigkeit überschreiten. Auf erstere wünschte ich heute Ihre Aufmerksamkeit zu richten, indem ich mir erlaube, Ihnen einige darauf bezügliche Spezialitäten vorznführen. Was die Zukunft ihm bringen werbe, wünscht wol jeder Mensch vorher zu wissen. Am heißesten wünscht dieö der Unglückliche, der eine bessere Wendung seines Geschickes von der Zukunft erwartet. Nun ist aber das Meiste von dem, was dieje bringt) h'öchst zweifelhaft und ungewiß, und durch keine menschliche Mn^ und Klugheit zu ergründen. Ist es also nicht lescht erkläilich, daß die Furcht, die Hoffnung, die Sorge, der Vorwitz zu übermenschlichen Mitteln ihre Zuflucht nehmen? So dunkel und nnerforschlich indeß auch die Zukunft vor -uns liegt, ko gibt' es doch in vielen Fällen gewisse natürliche Kennzeichen, an denen leicht zu merken ist, waS geschehen und eintreffen werde. Seine Vorzeichen hat der Landwirth, der Arzt, der StatSmann. Häufig kündigt sich das, waS kommt, freilich nicht erst durch Vorzeichen an. Auch entziehen sich diese Zeichen nicht selten den menschlicheu Blicken. Ist es aber nicht leicht begreiflich, daß das von Zweifeln geängstigte Gemüth nach selbstgeschaffenen, künstlichen Kennzeichen greift, wo die natürlichen nicht hinreichen? Wo immer daher Neigung zum Aberglauben vorhanden war,, da fand die Mantik> oder die Kunst, aus gewissen Zeichen, die die Einbildungkraft erfand, künftige Ereignisse zu errathen, viele gläubige Anhänger und Verehrer. Der Talmud kennet verschiedene Arten der Mantik; die Zeichendeuterei im engern Sinne, — Nichusch, Simon, — wollen wir näher betrachten^ DaS Verbot der Zeichendeuterei findet der Talmud in den Worten: לא תנחשו s), welche gewöhnlich auf Schlangendeuterei 0) bezogen werden. Ein Zeichendeuter, sagt die Barajtha 10), ist derjenige^ der künftiges Unglück ahnt, wenn seinem Munde das Brod^ oder seiner Hand der Stock entfällt, wenn ihm ein Hirsch über den Weg läuft, wenn er eine Schlange zur Rechten^ einen Fuchs zur Linken erblickt, oder der es für ein böses Vorzeichen hält, wenn er am Morgen, am Anfänge der Woche oder des Monates Geld ausgeben soll. Neben dieser verbotenen kennt aber der Talmud aucheine erlaubte Deutung gewisser Vorzeichen, an welche sichauch die größten Rabbinen zu binden pflegten. Abba Arekka. oder Rah, der Hauptgründer.,der babylonisch-talmud. Gelehrsamkeit, hielt es für ein günstiges Vorzeichen, wenn ihm ein Schiff entgegenkam. Samuel, der vielgepriesene Astro-- nom und Rechtsgelehrte, legte viel Gewicht auf die Stelle der h. Schrift, die ihm zufällig in die Augen fiel. Der ge-״ feierte R. Jochanan b. Nafcha ließ sich nicht selten durch eine von einem Kinde rezitirte Bibelstelle bestimmen. So un-- terließ er eiust den Besuch seines Freundes Samuel in Babylon, weil er aus dem von einem Kinde rezitirten Schrift- Verse ") schloß, daß Letzterer nicht mehr am Leben sei ,2). DaS^ Ominöse in derlei Schriftversen wurde auch von R. Scheschet: in Nehardea anerkannt'^); ja es wird der Glaube daran״ selbst dem Kaiser Nero zugeschrieben 14). Merkwürdig ist der Streit, welcher sich zwischen Maimonides und den übrigen Kasuisten über die Zeichendeuterei entspvnnen. Elfterer spricht sich folgendermaßen darüber aus: ״Es ist verboten, sich an gewisse Vorzeichen zu binden, als.׳ ״wird mir dies oder jenes widerfahren, werde ich so und fobandeln; wo nicht, werde ich nicht so handeln", wie dies- Elieser, der Knecht Abrahams gethan 15). Und wer auf Grund ähnlicher Dinge handelt, wird als Uebertreter des Gesetzes ,6)י mit Geißelung bestraft '7)." Dagegen bemerkt aber Abr. d. David: ״Das ist ein großer Jrrthum! Denn diese Sache ist ja gestattet und erlaubt. Möglich hat den Verfasser der Ausdruck der Gemara 18) irregeleitet, dem zufolge jede Zeichendeuterei, die nicht der des Elieser und Jonathan'-')׳ gleicht, kein wahres Angurinm sei. Der Verfasser meinte, dieser Ausspruch wolle die Arten der verbotenen Zeichendeuterei andeuten, was aber durchaus nicht der Fall ist; es-.

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