Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 18 (2.5.1866)
- Date
- 1866-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 18. Zlemler Jahrgang. SftefleMn, ilcn 2. Mai 1866. Erscheint jeden Mittwoch 1—2 Bogen stark. Pränumerfttionspreis: Ganzjährig 8 ff.,=:5 Tblr. 10 Sgr., halbj.4fl. — 2Thlr. 20 Sgr., vierteil. 2 fl. öst. W. Man abonnirt im Znnland bei asten Postämtern; im Ans« lande bei Herrn Franz Wagner i» Leipzig; in Wien bei Herrn Herzftld L Lauer (Praterstr.) M MMMM. Vochenbtalt für jüdische Theologie. Herausgeber und Redakteur: . 1,מ1סי1ס0נ ]Löw, Oberrabbiner zu Szegedin. Mit besonderen homiletischen, didaktischen und wissenschaftlich talmudischen Beilagen Inserate, welche in das Fach des Blatt tcS einschlagen, werden angenommen. Die Ispaltige Petitzeile wird bei mehrmaliger Znlertion mir 6 kr., bei einmaliger mit iS kr. berechnet. Stempelgebühc besonders 30 kr. Inserate übernehmen im Anslande Franz Wagner in Leipzig; in Wien HerMdLSaittr* Buchhandlung. Inhalt. Zur talmudischen Mantik. Vorlesung vom Herausgeber. — Zustände der jüdischen Gemeinde in Amsterdam. Von Oberrabbiner I. Kahn. — Korrespondenz. Inland. Wien. Wien. Wien Pest. TemeSvar. Preßburg. Szerdahely. Rimaszombat. Lemberg. Prag.— S ch u lwese n. Pest. Pest. Pest. Arad. — Literarische Anzeigen. Abhandlung über den ersten Untcnicht im Talmud nach den didaktischen Grundsätzeu unserer Zeit. Besprochen vom Herausgeber.-^ Inserate. 3ttrtafmtt&tfdjen 31rat1ti(i *) Eine Vorlesung. Eine gewisse Sehnsucht nach dem Wunderbaren liegt unleugbar im Herzen -es Menschen. Gibt er dieser Sehnsucht blindlings nach, so bildet sich seine Einbildungskraft zuletzt eine Welt, wie sie nirgend wirklich: vorhanden ist; sie ziehet gleichsam gewisse Zauberkreise, und wähnet nun Alles wirklich bezaubert zu sehen. Und je weniger der Mensch von der Natur und ihrer Ordnung weiß, desto geneigter ist er zu glauben, daß diese Ordnung durch geheimnißvolle An- Wendung höherer Kräfte aufgehoben, und der regelmäßige Gang der natürlichen Ereignisse und Phänomene durch übernatürliche Mittel unterbrochen oder geändert werden könne. Während dem gebildeten, offenen Sinne gerade das Natürliche in den Erscheinungen des Weltalls wundervoll erscheint, gehr die rohe Unwissenheit an den Wundern der Schöpfung ungerührt vorüber, um sich desto fester an die Wunder einer Kunst zu klammern, welche sich rühmt, daß sie über die Natur und ihre Gesetze, zu gebieten, und auf das Wohl und Wehe deS Menschen durch übermenschliche Mittel einzuwirken vermöge. , Die Zrrthümer, welche die Priester dieser Kunst verbreiteten, haben immer und überall dem zeitlichen Wohlstände, der Thätigkeit, der Gesundheit, der Gewissenhaftigkeit und der wahren Seelenruhe vielfach geschadet; aber ihre Macht konnte gleichwol weder durch Gesetze und Verbote, noch durch Strafen und.Verfolgungen, sondern nur durch fortgeschrittene Kultur, erweiterte Naturkenntniß und gehobenen Volks¬ *) Da die tatmud. Forschung sich in neuester Zeit anschickt, anch dieser Partie des talmudischen Alterthums ihre Aufmerksamkeit zu scheu« fett, und andererseits die Mantik im nördlichen Ungarn und in P^len ganze Schaaren von Verehrern zäblt, dürfte gegenwärtige, vor nahe an zwanzig Zähren gehaltene Vorlesung auch jetzt mit Interesse gelesen werden. Auf den Spiritism, welcher in Frankreich und Belgien auch jüdische Freunde zählen soll, konnte zu jener Zeit noch keine Rück« ficht genommen werden. Dies wird bei einer andern Gelegenheit ge» schehen. unterricht erschüttert und überwunden werden. Nicht die Heren- Prozesse mit ihren Schrecknissen, sondern die Wissenschaft, mit ihren Ergebnissen haben den Glauben an Zauberei beseitigt. Wie wenig die Gesetzgebung in dieser Beziehung zu leisten vermag, so lange die Unwissenheit deS Volkes Wahn und Aberglauben begünstigt, zeigt die Geschichte des Glaubens an Zauberei im Juventhume am allerdeutlichsten. DaS Gesetz hatte die Zauberei verpönt, und sogar die Todesstrafe darauf gesetzt. Die Profeten eiferten mit allem Nachdrucke dagegen, wie gegen jeden heidnischen Aberglauben. Und dennoch erhielt sich der Glaube des Volkes daran bis in das talmud. Zeitalter hinab, wo derselbe, bereits mit den verschiedenartigsten, griech. und pers., Bestandtheilen vermischt, auch in die Denkweise der Gelehrten drang, nnd in mehrfacher Rücksicht selbst auf die Bestimmungen' der Halacha seinen Einfluß ausübte. Erst als die persischen Juden durch Vermittlung der Araber mit der Wissenschaft der Griechen'' bekannt wurden, wußten sich einzelne Denker von der Furcht vor magischeu Kräften nnd Künsten zn befreien. Ihrem -Beispiele folgten später die jüdischen Jünger arabischer Wissenschaft auf der pyrenäischen Halbinsel, unter denen MaimonideS hoch hervorragt. Er hat sich im 12. Jahrhunderte in Egypten über die Werth- und Bedeutungslosigkeit der Magie in allen ihren Abarten so bestimmt und entschieden ausgesprochen, wie dies fünfhundert Jahre.später Thomasius in Deutschland gethan hat. M. hat diesen seinen Widerspruch gegen deu Talmud folgerecht auch auf dem Gebiete der Halacha geltend gemacht, ohne jedoch damit durchdringen zu können; denn die den Griechen und Arabern widerstehende Orthodorie ließ nicht ab, den Glauben an die übernatürliche. Gewalt der Magie nach wie vor zu bewahren. Ja, was früher nur unmittelbarer, schlichter und naiver Volksglaube gewesen, das suchten später besonders die Kabbalisten durch die' Spekulalion zu vermitteln, und durch scholastische Grübeleien zu rechtfertigen, ungefähr wie Olshausen, Neander und Andere Aehnliches in Bezug auf manche neutestamentliche Erzählungen und Anschauungen zn thnn veMW^^ben. Der Orthodorie waren jene . kabbalistischen ReM^tigungen ebenso willkommen , wie ihr in neueLr Wt Hymbolik der deutschen Romantiker willkommen ma^I^rWbFch auch von Zeit zu Zeit Widerspruch dagegel^Mob^fv war es doch immer die Orthodorie, die treue Erbin rabbanitischer Ueberlieferung, welche den Glauben an Zauberei bald aus naiver Vornirtheit, bald aus kabbalistischer Verschrobenheit, bald wol auch aus dem Grunde nicht, aufgeben mochte.