Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 17 (25.4.1866)
- Date
- 1866-04-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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327 328 «»klingen, wo dieselben Stammworte ebenfalls Uebel bedeuten, brachte mich auf die Vermuthuug, ob nicht etwa da ein semitischer Einfluß sichtbar wäre, welche Vermuthung ich jedoch mit aller gebotenen Reserve dem Urtheile der Kenner anheimstellre. Daß die von mir hervorgehodenen Analogieen von den etymologischen Erklärungen Windischmanns »nd Zustis, die aus Zend- und Sanskritwurzeln beruhen, divergiren müssen, liegt in der Natur der Sache; ich halte noch jetzt meine Hypo« these einer eingehendern Untersuchung werth. Spiegel (Vendidad und Zeitschrift der D. M. G.) bezeichnet einige im Zendterte vorkommenden Worte als semitisch, ja wie ich vor einigen Zähren in der ״A. A. Ztg." gelesen, hat Müller in einer orientalischen Versammlung die Zendnamen der altiranischen Helden auf ihren semitischen Ursprung zurückzuführen gesucht. Allenfalls gehört der fragliche Gegenstand vor ein kompetentereS Forum! -- Die dieSfallfige Verfahrungöweise des Herrn Dr. Lohnt aber gebührend zu qualifiziren, überlasse ich getrost dem Urtheile eines jeden Unbefangenen und werde nunmehr die übrigen Ausstellungen des Verfassers in Kürze beleuchten: 1) Die Erklärung des dunklen Wortes ידקרת (Kid.) durch Gitekrit (so schreibt, wie ich glaube, Windischmann — überhaupt ist die Umschreibung der Zendworte noch sehr schwankend, vrgl. Brockhaus zum Vendidad-Lade), welche paffende Erklärung sich der Zustimmung der Talmudkenner zu erfreuen hatte (Ben Chananja 1865), verwirft Herr Dr. Kohut als ״zusammenhangloses Hineindeutcn" und gibt uns dafür eine ingeniöse Erklärung aus dem Arabischen zum Besten (S. 100). Es ist auch in der That viel einleuchtender, daß der Babylonier R. Zoses sich eher eines arabischen, als eines dort gebräuchlichen persischen Ausdruckes bediente. 2) DaS unverständliche Wort (Semachoth), das ich in Ghüsal-chane ewendirte, glaubt Herr Dr. Kohut in BXID— Skemba oder Skanba — so heißt nämlich der Zadmarg im Zend — gesunden zu haben (S. 100). 3) Die fabelhaften Vögel בר יכנו (Sukah) und אורשנא erklärte ich durch Uar6gko-va6na und Väraghna (bei Anquetil: Eorosch). Die nähere Begründung beliebe man in meinem Aufsatze nachzulesen. Herr Dr. Kohnt perhorreSzirt feierlichst diese ״willkürlichen, mißglückten Koniekturen" und erklärt בר יובנו —Varaghua (S. 101) während er den seiner stoischen Geduld wegen im Talmud berühmten אורשנא auf eine glücklichere Deutung warten läßt. 4) Der sehr dunkle Ausspruch des Talmud- קרש טביא רבו עילאי טגרס אריא דבי עילאי (Cl,ul.) versuchte ich zn erklären und zwar קרש durch Koresch und ט1רם durch Tagur (zwei im Bendchesch erwähnte Gazellengattungen) — eine wie ich mir schmeichle nicht ganz unglückliche Erklärung. Weit gefehlt! Herr Dr. Kohut sagt mir dürren Worten, daß ich diese Stelle ״nicht ganz verstände" und meint קרש mit dem in der Parsenmythologie bekannten riesenhaften dreibeinigen Esel Khara, diesen Khara wiederum als Prototyp des Einhorns oder gar dieses selbst, welches Einhorn wiederum für eine Gazellenart mit gespaltenem Hufe gehalten wurde, identifizircn zu müssen und deutet demnach obige Talmudstelle folgendermaßen: ״Unter Kharas ist zn verstehen eine Gazelle des Waldes und zwar der arische Dreibein ige des Waldes." Den letzten Theil des Satzes faßt er nämllch als Apposition zu dem ersten Satzgliede und liest per Metath. für טגרס טרגםim Sinne des persischen tkrigat—auf Dreien schreite,1b— dreibeinig. אריא ist—arM oder air^a—arisch (S. 102). קרש als היה oder בהמה טהורה in Zusammenhang mit einem dreibeinigen Esel ist allerdings keiuc gewagte Hypothese, dagegen aber maßgebende Halacha.ברוך מתיר אסורים ׳• 5) Meine Erklärung des Wortes סררשנא wird als irrthümlich entschieden verworfen und durch paradüata—welcher zuerst das Gesetz äusübte, ersetzt (S. 103). Nachdem diese Erklärung. wie Herr Dr. Kohut sich bescheidentlich ausdrückt, der Talmudstelle (Sanhedrin) einen schönen Sinn gibt, so dürfen wol die allerdings auffälligen Umstände, daß der Talmud das ihm wolbekannte datds—רת in רש umschrieb und daß ChiSkijahu als ״Einer, der zuerst das Gesetz ausübte" bezeichnet wird, keine Beachtung beanspruchen. 6) Ob des Verfassers Erklärung der Worte mag, bag stichhaltig sei, wage ich nicht zu entscheiden, diese Worte, die Anquetil und * Kleuker nicht enträthseln konnten, glaubte ich in den talmudischen -כ׳קילן בקולן, wo sie ebenso wie im Patet unter Tand und ל8מת verpönt werden, gefunden zu haben und mithin als solche erklären zu dürfen. Dies zu meiner Enschuldigung, wenn es überhaupt einer solchen bedarf. Auf den Vorwurf, mehrere Zend- und Huzvareschworte unrichtig zitirt zu haben (S. 99 k.) muß ich bemerken, baß es nicht allen iüdischer: Setzern und Korrektoren gegönnt ist, aus den primären Seminarquellen zu schöpfen, um sich darnach zu richten, meine desfallfigen Berichtigungen fanden keinen Abdruck mehr, da vor dem Eintreffen derselben der Druck des 7. ChaluzhesteS in Frankfurt beendigt war. Daß ich mich in meinen vornehmlich sachlichen, nicht etymolog. Untersuchungen nach Kleuker gerichtet habe, da wir die auf neuere Sprachforschungen gestützte Spiegel'sche Nebersetzung damals nicht Vorgelegen, glaube ich in meinem Aufsatze ausdrücklich bemerkt zu haben; ich muß aber hinzufügen, daß ich auch jetzt nach genauer Vergleichung aller von mir benützten Avestastellen mit der Spiegel'schen Übersetzung, äußerst wenig zu ändern gefunden habe, indem Anquetil den Sinn, worauf es doch hier hauptsächlich ankömmt, zumeist richtig wiederzugeben wußte. Vrgl. Burnouf (lournal asiaticiuk) und Spiegel (Kommentar zum Vendidad). Ich gedenke aus diesen Gegenstand nächstens zurückzukommen. wo sich mir auch die Gelegenheit bieten dürste, manche neuere Resultate meiner Forschungen auf diesem Gebiete der gelehrten Welt zur Prüfung vorzulegen. Schließlich kann ich noch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß Ton und Haltung in dem gegen meinen Aufsatz speziell gerichteten Nachtrag, der auf S. 105 sogar als ״Entgegnung" (!) bezeichnet wird, eine kleinliche Rancune und eine durch die destruktive Rücksichtslosigkeit (S. 96) des Chaluz hervorgerufene עזות רקרושה nicht verkennen lassen, welcher die Schrift des mir ganz fernstehenden Herrn Dr. Kohut wol nur als Orgau dient. Daß ich gegen meine sonstige Gewohnheit, derartige ohnmächtige Ausfälle mit stillschweigender Verachtung vorübergehen zu lassen, diesmal das Schriftchen des Heren Dr. Kohut einer Berücksichtiigung würdigte, geschah nur, weil dasselbe in der schätzbaren Sammlung ver ״Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes" veröffentlicht wurde. Zu bedauern bleibt es allerdings, daß die verehrte Redaktion dieser ״Abhandlungen" sich veranlaßt fühlen konnte, einer solchen unreifen komvilatorischcn Schularbeit Aufnahme zu gewähren. Wiesbaden. 18. April 1866. OsiaS H. S ch o r r. Bemerkungen. Die Fortsetzung des Amsterdamer Berichtes und mehrere Korrespondenzartikel mußten für die nächste Nummer zurückgelegt werden. lusei’al. X 011 fi u r s. In der Gemeinde Gr.-Kikinda und den angeschloffenen Distrikten »nd Bezirken ist der Rabbinerposten, mit dem ein sirer jährlicher Gehalt von 600 fl. verbunden ist. zu besetzen. Bedingniß ist tadelloser religiöser Lebenswandel, umfassende Kenntniß in allen Branchen des talmudischen und rabbinischen Wissens, sowie ein gediegener Kanzelvortrag. Die Herren Reflektanten, die zu einem Probevortrage zu erscheinen gedenken, müssen sich vorher schriftlich mit Beifügung der nöthigen Belege an den gefertigten Vorstand wenden, der die Reihenfolge bestimmen wird. Spesen werden nur dem Acceptirten ersetzt. Gr.-Kikinda. im April 1866. Der i)[meUiißte Hilltus-Noi'jkmll. Szegediu, Leipzig, Arlbftvrrtag der Uedaktiou. Lommisßons-Vcrlug von Frau; Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szcgedin. Hierzu ein Bogen Beilage: Forschungen Nr. 4.