Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 17 (25.4.1866)
- Date
- 1866-04-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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325 326 ständig gelehrt und ist dabei bcsodcrS aus Ra schi Rücksicht zu nehmen, um die Schüler mit der talmudischen Schriftauslegung zu befreunden. Für den eigentlichen Talmudunterricht muß aber ebenfalls durch eine Chrestomathie der Weg gebahnt werden. Auch hier muß mit punktirten Texten der Anfang gemacht, und zu theilweise punktirten aber interpungirten Texten übergegangen werden, um erst dann Texte der gewöhnlichen Editionen vorzunehmen. Nach Maßgabe des angedeuteten Lehrzieles mußte die talmudische Chrestomathie in ihrem ersten Theile die formale Seite des Talmuds berücksichtigen, um den Schüler in die talmudische Diskussion einzuführen, und denselben zum Selbstlesen anzuleitcn. Die Form tst hier die Hauptsache; die Materie hat nur sekundäre Bedeutung. Erst in einem ziverten Theile müßten die talmudischeu Realien in den Vordergrund treten, und dem praktischen Momente Rechnung getragen werden. Immer müßte aber das Selbstlesen mit und ohne unmittelbare Hilfe des Lehrers die Hauptsache bleiben. Wir hegen die angenehme Hoffnung, daß diese Winke die Aufmerksamkeit von Sachkennern auf sich ziehen, und eine den Gegenstand von allen Seiten beleuchtende Diskussion Hervorrufen werden. (Schluß s.) N e p l i k?) Unter dem Titel: ״Ueber die jüd. Angelologie und Dämonologie in ihrer Abhängigkeit vom Parsismus" hat kürzlich eine Arbeit von Dr. Aler. Kohut, Schüler des Breslauer RabbinerseminarS, in den Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes herausgegeben von der deutschen morgenländ. Gesellschaft, Band IV, Nr. 3 , Aufnahme gefunden. Ich will dem Herrn Verfasser seine allerdings breitspurige BehandlungSweise — indem ein Gegenstand, der in meinem ungefähr 5 Bogen fassenden Aufsätze über den Einfluß des Parsismus auf jüdische Anschauung, Lehre und Satzung (im 7. Hefte des Chaluz) etwa zwei Seiten feinnimmt, bei ihm 96 Seiten ausfüllt — nicht zum Vorwurfe machen, da er auf ein dem rabbinischen Wissen fremdes Publikum Rücksicht zu nehmen hatte; auch verdient die fleißige Benützung älterer, in dieses Fach einschlägiger Arbeiten alle Anerkennung. Leider wurde aber dabei ohne alle kritische Sichtung zu Werke gegangen, auch vermißt man häufig mit Befremden die gewissenhafte Angabe der benützten Schriften, wie bei Nachweisung der Identität von Amschaspands und עירין (S. 6) aus Lengerke (daö Buch Daniel)**); bei Schilderung des ZustandeS der Juden unter den Arsaciden und Sassaniden (S. 11—13) aus Fürst (Geschichte der Juden in Babylonien) und Wiesner (Scholien); bei der Jdentifizirung von מטטרון und Mithra, auf die Herr K. sich sehr zu Gute lhut (S. 39) aus Zipfer (Orient); ebenso bei der Identifizirung von שברירי und Amschaöpand Schahrimer (S. 93—94) aus Krochmal (S'oeh Zofim); bei der Deutung des mnemonischen Zeichens סרוז רשעא (Chulin) aus König Firnz (S. 14) aus Napo- Port und ChajeS (Zgerelh bikoreth); bei der Berichtigung eines Grätzschen Jrrthums (ibid.) aus Ben Chananja (3. Jhrg.) u. dgl. m. Sollte etwa dem Seminarschülcr an ביאת הגואל nicht viel gelegen sein? Daß dem Herrn Dr. Kohut beim Abfassen seiner Monografie, ungeachtet der Nebereinstimmnug in manchen Einzelnheiten. mein erwähnter Aufsatz, welcher, wie er sich (S. 96) auszudrücken beliebt, ״einen in seine Arbeit einschlagenden Stoff behandelt", nicht Vorgelegen sei, will ich ihm auf seine Versicherung gerne glauben, obgleich nach obiger Analogie keine genügende Nothwendigkeit hierzu obwaltet und *) Dem Wunsche des geehrten Hrn. Einsenders entsprechend, haben wir seine Replik unverändert abdrucken lassen; müssen aber unser tiefes Bedauern darüber ausdrücken, daß er das Breslauer Seminar und dessen gelehrten und verdienstvollen Direktor mit in den literarischen Streit hineingezogen hat. DaS Seminar ist zunächst ein prakt. Institut. Daß es diesem seinem Zwecke völlkommen entspricht, beweist der Umstand, daß die Zöglinge desselben von gebildeten Gemeinden mit offenen Armen ausgenommen werden. und daö in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen. Red. **) Da ich bei Abfassung dieses Referates ohne alle nöthigen literarischen Hilfsmittel bin und nur aus dem Gedächtnisse zitire, wird wol der geneigte Leser etwaige kleinere Versehen, wie auch die Unterlassung genauerer Zitateu-Angaben entschuldigen. dies umsoweniger, nachdem er aus dem 2. Hefte des Chaluz sich meine Berichtigung eines Rapoport schen Jrrthums stillschweigend aneignet (S. 79). — Die so bestimmt hingestellte Behauptung, daß der Parsismus auf die Halacha von gar keinem Einflüsse gewesen kei (S. 15), wovon ich das Gegentheil in meiner Abhandlung durch cklas tante Belege dargethan zu haben glaube, wäre geradezu unbegreiflich, wenn sie nicht in dem bekannten beschränkten Standpunkt des Seminars ihre hinreichende Erklärung fände, und sollte doch meiner Ansicht nach die freie ehrliche Forschung sich durch theologische Bedenken nicht beirren lassen. Allerdings ist für Herrn Kohut eine Entschuldigung in dem Umstände zu finden? זכריה לא שנה אלכסנדר כונין לו daß es aber mit dem talmudischen Wissen des Ersteren nicht weit her sei, habe ich bereits Veranlassung gehabt zu zeigen und soll noch in den nächsten Chaluzheften dargethan werden. Für Herrn Dr. KohutS talmudische Kompetenz mögen folgende Proben sprechen : נוטל רשות ונוטל נשמה (יומ^ס wird übersetzt mit: Er (Satan) ermächtigt sich, die Seele zu nehmen (S. 66) anstatt: Er holt sich die Ermächtigung (von Gott) und (erst dann) nimmt er die Seele. Der Sinn dieser Stelle rst offenbar, die Abhän, gigkeit des Satans zu manifestiren. Ebenso wird eine Stelle im Sauhedrin dahin gedeutet, daß מטטרון — gleich Mithra — ein unversöhnlicher Rächer sei, der den Abfall von Gott nicht verzeihe (S. 41) während aus dem ganzen Zusammenhänge der wahre Sinn hervorgehl, daß מטטרון gar nicht die Macht hat, Sünden zu verzeihen. Der etwa folgendermaßen kautende Passus: )אמרו עליו על סנרלפון שהוא גבוה מהבריו המש מ?אות שנה wird übersetzt: Dieser Engel heißt daher סנרלפון er überragt die andern Engel rc. (S. 43). דאמר מר הושיט אצבעז ביניהם ושרפן (Sanhedrm in Bezug auf eine Stelle in Juma) übersetzt Herr Dr. Kohut: denn so lehrte Mar. (S. 33) Mögen diese Pröbchen der talmudischen Gelehrsamkeit eines angehenden Rabbiners für jetzt genügen! Daß der Verfasser nur aus den, wie bekannt im Seminar reichlich fließenden ״primären Quellen" geschöpft haben will, (S. 36) wird Niemand überraschen, wol aber, daß ihm Jalkut Rubcni und Jalkut Chadasch, spätere zumeist kabbalistische Sammelserien, als primär gelten, (S. 32 und 38). Wo, selbst in den spätesten Agadoth, findet sich, daß der Todtenmächte drei sind und daß sie nicht in eigener Person, sondern durch Boten nach den Seelen der Menschen auSgchen? In welcher primären Quelle fand er, daß Gabriel אטמון heißt (S. 30)? Im Talmud (Sanhedrin) steht ja nur רוח פסקנית worunter 'nach Raschi (bei ihm oft trotz Zunz Jarchi genannt (S. 12. 16. 18) Gabriel zu verstehen ist, während Andere Michael oder Metatron gemeint wissen wollen (Tako in Klhab Tamim). Weit befremdlicher als alles Obige dürfte man indeß finden, daß Herr Dr. Kohut nach Bekanntwerden meiner Abhandlung nicht nur dle von ihm theils als eigene Ansicht aufgeftellkcn, theilS aus älteren Quellen entlehnten irrigen Annahmen unberichtigt gelassen hat (z. B. in Betreff des Zustandes der Juden unter der Saffanidenherrschaft (S. 12) פרוז רשיעא (S. 13)*%יונתן שח wo die Talmudstelle Jebamolh): אר חנינא אמר לי יונתן שירא בבואה איח ליה falsch übersetzt ist: Mir sagte Jonathan der Schcd (!): die Schedim (?) haben wol ein Abbild (S. 52) u. dgl., sondern auch einen 10 Seiten langen Nachtrag zu hämischen Ausfällen gegen meine Forschungen benützt, wobei er eine von mir ausdrücklich als Hypothese geäußerte Ansicht in Betreff der Dewsnamen mir als positive Behauptung unterstellt und seine wie immer aus Justi,^Windischmann, Buruonf, Spiegel, Hang rc., wenn auch mitunter ohne Namensangabe geschöpfte etymologische Gelehrsamkeit mit Ostentation auskcamt. *) Die etymologische Untersuchung in Windischmanns zoroastrischen Studien war mir zur Genüge bekannt und gerade sein gründlicher Nachweis, daß die Namen der DewS Dähnka, Akomans rc. Uebel bedeuten, was ich auch im Talmud angedeutet fand, wie die überraschende Wahrnehmung, daß diese Benennungen fast durchwegs dem Aramäischen oder Hebräischen *) Wie der Vers, auf S. 48 רומה mit DLHmnnn identifiziren könnte, nachdem ihm die richtige Bedeutung des letztern Wortes ans Spiegel (Vendidad) und Hang (Die 5 Gathas) bekannt sein mußte, ist mir unbegreiflich. Ich meinerseits acceptire nunmehr die Anficht Dozys (Die Israeliten in Mekka).